David Bowie: Five Years 1969-1973/Re: Call 1

David Bowie: Five Years 1969-1973/ Re: Call 1

Warner

VÖ: 18.09.2015

 

Wertung: 9/12 (Re: Call 1)

 

Es ist schon einigermaßen überraschend, dass das Komplettwerk von David Bowie noch nicht so gewürdigt wurde, wie es eigentlich hätte sein sollen und können. Das Pop-Genie hat zweifelsohne als einer der ersten Künstler erkannt, wie sich das Musikgeschäft gewandelt hat und so wurden seine Alben immer wieder in den verschiedensten Konfigurationen veröffentlicht. Es wurden auch schon diverse Boxen von David Bowie auf den Markt geschmissen, aber erst jetzt fällt der Startschuss zu einer umfangreichen Serie, die gerade für die Fans – und davon gibt es bekanntlich eine ganze Menge – ein paar besondere Schmankerl bereithalten wird. Den Anfang macht nun die Box „Five Years 1969-1973“. Dieses feine Teil erscheint als 12-CD- bzw. 13-Vinyl-LP (180g)-Box. Selbstverständlich wird die ganze Sause auch digital veröffentlicht.

 

„Five Years 1969-1973″ besteht aus den ersten sechs Bowie-Alben von „Space Oddity“ bis „Pin-Ups“, zwei Live-Alben („Live in Santa Monica“ und das Doppelalbum „Ziggy Stardust: The Motion Picture Soundtrack“) und zwei zusätzlichen CDs mit Non-Album-Singles, Single-Versionen und B-Seiten. Zum Paket gehören auch ein 80-120 (je nach Format) Seiten starkes Booklet mit einführenden Worten von Kinks-Mastermind Ray Davies, Kommentaren von Producer Tony Visconti und Ton-Ingenieur Ken Scott sowie jeder Menge selten gezeigter Fotos. Hier gibt es also sämtliches Material welches zwischen 1969 und 1973 offiziell veröffentlicht wurde. Ein nicht gerader kleiner Anteil der Tracks wurde nie zuvor auf CD bzw. als Download veröffentlicht. Bei den Versionen der Alben „Space Oddity“, „The Man Who Sold The World“, „Hunky Dory“ und „PinUps!“ handelt es sich um neu remasterte Versionen.

 

Diese Tatsachen – besonders was die Aufmachung und das Booklet betrifft – sind ja schon Kaufargument genug, gleichwohl die Komplettbox nicht ganz billig ist, aber das gewichtigste Argument dürfte die neu zusammengestellte 2-Disc-Compilation von Non-Album-Singles, Single-Versionen und B-Seiten mit dem Titel "Re: Call 1" sein. Hier kriegen selbst die Hardcore-Fans noch einige Songs präsentiert, die man entweder nur über die einschlägigen Portale im Original zu heftigen Kursen erwerben kann oder die gänzlich unveröffentlicht sind. Der Single-Edit von „All The Madmen“ wurde seinerzeit für den US-Markt angefertigt, verschwand aber dann im Schrank. „Holy Holy“ wurde 1971 nur als Mercury-Single veröffentlicht und dann nie wieder! Wer das Teil haben möchte, muss richtig tief in die Tasche greifen. Von „The Rise and Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“ gibt es in dieser Box einen exklusiven Ken Scott Remix von 2003! Da wurden also ein paar feine Sachen ausgegraben, aber das ist natürlich nur die Sperrspitze dieser Veröffentlichung.

 

Ob die vier neu remasterten Alben klanglich nun noch mal eine Offenbarung darstellen, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden, da die Komplettbox zur Besprechung nicht vorliegt. Bisher hat Bowie aber immer wieder die technischen Möglichkeiten der jeweiligen Zeit genutzt oder nutzen lassen, um seine Alben auf den neusten Stand zu bringen und dann noch mal zu veröffentlichen. Von „Space Oddity“, „The Man Who Sold The World“, „Hunky Dory“ und „PinUps“ gibt es schon hervorragende Remaster. Ob es da noch die Remaster von 2015 braucht? Da man sich dafür entschieden hat, wird man die Alben klanglich sicher noch mal neu erleben können. Bowie ist eben ein Fuchs.

 

Freundlicherweise wurde uns die 2-Disc-Compilation von Non-Album-Singles, Single Versionen und B-Seiten mit dem Titel "Re: Call 1" zur Verfügung gestellt. Die Hardcore-Fans haben daraus zwar schon einiges im Schrein stehen, aber eben nicht alles und auch nicht in dieser geballten Form! Bei manchen Nummern handelt es sich sowieso um gesuchte Sammlerstücke! Den Anfang macht – logischerweise muss man da schon sagen - „Space Oddity“. Hierbei handelt es sich um den UK Mono Single Edit. Die Version wurde schon mehrfach veröffentlicht und auch die Original UK Mono Single Version von „Wild Eyed Boy From Freecloud“ ist nicht gänzlich unbekannt. „Space Oddity“ auf italienisch zu hören ist dagegen für manch einen sicher durchaus neu. Diese Version, die Bowie im Dezember 69 aufgenommen hat, wurde auf dem Album „Rare“ veröffentlicht, welches aber wiederum nicht für den amerikanischen Markt zur Verfügung stand, insofern eine Rarität. Der Text, der von Mogol in das Italienische übersetzt wurde, hat mit dem Original wenig zu tun. Diese charmante Version ist nicht nur für Sammler und Komplettisten eine schöne Geschichte.

 

„The Prettiest Star“ in der Mono Single Version ist noch nicht der ganz große Wurf von Bowie. Regelrecht schlagereske schleicht sich das Stück in die Ohren. Lediglich das andauernde und sich wiederholende Gitarrensolo ist ganz nett. Aber genau darum geht es ja bei solchen Geschichten – die Entwicklung des Künstlers zu verfolgen. „Conversation Piece“ ist zwischen Country und Folk angesiedelt, während die beiden Aufnahmen von „Memory Of A Free Festival“ zumindest erahnen lassen, dass Bowie offen für alle Arten von Experimente ist.

 

Es ist schön, dass die Version von „All The Madmen“, die für den US-Markt aufgenommen wurde, nun endlich veröffentlicht wird. Das Stück ist von der Grundstruktur natürlich bekannt, es wäre aber schade, wenn es für immer im Schrank verschwunden wäre. In dieser Box macht das natürlich mehr als Sinn. Logisch, dass sich da „Janine“ anschließen muss. Mit „Holy Holy“ folgt dann die nächste Rarität, da der Track nur auf einer Single veröffentlicht wurde, dann aber seltsamerweise nie wieder. Nie wieder? So ganz stimmt das aber nicht, denn Rykodisc brachte „The Man Who Sold The World“ 1990 erneut raus und da war „Holy Holy“ als Bonustrack vertreten. Der Song, der T-Rex nicht unähnlich ist, wurde auch noch mal auf der Bonus-Disc der 30th Anniversary Edition von „Ziggy Stardust“ im Jahr 2002 veröffentlicht, hier natürlich als Remaster und auf der zweiten CD vertreten. Die Mono-Version, die hier auf der Box gepackt wurde, ist somit seit 71 tatsächlich im Schrank verschwunden. Letztlich eine Sache für Spezialisten.

