Black Stone Cherry: Family Tree

Black Stone Cherry: Family Tree

Mascot Label Group/Rough Trade

VÖ: 20.04.2018

 

Wertung: 9,5/12

 

Black Stone Cherry sind der Prototyp einer Southern Rock-Band der härteren Gangart. Man hört der Musik dieser Kapelle immer an, wo sie die musikalischen Wurzeln hat. Das ist immer auf dem Fundament der 70er Rock Größen erbaut worden. Die Band ist sich dieser Tatsache durchaus bewusst und somit wurde das sechste Studio-Album „Family Tree“ betitelt. Auf diesem Werk huldigen die Musiker mit eigenem Material den Vorbildern der vergangenen Dekaden. Produziert wurden die Songs erneut von der Band selbst. Wie schon beim Vorgänger, spielten sie die Scheibe in David Barricks „Barrick Recording Studio“ ein.

 

„Family Tree“ ist das, was man ein geiles Rockalbum nennt. Da ist alles drin und dran: Blues, Soul und Rock mit all seinen Facetten, angefangen bei Hardrock und mit Southern-Rock noch lange nicht am Ende angekommen. Es finden sich auch durchaus einige Americana-Momente wieder und auch Stoner ist da nicht so weit entfernt. „Bad Habit“ geht richtig straight los. Im Mittelteil gibt es dann ein Oldschool-Solo mit ordentlich Slide Guitar. „Burnin´“ wechelt innerhalb des Songs mehrfach die Richtung. In erster Linie ist das Southern Rock, aber auch ein bisschen Country und ein bisschen Hardrock. Der Bass treibt das ganze Geschehen vor sich her. Man hört hier deutlich, dass die ganze Band am Songwriting beteiligt war. „New Kinda Fellin´“ hat im Hintergrund noch ein geiles Honky Tonk Piano am Start. Das macht schon Laune. Das ist im Grunde ein Sommeralbum. Die Atmosphäre von „Family Tree“ ist unglaublich aufgeladen.

 

„Carry Me On Down The Road“ ist ein weitere Höhepunkt des Albums. Infiziert vom Blues, aber auch vom R&B. Gary Clark Jr. kommt einem da in den Sinn. Da immer nur Vollgas auf Dauer auch langweilig wird, braucht es auch mal etwas zur Entspannung. Das gut abgehangene „My Last Breath“ kommt da genau richtig. Die Party geht dann ja mit „Southern Fried Friday Night“ weiter. Warren Haynes ist bei „Dancin´ In The Rain“ dabei. Das macht Sinn, denn Black Stone Cherry und Gov´t Mule sind Brüder im Geiste. „Ain´t Nobody“ ist per se nicht schlecht, allerdings fehlt da etwas der Spannungsbogen und die zündende Idee. Das könnte auch von Kid Rock sein, aber das ist ja nun nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal.

 

„James Brown“ hat mit dem Namensgeber des Songs nichts zu tun. Das ist ein astreines Hardrocj-Stück, welches sogar ein bisschen beim Stoner vorbeischaut – zumindest wenn man beispielsweise Monster Magnet auch in dieser Ecke sehen würde. Groovt aber gut. „You Got The Blues“ ist ähnlich ausgerichtet, was dann wiederum nicht sonderlich spannend ist. „I Need A Woman“ kommt da lässiger rüber. „Get Me Over You“ bringt im Mittelteil noch etwas Schamanenhaftes unter. Der Titeltrack „Family Tree“ fasst die Essenz des Albums dann zusammen.

 

Fazit: „Family Tree“ ist ein hervorragendes Album von Black Stone Cherry. Wer traditionellen Rock and Roll liebt, kriegt hier alles geboten was das Herz begehrt. Das ist durch und durch authentisch – von Soul über Blues, weiter zu Stoner- und Hardrock, Americana bis hin zu R&B. An der einen oder anderen Stelle hätte man sich mehr Ideenreichtum gewünscht, aber alles in allem knallt das ordentlich rein. Sollte man dieses Jahr auf dem Zettel haben!

