Chvrches: Love Is Dead

Chvrches: Love Is Dead

Universal

VÖ: 25.05.2018

 

Wertung: 7/12

 

Lauren Mayberry, Iain Cook und Martin Doherty sind zurück. Mittlerweile veröffentlicht das Trio als Chvrches schon das dritte Studioalbum. Die schottische Synth-Pop-Formation hat sich einen festen Platz in der Radiolandschaft gesichert und daran dürfte auch „Love Is Dead“ nichts ändern. Die Band achtet ja peinlich genau auf die Außendarstellung. Nichts geschieht ohne deren Einverständnis und die erfolgreiche Karriere will weiter am Leben gehalten werden. Es stellt sich dabei natürlich immer die Frage, ob darunter nicht die Kunst leidet, wenn man immer nur darauf achtet, was den Leuten gefallen könnte?! Ist das noch ehrliche Musik? Vielleicht ist das Trio aber genau deshalb eine erfrischende Ausnahme, weil kein Hehl daraus gemacht wird, dass alles geplant wird. Bisher haben sie auch jedes einzelne Stück, das ihr Studio verließ, selbst produziert.

 

„Love Is Dead“ ist da nun etwas anders geartet. Dave Stewart – genau, DER Dave Stewart – fungierte für das neue Werk als eine Art Mentor. Steve Mac hat „Miracle“ co-produziert und mit Greg Kurstin hat man für acht der zwölf Songs einen weiteren prominenten Co-Produzent engagiert. Der Mann hat immerhin schon für Adele oder Beck gearbeitet und ist somit durchaus ein Schwergewicht der Branche. Abgesehen davon hat Lauren ihre Texte nicht isoliert und im Alleingang verfasst. Diesmal war die komplette Band gemeinsam in einem Raum anwesend und somit dürften sie sich während der Aufnahmen noch mal ganz neu sortiert haben. „Love Is Dead“ ist zudem – auf seine Art und Weise – ein politisches Album geworden. Die letzten Jahre sind auch an den Chvrches nicht spurlos vorbeigegangen und die fehlende Empathie dieser Tage ist durchaus ein Thema. Lauren befasst sich auch noch mit ihrer Rolle als Frau in diesem Business. Es war die letzten Jahre nicht immer schön und leicht für sie, aber jetzt darf sie auch endlich darüber reden.

 

Im Vorfeld der Veröffentlichung war zu lesen, dass sich Chvrches an Nick Cave und Depeche Mode zu deren „Songs Of Faith And Devotion“-Phase orientieren würden. Das trifft auf „Love Is Dead“ aber nun nicht zu. Im Grunde ist vieles wie gehabt. Aber eben nicht alles. „Graffiti“ ist Synthpop der alten Schulen. Die musikalische Stimmung ist positiv und das geht gut ins Ohr und die Beine. Hits schreiben kann das Trio definitiv. „Get Out“ ist so ein Hit. Die Melodie setzt sich – ob man nun will oder nicht – unweigerlich in den Ohren fest. Der passende Song zu den sommerlichen Temperaturen.

 

„Deliverance“ ist etwas nachdenklicher. Sogar ein Stück düsterer als man es von Chvrches gewohnt ist. Erwachsen sind sie geworden. So ein bisschen Kim Wilde schwingt da mit. „My Enemy“ - auch mit männlicher Stimme – ist ein ganzes Stück experimenteller ausgefallen. „Forever“ gefällt durch den langsamen Aufbau, bevor der Beat einen auf die Tanzfläche zerrt. Spätestens mit „Nevery Say Die“ wird klar, dass die kindliche Unbekümmertheit weg ist. Chvrches haben eine Menge erlebt und das schlägt sich auch auf die Songs nieder. „Miracle“ ist allerdings komplett drüber. Von allem zu viel. Die Düsternis, die der Track ausstrahlt, wird vielleicht noch mal eine neuer Hörerschicht anlocken.

 

„Graves“ ist Wegwerfpopmusik, die in der richtigen Stimmung sogar Spaß machen kann. „Heaven/Hell“ kann sich nicht entscheiden zwischen Bubblegum-Pop und anspruchsvoller Kunst. Das mit den kunstvollen Verschachtelung kriegt „God´s Plan“ besser hin. Jetzt klingt das tatsächlich ein Stückcken wie Depeche Mode, aber wie zu deren Spätphase. Die männliche Stimme verstärkt den Eindruck zusätzlich. „Really Gone“ ist ganz dezent arrangiert und lebt im Grunde von der glasklaren Stimme. Eine Ballade, die dem Trio durchaus gut zu Gesicht steht. „ii“ ist ein kurzes Instrumental, bevor „Wonderland“ das Album auf einer positiven Wolke entschweben lässt.

 

Fazit: Die Chvrches haben ihre Unschuld verloren. „Love Is Dead“ beschreitet jetzt zwar nicht komplett neue Wege, aber der Synthpop ist erwachsener ausgefallen. Das Händchen für Hits ist geblieben. Mitunter ist das nun sogar das beste Album der Band – zumindest für das Dreamoutloudmagazin und wenn dieser Weg weiter beschritten wird, dann ist sogar irgendwann eine 12/12-Wertung drin, denn die Chvrches steigern sich hier kontinuierlich.

 

https://chvrch.es/

 

Text: Torsten Schlimbach

Chvrches: Every Open Eye

Chvrches: Every Open Eye (Deluxe Edition)

Universal

VÖ: 25.09.2015

 

Wertung: 6/12

 

Für Lauren Mayberry, Iain Cook und Martin Doherty wurde vor zwei Jahren ein Traum wahr. Das Debütalbum „The Bones Of What You Believe“ wurde aus dem Stand zu einem beachtlichen Erfolg. Immerhin konnte das junge Glasgower Trio davon mehr als 500.000 Einheiten verkaufen. In der heutigen Zeit ist das durchaus ein nicht zu verachtender Erfolg. In nur zwei Jahren spielten sie sich zudem den Allerwertesten ab und kommen auf atemberaubende 364 Shows! Respekt! Neben vielen ausverkauften eigenen Konzerten, spielten Chvrches auf so ziemlich jedem wichtigen Festival. Nun folgt mit „Every Open Eye“ schon das Zweitlingswerk. Wie so viele andere Künstler, die sich in dieser Bandphase befinden, entstand ein Großteil dieser Songs schon während der Soundchecks und Proben auf Tour. Die Demos wurden rund um den Globus verteilt angefertigt. Im bandeigenen Alucard Studios wurde das Album dann endgültig auf den Weg gebracht.

 

Auch „Every Open Eye“ ist durch und durch zugänglich. Dies traf auch schon auf das Debüt zu. Der Sound hat sich auch nicht sonderlich geändert und Chvrches haben in dieser Hinsicht durchaus eine Art Trademark geschaffen. Das ist perfekt inszenierter Synthpop, der immer noch deutliche Referenzpunkte hat und die 80er mehr als nur zitiert, dabei aber trotzdem im Hier und Jetzt verankert ist. Zuerst wurden für das Album die Klangwelten kreiert. Dabei haben sich Chvrches allerdings nicht verzettelt und ausschweifendes Gefrickel aufgenommen. Das Gegenteil ist der Fall und das Trio hat sich da auf die wesentliche Dinge beschränkt: Melodie und Rhythmus. Es ist sogar auf seine Art ein minimalistischer Sound. Und man hört Chvrches an, dass da eine Weiterentwicklung stattgefunden hat und das Trio nicht nur älter, sondern auch auf wesentlich mehr Erfahrung bauen kann. Der Gesangsteil wurde übrigens ganz zum Schluss eingefügt. Die Texte dazu schrieb Lauren während der vielen Touren.

 

„Every Open Eye“ ist erneut ein Popalbum wie es im Buche steht. Die Stimme von Lauren ist immer noch etwas dünn und reißt keine Bäume aus. Vielleicht ist es aber auch diese kindliche Naivität, die da immer noch mitschwingt, die das Besondere der Chvrches-Songs ausmacht. „High Enough To Carry You Over“ setzt mit seiner männlichen Stimme da einen schönen Kontrastpunkt. Mit „Empty Threat“ gibt es dann direkt das überbordende und verspielte, kindliche Gegenstück dazu. Musik von Chvrches macht gute Laune. Das ist derart für die Massen kompatibel, dass sich vom Indie-Hipster bis zur Omi alle darauf einigen können. Und doch schafft es das Trio der ganzen Geschichte einen individuellen Sound zu geben. Trotzdem ist dieser Popkitsch in dieser Dosis auch zu viel Süßkram – so wie Zucker für die Zähne.

 

„Never Ending Circles“ ist zu Beginn derart überdreht wie Kinder bei einer Geburtstagsparty. Das – in Teilen – düstere „Leave A Trace“ ist aber sicher einer der besten Popmelodien, die man dieses Jahr auf die Ohren bekommt. „Keep You On My Side“ ist dann auch gesanglich mal etwas direkter und fordernder. Gehetzt gar. Tut dem Song aber ungemein gut.