 

Heimlicher Höhepunkt der zweiten CD ist „Amsterdam“! Die Bowie-Adaption des Jacques Brel Songs unterstreicht ganz dick, dass der gute David einfach ein herausragender Sänger (Refrain) und Erzähler (Strophen) ist! Seine Interpretation ist ganz groß und berührend. Wurde bisher schon auf unterschiedliche Art und Weise immer mal wieder veröffentlicht. „Andy Warhol“ ist ja ebenfalls bekannt, hier als Mono Single-Version, ist eine weitere tolle Zusammenarbeit zwischen David Bowie und Mick Ronson. Besonders der Refrain lässt einen nicht mehr los. Ansonsten unterstreicht die zweite Raritäten-CD, dass der Mann schon in diesem frühen Stadium seiner Karriere einige Welthits im Gepäck hatte. Von „Starman“ gibt es den ursprünglichen Single-Mix zu hören, „John, I´m Only Dancing“ liegt ebenfalls in der Single-Version, aber auch in der Sax-Version vor. Letztere ist da durchaus die intensivere und bessere Wahl. Den Abschluss gibt es – wie könnte es anders sein? - mit „Velvet Goldmine“. Die Single-B-Seite der Reissue von „Space Oddity“ erlangte ja schon alleine durch den gleichnamige Film Ruhm und Ehre.

 

Fazit: Wer jetzt erst anfängt eine David Bowie-Sammlung aufzubauen, wird mit der Box „Five Years 1969 -1973“ einen perfekten Einstieg in die Anfänge des Meisters erhalten. Fans greifen hier sowieso zu. Besonderes Augenmerk dürfte da auf der „Re: Call 1“ Doppel-Disc-Compilation liegen. Da werden einige gesuchte Raritäten und Schmankerl untergebracht, die auch noch nicht jeder Fan im Schrank hat. Weitere Boxen werden folgen und am Ende wird man eine ziemlich umfassende Bowie-Musiksammlung in den Händen halten, die ihresgleichen sucht!

 

http://www.davidbowie.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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David Bowie: Nothing Has Changed

David Bowie: Nothing Has Changed (3 CDs)

Parlophone/Warner

VÖ: 14.11.2014

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Im September wurde gerade noch eine Sammlung von Bowie-Songs auf vier CDs veröffentlicht. „Sound + Vision“ erblickte dabei freilich nicht zum ersten Mal das Licht der Verkaufstheken. Diese Zusammenstellung war und ist aber sowieso eher etwas für Spezialisten und hat nicht unbedingt den Charakter einer „Best Of“. Im Jahre 2002 wurde unter diesem Banner allerdings schon mal eine vorzügliche Songsammlung veröffentlicht. Erwähnens- und sehenswert ist da in erster Linie die DVD, welche die Videos und noch einiges mehr enthielt. Macht „Nothing Has Changed“ nun überhaupt Sinn? Ja - wie eigentlich alles bei Bowie! Bowie wäre ja nicht Bowie, wenn das vorliegende Set nicht wieder anders wäre. „Nothing Has Changed“ umfasst immerhin die Jahre 1964-2014!

 

Und natürlich gibt es auf „Nothing Has Changed“ auch noch jede Menge zu entdecken und das liegt nicht nur an dem neuen Song „Sue (Or In A Season Of Crime)“. Mit „Let Me Sleep Beside You“ gibt es ja auch noch einen unveröffentlichten Song zu hören. Das ist aber noch lange nicht alles, später mehr. Die Optik ist ja mal wieder göttlich. Der Pappschuber ist zweigeteilt und hält links und rechts jeweils eine eigene, vollständige CD mit Hülle und Cover bereit. Es dürfte sich ja mittlerweile herumgesprochen haben, dass jedes Format ein anderes Covermotiv zeigt. Dafür zeichnet sich übrigens erneut Barnbrook verantwortlich. Das verbindende Motiv ist ein Foto von Bowie, der in einen Spiegel blickt. Aus den verschiedenen Epochen hat man nun derartige Fotos vom Meister zusammengetragen und ein jedes ist nun ein Covermotiv. Klappt man nun den Pappschuber auf, dann findet man im Inneren die übrigen Motive wieder. Zusätzlich sind die beiden CDs dieser Edition (Einzel- und Doppel-CD) jeweils mit einem eigenen Booklet ausgestattet. Dort kann man dann auch noch mal die wichtigsten Informationen zu den einzelnen Songs nachlesen. Unter dem Strich wurde die Optik, aber auch der Inhalt wunderbar gestaltet.

 

„Sue (Or In A Season Of Crime)“ ist der neue Song, auf den sich nun alles stürzen wird. Bowie hat das Stück mit seinem langjährigen Partner Tony Visconti exklusiv für diese Zusammenstellung aufgenommen. Eingespielt wurde der Track zusammen mit dem Maria Schneider Orchestra. Die Bandleaderin einer der führenden Big Bands der USA hat sich auch gleich noch um das Arrangement gekümmert. „Sue (Or In A Season Of Crime)“ ist typisch Bowie. Dies ist in erster Linie darin begründet, dass das Stück so ungewöhnlich ist. Das hätte auch gut in seine Berlin-Phase gepasst. Fast logisch, dass sich „Where Are We Now?“ daran anschließt. Donny McCaslin als Solo-Tenorsaxophonist und Ryan Keberle als Solo-Posaunist verleihen „Sue“ eine düstere, bedrohliche und verstörende Atmosphäre. Darüber singt Bowie mit seiner markanten Stimme und gibt dem Stück eine beängstigende Aura. Es mag von einem Big Band Orchester eingespielt sein, in letzter Konsequenz ist dies aber das Jazzmeisterwerk von Bowie!

 

Auf die Edits der bekannten Songs folgt an achter Stelle der ersten CD mit „Let Me Sleep Beside You“ ein unveröffentlichter Song, der für das ebenfalls nicht veröffentlichte Album „Toy“ im Jahre 2000 neu aufgenommen wurde (die ursprüngliche Version datiert von 1974). Der Song ist wesentlich zugänglicher und zwischen Pop und Rock auch mit einem großen Wiedererkennungswert ausgestattet. „Shadow Man“ hat Bowie-Fans schon viel Geld aus der Tasche gelockt. Die ursprüngliche Fassung von 1971 blieb unfertig und somit natürlich auch unveröffentlicht. 2002 wurde der Song als B-Seite von „Slow Burn“ veröffentlicht, sowie auf der 2-CD Special Edition von „Heathen“. Beides verschwand aber schnell wieder vom Markt. „Shadow Man“ ist eine wundervolle Ballade, die vom Klavier und der Stimme getragen wird. Erinnerungen an „Life On Mars?“ werden da wach. Mit dem wundervollen „You Turn To Drive“ wird nun auch endlich eine Lücke geschlossen, denn ursprünglich wurde die Nummer nur als Download-Track angeboten – kostenlos. „Wild Is The Wind (2010 Harry Maslin Mix)“ wird nun ebenfalls erstmalig auf CD veröffentlicht. Der unveröffentlichte Stereo Mix von „All The Young Dudes“ erfüllt endlich mal die Fanwünsche! Dieser Welthit hat es verdient in dieser Form das Licht der Welt zu erblicken! Großartig!

 

Man ist sowieso um Exklusivität bemüht. Dies gilt für „Spaceboy“ mit den Pet Shop Boys, wie auch das völlig zu Unrecht verschmähte „Buddha Of Surburbia“ in seinem folkigen Gewand. „Jump They Say“ von „Black Tie White Noise“ hat sicher auch nicht jeder im Schrank stehen. Natürlich kommen auch die Hitsammler auf ihre Kosten, die sich diese „Best Of“ genau aus diesen Gründen zulegen. Von „Dancing In The Street“ über „Loving The Alien“, „Blue Jean“ und „China Girl“ kommen die Mainstreamhörer da zum Zuge. Bowie hatte auch immer mal wieder erschreckende Phasen, wo er etwas ziellos schien und eben dann das Poppublikum mit Nichtigkeiten bediente. Es sei ihm gegönnt und so mancher Hit fiel da eben auch ab. An „Let´s Dance“ werden sich wohl auch auf ewig die Geister scheiden.

 

Seine Großtaten sind selbstverständlich auch enthalten. „Scary Monsters“ hat man in der Single Version ausgegraben. Selbiges gilt für das formvollendete „Ashes To Ashes“. Gänsehaut – immer noch! „Under Pressure“ mit Queen gibt es immerhin in der 2011er Remaster-Version zu hören. Schade, dass man „Heroes“ nicht in dieser epischen Variante mit deutschem Text auf diese Zusammenstellung gepackt hat. Die dritte CD startet mit einem überragenden Hitfeuerwerk, bestehend aus „Fame“, „Young Americans“, Diamond Dogs“ und „Rebel Rebel“. Letzteres hat sogar so manche Punkband inspiriert und Iggy Pop hat vor Urzeiten das Ding ja auch gerne mal ausgepackt. Zum Niederknien ist der schon erwähnte Stereo-Mix von „All The Young Dudes“. Für das Dreierpaket „Ziggy Stardust“, „Starman“ im ursprünglichen Single Mix und „Life On Mars?“ im 2003er Gewand, welches auf der 40th Anniversary 7“ Picture Disc 2013 veröffentlicht wurde, würden andere Musiker Haus, Hof, die eigene Mutter und die Oma verkaufen. Und jetzt mal ehrlich, wer – Hardcorefans ausgenommen – kennt denn „Silly Boy Blue“, „Can´t Help Thinking About Me“, „You´ve Got A Habit Of Leaving“ und „Liza Jane“ im typischen 60er-Gewand? Insofern ist „Nothing Has Changed“ auch eine Fundgrube und wer genau aufgepasst hat, wird festgestellt haben, dass die musikalische Geschichte von Bowie vom Hier und Jetzt bis zu seinen Anfängen rückwärts erzählt wird. Nicht umsonst schließt das Booklet mit „Everything Has Changed“.

 

Fazit: Es gibt „Best Of“- und „Greatest Hits“-Zusammenstellung von Musikern wie der berühmte Sand am Meer und dann gibt es solche Geschichten von David Bowie. „Nothing Has Changed“ ist ja nun nicht die erste Werkschau des Meisters und doch schafft man es hiermit wieder zu überzeugen. Die Haptik ist sehr stimmig und auch der Inhalt kann überzeugen und vermittelt sogar mal wieder das Gefühl von Exklusivität. Für „Nothing Has Changed“ wurde erneut die Schatztruhe geöffnet und selbst für Beinhartfans gibt es hier noch neue Dinge zu entdecken. Hut ab, derart überraschen und durch Qualität überzeugen kann nur Bowie und das unterscheidet diesen Künstlern eben von allen anderen!

 

http://davidbowie.com/nhc/

 

Text: Torsten Schlimbach

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David Bowie: Sound + Vision (4 CDs)

David Bowie: Sound + Vision (4 CDs)

Warner

VÖ: 19.09.2014

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Manchmal kann man sich nur wundern. Ein Blick auf den Kalender bringt ab und an aber doch etwas Licht in die Dunkelheit. Es dauert ja dann doch nicht mehr so lange, bis der Weihnachtswahnsinn losgeht. Das Musikgeschäft wirft so langsam auch den Motor an und so kann man sich wieder über jede Menge - manchmal mehr, manchmal weniger - brauchbare Zusammenstellungen freuen. Von David Bowie wird es derer gleich zwei geben. Dazwischen liegen nicht mal zwei Monate. Den Anfang macht nun „Sound + Vision“ und im November folgt dann „Nothing Has Changed“, eine Art „Best Of“, die auch sein letztes Werk berücksichtigt. Perfekt wäre es gewesen, wenn man auf „Sound + Vision“ die fehlenden Songs von „Nothing Has Changed“ gepackt hätte. Zugegeben, dies wäre eine Menge Material, da die Überschneidungen sehr gering sind. Trotzdem ist „Sound + Vision“ in diesem Segment eine der besten Zusammenstellungen, die je veröffentlicht wurden.

 

„Sound + Vision“ hat ja schon eine lange Geschichte hinter sich. Erstmals wurde das Teil Ende der 80er veröffentlicht und das auch noch als üppige LP-Box mit gleich sechs Platten! Auf MC konnte man das wahlweise auch erwerben, hier waren es dann vier Kassetten. Eine CD-Box wurde auch noch auf den Markt geschmissen, dazu gab es dann noch eine Video-CD(!). Danach ging es dann munter weiter. Ende der 90er gab es von der Box eine klanglich verbesserte Ausgabe. Unantastbar ist wohl die Veröffentlichung von RYKO Analogue! Damit war das Ende der Fahnenstange aber längst nicht erreicht und 2003 unterzog man die Geschichte noch mal einem Remastering und fügte eine vierte CD bei. Was soll nun jetzt die erneute Veröffentlichung? Klanglich ist da in der Vergangenheit alles rausgeholt worden, mehr geht – unter Berücksichtigung des technischen Fortschritts und des Alters des Materials (teilweise) – eher nicht. Auf das letzte Remastering wurde dann auch hier zurückgegriffen.

 

Otpisch erscheint diese Box leicht antiquiert. So ein kleines, dickes Ding wird ja eigentlich nicht mehr in den Laden gestellt. Immerhin gibt es noch den Pappschuber als weiteren Schutz. Das Booklet ist wie eh und je eine Offenbarung. Gut, für die Informationen der einzelnen Songs braucht man zwar fast schon wieder eine Lupe, aber der ansprechende Text und die Liner Notes von Kurt Loder aus dem Jahre 2003 sind schon allererste Sahne. Viele Fotos aus den verschiedenen Karrierestationen des Pop-Chamäleons sind dann das Sahnehäubchen.

 

Inhaltlich ist das Ding sowieso nicht diskutabel, da es schlichtweg brillant ist und seinerzeit Maßstäbe setzte. Abgedeckt werden hier die Jahre 1969-1993. Man darf sich jetzt allerdings nicht mit den großen Hits dieser Zeit aufhalten. Davon sind hier zwar auch etliche zu finden, aber es fehlen doch eine ganze Menge. Dafür bietet „Sound + Vision“ in klanglich sehr guter Qualität einen Streifzug durch die Raritätenkiste von David Bowie. So manches obskure Schmankerl wurde da ausgegraben und da ist es absolut konsequent, dass man dafür einige Klassiker geopfert hat – die gibt es dann eben auf anderen Compilations! „Sound + Vision“ zeigt und unterstreicht die Vielseitig- und Wandelbarkeit von Bowie. Und ja, auch die Phase mit Tin Machine wird abgedeckt! Diese wird sonst ja gerne unter den Teppich gekehrt, da man dies gemeinhin als Vollkatastrophe betrachtet. So schlimm sind die Songs aber nicht und selbige fügen sich ganz wunderbar in sein 80er-Schaffen und den Aufbruch zu neuen Ufern Anfang der 90er ein.

