Carl Carlton: Woodstock & Wonderland Live

Carl Carlton: Woodstock & Wonderland Live

Staages Music/Cargo Records

VÖ: 17.03.2017

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Würde es Carl Carlton nicht geben, man müsste ihn glatt erfinden. Der Mann lebt und liebt die Musik wie kaum ein Zweiter in diesem Land. Mitunter ist der Gitarrist sogar der einzige Künstler aus Deutschland, der tatsächlich jedem internationalen Vergleich, wenn es um handgemachte Musik nach alter Tradition geht, standhält. Meist steht der Große bei uns auf der Bühne neben Lindenberg, Westernhagen oder Maffay und macht irgendwas ganz Tolles auf den sechs Saiten. Abgesehen davon ist Carl Carlton ein wirklich netter und sehr angenehmer Zeitgenosse mit dem Herz auf dem richtigen Fleck! Mit „Woodstock & Wonderland Live“ wird nun eine Doppel-CD veröffentlicht, die Carl Carlton und seinem Musikverständnis am ehesten gerecht wird. Der Mann gehört einfach auf die Bühne!

 

Wer seinen bisherigen Werdegang verfolgt hat, wird anhand des Titels unschwer erkennen, dass die vorliegende Veröffentlichung die beiden Konzerttourneen von 2015/16 - „Spirit Of Woodstock“, „Spirit Of Wonderland“ - abbildet. Daraus wurden nun 17 Songs ausgewählt.

 

Carl Carlton ist sicher nicht der weltbeste Sänger, aber das weiß er auch selber. Dafür hat er eine sehr angenehme Singstimme wenn er denn vor das Mikrofon tritt. Es geht ja auch nicht darum möglichst perfekt zu sein, sondern die Musik zu leben und das tut der Mann. Handwerklich ist sein Können natürlich über jeden Zweifel erhaben. Dabei geht es weniger um die Technik, sondern um sein intuitives Spiel. Höher? Schneller? Weiter? Nicht mit Carl Carlton. Gitarre spielen ist ja schließlich kein Höchstleistungssport. Dies bedeutet natürlich nicht, dass es nicht auch mal ein amtliches Solo wie bei „Invincible“ gibt.

 

Mit „Woodstock“ von Joni Mitchell fängt das Set ganz hervorragend an. Da wird ein toller Spannungsbogen aufgebaut und atmosphärisch ist dieses feine Stück herausragend. Carl Carlton und seine Musiker fallen mit diesem eher düsteren Songs auch nicht mit der Tür ins Haus, sondern kommen auf ganz leisen Sohlen daher. „The Weight“ von Robbie Robertson ist einer der Lieblingssongs von Carl Carlton und entsprechend eindringlich ist die musikalisch Interpretation. Es ist ja nie so einfach, einen Klassiker der Musikgeschichte zu covern, aber die Band macht das hier auf eine sehr schöne Art und Weise. „Cissy Strut“ ist funky und das lässige „Don´t Do It“ groovt wie Sau. Die gefühlvolle Interpretation der Springsteen-Nummer „Atlantic City“ dürfte auch dem Boss gefallen. Der Mann kann auch erdigen Blues, wie er mit „Little Red Rooster“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Na gut, „The Times They Are A-Changin´“ wirkt nun wirklich etwas ausgelutscht.

 

„Moonlight In New York“ ist zwar etwas windschief, versprüht aber sehr viel Charme. Das zärtliche „Little Men In The Radio“ passt danach perfekt in das Set. Übrigens, neben einigen eigenen Stücken aus seinem letzten Studio-Album „Lights Out In Wonderland“ ist auch der 2011 zum 50jährigen Jubiläum von Amnesty International von Carl Carlton und Larry Campbell komponierte Titel „Toast To Freedom“ enthalten. Da darf man sich schon mal auf eine dicke Gänsepelle einstellen.

 

Fazit: „Woodstock & Wonderland Live“ unterstreicht nachhaltig, warum Carl Carlton einer der besten Musiker dieses Landes ist. Er fühlt sich ganz der amerikanischen Musiktradition verpflichtet. Mit grandiosen Musikern im Rücken setzt er die Songs kongenial um. Atmosphärisch ist das unglaublich dicht, dazu gleichzeitig sehr geerdet, charmant und sympathisch und in der Umsetzung wirklich sehr gelungen!

 

http://carlcarlton.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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