Black Sabbath: 13

Black Sabbath: 13

Universal

VÖ: 07.06.2013

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Die Geschichte von Black Sabbath gibt so ziemlich alles her, was man im großen Rockbuch nachlesen kann. Neben musikalischen Sternstunden gab es auch einige sehr unschöne Tiefschläge für Fans und Band gleichermaßen zu verkraften. Der ganze Laden wurde zwar irgendwie von Tony Iommi zusammengehalten, aber selbst er dürfte ins Straucheln geraten, wenn es darum geht sämtliche Besetzungen aufzuzählen. Drogen, Abstürze und Streitereien bis zur totalen Funkstille gehören ebenso zur Geschichte, wie sensationelle Platten und Erfolge. Jetzt legen Black Sabbath mit „13“ noch mal ein Comeback hin, welches für viele Kritiker wie ein Schlag in die Fresse sein dürfte.

 

Eine der jüngeren Legenden will es so: Black Sabbath taten sich am 11.11.2011 mit Rick Rubin zusammen um ihre Reunion anzukündigen. Sie wissen zwar nicht, dass an diesem Tag Karnevalsbeginn ist, aber dies passt natürlich irgendwie schon wieder in das Gesamtbild. Bis „13“ schließlich fertig war, hatte die Band abermals mit einigen schweren Schicksalsschlägen und Turbulenzen zu kämpfen. Die Krebserkrankung von Tony Iommi schockte alle. Und dann fühlte sich auch noch Drummer Bill Ward nicht genug gewürdigt und war besonders auf das Vertragswerk – ja, so etwas gibt es bei erfolgreichen Bands – sauer und stieg aus. Damit war die Urbesetzung also auch wieder zu den Akten gelegt. Man heuerte Brad Wilk von Rage Against The Machine an. Seine Arbeitsnachweise der Vergangenheit können sich ja durchaus hören und sehen lassen. Trotzdem sind die Drums der große Schwachpunkt auf „13“. Im direkten Vergleich fehlt einfach dieser sensationelle Groove mit dem Ward den ganzen Laden zusammengehalten hat. Auf der vorliegenden Platte ordnet und sortiert sich das Spiel eher unauffällig ein. Ein bisschen mutlos, aber diese drei Urviecher aus Birmingham können einen sicher auch ganz schön einschüchtern und da ist es vielleicht nicht die schlechteste Idee sich eher im Hintergrund zu halten.

 

Jetzt kommen wir zur den vielen guten Nachrichten. Black Sabbath und Rick Rubin sprachen ja davon, dass sie mit „13“ zurück zu den Wurzeln wollten und das beste Album der Bandkarriere aufgenommen werden sollte. Den letzten Punkt kann man aber getrost vernachlässigen. Was sollen sie denn auch sonst erzählen? Man wolle eine ganz okaye Platte machen? Sicher nicht! Zurück zu den Wurzeln sind sie aber definitiv gekehrt. Wer hätte den älteren Jungs das denn noch zugetraut? Ozzy klingt verdammt noch mal wieder wie in den 70ern. Wie man ihn dazu gebracht hat? Rick Rubin werden ja wahre Wunderdinge nachgesagt. Die schweren Riffs dürften alle Epigonen die Schamesröte in die Gesichter treiben. Knackig und kernig schält sich das doomige Gebräu aus seinem Kokon.

 

Der epische Beginn mit „End Of The Beginning“ mag gespickt mit den Trademarks der Anfangstage sein, aber wie „Black Sabbath“ diesen Song zelebrieren ist schon nicht von schlechten Eltern. Spätestens wenn Ozzy einsetzt breitet sich ein Schauer auf der Haut aus. Sobald das Riffgewitter seine Bahnen zieht, klappt einem die Kinnlade runter. Da sind sie wieder, die Väter des Heavy Metals und all seiner Nebenprodukte. Nach zweieinhalb Minuten wird das Tempo angezogen und die Band nimmt an Fahrt auf. Wie eine Dampfwalze fräsen sich die Herren durch dieses kleine Monster. Das düstere „God Is Dead?“ war ja der erste Vorbote von „13“. Auch hier sind sämtliche Zutaten des Sabbath-Sound vorhanden. Aber eben nicht so, dass es zur Farce verkommt. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Auch diese Nummer erstreckt sich auf über acht Minuten.

 

Mit „Loner“ setzt die Band dann genau den richtigen Kontrast zum psychedelischen Beginn. Das Stück rockt geradeaus – natürlich nicht ohne zwischendurch das Tempo zu variieren. Der Wert von Geezer Butler für diese Truppe ist nicht zu unterschätzen, denn er ist es, der einen solchen Song vorantreibt und Iommi den Rücken freihält. „Zeitgeist“ ist danach eine Art psychedelische Halbakustikballade, die sicher auch auf „Vol. 4“ ein Plätzchen gefunden hätte. Nach hinten raus wird dies gar noch zum verträumten Blues. Heavyness wird mit „Age Of Reason“ wieder ganz groß geschrieben. Die Faust geht automatisch in die Höhe und danach darf die Nackenmuskulatur gerne einem Tauglichkeitstest unterzogen werden. „Live Forever“ wirkt rast- und ruhelos und galoppiert unaufhaltsam durch die düstere Nacht. „Damaged Soul“ geht tatsächlich noch mal ganz zurück zu den Anfängen. Toll zu sehen, dass Black Sabbath die Gratwanderung perfekt meistern, denn sie kommen auf „13“ nie in die Verlegenheit sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Zum Abschluss legen sie mit „Dear Father“ die Blaupause des eigenen Schaffens und die Quintessenz dieses dreizehnten Manifests vor.

 

Fazit: Im Vorfeld von „13“ war eine gewisse Skepsis durchaus angebracht. Paradoxerweise waren die Erwartungshaltungen gleichzeitig extrem hoch. Eigentlich konnten Black Sabbath nur verlieren. Und was passiert? Sie gehen als strahlende Sieger in die Geschichtsbücher des Jahres 2013 ein. Die Band hat das Kunststück vollbracht ein Brett vorzulegen, welches – abgesehen von den etwas schwachbrüstigen Drums – komplett überzeugen kann. Am meisten freut einen die Tatsache, dass sich dies nicht wie eine peinliche Kopie anhört. Black Sabbath sind auch in gesetzterem Alter noch eine Dampfwalze vor dem Herrn. Oder war es der Teufel?

 

http://www.blacksabbath.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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