Black Rebel Motorcycle Club: Specter At The Feast

Black Rebel Motorcycle Club: Specter At The Feast

Abstract Dragon Records/Cooperative Music

VÖ: 22.03.2013

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Sind wir mal ehrlich, in einer gerechten Welt wäre der Black Rebel Motorcycle Club längst im kollektiven Musikgedächtnis angekommen. Ist er aber nicht. Über den Status des Geheimtipps ist die Band auch längst hinaus. Diese Schuhe passen auch nicht mehr. Die Truppe passt eben in kein Muster und eine Schublade lässt sich auch nur schwerlich finden. Wer aber einmal dem Black Rebel Motorcycle Club und seiner Faszination erliegt, wird auf ewig zum treuen Anhänger mutieren. Und davon gibt es doch eine ganze Menge und somit tourt die Band mit jedem neuen Album durch die mittelgroßen Clubs und Hallen. Das letzte Werk „Beat The Devil´s Tattoo“ hat mittlerweile ja schon eine kleine Staubschicht angesetzt und somit kommt das sechste Album nun gerade zur richtigen Zeit.

 

„Specter At The Feast“ war alles andere als eine leichte Geburt. Die Band lässt selber verlauten, dass der ganze Prozess eine Menge Zeit in Anspruch genommen hat und dass die Band nach der letzten Tour an einem Punkt angekommen war, an dem es ein paar Schritte zurück gehen musste. Letztlich wurde die Platte im Studio von Dave Grohl in L.A. aufgenommen. Es gibt sicher schlechtere Orte um Songs einzuspielen. Weitere Tracks wurden im Rancho De La Luna Studio, Joshua Tree eingespielt. Der Rest des Album wurde in Robert Been’s Heimat Santa Cruz fertiggestellt. Fakt ist jedenfalls, dass die Band nach der Auszeit zu den eigenen Wurzeln zurückgekehrt ist und die Liebe zur Musik wiedergefunden hat. Als Referenz wird gar die erste eigene Platte genannt. Was das Gerede betrifft, unterscheiden sich die Kinder von der Krachmacherstraße also auch nicht sonderlich vom Rest der Bands da draußen. Müssen sie ja auch nicht, die Musik spricht ja eine deutliche Sprache.

 

These songs were born to be loud" sagt Robert dazu. Die Einschätzung hat er sicher nicht exklusiv und wenn man mal guckt, was die Fans so über die Band sagen „eine großartige Band, die im Nebel regungslos rumsteht und Krach macht“ passt das doch wieder wunderbar zusammen. Krach gibt es auf „Specter At The Feast“ reichlich. Fuzz-Gitarren, jede Menge Feedback, Psychedelic und natürlich auch das eine oder andere Blues-Lick dürfen nicht fehlen. Trotzdem hat die Band auch ein paar ruhigere Klänge untergebracht. Aber auch das kennt man ja schon aus der Vergangenheit. „Lullaby“ könnte man der Welt glatt als verschollenen Beatles Songs der Indien-Phase unterjubeln. Mit dem düsteren und mysteriösen „Hate The Taste“ gibt es gar einen Song, den Tarantino für einen Film verwenden könnte – falls er noch mal auf die Idee kommen sollte ohne Waltz zu drehen. Das epische „Fire Walker“ gehört gar mit zum Besten, was der Black Rebel Motorcycle Club bisher auf die Beine gestellt hat. Wenn nach 1:16 Minute einem der Bass durch Mark und Bein fährt und sich fortan dahinschleppt, ist es um den Zuhörer geschehen. Es dauert eine weitere Minute bis der Gesang einsetzt, der wiederum auf seine lakonische Art fesselt.

 

Straight nach vorne rockt sich „Let The Day Begin“. Unter den ganze Schichten hat die Band dabei eine Melodie und eine Art Refrain versteckt, für die so mancher Popact Haus, Hof, Mutter und die Oma verkaufen würde. Psychedelisches Gefrickel gibt es selbstverständlich in Hülle und Fülle. Bei „Returning“ ist selbiges aber so offensichtlich wie bisher noch nie. Aber Achtung, nicht verwirren lassen, denn auch dieses Ding überzeugt mit einem Melodiebogen, den nur wenige Künstler unter dem ganzen Rotz spannen können. Darf es auch mal voll auf die Zwölf sein? Ja? Bittschön, „Rival“ dürfte in dieser Hinsicht alle zufriedenstellen. In die Wüste geht es auch noch mal. Das ruppige „Teenage Disease“ lässt Josh Homme glatt vor Neid erblassen. Wer noch ein bisschen Blues-Voodoo braucht kommt anschließend mit „Some Kind Of Ghost“ auf seine Kosten. Sage noch einer, dass diese Band nicht vielfältig wäre! Das genaue Gegenteil ist ja der Fall! „Sometimes The Light“ wabert und wabert und wabert. Anhänger von Timothy Leary sind hier also genau richtig. „Funny Games“ nimmt nach hinten raus zum Glück aber noch mal etwas an Fahrt und Krach auf. Das wurde aber auch mal wieder Zeit. Mit „Sellt It“ gelingt gar noch mal ein Track, der an „Fire Walker“ rankommt. „Loose Yourself“ unterstreicht zum Schluss dann endgültig, dass der Black Rebel Motorcycle Club der legitime Nachfolger von The Jesus and Mary Chain ist.

 

Fazit: Es mögen sich die Gelehrten darüber streiten, welches Album nun das ultimative und beste Werk vom Black Rebel Motorcycle Club ist. Es lässt sich aber kaum darüber streiten, ob „Specter At The Feast“ nun eine sehr gute Platte ist oder eben nicht. Ohne Zweifel hat es die Band mal wieder geschafft mit variantenreichen und vorzüglichen Songs zu überzeugen. Wer etwas anderes behauptet, konnte mit dieser Band noch nie etwas anfangen. Die üblichen Trademarks sind allesamt vorhanden, das vorzügliche Songwriting sorgt aber dafür dass „Specter At The Feast“ zu einem großartigen Gesamtkunstwerk wird! Aber wir wissen ja, in dieser Welt gibt es keine Gerechtigkeit...

 

http://blackrebelmotorcycleclub.com/letthedaybegin/

 

Text: Torsten Schlimbach

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