Daft Punk: Random Access Memories

Daft Punk: Random Access Memories

Sony

VÖ: 17.05.2013

 

Wertung: 8/12

 

Erst Phoenix und jetzt auch noch Daft Punk. Frankreich schickt dieses Jahr seine besten Musikkönner in das Rennen um den – im weitesten Sinne – Popthron. Die Aufregung im Vorfeld von „Random Access Memories“ nahm allerdings schon bedenkliche Züge an. Eigentlich kein Wunder, denn das letzte Studioalbum „Human After All“ hat jetzt auch schon acht Jährchen auf dem Buckel. Daft Punk prägten die elektronische Musik immerhin gut und gerne zwei Dekaden, aber was jetzt an Erwartungshaltungen aufgefahren wird, ist schon nicht mehr normal. Selbige kann das Duo eigentlich in keinster Weise erfüllen.

 

Früher war nicht alles besser, aber früher hat man sich noch Zeit genommen. Früher gab es auch kein Internet, keine neuen Medien und keine sozialen Netzwerke. Pre-Listenings im großen Stile waren ebenfalls völlig unbekannt. Es gab hier und da schon mal eine Art Releaseparty – man denke da nur an Depeche Mode. Eigentlich gingen aber alle Normalsterblichen in den Laden und kauften sich am Veröffentlichungstag das Album der Wahl und dann wurde in den heimischen vier Wänden die Nadel aufgesetzt und die Musik in Ruhe aufgesogen. Es wurde im Booklet geblättert, die Texte studiert, aber im Grunde konzentrierte man sich voll und ganz auf die Musik. Manchmal hört man ein neues Album auch mit ein paar guten Freunden und dann wurde das Gehörte diskutiert. In den meisten Fällen war eine neue Platte ein treuer Begleiter über viele Wochen. Was das alles mit Daft Punk und „Random Access Memories“ zu tun hat? Eine ganze Menge, denn kaum war das Albumprelistening online, nahm das Gemotze schon groteske Züge an. „Random Access Memories“ wurde zerredet, da war die Platte noch gar nicht veröffentlicht. Früher wäre das nicht passiert, da hat sich jeder noch eine eigene Meinung gebildet.

 

Unsere beiden Lord Helmchen gewinnen sicher keinen Innovationspreis mit „Random Access Memories“ und doch haben die beiden Herren die ausgelatschten Pfade etwas verlassen. Dazu ließen sie einen Großteil der Musik live einspielen. Drums, Bass und Gitarre dienten Daft Punk also als Ausgangspunkt für diese Scheibe. Erst danach wurde die Postproduktion in Angriff genommen. Auch, wenn auf einem der genialsten Song des Albums - „Contact“ - die Appollo 17-Besatzung zitiert wird, ist dies kein futuristisches Werk. Das Gegenteil ist der Fall, denn die Songs sind größtenteils ganz fest in der Discomusik der 70er verankert. Dazu gesellt sich noch eine Prise 80er Popmusik und fertig ist „Random Access Memories“. Wer Daft Punk für treibende Beates liebt, muss dann auch gar bis zum schon erwähnten „Contact“ warten – allerdings wurden diese per Drums eingeknüppelt.

 

Und dann ist da diese House- und Funknote, die bei den Franzosen immer mitschwingt. „Give Life Back To Music“ ist voll davon. Herrlich entschlackt entfaltet der Song eine Wirkung, der man sich kaum entziehen kann. Ein bisschen wie Urlaub vom Alltag. „The Game Of Love“ hört sich nach Prosecco und Yuppietum an. „Giorgio Moroder“ schießt danach den Vogel ab. Das geht ja schon in Richtung Progdisco. Der Meister und Songnamensgeber erzählt seine Geschichte dann auch gleich selbst. Die Ballade „Within“ erinnert gar an die Anfänge von Daft Punk. „Instant Crush“ hat mal eben Julian Casablancas durch den Vocoder gejagt. Kennt man vom Strokes Vorstand ja schon. Musikalisch – gerade der treibende Bass – ist das gar nicht weit von seiner Haus- und Hofband entfernt.

 

Daft Punk und Pharrell Williams ist eine Kombination die anscheinend immer funktioniert. „Lose Yourself To Dance“ löst all das ein, was man jahrelang von Michael Jackson erwartet hat, aber nur Prince auf die Reihe bekam. „Get Lucky“, der andere Song mit dem Neptunes Kopf, ist nicht nur ein verdammter Ohrwurm, nein, das Ding erinnert auch an „Wanna Be Startin´ Something“ - nur eben in gut. Auch, wenn der Sommer auf sich warten lässt, ist die Nummer der verfrühte Sommerhit schlechthin. Wer dazu nicht tanzt, tanzt auch sonst nie. „Beyond“ ist eines dieser lässigen Dinger, die dieses Duo vermutlich mal eben so aus dem Ärmel schüttelt. Die Klangcollage von „Motherboard“ nervt allerdings auch etwas. „Fragments Of Time“ mit Todd Edwards ist nach „Get Lucky“ unter Garantie der nächste Hitkracher. Mit „Doin´ It Right“ gibt es danach quasi - zwischen nervig und großartig - die Quintessenz von „Random Access Memories“!

 

Fazit: „Random Access Memories“ wird die Welt nicht so auf den Kopf stellen wie es die Single „Get Lucky“ schon getan hat. Das Album hat aber durchaus sehr viele Aha-Momente und zwischen 70er Disco und 80er Pop ist auch noch Platz für Funk, Soul und französischen House. Einfach mal wie früher machen: Scheibe in Ruhe und ohne Störungen von außen hören und staunen! Staunen was dann passiert.

 

http://www.daftpunk.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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