 

Die Reise starte konsequenterweise mit dem Demo von „Space Oddity“. Dies war natürlich nicht der erste Song – die fehlen aus vertraglichen Gründen - von David Bowie, aber trotzdem ist das der perfekte Einstieg in dieses Set. Von „John, I´m Only Dancing“ gibt es eine famose Saxofon-Version und natürlich darf „Ziggy Stardust“ nicht fehlen – liegt live vor. Überhaupt sind die vielen Livesongs eine wunderbare Ergänzung, denn auf der Bühne war der Mann stets ein ganz Großer seiner Zunft. So Dinge wie „Baal's Hymn“ kann man getrost unter Kuriositäten-Kabinett verbuchen. Den vielen Bowie-Jüngern treibt das immer noch die Tränchen in die Augen! Dazu zählt sicher auch sein Soundtrack-Beitrag zu Paul Schraders Remake von „Cat People“. Die vielen Edits und Singles-Versionen erlangten sowieso eine größere Popularität als die eigentlich offiziellen Veröffentlichungen. Der Hammer ist das dreier Livepaket mit „Station To Station“, „Warszawa“ und „Breaking Glass“. Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt. Über „Dead Against It“ breitet man besser den Mantel des Schweigens aus. Aber dafür macht die deutsche, sehr erhabene Version von „Helden/Heroes“ ja alles wieder wett. Episch!

 

Diese Box unterstreicht auch sehr deutlich, dass David Bowie nie auf eine Schublade festgelegt war und es keine Kontinuität in seinem Schaffen gab. Manchmal herrschte da auch Ebbe, aber dann kam eben Brian Eno mit einer Idee an oder Bowie lieh sich bei anderen Künstlern Teile aus. Er machte ja auch nie einen Hehl daraus, wo er sich seine Inspiration holte. Schreibblockaden konnte er immer wieder geschickt ausblenden. David Bowie war stets ein Forscher, ein Suchender und von alledem erzählt „Sound + Vision“ auf spektakuläre Art und Weise!

 

Fazit: Die regulären Studioalben von David Bowie unterlagen oftmals einem Konzept und auch heute noch ist ein großer Teil als bahnbrechend und wegweisend zu bezeichnen. Dem wahnwitzigen Künstler David Bowie kommt man aber vermutlich eher nahe, wenn man sich „Sound + Vision“ in Gänze anhört. Der ganze Irrsinn, der komplette Forscherdrang, der Hang zum Obskuren, die Lust auf Neues, die Gabe Krusten aufzubrechen – all das kann man nur auf „Sound + Vision“ zusammenhängend erleben. Da wurde die Schatzkiste ganz weit geöffnet und diese Box gehört in jede gut sortierte Musiksammlung. In jede Fansammlung sowieso! Essenziell – immer noch! Und das für 22 Euro! Alle anderen warten auf „Nothing Has Changed“

 

http://www.davidbowie.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

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David Bowie: Zeit! 77 – 79

David Bowie: Zeit! 77 – 79

EMI

VÖ: 03.05.2013

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

David Bowie ist dieses Jahr mit „The Next Day“ phänomenal zurückgekehrt und hat seinen verwaisten Thron wieder bestiegen. Der König ist also wieder da und in aller Munde, eine gute Zeit also den ganzen Hype noch ein bisschen auszunutzen. EMI veröffentlicht nun eine Box, die die Welt eigentlich nicht braucht und doch werden sich die ganzen Jäger und Sammler das Teil natürlich in den Schrein stellen. Mit „Zeit! 77 – 79“ will man nun auch noch mal ein großes Stück vom Geldkuchen abgreifen. Verwerflich ist dies freilich nicht, denn von Herrn Bowie wird der Backkatalog ja sowieso alle paar Jahre wieder neu aufgelegt oder überarbeitet. Es dürfte keinen zweiten Künstler geben, bei dem das in dieser schönen Regelmäßigkeit der Fall ist. Auf der anderen Seite wächst ja auch ständig eine neue Fangeneration nach und die kriegt jetzt mit dem Paket „Zeit! 77 – 79“ eben ein sehr stimmiges Teil geboten. Immerhin hat man sich bei dieser Zusammenstellung etwas gedacht, denn hierbei handelt es sich um die legendären Alben der Berlin Ära – die sogenannte Berlin-Trilogie!

 

Die Aufmachung der Box ist – so ehrlich muss man schon sein – ziemlich enttäuschend. Eigentlich verdient das Ding nicht mal den Namen Box, denn letztlich das eine Pappschachtel, die oben offen ist um die einzelnen CDs hineinzuschieben. Mehr nicht! Der Preis von knapp 19 Euro reißt es dann wieder raus. Abgesehen davon sind die CDs natürlich komplett, sprich mit vollständigem Booklet und in der Aufmachung die vor Jahren aufgelegt wurde. Insofern gibt es gerade für Neueinsteiger nichts zu meckern, da man sich für relativ wenig Taler einen nicht unwichtigen Teil des Bowie Schaffens nach Hause holen kann!

 

Den Einstieg gibt es mit „Low“, jenem Album, welches mittlerweile von vielen Mythen, Legenden und Anekdoten begleitet wird. Um die Entstehungsgeschichte der einzelnen Songs ranken sich derart viele und abstruse Geschichten, dass selbige schon fast wieder der Wahrheit entsprechen müssen! „Warszawa“ wurde beispielsweise zu einem nicht unwesentlichen Teil von Brian Eno auf den Weg gebracht, der wiederum durch den vierjährigen(!) Sohn von Tony Visconti inspiriert wurde, als dieser am Piano immer und immer wieder A, B und C loopte - Sachen gibt es. Bowie selber stolperte mit Iggy Pop durch den Osten und war höchst fasziniert von dem Anblick, der sich ihm dort bot. Der Kokain-Entzug trug wohl mehr zur düsteren Stimmung bei, als gemeinhin kolportiert wird. Andere Dinge lesen sich natürlich auch wesentlich besser. Zusammen mit Iggy Pop bildete er eine der verwegensten WGs überhaupt. Gemeinsam hausten die beiden in einem Drecksloch in Berlin-Schöneberg. Songs der instrumentalen B-Seite von „Low“ mögen schon in Fragmenten vorhanden gewesen sein, aber erst hier kriegten sie ihren bedrückenden Feinschliff. Dem gegenüber stehen die poppig und gesungenen Tracks wie „Speed Of Life“ oder „Sound And Vision“. Gerade der letztgenannte Song darf durchaus als die Geburtsstunde des New Wave bezeichnet werden. Insgesamt ist dieses Album sehr elektronisch und synthetisch ausgefallen. Bowie hatte mal wieder die Richtung geändert – wie eben sooft in seiner Karriere. „Always Crashing In The Same Car“ bringt die Atmosphäre von „Low“ perfekt auf den Punkt und vereinigt in einem Track alles, was den neuen Bowie ausmachte. Trotz Iggy. Trotz der Herionhauptstadt. Trozt des Kokainentzugs!