 

www.blackstonecherry.com

 

Text: Torsten Schlimbach

Black Stone Cherry: Kentucky

Black Stone Cherry: Kentucky

Mascot Label Group/Rough Trade

VÖ: 01.04.2016

 

Wertung: 9/12

 

Die Jungs von Black Stone Cherry sind mächtig stolz. Nicht nur, weil sie mit „Kentucky“ ein neues Baby geboren haben, sondern weil die Deutschlandtour restlos ausverkauft ist. Die Tickets gingen rasend schnell weg und entsprechend groß war die Freude im Camp der Band. Das Veröffentlichungsdatum des neuen Albums lag zu diesem Zeitpunkt ja auch noch in weiter Ferne. Dies zeigt, dass die Kapelle hierzulande eine treue Fangemeinde hat. Die Vorschusslorbeeren müssen nun natürlich auch gerechtfertigt werden. „Kentucky“ dürfte die Erwartungshaltungen noch übertreffen! So sieht das mal aus.

 

Seit im Jahr 2006 das Debüt der Band veröffentlicht wurde, sucht man nach einer Schublade, in die man die Musik einsortieren kann. Immer wieder wird Southern Rock genannt. Warum eigentlich? Hardrock wäre da schon naheliegender. Mit „Kentucky“ stoßen Black Stone Cherry vielleicht sogar noch mal eine neue Tür auf. Letztlich ist das Rock der härteren Gangart, aber über diese Songs wurde eine große Portion Grunge gepinselt. Quasi in jedem Song lässt sich eine Referenz zu einer anderen Kapelle der 90er ableiten. Ok, nicht nur, denn mit „War“ gibt es auch eine Coverversion des Edwin Starr-Songs – geschrieben von Norman Whitfield und Barrett Strong. Der Antikriegssong kommt zwar hart daher, lässt das Original aber durchaus deutlich erkennen. Bläser im Background sorgen zusätzlich für den Wiedererkennungswert.

 

Fangen wir mal vorne an. „The Way Of The Future“ klingt verdammt noch mal nach einem brillanten Stück von Soundgarden. „In Our Dreams“ hört sich dann eher nach Alice In Chains an und mit „Shakin´ My Cage“ geht es dann in die Stone Temple Pilots-Ecke. Erstaunlicherweise passt sich die Stimme auch immer wieder an. Was sich jetzt aber wie ein billiger Abklatsch der alten Helden liest, ist alles andere als das. Black Stone Cherry haben verdammt noch mal Bock. Und davon gleich eine ganze Wagenladung voll. Das lässige „Soul Machine“ hat mit dem Backchor tatsächlich so etwas wie Soul. „Long Ride“ kommt wie eine Mischung aus 3 Doors Down und Creed daher. Na gut, die Frauenherzen wollen ja auch erobert werden. Die Herren können immerhin dazu ein bisschen cruisen.

 

„Kentucky“ ist einfach lässig und macht Spaß. „Hangman“ ist auch in den 90ern zuhause und auch „Cheaper To Drink Alone“ erfreut das Rockherz. „Feelin´ Fuzzy“ ist der passende Songtitel zur Musik und mit „Darkest Secret“ gibt es ja noch mal das volle Brett auf die Zwölf. „Born To Die“ ist auf der Zielgeraden eine groovy Ballade mit einer starken Hookline. „The Rambler“ ist dann der berühmte Ausreißer: so eine Folkballade würde Eddie Vedder gefallen.

 

Fazit: „Kentucky“, das neue Album von Black Stone Cherry, ist stark. Ja, die Songs sind zwar auch im gestern verankert, aber welche Musik ist das nicht? Also irgendwie jedenfalls. „Kentucky“ lässt deutliche Anleihen beim Grunge erkennen. Dass dies kein Plagiat ist, liegt an der immens großen Spielfreude der Herren. Die Jungs schmeißen sich derart mit Spaß und Anlauf in die Tracks, dass man ihnen jeden Ton abnimmt – und dann funktioniert das auch im Jahre 2016! Und wie!

 

http://www.blackstonecherry.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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