Chris Cornell: Higher Truth

Chris Cornell: Higher Truth

Universal

VÖ: 18.09.2015

 

Wertung: 8/12

 

Chris Cornell hat mit Soundgarden gerade Pause, da legt er mit „Higher Truth“ mal eben ein Soloalbum vor. Die Erwartungshaltungen waren gemischt, denn „Scream“ ist immer noch nicht ganz verdaut. Auf der anderen Seite war „Songbook“ wiederum derart gut, dass man durchaus gespannt auf sein neustes Werk wartete. Die Genialität seiner ersten Platte „Euphoria Morning“ hat man wohl nicht erwartet und doch lässt sich da so manche Parallele erkennen. Mit Brendan O´Brien hat er sich den Haus- und Hofproduzenten von Pearl Jam und Bruce Springsteen ins Boot geholt. Mit Matt Chamberlain hat er für einige Drumparts zudem noch einen alten Freund gewinnen können. Gerade in der Szene von Seattle ist der Mann ja kein Unbekannter. Für einen Monat war er sogar mal Mitglied bei Pearl Jam und zählt mittlerweile zu den gefragtesten Studiodrummern der USA und gehört zudem zur festen Liveband von Tori Amos. Chris Cornell überlässt auf „Higher Truth“ nichts dem Zufall.

 

„Higher Truth“ ist ein zurückgenommenes Album. Bisweilen gar ein minimalistisches Werk. Und es ist ein Soloalbum! Chris Cornell singt, spielt Gitarre, Bass, Mandoline und ist teilweise auch noch für die Percussion verantwortlich. Sein Stimmumfang ist immer noch beachtlich. Bei „Worried Moon“ kann er die ganze Bandbreite zeigen. Auch, wenn die Songs auf einem Fundament mit Akustikgitarre stehen, schwingt sich Cornell eben auch mal in bombastische und mit Pathos beladene Gefilde auf. Leider muss man da auch schmalzige und zuckersüße Dinge ertragen, wie beispielsweise die Ballade „Before We Dissapear“. Eigentlich würde „Through The Window“ in eine ähnliche Richtung gehen, wenn da nicht diese wundervolle Instrumentierung wäre. Das Spiel auf der Akustikgitarre ist einfach zum Niederknien. Insgesamt hat der Song glatt was von einem Vorweihnachtslied.

 

Der Albumauftakt ist mit „Nearly Forgot My Broken Heart“ und dem Mandolineneinsatz durchaus gelungen. Der Song zieht aber – wie so viele auf „Higher Truth“ - noch an und öffnet sich für eine größere Instrumentierung – inklusive schrägem Solo. Schon hier wird aber klar, dass Cornell ein traditionelles Singer/Songwriter-Album aufgenommen hat, wenn auch die Mittel und Möglichkeiten etwas üppiger und großzügiger ausgelegt wurden. „Dead Wishes“ fängt gar wie ein Led Zeppelin-Stück an. Oder sind es die Beatles!? Es ist ein schönes Kleinod. „Higher Truth“ ist nicht modern, es auf seine Art sogar zeitlos.

 

Man sollte diese Songs ohne störenden Umwelteinflüsse hören, denn sonst rauscht das alles an einem vorbei. Dies ist jetzt der zehnte Durchlauf und erst jetzt, bei totaler Konzentration auf „Higher Truth“, zündet das alles. Das eindringliche Akustikstück „Josephine“ - übrigens grandios gesungen – sorgt dabei sogar für eine dicke Gänsehaut. „Murderer Of Blue Skies“ unterstreicht nachhaltig, dass dies auch sehr persönliche Geschichten sind. Die Wendung des Songs ist auch toll und plötzlich rockt das Ding noch. Der Titeltrack „Higher Truth“ basiert auf einem Pianothema, kriegt aber auch noch einen dreckigen Anstrich verpasst, nur um im nächsten Moment wieder pathetisch auszuufern. „Let Your Eyes Wander“ und „Only These Words“ sind unspektakuläre Nummern für das Lagerfeuer. An dieser Stelle könnte das Album etwas mehr Pepp vertragen. „Circling“ ist doch etwas einschläfernd. „Our Time In The Universe“ ist zum Schluss dann noch mal der Wachmacher. Da packt Cornell alles rein was geht. Und so ein bisschen erinnert das Poppige dann sogar an „Scream“...

 

Fazit: „Higher Truth“ von Chris Cornell ist eine sehr ordentliche Platte. Auf einem akustischen Fundament erbaut, öffnet sich der Sound auch mal opulent und bombastisch. Der Rock bleibt hier nicht gänzlich vor der Tür, spielt aber nur eine untergeordnete Rolle. Es ist im Grunde eine Singer/Songwriterplatte, die auch mal ein bisschen Led Zeppelin und Beatles-Luft einatmet. Nach hinten raus geht „Higher Truth“ aber auch etwas die Luft aus. Alles in allem ist das aber genau das richtige Album für den Herbst. Decke bereitlegen und zuhören!

 

http://chriscornell.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Chris Cornell: Songbook

Chris Cornell: Songbook

Universal

VÖ: 25.11.2011

 

Wertung: 9/12

 

Chris Cornell ist in der Spur zurück. Soundgarden wurden zumindest live wieder ins Lebens gerufen, die Matte sitzt wie zu Beginn der 90er und auch solo scheint der Mann den Weg raus der Einbahnstraße gefunden zu haben. Mit dem fürchterlichen Dancebrei seiner Soloscheibe „Scream“ hatte er sich ja irgendwie komplett im Nebel verirrt. Nun ist ja alles gut und man höre und staune, jetzt wird Cornell gar als Singer/Songwriter angepriesen. So richtig, mit allem was dazugehört, also so ganz im Stile eines Bob Dylan.

 

Zu verdanken hat er diesen Ritterschlag seiner US Tour im Frühjahr, die unter dem Banner „Songbook“ lief. Nun gibt es auch auf CD erstklassige Mitschnitte dieser Konzerte zu hören. Und ja, auch „Scream“ ist vertreten und mit „Ground Zero“ hat Chris Cornell auch eine Nummer ausgewählt, die einem eine schöne Entenpelle beschert. Eine Zäsur stellt das aber trotzdem für den Künstler dar. Von den Anfgangstagen des Grunge bis hin zur dezenten und alleinigen musikalischen Begleitung auf der Akustikgitarre war es schließlich ein langer Weg. Die Genre-Veteranen scheinen mittlerweile aber sowieso diese Schiene für sich entdeckt zu haben. Lanegan fischt ja schon länger in ruhigeren Gewässern und Eddie Vedder hat seine Ukulele. Alle eint die ausdrucksstarke Stimme.

 

Und selbige kann Cornell immer noch in den Ring werfen und stellt alles und jeden in den Schatten. Schön zu hören, dass man auch die brüchigen und kratzigen Momente bei „Sear On The Sky“ nicht nachbearbeitet hat! Dies verleiht dem Song letztlich noch mehr Ausdruck und Verletzlichkeit. Besonders beeindruckend ist die Coverversion von „Thank You“. An diesem Stück haben sich ja schon ganz andere verhoben und selbiges in den Sand gesetzt. Cornell zeigt hier eine bärenstarke Gesangsleistung und unterstreicht abermals, dass er Robert Plant stimmlich sehr nahe steht und sein legitimer Nachfolger ist.

 

„Songbook“ glänzt mit sehr viel Tiefe und Intensität. Gerade bei diesen spärlich instrumentierten Songs trennt sich wohl die Spreu vom Weizen und es zeigt sich, wer stimmlich tatsächlich zu einem Ausnahmetalent gehört. Chris Cornell gehört im Rockbereich definitiv zur letzten Kategorie. Er weiß sich im richtigen Moment zurückzunehmen und so wird beispielsweise „Cleaning My Gun“ zum stimmlichen Wunderwerk, weil es der Sänger versteht mit seinem Organ geschickt und einer Leichtigkeit zu variieren wie es eben nur die Großen schaffen.

 

Besonders schön ist auch die Tatsache, dass er seine Vergangenheit nicht vergessen hat. Andere verweigern ja bei ihrem Soloprogramm gerne mal die Hits vergangener Zeiten. Das düstere und eindringliche „Fell On Black Days“ von Soundgarden gibt es ebenso zu hören wie den Überhit „Black Hole Sun“. Ist ja keine Überraschung, da Cornell das schon immer gemacht hat. Und das ist auch gut so. Und wer bei „Fell On Black Days“ in dieser Version keine Gänsehaut bekommt muss wohl total abgestumpft sein. „Imagine“ von Lennon hätte er sich zwar schenken können, aber gut, dies sei ihm verziehen und man hat es auch schon schlechter präsentiert bekommen. Beendet wird „Songbook“ von „The Keeper“. Diese Komposition für den Film „Machine Gun Preacher“ wurde vom Artist Director als einer der besten Songs, den Cornell je geschrieben hat, geadelt. Inspiriert wäre dieser gleichermaßen von Dylan und Plant. Dies kann man übrigens für das komplette Live-Album so stehen lassen.

 

Fazit: „Songbook“ wird die musikalische Welt nicht erschüttern, aber im Backkatalog von Chris Cornell eine ganz besondere Stellung und Bestandsaufnahme darstellen. Bis auf das nackte Gerüst wurden die Songs wunderbar interpretiert. Cornell unterstreicht, dass er mit einer ganz besonderen Singstimme gesegnet ist. Schön, dass man kleine Fehler nicht bearbeitet hat und somit ist dies das musikalische Dokument ganz intimer Konzertmomente. Was sagt eigentlich Trenz Reznor dazu?

 

http://chriscornell.com/songbook/

 

Text: Torsten Schlimbach

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