 

„Heroes“ war danach nur die konsequente Fortführung und wenn es ein Album verstanden hat die Atmosphäre einer Stadt einzufangen, dann ist es dieses. Mit dem Titelstück setzte er sich zudem ein Denkmal. Die Geschichte über zwei Liebende, die sich an der Berliner Mauer treffen, berührt die Herzen auch heute noch. „Heroes“ ist – anders als sein Vorgänger – konzeptionell auf dem Höhepunkt. Bowie hat hier eine durchgängige Atmosphäre eingefangen und mit dem Ethno-Rockstück „The Secret Life Of Arabia“ gibt es gar schon einen Fingerzeig in Richtung „Lodger“. „Heroes“ wurde im Hansa-Tonstudio eingespielt und stand laut Bowie – die Mauer war immerhin nur zweihundert Meter entfernt – unter Beobachtung aus Ostberlin. „Sense Of Doubt“ und „Neuköln“ mögen düster sein, mit dem rockigen „Beauty And The Beast“ gab es ganz andere Töne. Krautrock und Kraftwerk dienten natürlich auch als Inspiration. „V-2 Schneider“ trägt die Reminiszenz an Florian Schneider ja schon im Titel. Die Zeit des Kalten Krieges ist auf „Heroes“ ebenfalls allgegenwärtig. Unter dem Strich hat es Bowie geschafft den Zeitgeist perfekt einzufangen. Robert Fripp lieferte übrigens einen tollen Beitrag dazu – ein Tag reichte da völlig aus.

 

Die Box enthält zudem noch „Stage“, jenes Live-Album, welches die Kritiker spaltete. Das Album kam zunächst total glatt poliert in den Handel und der klinische Sound ließ jegliches Livegefühl vermissen. Diesen Fehler korrigierte man später, auch wenn der neue Mix das Ruder natürlich nicht mehr komplett herumreißen konnte. Allerdings wurde nun auch die Reihenfolge der Songs korrigiert und der ursprünglichen Setliste angepasst. Die bisherige Anordnung in die verschiedenen Karrierephasen mag zwar damals künstlerisch anspruchsvoll gewesen sein, ist im Rückblick allerdings totaler Nonsens. „Zeit! 77 – 79“ enthält nun glücklicherweise die bearbeitete Version. Bowie stellte auf der damaligen Tour dem Publikum „Heroes“ live vor und entsprechend viele Songs sind somit hier vertreten. Ziggy und der Thin White Duke sind aber auch nicht verschwunden. Insofern gelingt es „Stage“ zumindest einen ersten Karriererückblick zu spannen. Ein richtiges Livegefühl stellt sich aber nur selten ein.

 

„Lodger“ wird gerne als letztes Album der Berlin Trilogie genannt. Abermals mit Brian Eno an Bord wurde die Platte allerdings in Montreux und New York aufgenommen. Hört sich natürlich immer gut an, wenn „Low“, „Heroes“ und „Lodger“ in einem Atemzug genannt werden. „Lodger“ ist aber auch musikalisch völlig anders. Inspiriert durch eine Afrikareise hat Bowie bei dieser Platte abermals ganz neue Klänge einfließen lassen. „Fantastic Voyage“ hat so gar nichts mit der düsteren und teilweise bedrückenden Atmosphäre der Vorgänger zu tun. Bowie hört sich regelrecht versöhnlich an. „Move“ deutet New Wave nicht nur an, sondern ist deutlich darin zu verorten. „African Night Flight“ trägt dann auch deutliche musikalische Spuren des Kontinents, die in „Yassassin“ gar noch um türkische Musikteile bereichert werden. Ein Folklorealbum ist dies selbstverständlich nicht, denn Bowie hat die einzelnen Elemente geschickt um seine Songs herum gebaut. Dem Pop wurde gar mit „Red Sails“ und dem Rock mit „Boys Keep Swinging“ Rechnung getragen. Nach dem großen Konzeptalbum „Heroes“ dient dies letztlich der Entschlackung. Man merkt, dass sich Bowie mit „Lodger“ deutlich auf zu neuen Ufern gemacht hatte.

 

Fazit: Die Zeit von David Bowie in Berlin wurde in vielen Medien thematisiert. Bücher und Dokumentationen versuchen dem Geheimnis der Alben „Low“, „Heroes“ und „Lodger“ auf die Spur zu kommen. Mit Tony Visconti und Brian Eno hatte er kongeniale Partner an seiner Seite, die ebenfalls großes Interesse am deutschen Krautrock zeigten. Angeblich wollte die Plattenfirma „Low“ gar nicht erst veröffentlichen, da die Songfragmente zu unkommerziell waren. Der komplette Verzicht auf den Gesang auf der B-Seite markierte den Höhepunkt der Komplettverweigerung. Dieses Album bezieht nicht zuletzt daraus seine Stahlkraft. Erst mit „Heroes“ sollte Bowie in dieser Hinsicht aber seinen Höhepunkt erreichen. „Lodger“ hingegen ist viel zugänglicher, fällt leider aber oft unter den Tisch, wenn es um seine besten Werke geht. Insofern stellt „Zeit! 77 – 79“ letztlich für Neueinsteiger ein prachtvolles Paket dar, welches durch die Live-CD „Stage“ abgerundet wird. Fans dürfen aber gerne verzichten, da die Pappschachtel drumherum nun wahrlich keinen Mehrwert darstellt. Die Musik ist selbstverständlich über jeden Zweifel erhaben!

 

http://www.davidbowie.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

David Bowie: Aladdi Sane (40th Anniversary Edition/2013 Remaster)

David Bowie: Aladdin Sane (40th Anniversary Edition/2013 Remaster)

EMI

VÖ: 12.04.2013

 

Wertung: 9/12

 

Es ist mal wieder soweit und ein Bowie Album feiert Jubiläum. „Aladdin Sane“ hat nun auch schon unglaubliche 40. Jahre auf dem Buckel. Natürlich wird dieses Wiegenfest nun auch gefeiert und der geneigte Fan kann sich abermals eine weitere Ausgabe dieses kleinen Meisterwerks in den Schrank stellen. Natürlich hätte es diese neuerliche Ausgabe nicht mehr gebraucht, denn schon vor zehn Jahren wurde ordentlich gefeiert und die Platte mit einer 30th Anniversary Edition gewürdigt – und dazu auch noch mit einer Doppel-CD. Die zehn Songs werden nun zwar als 2013 Remaster deklariert, aber wenn man ehrlich ist, dann hat sich die Technik in den letzten zehn Jahren nun auch nicht derart weiterentwickelt, dass man nun hörbar Änderungen feststellen könnte. Abgesehen davon war der Klang bisher auch nahezu perfekt. Die neue remasterte Version von „Aladdin Sane“ entstand unter der Leitung von Ray Staff in den Londoner Air Studios. Staff hatte bereits das Originalalbum in den Trident Studios betreut.

 

2013 ist ja sowieso Bowie-Jahr und wer „Aladdin Sane“ bisher noch nicht kennt oder im Schrein stehen hat, sollte nun aber schleunigst zugreifen. Der direkte Nachfolger von „The Rise And Fall of Ziggy Stardust and The Spiders from Mars“ ist in vielerlei Hinsicht ein Meilenstein im Backkatalog von Bowie. Es war das erste Album des Meisters, welches die Pole Position der UK-Charts eroberte, mit 100.000 Vorbestellungen löste er eine Begeisterung aus, die es seit den Beatles nicht mehr gegeben hatte und zudem war es die letzte Veröffentlichung mit den „Spiders“ in der Besetzung Mick Ronson (Gitarre, Piano, Backgroundgesang), Trevor Bolder (Bass) und Mick 'Woody' Woodmansey (Schlagzeug)!

 

Ein Großteil der Songs wurde während der Amerika-Tour von Bowie zwischen September 1972 und Januar 1973 komponiert. Gleich sechs Stücke entstanden in dieser Periode. Bowie bezeichnete „Aladdin Sane“ daher nicht umsonst mit den Worten „Ziggy goes to America“. Es war aber auch für Bowie eine Zeit mit Schicksalsschlägen. Bei seinem Halbbruder Terry wurde Schizophrenie festgestellt und er selber machte sich ebenfalls große Sorgen, dass diese Krankheit bei ihm diagnostiziert werden könnte. „Aladdin Sane“ ist daher auch als Wortspiel zu verstehen - „a lad insane“ („ein wahnsinniger Bursche“). „The Jean Genie“ wird gemeinhin als Wortspiel zu Jean Genet, dem französischen Romanautor, verstanden.

 

Musikalisch gab es auch einige Neuerungen. Der Avantgarde-Jazzpianisten Mick Garson war erstmals auf diesem Album vertreten. Bowie selbst tritt auf dem Album nicht nur als Sänger, sondern auch als Gitarrist, Mundharmonikaspieler, Pianist und Saxophonist in Erscheinung. Die Kreativität schien zu dieser Zeit auf einem seiner vielen Höhepunkte zu sein. Das Albumcover (der Blitz) verdeutlicht aber auch, dass Bowie sich als gespaltene Persönlichkeit sah. Dies drückt sich auch in seinem musikalischen Visionen aus. „Watch That Man“, „Panic in Detroit“, „The Jean Genie" oder „Cracked Actor“ sind eher im Rockumfeld anzusiedeln und Mark Ronson sorgt sogar dafür, dass ein bisschen Hardrock mit einfließt. Doo-Wop und Soul sind bei „Drive In Saturday“ vertreten. „Time“ und das geniale „Lady Grinning Soul“ hingegen könnten man auch in eine Revueshow stellen. „The Prettiest Star“ ist sowieso jenseits dieser Welt und mit „The Jean Genie“ gibt es auch einen waschechten Hit. Es war allerdings eine schlechte Idee eine Coverversion von „Let´s Spend The Night Together“ der Rolling Stones auf das Album zu nehmen. Passt einfach nicht zu Bowie und ist der Tiefpunkt einer sonst sehr guten Platte.

 

Fazit: Auch „Aladdin Sane“ von David Bowie gehört in jede anständige Musiksammlung. Dieses Album wird in verschiedenen Listen ja nicht umsonst unter den wichtigsten Platten der Musikgeschichte geführt. Nun feiert dieser Klassiker bereits den vierzigsten Geburtstag. Dies wurde mal wieder als Anlass genommen davon eine neue Remaster-Version zu kreieren und zu veröffentlichen. Und was schon für die Neuauflage von "Ziggy Stardust" galt, gilt auch hier: Unter dem Strich braucht man die schlichte Neuauflage als CD allerdings nicht, denn da gab es in der Vergangenheit noch schönere Verpackungen. Der Sound war sowieso auch schon bei früheren Veröffentlichungen sehr gut! Die Musik ist natürlich über jeden Zweifel erhaben!

 

www.davidbowie.com

 

Text: Torsten Schlimbach

David Bowie: The Next Day

David Bowie: The Next Day (Deluxe Edition)

Sony

VÖ: 08.03.2013

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

David Bowie ist vermutlich der intelligenteste Fuchs, den das Musikgeschäft einst in seiner Mitte aufgenommen hat und der dann dort für lange Zeit als Dominator auf dem Thron saß. Hat man den Thin White Duke eigentlich jemals ernsthaft zu den Problemen des Business befragt? Vermutlich nicht, denn man kann davon ausgehen, dass er auch hier eine Lösung parat hätte. Als ein Großteil noch im Tiefschlaf war oder sich über dieses neue Medium wunderte, nutze Bowie bereits das Internet zu seinen Gunsten. Der Mann war nie ein Streber, aber immer der Vordenker einer ganzen Branche. Von seinen ganzen herausragende Alben, Klassikern und Hits braucht man da gar nicht erst anfangen. Er dürfte so ziemlich jedes Genre in seinem umfangreichen Backkatalog zu finden sein. Wenn ihn eine aufgezogene Schublade langweilte, dann zog er eben weiter. Andere konnten jahrelang nur staunend reagieren – Bowie agierte.

 

In den letzten zehn Jahren wurde es allerdings ruhig um den Meister aller Klassen. Von einem Herzinfarkt ist die Rede. Wie kaum ein anderer Künstler hat es Bowie verstanden sich dann aus dem Rampenlicht und dem Blitzlichtgewitter zu verabschieden. Fortan konnte man alle paar Monate ein paar nichtssagende Bilder in den Gazetten und den unendlichen Weiten des Internets finden, die einen älteren Herrn in den Straßenschluchten von New York zeigten. Bowie als Rentner ist eigentlich undenkbar und doch sprachen alle Anzeichen dafür. Bowie wäre aber nicht Bowie, wenn er nicht mit einer außergewöhnlichen Aktion plötzlich wieder in aller Munde wäre. Der 66zigste Geburtstag war dafür doch ein gutes Datum. Ohne vorherige Ankündigung stand plötzlich „Where Are We Now?“ im Netz – samt Video. Es kam sogar noch besser, denn jetzt wurde die Katze komplett aus dem Sack gelassen und ein neues Album in Aussicht gestellt. Er weiß eben immer noch wie der Hase läuft und eine bessere Promotion kann es nicht geben. Die frohe Kunde verbreitete sich wie ein Lauffeuer und in Foren, Blogs und sozialen Netzwerken stand für einen ganz kleinen Augenblick die Welt still.

 

Jetzt ist es also endlich da, dieses „The Next Day“. Schon das Cover ist ein derart nachhaltiges Statement, dass man sich fragt, wie man es so lange ohne Bowie aushalten konnte. Auf der anderen Seite war er nie weg, denn seine Musik wird uns alle überleben. Ein bisschen Angst und Bange konnte einem im Vorfeld allerdings auch werden. Waren und sind die Erwartungen an „The Next Day“ nicht viel zu groß? Kann dieser geniale Kopf die in ihn gesteckten Hoffnungen überhaupt noch erfüllen? Hört man sich „The Next Day“ an, dann ist die erste Feststellung, dass es ein David Bowie Album ist, welches einen Streifzug durch sein komplettes Schaffen macht. Die schönste Tatsache wird dabei leicht übersehen: es ist ein David Bowie Album durch und durch!

 

Experimente bei der Wahl seiner Mi(e)tmusiker und auf der Produzentenseite gab es allerdings nicht – alles alte Bekannte! Mit Tony Visconti an seiner Seite hat er ja schon öfters bewiesen, dass diese Verbindung einfach passt, stimmig ist und meist etwas Großes entstehen lässt. Etwas Großes bedeutet in diesen Fall nicht weniger als 29 Songs! Einstweilen kann man nun im Zuge der Veröffentlichung von „The Next Day“ 18 davon hören. Das reguläre Album setzt sich aus vierzehn Stücken zusammen, während die Deluxe Edition noch drei Bonustracks mit an Bord hat. Japan darf sich sogar noch über „Go Bless The Girl“ freuen. Bei richtiger Rechnung verbleiben also noch elf ungenutzte Songs. Visconti wirft da schon mal die nächste Nebelkerze und lässt mitteilen, dass er sich durchaus vorstellen könnte, dass Bowie noch dieses Jahr ins Studio zurückkehrt um am Nachfolger von „The Next Day“ zu arbeiten. Willkommen im Land der Spekulationen, dabei gilt es doch einstweilen dieses Album hier zu verarbeiten.

 

Zwei Jahre bastelten die Herren an diesem Album. Zwei Jahre, die sich voll und ganz ausgezahlt haben. Genaugenommen wird dieses Werk die Welt nicht auf den Kopf stellen und man wird nicht einen einzigen Ton hören, den man von diesem Mann nicht schon kennt. Was soll er denn auch machen, er hat ja schon alles gemacht?! „The Next Day“ erweist sich als Destillat aus sämtlichen Schaffensperioden. Die wunderschöne, aber untypische Ballade „Where Are We Now?“ steht nicht exemplarisch für die Platte. Natürlich nicht! Diese sehnsuchtsvollen Klänge und Töne legen aber schon eine erste Fährt in Richtung der berühmten und oft zitierten Berlin-Triologie. Das „Heroes“-Cover lässt in dieser Hinsicht dann sicher keine Fragen mehr offen.

 

Auch, wenn er in dem großartige „The Stars (Are Out Tonight)“ über die bankrotten Celebrities dieser Tage singt, macht er nicht den Fehler sich hier als jugendlicher Rockstar zu präsentieren. Dafür ist der Mann auch viel zu gewieft, denn in „I´d Rather Be High“ wundert sich ein 66-jähriger, älterer Herr über die Jugend von heute – nicht ohne sympathischen Wortwitz! Auch im ruppigen Titeltrack „The Next Day“ gebärdet er sich als Mann, der den Herbst seiner Lebenszeit schon sehen kann. Das Stück dürfte auch einem gewissen Mr. Osterberg gefallen. Kein Wunder, bildeten Iggy Pop und David Bowie einst ein kongeniales Team. Das Saxofon schleppt sich durch „Dirty Boys“ und plötzlich steht man wieder in der Disco, in der man auch schon zu „Fame“ gezappelt hat. Das düstere „Love Is Lost“ ist mal wieder eines dieser späten Meisterwerke. Nur bei Bowie klingen Keyboardflächen derart erhaben. „Valentine´s Day“ ist einer dieser entspannten und unauffälligen Songs, die auch auf seinen letzten und guten Spätwerken nicht negativ aufgefallen wären. Die Langzeitwirkung eines derartigen Tracks sollte dabei keineswegs unterschätzt werden!

 

„If You Can See Me“ lässt sogar leichte Referenzen zu „Earthling“ zu. Das rockige „(You Will) Set The World On Fire“ erinnert übrigens an The Kinks. Auch ein Bowie darf sich mal bei anderen bedienen. Nach und nach spannt er sogar den Bogen zu seinem eigenen Output in den 80ern. So angriffslustig wie sich der Meister teilweise auf diesem Album gibt, hat man ihn auf den letzten Alben nicht gehört. „How Does The Grass Grow“ zeigt ihn auch stimmlich sehr variantenreich. „You Feel So Lonely You Could Die“ geht ganz weit in die 60er zurück. Das weitestgehend akustische Stück reißt einen unweigerlich in den Strudel der Depressionen. „Heat“ erinnert gar an den Soundtrack zu „Christiane F.“ Das fröhliche „So She“ könnte auch die Erföffnungssequenz einer Show der 70er sein, während einen das experimentelle und instrumentale „Plan“ wieder in den Abgrund reißt. Typisch für Bowie eben! „I´ll Take You There“ beendet „The Next Day“ in bekanntem Bowie-Fahrwasser. Passt schon, muss ja nicht immer sensationell sein.

 

Fazit: Wie man „The Next Day“ im Vorfeld mit einem lauten Knall angekündigt hat, ist schon nicht von schlechten Eltern. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch und nun, da man das Teil in den Händen hält, schrumpft alles wieder auf ein normales David Bowie Maß zusammen. Mit anderen Worten, dies ist ein gutes bis sehr gutes Werk eines großartigen Künstlers. Aus allen Schaffensperioden setzt sich dieses Album zusammen und ein kleines bisschen weht eine Art „Best Of“ Charakter durch die Platte. In den besten Momenten ist sogar wieder Platz für ein paar Klassiker, die das Genie dieses Mannes mehr als nur aufblitzen lassen. David Bowie hat musikalisch und textlich immer noch eine Menge zu sagen - eine wunderbare Erkenntnis nach all den Jahren!

 

http://www.davidbowie.com/the-next-day

 

Text: Torsten Schlimbach

David Bowie: Ziggy Stardust (40th Anniversary Edition/2012 Remaster)

David Bowie: Ziggy Stardust (40th Anniversary Edition/2012 Remaster)

EMI

VÖ: 01.06.2012

 

Wertung: 9/12

 

Nach seiner schweren Erkrankung hat sich David Bowie komplett ins Privatleben zurückgezogen. Ob er jemals als Musiker zurückkehren wird steht in den Sternen. Unstrittig ist, dass er einer der innovativsten und kreativsten Künstler der Musikgeschichte ist. Eigentlich gibt es in dieser Hinsicht nicht mal ernstzunehmende Konkurrenz. Der Mann hat sich im Verlaufe seiner langen Karriere immer einen Blick für neue Wege und Möglichkeiten bewahrt. Oftmals war er der Vorreiter für bestimmte Strömungen und Trends.

 

Während andere über die neue und schreckliche Welt im Internet jammerten, entdeckte Bowie als einer der Ersten auch die neuen Möglichkeiten, die das Netz bot und schlug seinerseits großes Kapital daraus. Sein Backkatalog wurde auch immer wieder geschickt vermarktet und in neuer Verpackung unter die Leute gebracht. Bowie wäre aber nicht Bowie, wenn dabei nicht wenigstens eine klangliche Anpassung an die jeweiligen Möglichkeiten gegeben wäre. „The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“ - kurz „Ziggy Stardust“ - ist nicht nur eines der bekanntesten Alben der Musikgeschichte sondern auch sicher mit den höchsten Neuauflagen.

 

Alle Jubeljahre wird „Ziggy Stardust“ nun schon wieder und wieder unter die Leute gebracht. Die Fans tragen in schöner Regelmäßigkeit das Teil immer wieder nach Hause in den Schrein – die Sammlung will schließlich vervollständigt sein. David Bowie kann aber auch als einer der Wenigen immer wieder auf eine neue Generation an Anhängern bauen. Diese haben dann die Qual der Wahl. Welche Version von „Ziggy Stardust“ darf es denn sein? Und ganz besonders stellt sich natürlich die Frage nach dem Remaster? Davon gibt es ja auch jede Menge. Klanglich war der Meister aber auch hier immer Vorreiter und da braucht man sich kaum einen Kopf machen ob nun die Version X oder doch Y besser ist.

 

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums gibt es erneut ein Wiedersehen mit „Ziggy Stardust“. Ray Staff hat die Platte nun in den Londoner Air Studios bearbeitet. Man hat die Qual der Wahl und kann – wie heutzutage üblich – auf mehrere Konfigurationen zurückgreifen. Das Album ist ebenso als CD erhältlich wie als limitierte Edition im Vinylformat mit dem neuen Master von 2012 im 5.1 Mix und einer „high-resolution“ Audio-DVD. Diese DVD-Audio enthält bislang unveröffentlichte 5.1 und Stereo-Bonus Mixe, die der ursprüngliche Produzent Ken Scott 2003 von den Songs „Moonage Daydream“ (instrumental), „The Supermen“, „Velvet Goldmine“ und „Sweet Head“ angefertigt hatte.

 

Die CD selbst ist wie eine kleine LP gestaltet. Eigentlich eine nettes Sache. Trotzdem gibt es optisch da wesentlich anspruchsvollere Ausgaben von „Ziggy Stardust“. Höhepunkt ist da sicherlich die vor Jahren zu einem ähnlichen Anlass veröffentlichte Version als kleines Buch. Aber von diesem Album gibt es – wie bereits erwähnt – derart viele Versionen, dass mittlerweile jeder für seine Bedürfnisse die passende Ausgabe finden sollte.

 

Die Aufnahmen für „Ziggy Stardust“ begannen wenige Monate vor der Veröffentlichung von „Hunky Dory“ in den Trident Studios in London. Die LP wurde zwischen 8.11.1971 und 4.2.1972 von David Bowie (Gesang, akustische Gitarre und Cemablo), Mick Ronson (Gitarre, Piano, Backing Vocals, Streicher-Arrangements), Trevor Bolder (Bass), Mick Woodmansey (Drums), Rick Wakeman (Keyboards) sowie Dana Gillespie am Mikrophon für den Song „It Ain’t Easy’“ eingespielt. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Das fünfte Album von Bowie enthält mit „Five Years“, „Moonage Daydream“ natürlich „Starman“ und „Ziggy Stardust“ einige der besten Songs von ihm. Freilich sind andere Tracks bekannter und entwickelten sich zu größeren Hits, aber dieses Album hier ist aufgrund seiner ganzen Attitüde, der erzählten Geschichte, der Bühnenshow und natürlich nicht zuletzt aufgrund der dichten Atmosphäre zu Weltruhm gekommen. Im Grunde ist diese Platte größer als die Summe seiner Einzelteile. Abgesehen davon atmet dieses Album den Rock and Roll ein und spukt diesen mit großem Getöse wieder aus – trotz aller Randerscheinungen, die davon leider gerne ablenken.

 

Fazit: „Ziggy Stardust“ von David Bowie gehört in jede anständige Musiksammlung. Da bedarf es eigentlich nicht großartig einer Diskussion. Dieses Album war wegweisend und ein Meilenstein der Musikgeschichte. Nun feiert dieses Monument bereits den vierzigsten Geburtstag. Dies wurde mal wieder als Anlass genommen davon eine neue Remaster-Version zu kreieren und zu veröffentlichen. Wer diese Platte also noch nicht in seinem Besitz hat, kann diese Lücke nun schließen. Unter dem Strich braucht man die schlichte Neuauflage als CD allerdings nicht, denn da gab es in der Vergangenheit noch schönere Verpackungen. Der Sound war sowieso auch schon bei früheren Veröffentlichungen sehr gut! Die Musik ist natürlich über jeden Zweifel erhaben!

 

www.davidbowie.com

 

Text: Torsten Schlimbach

David Bowie VS KCRW: Golden Years (Single)

David Bowie VS KCRW: Golden Years (Single)

EMI

VÖ: 10.06.2011

 

Tipp!

 

Es ist schon einigermaßen verrückt in der heutigen Zeit eine Single zu veröffentlichen. Es gab ja ein kurzes Zwischenhoch des Formats, aber mittlerweile tendiert man ja leider, leider wieder dazu, dies nunmehr nur noch als Download anzubieten. Schade! Ein physischer Tonträger ist doch gerade für Sammler eine nette Geschichte. Natürlich sollte es sich dabei um einen Künstler mit einer festen Fanbasis handeln und weniger um den üblichen Wegwerfpop, den man in einem halben Jahr schon längst vergessen hat.

 

Soweit, so gut. Noch verrückter ist es allerdings eine Single zu veröffentlichen, die bereits im Jahre 75 produziert wurde. Wenn es zu einem Musiker passt, dann zu David Bowie. Es ist zwar nicht überliefert inwieweit er da selber involviert wurde, aber sein Umfeld und Management muss dieser Geschichte zumindest eine Zustimmung erteilt haben. Es handelt sich dabei ja auch um ein sehr ungewöhnliches Projekt.

 

Worum geht es? Die Chefredakteure des US-Westküsten-Senders “KCRW”, einem Internet-Radio am Santa Monica College von Los Angeles, hatten die Idee, einige ihrer DJs zu fragen, ob sie nicht Interesse hätten, den DAVID BOWIE-Song „Golden Years“ zu remixen. Die Resonanz war derart groß, dass man nun die vier finalen Mixe auf die Single gepackt hat.

 

Dabei handelt es sich übrigens keineswegs um schnöde Ausschussware, sondern tatsächlich um Remixe, die „Golden Years“ jeweils eine etwas andere Richtung geben. „Golden Years“ selber ist natürlich auch als Single Version in der Ursprungsform enthalten. Selbstverständlich hat man auch hier noch mal Hand angelegt und das Stück remastert. Schöne Sache! Der Anthony Valadez Remix fängt an wie „Sympathy For The Devil“ entwickelt sich aber schnell in eine Art Lounge-Richtung. Dagegen ist die Arbeit von Eric J. Lawrence das krasse Gegenstück. In dieser Version hat der Song gar etwas Bedrohliches. Erinnert entfernt gar an „Earth Intruders“ von Björk. Chris Douridask hat „Golden Years“ eher ein Funkgewand verpasst, bevor es mit Jeremy Sole noch mal clubtauglich wird.

 

Fazit: Die Neuauflage von „Golden Years“ als Single ist absolut gelungen und darf in keinem Bowie Schrein fehlen – zumal das Teil limitiert ist. Die fünf Songs sind trotz der Unterschiede sehr homogen kompiliert worden. Man kann dieses Stück so völlig neu erleben. Ach ja, die CD-Version sieht auch endlich mal wieder aus wie eine Single der guten, alten Zeit aus. Erfreuliche Geschichte!

 

www.davidbowie.com

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch