Courtney Barnett: Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit

Courtney Barnett: Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit

Marathon Artists/Kobalt Label Services/Rough Trade

VÖ: 20.03.2015

 

Wertung: 8/12

 

Courtney Barnett hat bisher mit ihren EPs viel Lob eingesammelt. Es dürfte auf der Hand liegen, dass ihr Debütalbum mit großem Interesse verfolgt wird. Die junge Songwriterin und Gitarristin ist zudem für ihren Wortwitz und skurrile Geschichten bekannt. Sie macht sich aus dem fernen Melbourne auf die Indiewelt nun ein kleines bisschen besser zu machen und wieder mit Leben zu füllen. „Sometimes I Sit And Think, Sometims I Just Sit“ hat definitiv das Zeug dazu. Es lärmt so wunderbar. Aber nicht nur. Schön ist es aber allemal.

 

Courtney Barnett hört sich nach der guten, alten Zeit an. Die 90er leben wieder. Und wie. Wobei dieses Manifest ja eigentlich zeitlos klingt. Das lässige „Elevator Operator“ und das schrammelige „An Illustration Of Loneliness (Sleepless In New York)“ hören sich nach Sheryl Crow in cool an. Und dann gibt es diese herrlichen Lärmattacken. „Small Poppies“ lässt ja wohl jedes Indieherz höher schlagen. Ein bisschen Pavement, ein bisschen L7, ein bisschen Marnie Stern. „Pedestrian At Best“ legt dabei sogar noch Hitqualitäten an den Tag. Es geht aber auch einfach mal verträumt. Das verhuschte „Depreston“ zeigt, dass Courtney Barnett auch auf leisen Sohlen wandeln kann. „Aqua Profunda!“ knüpft in Stones-Garagenmentalität daran an und auch „Dead Fox“ gefällt zunächst mit einer beschwingt Melodie, bevor die Gitarre alles zersägt was sich ihr in den Weg stellt. Über allem schwebt der Nichtgesang von Courtney Barnett.

 

Aber keine Sorge, es geht mit „Nobody Really Cares If You Don´t Go To The Party“ in Rrrrot Girl-Gefilde. Also irgendwie. Oder in die Elastica-Richtung. Auf jeden Fall gehört das alles zur guten Seite der Populärmusik. Klar, mit „Debbie Downer“ variiert sie das nur noch ein bisschen und „Kim´s Caravan“ mäandert erst ein wenig ziellos durch die Gegend, bevor es zwischen Shoegaze und Neil Young noch ordentlich kracht. „Boxing Day Blues“ entlässt einen mit viel Gefühl sehr melancholisch aus diesem Album.

 

Fazit: Nicht in London, nicht in New York und schon garnicht in Berlin schlägt momentan das Indieschrammelherz. Nein, aus dem fernen Melbourne schickt sich Courtney Barnett an, den verwaisten Thron zu besteigen. Mit ihrem Debütalbum legt sie ein sauberes Werk mit viel Melodie, viel Krach und noch mehr Herz vor. Die Platte ist herrlich unperfekt und auf gewisse Art und Weise unbekümmert. Ihr schon oftmals gerühmter Wortwitz trägt sicher dazu bei, dass Courtney Barnett der neue Liebling am Indiehimmel werden könnte.

 

http://courtneybarnett.com.au/

 

Text: Torsten Schlimbach

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