Brody Dalle: Diploid Love

Brody Dalle: Diploid Love

Caroline/Universal

VÖ: 25.04.2014

 

Wertung: 9/12

 

Das ist es nun, das erste Solowerk von Brody Dalle. Dies verwundert insofern dann schon, da man die Altpunkerin irgendwie schon immer als Solistin auf dem Zettel hatte. Als Schreihals bei The Destillers oder Spinnerette stand sie ja auch immer im Mittelpunkt und war das unumstrittene Zentrum des Geschehens. Der Rest der Mannschaft war sowieso nur schmuckes Beiwerk. Dies liegt mitunter auch daran, dass die Australierin durch ihre Liebschaften mit Tim Armstrong und seit ein paar Jahren mit Genie Josh Homme auch für die Klatschspalten der Yellow Press ein gefundenes Fressen war und ist. Mittlerweile ist sie zweifache Mutter und ihr Leben scheint endlich in geordneten Bahnen zu verlaufen. Es war ein langer Weg bis dahin und „Diploid Love“ ist das vorläufige Ergebnis, welches den ganzen Ballast der Vergangenheit aufarbeitet.

 

Man kommt nicht umhin Vergleiche zu ziehen. Der Ehemann wird allgemein als begnadeter Musiker und Songschreiber wahrgenommen und dort ist die Ehefrau, die sich ebenfalls im Musikgeschäft versucht, sich aber eine ganze Ecke mehr abstrampeln muss. Hatten wir das nicht alles schon mal? Dalle und Homme scheinen dies alles aber besser zu meistern und doch kommt man nicht umhin unweigerlich an Kurt und Courtney zu denken. Hört man sich „Diploid Love“ an, dann sind die Parallelen noch offensichtlicher. Brody Dalle mag vom Alter nicht mehr dazu taugen und doch ist die erblondete Dame der Krachmacherstraße das Punk-Rock-Riot-Grrrl schlechthin – auch das hatten wir schon. Brody Dalle schafft es aber, dass dies bei ihr ohne den Anflug einer Peinlichkeit funktioniert. Ob sie dabei in eine Rolle schlüpft oder nicht, ist dabei völlig egal.

 

Brody Dalle scheint jedenfalls mächtig angepisst und wenn sie in „Rat Race“ losplärrt als wären sämtliche Dämonen der Vergangenheit hinter ihr her, dann erinnert dies an das brillante Album „Live Through This“ von Hole. Auch stimmlich. Die Bläser hat Dalle hier sehr schön im Hintergrund versteckt und doch tun sie dem Stück unglaublich gut. „Underworld“ ist ein Tritt in die Fresse – aber mit Anlauf. Das ist Punkrock der alten Schule. Die Altvorderen hätten daraus allerdings drei Stücke gemacht, Dalle zieht dieses Monster über die fünf Minuten Marke. „Don´t Mess With Me“ wartet mit einer Ar Offbeat auf und „Dressed In Dreams“ ist eine ganze Ecke tiefer gestimmt. Die Welt ist schlecht. Die Gestrandeten der Gesellschaft sind Dalle dabei immer noch näher als all jene, die sie aufgrund ihrer Berühmtheit hofieren. Dies ist Musik für die Nacht, wenn die ganzen Freaks die Stadt bevölkern. Zwischen Kotze und Pisse steigt Brody Dalle aus ihrem Loch. Selbst die Ballade „Carry On“ - mit Electrobeats – wirkt da eher verstörend. Das rumpelnde Klavier verstärkt diesen Eindruck nur noch. Brody Dalle ist die Schwester im Geiste von Shirley Manson.

 

„Meet The Foetus/Oh Joy“ bollert und scheppert sich durch die Gegend, als wäre das Stück zwischen brennenden Mülltonnen aufgenommen worden. Die Nummer hat sie geschrieben, bevor sie das zweite Mal schwanger war. Das sind jetzt gut und gerne auch schon zwei Jahre her. Sie hat also lange und immer wieder an diesem Album gearbeitet. „Underworld“ stammt ja sogar noch aus ihrer Zeit bei „The Destillers“. „I Don´t Need Your Love“ klingt als spräche sie direkt aus der Gruft zu einem. Dalle singt mit Kopfstimme, dadurch und den sich langsam dahinschleppend Beat ist das gute Stück regelrecht unheimlich. „Blood In Gutters“ holt noch mal die Punkvollbedieung hervor. So wunderschön schreit ja heute keine Frau mehr wie dies die gute Brody im Refrain praktiziert. Arschcool. Mit „Parties For Prostitutes“ lässt sie zum Schluss gar noch einen Hauch von New Wave zum Fenster herein. Muss man da noch erwähnen, dass sie auch hier wieder in die Hölle hinabsteigt? Mach es gut Brody! Komm bitte schnell wieder, wir brauchen dich hier oben!

 

Fazit: „Diploid Love“ ist ein verdammt starkes Album. Brody Dalle ist die ungekrönte Herrscherin über die Punk-Rock-Riot-Grrrls. Alles war Courtney Love falsch gemacht hat, macht sie offensichtlich richtig. Die erstaunlichste Erkenntnis dürfte sein, dass man der Mutter, Ehefrau von Josh Homme, der doch sie Sonne aus dem Hintern scheinen müsste, dies alles abnimmt. Brody Dalle schlüpft da in keine Rolle, sie biedert sich auch nirgendwo an, sie kotzt sich einfach mal auf eine ehrliche Art und Weise aus. „Diploid Love“ übt trotz dem ganzen Dreck, Rotz und der Hoffnungslosigkeit für die Menschheit, eine Faszination aus, der man sich kaum entziehen kann – und auch nicht will! Gut gebrüllt, Frau Dalle!

 

http://www.brodydalle.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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