Chris Rea: Santo Spirito Blues (3CDs/2DVDs)

Chris Rea: Santo Spirito Blues (3CDs/2DVDs)

Rhino/Warner

VÖ: 09.09.2011

 

Wertung: 8,5/12

 

Chris Rea meldet sich zurück – und wie! Damit hätten wohl nur die Wenigsten gerechnet, denn es gibt nicht nur das neue Album „Santo Spirito Blues“, sondern auch gleich noch zwei Filme zu bestaunen! Diese Seite von Chris Rea dürfte weniger bekannt sein. Er ist aber sowohl bei „Bull Fighting“ wie auch bei „Santo Spirito“ für Drehbuch und Regie verantwortlich. Die Musik ist selbstverständlich auch noch immer seine Leidenschaft und somit gibt es bei der dicken Box auch gleich drei CDs und eben die beiden DVDs als Gesamtpaket zu erwerben.

 

Bei „Bull Fighting“ sieht man zunächst zu sehnsuchtsvollen spanischen Gitarre minutenlang den Torero um eine Frau sich drehend. Als Betrachter bekommt man das Geschehen übrigens nur ab der Taille geboten. Die Gesichter bleiben so im Verborgenen. Der Dialog, der die Grausamkeit des Stierkampfes anprangert, kann lesend verfolgt werden. Die musikalische Untermalung soll nicht gestört werden, da diese auch für die nötig Dramaturgie sorgt. Die Grausamkeit des Stierkampfs wird danach schonungslos offenbart und die Gedanken des Stiers - der schließlich sein Leben verliert - als Text eingeblendet. Zum Schluss gibt es noch eine überraschende Wendung....Die Bilder im zweiten Film „Spirito Santo“ wirken verstörend und anklagend. Die düstere Schwarzweiß-Atmosphäre und die musikalisch bedrohlich wirkende Untermalung sorgen zusätzlich für Beklemmungen. Man folgt einem Mann auf der Suche nach der Wahrheit durch Florenz. Selbigen Mann sieht man aber immer nur per Schatten mit einem riesigen Hut. Dass die Kirche, Jesus und Gott bei dieser Stadt eine Rolle spielen, dürfte klar sein. Ob man fündig wird? Zumindest werden die Bilder zum Schluss bunt und der Meister singt zu uns...nein, nicht der...sondern Chris Rea. Vermutlich gehören diese beiden Filme und die musikalische Umsetzung zum Ambitioniertesten, was der gute Chris je gemacht hat.

 

Dagegen verblasst das eigentliche Album ja fast ein wenig. Dabei hat auch „Santo Spirito Blues“ eine ganze Menge zu bieten. Da wäre beispielsweise der knochentrockene Bluesstampfer „Dancing My Blue Away“. Überhaupt hat man bei dieser Platte den Eindruck, dass Rea die Musik so ursprünglich wie möglich aufnehmen wollte. Auch „Rock And Roll Tonight“ kommt derart ungeschliffen daher, dass man es kaum glauben kann. Die Gitarre heult und jault wie zu besten Zeiten. Mit „Never Tie Me Down“ watet er gar durch die tiefsten Blues- und Boogiesümpfe. So gut hat man Chris Rea seit gefühlten Jahrzehnten nicht mehr in den Ohren gehabt.

 

Die obligatorischen poppigen Stücke gibt es auf der Platte allerdings auch wieder. „The Chance Of Love“ ist dann wieder ein Rückfall in alte Zeiten – schade. Auf der anderen Seite gibt es ja genug Menschen, die Chris Rea genau für diesen Schmalz lieben. Es ist aber schön zu hören, dass er sich hier meistens wie der Hund von der Kette durch Rock- und Bluesgefilde ackert. Wie knackig kommt doch „The Last Open Road“ um die Ecke gebogen! Oder wie erdig kommt „The Way She Moves“ angekrochen. Oder man nehme den Bass, der einem bei „Dance With Me All Night Long“ durch die Glieder fährt.

 

Fazit: Über die beiden Filme kann man jetzt streiten. Optisch sind diese schon sehr künstlerisch umgesetzt worden. Eine Botschaft gibt es kostenlos obendrauf und die Musik passt perfekt zu den gezeigten Bildern (auf zwei Einzel-CDs ebenfalls enthalten). Für die einen wird es Kunst sein, für die anderen kompletter Unsinn. Das eigentliche Album „Santo Spirito Blues“ ist allerdings ein Kracher. Man hat Chris Rea selten – wenn überhaupt jemals – derart ungeschliffen den Rock und Blues spielen hören. Hier wurden sämtliche Ecken, Kanten und der Rotz der Straße so belassen, wie sie waren. Über die wenigen Ausfälle in alte Zeiten kann man ja getrost weghören!

 

http://www.chrisrea.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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