 

„Just Can´t Get Enough“ von Depeche Mode nennt sich im Jahre 2015 übrigens „Clearest Blue“. Nun ja. Etwas überladen ist das Album auch, denn irgendwann gleichen sich Songs wie „Playing Dead“ oder „Bury It“ einfach zu sehr. Das düstere „Afterglow“, ein Song, der an ein Musical erinnert, beendet das eigentliche Album. Danach folgen auf der „Deluxe Edition“ noch vier Bonustracks. „Up In Arms“, „Get Away“ und „Bow Down“ sind im bekannten Schema F gehalten. Das düstere, zerbrechliche „Follow Up“ - mit männlichem Gesang – setzt noch mal einen schönes Ausrufezeichen.

 

Fazit: „Every Open Eye“ von Chvrches knüpft an das Debüt an, ist aber ein bisschen minimalistischer und ein bisschen erwachsener ausgefallen. Der Synth-Pop hat immer noch jede Menge 80ies Referenzen und ist süßlich wie Zuckerwatte. Wer den Erstling liebt, wird auch mit „Every Open Eye“ glücklich werden – sofern der Hipster-Zug nicht längst wieder zum nächsten Bahnhof gefahren ist.

 

http://www.chvrch.es/

 

Text: Torsten Schlimbach

Chvrches: The Bones Of What You Believe

Chvrches: The Bones Of What You Believe

Universal

VÖ: 20.09.2013

 

Wertung: 5/12

 

Nach der EP ist vor dem Album. Immerhin, alles was mit „Recover“ versprochen wurde, löst die Band mit dem seltsamen Namen nun mit „The Bones Of What You Believe“ ein. Ist dies nun ein gutes oder eher schlechtes Zeichen? Das liegt ja immer im Auge des jeweiligen Betrachters. In diesem Fall natürlich in den Ohren. Wer vor dreißig Jahren schon auf der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen war, weil das damalige Musikgeschehen so nervte, wird an den Chvrches keine Freude haben. Die 80er sind hiermit ganz offiziell wieder zurück. Nicht so wie bei anderen Künstlern, die den Sound adaptieren! Die Chvrches lassen dieses Jahrzehnt nicht wieder auferstehen, sie kommen per Fluxkompensator direkt aus diesem zu uns gereist. Da werden für manch einen Albträume wahr. Andere wiederum klatschen vor Begeisterung in die Hände – so ist es eben manchmal.

 

Warum dieser ganze Hype entstanden ist, lässt sich nur schwerlich erklären. Das erste musikalische Lebenszeichen war mit „Lies“ aber derart treibend und druckvoll, dass sich darauf alle einigen konnten. Selbst die Nine Inch Nails Fangemeinde wurde von dem düsteren Stück angesprochen. Danach gab es kein Halten mehr und so manches Gerücht machte die Runde und eine Art Legendenbildung entstand, die wiederum nur auf Mutmaßungen basierte. Im Vorprogramm von Depeche Mode konnte die Band dann erstmals ihre Livequalitäten vor einer großen Zuschauermenge unter Beweis stellen. Dort war auch das Publikum zu finden, welches dem Sound der Chvrches offen gegenüber stehen sollte.

 

Jetzt gibt es den Synthpop, der mal süßlich und dann wieder düster ist, auf Albumlänge. Das dünne Stimmchen von Lauren Mayberry und der leichte Popsound ermöglichen mit „The Mother We Share“ einen ganz sanften Einstieg in die Platte. Und so geht es lustig weiter. „We Sink“ bollert sich wie frisch aus einem Spiel für den altehrwürdigen C64 direkt in die Gehörgänge und auch „Gun“ verbreitet fluffige und gute Poplaune. Die Keyboards geben dazu alles, kaum zu glauben, dass Iain Cook bei den ganz famosen Aerogramme einst die Rockwelt auf den Kopf stellte. „Tether“ lässt allerdings aufhorchen. Das Balladengewand sitzt, passt und hat Luft. „Under The Tide“ scheint diesmal allerdings für den nächsten Super Mario Spaß konzipiert zu sein, während „Night Sky“ noch mal die Pophörerschaft bedient. „Lungs“ sorgt immerhin mit etwas mehr Pepp und Beats für mehr Groove. Alles so schön 80ies natürlich. Das düstere „Caught The Light“ mit Männerstimme geht dann im Schlussspurt auch glatt als Sieger über die Ziellinie. Schade, dass die Glasgower sich nicht öfters auf derartiges Terrain getraut haben und eher dem süßlichen Popkitsch frönten. Der Bonustrack „Strong Hand“ wildert noch mal in Ellie Goulding Gefilden, aber die dürften ja mittlerweile abgegrast sein. Wer von „The Mother We Share“ noch einen Remix braucht, bitteschön. Selbiger ist nicht mehr ganz so zuckersüß, aber für Karies reicht es trotzdem noch.

 

Fazit: „The Bones Of What You Believe“ löst alles ein, was die Auskopplungen vorab schon versprachen. Wer aufgrund jener Songs also schon ganz heiß auf das Erstlingswerk der Chvrches war, kann sich nun mit dieser Platte abkühlen, es wird begeistern. Es erschließt sich aber immer noch nicht, warum alle Welt durchdreht, denn diese Synthpop-Kapelle macht nichts, aber auch gar nichts, was man in den 80ern nicht schon so geliebt oder gehasst hat. Verschiedene Sichtweisen, verschiedene Meinungen, nur bei der musikalischen Ausrichtung kann es derer keine zwei geben.

 

http://www.chvrch.es/

 

Text: Torsten Schlimbach

Chvrches: Recover EP

Chvrches: Recover EP

Universal

VÖ: 05.04.2013

 

Ist die Maschine erst mal angesprungen, dann läuft es fast wie von selbst. Die Chvrches können davon ein Liedchen trällern. Glaubt man nämlich den einschlägigen Gazetten, dann ist dies die Band der Stunde und die Band der Stunde hat natürlich den Sound für das Jahr 2013 im Gepäck. Die Glasgower tauchen beispielsweise auf der renommierten BBC-Liste „Sound Of 2013“ auf Platz 5 auf. Mittlerweile ist man aber auch in Deutschland hellhörig geworden und Spiegel Online hat die Chvrches auf Platz 9 der „Pop Prognose 2013“ gesetzt. Zeit Online sieht in der Kapelle ebenfalls eine der ganz großen Hoffnungen für das laufende Musikjahr. Die Blogger erwachen so langsam auch aus dem Winterschlaf – es ist also alles für die Chrvrches angerichtet und der rote Teppich ausgerollt.

 

Jetzt gilt es einstweilen die „Recover“ EP zu begutachten. Der Song selber sorgte ja schon für einigen Wirbel und Zane Lowe hat die Nummer gleich als „hottest record in the world“ ausgerufen. Kleiner ging es wohl nicht?! Es erschließt sich nämlich nicht so ganz, warum genau dieser Wirbel entstanden ist. An der Musik kann es kaum liegen. Nichts auf dieser EP ist auch nur im Ansatz neu. Natürlich kann man jetzt fragen, was denn überhaupt noch neu ist, klar. Der Sound ist aber derart retro, dass manch einer nach seinem Krokodil-Shirt und seinen verstaubten Schweißbändern im Keller suchen wird. Die Kleidung dazu sollte unbedingt bunt sein – mit anderen Worten, „Recover“ ist eine Zeitreise in die 80er. Das Vergnügen ist aber eher von zweifelhafter Natur.

 

Synthesizer-Melodien die größer sein wollen als sie letztlich sind. Darauf scheinen die Chrvches den kompletten Sound aufzubauen. Natürlich gehen die süßlichen Popmelodien gut ins Ohr und die kristallklare Stimme von Lauren Mayberry umschmeichelt den Zuhörer, dass man sich glatt in Watte eingepackt fühlt. Die Tradition der Remixe wird mit dieser EP ebenfalls hochgehalten. Von „Recover“ gibt es derer nun nämlich gleich zwei Stück. Der „Cid Rim Remix“ pluckert zunächst gemächlich dahin, knallt zum Refrain aber ordentlich rein – in die Beine. Mit dem „Curxesi 1996 Remix“ gibt es das Gegenstück dazu. Hier ist nichts mit gemächlich, das Ding bollert und walzt alles über den Haufen. „ZVVL“ wird dagegen von den beiden Herren – Iain Cook und Martin Doherty – dominiert. Lauren Mayberry hält sich bei diesem Song eher im Hintergrund. Der Track ist irgendwo im Spannungsfeld von Depeche Mode, OMD und New Order angesiedelt. Es gibt sicher schlechtere Referenzen. „Now Is Not The Time“ entpuppt sich als lupenreine Popmusik – und fertig ist die EP. Jetzt können die ganzen Hipster ja weiter das Rad schlagen.

 

Fazit: Die „Recover“ EP von Chrvches lässt einen etwas ratlos zurück. Das ist also der Sound, der die Musikwelt mal wieder auf den Kopf stellen soll. Hatten wir das nicht schon alles vor dreißig Jahren? Der Band kann man daraus sicher keinen Vorwurf machen. Wer also auf Synthesizer-Melodien mit süßlichem Gesang abfährt, ist hier goldrichtig. Wer den neusten Trends nachrennt sowieso. Vielleicht ist das aber auch nur etwas für die jüngeren Semester. Eins ist klar: dieser Sound gehört in die Clubs!

 

http://chvrch.es/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch