Bob Marley & The Wailers: Easy Skanking In Boston ´78 (CD/DVD)

Bob Marley & The Wailers: Easy Skanking In Boston ´78 (CD/DVD)

Universal

VÖ: 13.02.2015

 

Wertung: 9/12

 

Einer der ganz Großen hätte am 06.02. einen runden Geburtstag gefeiert. Bob Marley wäre an diesem Tag 70 Jahr alt geworden. Der Mann und sein Schaffen sind unvergessen und immer wieder neue Generationen entdecken ihn, seine Musik und seine politische Haltung auf ein Neues. Grund genug also, dass dieses Jahr gefeiert wird. Die Marley-Familie hat sich dazu etwas ganz Besonderes ausgedacht und die Archive geöffnet. Das ganzes Jahr über sollen viele rare Aufnahmen zugänglich gemacht werden, aber auch seine Alben sollen als Deluxe-Editions in neuem Glanz erstrahlten. Den Anfang macht nun „Easy Shanking In Boston ´78“. Hierbei handelt es sich um einen historischen Mitschnitt zweier Shows vom 08. Juni 1978 aus der Boston Music Hall!

 

Wie kommt es überhaupt, dass Material von diesen Konzerten vorliegt? Marley höchstpersönlich hatte einem Fan erlaubt in der ersten Reihe zu sitzen und das Ereignis per Handkamera zu filmen. So kriegt „Easy Skanking In Boston ´78“ natürlich noch mal eine ganz besondere Note, denn man sieht das quasi durch und mit den Augen eines Fans. Es dürfte klar sein, dass dies nichts mit den Hochglanzproduktionen unserer heutige Zeit zu tun hat. Dazu aber gleich mehr.

 

Zunächst sticht diese Veröffentlichung auch optisch hervor. Als kleine Box macht das sicher in jedem Fanschrein eine gute Figur. CD und DVD werden im Inneren sicher aufbewahrt. Als besonderer Hingucker erweist sich aber das Booklet, welches als Buch durchaus einiges an Mehrwert bietet. Für das Interview mit Marley aus der NY Amsterdam News braucht man zwar gute Augen oder eine Lesbrille, aber das ist natürlich dem Format geschuldet. Einige Informationen zu den Songs und auch zu den Wailers hinterlassen einen ebenso positiven Eindruck wie auch die S/W-Bilder. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, da es das Package CD/DVD für knapp 22 Euro zu kaufen gibt!

 

Wie bereits erwähnt, darf man von der DVD keine Wunderdinge erwarten. Trotzdem ist das Bild erstaunlich gut restauriert worden. Da hat man schon wesentlich schlechtere Aufnahmen gesehen. Insgesamt liegen sieben Songs vor, die allerdings vom Bildmaterial nicht komplett live sind. Hier musste man mit allerlei Tricks arbeiten und das teilweise Ein/Aus/Überblenden, mit Zeitlupen hantieren oder die ganze Geschichte – mit an Marley angelehnten – Zeichnungen kaschieren. In der ersten Hälfte sieht man Marley meist auch nur von der linken Seite gefilmt. Dies ändert sich aber und bei „Jamming“, „War/No More Trouble“ und „Exodus“ sind die Musiker dann auch frontal eingefangen worden. Unter dem Strich ist das durch den Einsatz der Fankamera, die zudem noch ganz vorne postiert war, über 45 Minuten eine sehr intime Angelegenheit.

 

Die CD hält dann noch mehr Material bereit. Insgesamt finden sich hier dreizehn Songs wieder. Der Sound dürfte so manchen überraschen, denn der ist unter dem Gesichtspunkt des Alters der Aufnahmen schlichtweg brillant. Man höre sich nur „Burnin´+ Lootin´“ an, da ist ja jede feine Nuance zu hören. „Them Belly Full“ und „The Heathen“ bestätigen aber auch den Eindruck der ersten beiden Songs: das Tempo scheint einigermaßen gedrosselt zu sein. Man will da nicht gleich von uninspiriert sprechen, denn das war bei Marley eigentlich sehr selten der Fall. Konzerte sind aber eben auch kräftezehrend. „I Shot The Sheriff“ ist dann ja wieder das erwartbare Manifest. „Lively Uo Yourself“ wird besonders durch die Wailers zum Ereignis. Diese Version unterstreicht abermals, dass Marley stets famose Musiker hinter sich wusste. Das Gitarrenspiel lässt Keith Richards sicher vor Neid erblassen. „Get Up Stand Up“ und „Exodus“ unterstreichen ganz zum Schluss, warum Bob Marley und seine Musik unsterblich sind und er einen derartigen Legendenstatus innehat!

 

Fazit: „Easy Skanking In Boston ´78“ von Bob Marley & The Wailers macht den vielen Fans nun Material zugänglich, welches seit Jahrzehnten in den Archiven schlummerte. Sieben Songs liegen auf der DVD vor, die von einem Fan aus der ersten Reihe mit der Erlaubnis von Marley per Handkamera gefilmt wurden. Als Zuschauer erhält man hier einen sehr intimen Einblick. Das ist nicht perfekt und manchmal musste das Material mit ein paar Tricks aufgefüllt werden und doch bietet sich dem geneigten Fan hier eine ganz besondere Atmosphäre. Die CD hat dann noch ein paar Songs mehr an Bord. Der Sound ist schlichtweg brillant und jede feine Nuance lässt sich da ausmachen. Man hat sicher schon besseres Livematerial von Marley zu hören bekommen und doch ist das für ein paar magische Momente gut. Die Aufmachung hinterlässt zudem einen sehr positiven Eindruck!

 

http://www.bobmarley.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Bob Marley & The Wailers: Marley OST (2 CD)

Bob Marley & The Wailers: Marley OST (2 CD)

Universal

VÖ: 13.04.2012

 

Wertung: 8/12

 

Der Regisseur Kevin MacDonald hat sich nach seinen preisgekrönten Filmen der jüngeren Vergangenheit diesmal ein ganz besonderes Thema zur Brust genommen. Kein Geringerer als Bob Marley, der Superstar des Reggae, wurde dabei mit einem Film der Extraklasse geehrt. Zu sehen gibt es dort sehr viele rare und unveröffentlichte Szenen. Intime Gespräche mit Freunden und der Familie setzen den Held von Jamaika sehr schön in Szene. Die Liveaufnahmen fangen den Spirit und die musikalische Brillanz des Ausnahmetalents vermutlich gar am nachhaltigsten ein.

 

Kein Film ohne Soundtrack! Im Falle von „Marley“ ist das selbstverständlich nicht anders – wie könnte es auch? Das wäre ja auch ein unverzeihlicher Fehler. Das Songmaterial von Marley und seinen Wailers ist bekanntlich ziemlich abgegrast worden und kaum etwas scheint unveröffentlicht. Trotzdem hat man sich hier die Mühe gemacht zwischen die ganzen bekannten Songs und Hits auch seltenes Materiall zu packen. Diese Veröffentlichung verkommt somit nicht zur bloßen und zigsten „Greatest Hits“ Nabelschau.

 

Mit „Corner Stone“, „Judge Not“ und „Simmer Down“ kann man den Hardcore Marley-Fan sicher nicht überraschen, für viele andere dürfte dieses Material aber weitestgehend unbekannt sein. Zudem unterstreichen gerade diese Songs, dass die Wailers zu Karrierebeginn noch auf der Suche nach ihrem Sound waren. Das klingt dann auch mehr nach dem musikalischen Amerika dieser Zeit und eben nicht nach Jamaika und Reggae. Neben zu erwartenden Hits wie „Crazy Baldhead“ oder „Natty Dread“ fangen gerade die Livesongs „Trenchtown Rock“ (live aus dem Roxy) oder „War“ (live aus dem Rainbow) sehr gut die Konzertatmosphäre ein.

 

Natürlich dürfen die Klassiker wie „Get Up Stand Up“, "Could You Be Loved“ oder „Redemption Song“ nicht fehlen. Ob man den Dub Mix von „Exodus“ unbedingt gebraucht hätte, sei mal dahingestellt. Das größte Schmankerl dieser beiden CDs ist aber ohne Wenn und Aber die Liveversion von „Jammin“ vom One Love Peace Concert. Diese Aufnahme ist nicht nur erstmals auf einer CD enthalten, sondern ist auch von geschichtsträchtiger Bedeutung. Marley legte hier die Hände der erbitterten politischen Rivalen Michael Manley und Edward Seaga ineinander. Diese Geste war ein großer Schritt auf dem Weg zur Wiederherstellung des Friedens im konfliktgebeutelten Jamaica. Leider ist die Qualität dieser Aufnahme alles andere als gut und leiert wie eine durchgenudelte Kassette. Die historische Bedeutung ist hierbei aber sowieso wesentlich wichtiger!

 

Fazit: Der Soundtrack zu „Marley“ hat überraschend viele Argumente abseits der erwarteten „Greatest Hits“ Zusammenstellung zu bieten. Viele Liveaufnahmen und auch unbekanntere Songs zeigen die vielen Inkarnationen von Bob Marley. Mit der geschichtsträchtigen Version von „Jammin“ hat man sogar noch ganz tief in die Raritätenkiste gegriffen. Braucht man diese Doppel-CD? Vermutlich nicht, aber diese beiden Silberlinge gewähren mehr als nur einen Einblick in die musikalische Welt von Bob Marley und den Wailers, die sollten dabei nämlich nicht vergessen werden.

 

http://www.bobmarley.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Bob Marley And The Wailers: Live Forever (2 CD)

Bob Marley And The Wailers: Live Forever (2 CD)
Universal

 

Wertung: 8/12

 

Die Beliebtheit von Bob Marley ist immer noch immens groß. Im Gegenteil, sein Status als Ikone wird immer größer und immer wieder wächst eine neue Generation heran, die an seinen Lippen klebt. Sein Einfluss ist immer noch ungebrochen und obwohl Marley als Vertreter für das Reggae-Genres steht, wird er auch von Leuten geachtet, die mit dieser Musik eigentlich nicht viel anfangen können. Warum das so war und ist kann man nun auf einem beeindruckenden Tondokument nachhören.

 

Für Fans wird der 18. März 2011 ein ganz besonderer Festtag werden. Erstmals überhaupt gibt es das Konzert vom 23. September 1980 nun als offizielle Veröffentlichung käuflich zu erwerben. Diese Aufnahme hat mehr als dreißig Jahre auf dem Buckel, klingt - mit Abstrichen - aber derart frisch, als wäre es gestern gewesen. Das letzte Konzert von Bob Marley wurde über weite Strecken klanglich wunderbar aufbereitet. Natürlich erscheint dieses besondere Zeitdokument nun wie üblich auch in verschiedenen Formaten.

 

Diese zwanzig Songs sind wie ein Sog und reißen einen als Zuhörer mit. Die Uprising-Tour hatte aber auch einiges zu bieten. „Natural Mystic" und „Positive Vibration" verbreiten eine Intensität, dass eine Entenpelle vorprogrammiert ist. „Burnin´ Lootin´" schleppt sich derart langsam daher, dass es förmlich knistert. Höhepunkte gibt es viele, egal ob „War/No More Trouble" oder „Zimbabwe", die beide unter die Haut gehen. „No Woman No Cry" fällt dagegen überraschend etwas ab, das hat man schon besser gehört.

 

Die zweite CD fällt auch klanglich etwas ab. „Jamming" klingt beispielsweise wie in einer Blechbüchse aufgenommen. Dafür besticht die Aufnahme eben mit Authentizität und da darf es eben auch mal übersteuern. Neben „Exodus" überzeugt der abermals intensive „Redemption Song". Schade, dass „Get Up Stand Up" zum Schluss nur noch Bootleg-Charakter hat. Macht unter dem Strich aber nichts, denn der Wert dieser Aufnahme ist nicht hoch genug einzuschätzen und besser, wie ein beschnittenes Konzert.

 

Fazit: Für Fans wird „Live Forever" ein Fest sein. Mehr als dreißig Jahre nach dem letzten Konzert von Bob Marley liegt diese Aufnahme nun endlich vor. Die erste CD ist klanglich topp. Das kann man vom zweiten Silberling leider nicht behaupten. Dies wird aber durch die intensiven Darbietungen der Songs wieder ausgeglichen. Wer Bob Marley etwas abgewinnen kann, sollte sich dieses Konzert nicht entgehen lassen!

 

http://www.bobmarley.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch