Dave Hause: Devour

Dave Hause: Devour

Rise Records/Uncle M/Cargo Records

VÖ: 11.10.2013

 

Wertung: 8,5/12

 

Es gibt sie doch noch, jene unermüdlich gegen alle Windmühlen kämpfenden Recken des Musikgeschäfts. Zwischen der ganzen Gleichschaltung scheint es oberflächlich betrachtet keinen Platz für diese Träumer zu geben. Da wird sich der Arsch abgetourt und Song um Song um Song aufgenommen und dies alles mit dem Wissen, dass man nie auf einen grünen Zweig kommt, da man einfach nicht dem Zeitgeist entspricht. Mit ganz viel Glück springt ein Reihenhäuschen dabei heraus und mitunter muss man sich die nächsten Jahre keine Sorgen um einen gefüllten Kühlschrank machen. Ist aber ja auch schon was. Von einem Millionenpublikum werden allerdings andere gefeiert. Einer dieser Kämpen ist Dave Hause, der die Pause seiner Band The Loved Ones einst nutze um seine Solokarriere zu starten und in Gang zu bringen.

 

The Gaslight Anthem machen es ja vor, dass für den hemdsärmligen Rock doch noch eine größere Nische vorhanden ist. Chuck Ragan schickt sich ebenfalls an sich dort ein gemütliches Plätzchen einzurichten und auch für Dave Hause ist da noch genügend Platz. Mit seinem zweiten Album „Devour“ könnte er seine Bekanntheit nun sogar noch steigern. Ausgerechnet Deutschland scheint da ein gutes Pflaster zu sein und wer Frank Turner mag, jenen sympathischen Sangesbarden von der Insel, der wird auch Dave Hause schnell in sein Herz schließen. Verdient hätte er es! Besonders mit „Devour“.

 

Das Rad erfindet Hause natürlich nicht neu und diese zwölf Songs haben nicht ein einziges Tönchen zu bieten, was man nicht genau so schon auf anderen Platten gehört hätte. Man könnte jetzt wieder den Springsteen-Vergleich aus der Schublade ziehen, aber mit dem muss ja schon Brian Fallon leben. Dave Hause krempelt aber ebenso die Ärmel hoch und packt zu und vertont den amerikanischen Traum, der zwar schön verpackt wird, sich aber nicht selten genug als Teufelswerk herausstellt. Dave Hause legt den Finger in die Wunden. Unerfüllte Versprechungen, große Verzweiflung und die große Depression sind die Folge. Die Folge der sich immer schneller drehenden Welt, als Ausfluss der politischen Entscheidungen oder aufgrund der technischen Errungenschaften der Menschheit. Friede, Freude, Eierkuchen gibt es bitteschön woanders. Oftmals packt Dave Hause das in ein Soundgewand, welches eine positive Grundstimmung verbreitet.

 

Bei „The Great Depression“ jubilieren die Gitarren, rumpelt das Schlagzeug und klimpert das Piano fast schon in Honky Tonk-Manier daher. Der raue und herzliche Gesang von Hause sorgt dafür, dass man sich hier gleich zu Hause fühlt. Hymnen gibt es auf „Devour“ ganz viele. Das dramatisch aufgebaute „Damascus“ gibt die Richtung zwar schon gleich zu Beginn vor, aber spätestens mit „We Could Be Kings“ könnten die Stadien dieser Welt beschallt werden. Und die kleinen Bars. Die Clubs nicht zu vergessen. Man tanzt dazu auf den Festivals und liegt sich glückselig in den Armen. Musik, bei der aus verliebten Teenagern ein Paar mit Zukunft wird. Jene werden diesen Augenblick das ganze Leben nicht vergessen und „We Could Be Kings“ ab diesem Moment ein treuer Begleiter durch alle Höhen und Tiefen des Lebens sein.

 

Wer sich schwertut mit einer Erklärung, was denn nun amerikanische Rockmusik ist, legt einfach „Autism Vaccine Blues“ auf – danach ist alles geklärt. Es haut auf dem Album aber auch nicht alles hin. „Before“ ist doch etwas zu sehr in seiner Schunkel-Wohlfühlecke gefangen und schrammt bedenklich am Kitsch entlang. „Father´s Son“ stampft auch etwas ziellos daher, hat aber aufgrund der flirrenden Gitarre im Hintergrund durchaus Potenzial. „Stockholm Syndrome“ kann auch nur wenig neue Variationen hinzufügen, so langsam kommt man Dave Hause auf die Schliche! Denkste! Als nächstes kommt er nämlich mit der Singer/Songwriterballade „Becoming Secular“ daher, die auf der Starkstromgitarre basiert. Ganz großes Ding. Und danach hat man auch den schmissigen Ohrwurmrock von „The Shine“ wieder lieb. Musikalisch ist das die vertonte Freude! Und wer bis hierhin die Akustiknummer vermisst hat, kann sich schon mal überlegen, was man gegen die Gänsepelle macht, die sich bei „Bricks“ einstellen wird. Mit dem düsteren und epischen „Benediction“ wird dieses über weite Strecken wundervolle Album beendet.

 

Fazit: Dave Hause dürfte bei uns mit „Devour“ die nächste Stufe erklimmen. Die Zeit ist wieder reif für ehrliche, handgemachte und nachhaltige Musik. Diese großen, kleinen Lieder werden die Welt nicht auf den Kopf stellen, können die eigene musikalische Welt aber ungemein bereichern. Diese – weitestgehend – amerikanische Rockmusik hat das Potenzial einen durch alle Lebenslagen zu begleiten. Von wie vielen Neuerscheinungen kann man das schon behaupten! Eben!

 

http://davehause.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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