Dave Gahan & Soulsavers: Angels & Ghosts

Dave Gahan & Soulsavers: Angels & Ghosts

Sony

VÖ: 23.10.2015

 

Wertung: 9/12

 

Als sich Soulsavers-Kopf Rich Machin 2012 mit Dave Gahan zusammentat, konnte noch keiner ahnen wohin diese Reise gehen wird. Und wie erfolgreich sie sein wird. Es dürfte ja nicht mal klar gewesen sein, ob das Album „The Light The Dead See“ nicht eine einmalige Sache bleiben würde. Dave Gahan & Soulsavers überzeugten die Kritiker aus dem Stand und auch die Fans zeigten sich höchst erfreut, denn musikalisch konnte die Platte durchaus Bäume ausreißen und der Gospelanteil sorgte dafür, dass Machin und Gahan nun in einer ganz anderen Ecke zu finden waren. Wenn man das bisherige Schaffen der beiden analysieren will, dann kommen sicher viele Menschen zu dem Schluss, dass es letztlich beim Gospel enden musste. Jetzt findet dieses Projekt mit „Angels & Ghosts“ seine Fortsetzung. Erfreulicherweise möchte man hinzufügen!

 

Neun Songs könnten einen zu der Mutmaßung veranlassen, dass die beiden Herren, die sämtliche Songs für „Angels & Ghosts“ geschrieben haben, nicht gerade vor Kreativität übersprudelten. Das Gegenteil ist der Fall und wenn man mal ganz ehrlich ist, dann sollte man Depeche Mode einmotten. Zumindest Gahan braucht die anderen beiden nicht mehr. Dieses Album hier ist auch wesentlich besser als alles, was Depeche Mode auf den letzten beiden Alben veranstalteten. Und „Angels & Ghosts“ hat Seele. Verdammt viel Seele!

 

Dies ist umso erstaunlicher, da die Songs in Manhattan und Stoke-On-Tent entstanden. Die Aufnahmen selber fanden dann quer über den Erdball verstreut statt. Die Sunset Sound Sutdios in Los Angeles und das Electric Lady-Studio in New York wurden dabei auch heimgesucht. Das Ergebnis klingt nun so, als wäre das alles an einem Ort entstanden und dies in kürzester Zeit. Und das nicht, weil dies alles wie ein Schnellschuss wirkt. Die Songs sind atmosphärisch aber derart dicht und zielgerichtet und wie aus einem Guss, dass es sich nicht nach langem herum experimentieren anhört.

 

Die Soulsavers haben mal wieder den Blues. Dave Gahan haucht den Songs durch seine markante Stimme Leben und Charisma ein. Manchmal braucht es nicht viel, wie beim minimalitischen „Lately“. Sanfte Streicher untermalen den Gesang von Gahan, der im Zentrum steht und von den Gitarrenklängen umspielt wird, als würden Stimme und Instrument zusammen tanzen. Gesanglich klang der Mann lange nicht mehr so frisch. Bei „You Owe Me“ dringt er gar in die Sphären eines Nick Cave vor. Düster und gospelartig umspielt die Nummer den Zuhörer und spätestens wenn die Backing Vocals einsetzen, ist die Gänsehaut vorprogrammiert. Bläser und Streicher brillieren meist sehr dezent im Hintergrund und selbst das schwelgerische „My Sun“ schafft es ganz zum Schluss nicht unterzugehen und stets den Kopf über Wasser zu halten. „All Of This And Nothing“ hat sogar Hitqualitäten und ist in dieser Hinsicht der beste Song dieser Kategorie, an dem Dave Gahan seit einer Ewigkeit beteiligt war. „One Thing“ badet in Melancholie und das orchestrale Arrangement thront über der Szenerie wie eine Gottheit. „Don´t Cry“ hat dann noch ein paar schnittige Gitarren aufgefahren, aber auch hier regieren Soul, Blues und Gospel aus der Trauerabteilung. Mit „The Last Time“ wird dann endgültig die Messe gelesen und dies ist bitteschön positiv zu verstehen!

 

Fazit: Da ist es also, das neue Dave Gahan & Soulsavers-Album. „Angels & Ghosts“ wird keinen enttäuschen – sofern man auch schon das Erstlingswerk mochte. Das Album ist zwischen Soul, Gospel und Blues angelegt und verbreitet eine ganz tolle Atmosphäre. Dies ist einer jener Platten, der man ganz viel Seele attestieren kann. Arrangements und Instrumentierung sind ganz vorzüglich und lassen der Stimme ganz viel Raum zur Entfaltung. Dave Gahan hat schon lange nicht mehr derart frisch geklungen. Die Melancholiekeule von „Angels & Ghosts“ wird manch einen zu hart treffen, aber dann ist das eben so. Es soll ja auch kein Album für die Masse sein. Für diese Jahreszeit ist „Angels & Ghosts“ jedenfalls die perfekte musikalische Untermalung.

 

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https://www.facebook.com/DaveGahan

 

Text: Torsten Schlimbach

 
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