Beth Hart: Fire On The Floor

Beth Hart: Fire On The Floor

Mascot Label Group/Rough Trade

VÖ: 14.10.2016

 

Wertung: 7,5/12

 

Beth Hart ist ja fast schon so produktiv wie Joe Bonamassa, mit dem sie ja auch schon ein gemeinsames Projekt auf die Beine gestellt hat. Frau Hart konzentriert sich dabei aber eher auf die Konzerte und Alben. „Better Than Home“ wurde letztes Jahr erst veröffentlicht und nun folgt mit „Fire On The Floor“ schon die nächste Platte. Schon während der Mixingphase von „Better Than Home“ wusste sie – so O-Ton Beth Hart -, dass sie ganz schnell ein weiteres Album aufnehmen wird. Produzent Michael Stevens starb damals an Krebs und somit wandte sich sie Sänger- und Songschreiberin an Oliver Leiber, damit „Fire On The Floor“ schnell auf den Weg gebracht werden konnte. Zwölf Songs sind es letztendlich geworden, die alle irgendwie die Einflüsse aus ihrer Kindheit wiederspiegeln. Die Platte ist somit abwechslungsreich geworden, denn natürlich ist sie damals mit sehr viel Musik in Kontakt gekommen.

 

Zusammengehalten wird das alles von dieser unvergleichlichen Stimme. Beth Hart ist extrem stolz auf diese Songs. Sie spricht von ihrem besten Album. Überraschend ist das nicht, das sagen ja nun mehr oder weniger alle Künstler über ihr aktuelles Werk. „Fire On The Floor“ ist sicher ein gutes Album, aber kein herausragendes. „Coca Cola“ ist sogar eine Nummer die sehr großes Nervpotenzial hat – auch, wenn sie da den Vamp gibt. Klasse ist der Auftakt mit „Jazz Man“. Bei diesem Barjazz-Stück kann sie ihre stimmliche Brillanz vollends ausspielen. Die Phrasierung und Tonalität kann man nicht lernen, das wurde Beth Hart in die Wiege gelegt. Die Soulballade „Love Gangster“ gefällt durch den Hang zur Düsternis. Die Nummer kann man sich gut in einem verrauchten Keller vorstellen. Die Herren tragen schicke Anzüge, die Damen ein Abendkleid.

 

Mit dem beschwingten „Let´s Get Together“ wagt sich die Dame mit der großen Stimme in Motown-Gefilde vor und „Love Is A Lie“ ist wiederum stimmlich ganz stark. „Fat Man“ rockt danach (endlich!) ordentlich durch die Prärie. Lässig, irgendwo zwischen Honky Tonk und Americana. „Fire On The Floor“ – der Song – entpuppt sich als traurige Ballade. „Woman You´ve Been Dreaming Of” zieht einen dann als Jazz-Klavierballade endgültig nach unten. „Baby Shot Me Down“ erinnert an Musicalmusik. „Good Day To Cry“ ist ganz düster, aber eine weitere Ballade, die zwar großartig gesungen wird, aber ein bisschen mehr Rock wäre da nicht schlecht. Den gibt es auch nicht mit „Picture In A Frame“. Ja, Balladen kann sie. Das zeigt sie auch bei „No Place Like Home“.

 

Fazit: „Fire On The Floor“ ist ein vielfältiges Album mit Soul-, Gospel- und Jazz-Einflüssen. Hin und wieder gibt es etwas Rock. Meist bewegt sich das aber im Balladenfach. Das ist sicher nicht schlecht und Beth Hart kann ihre Stimme da vollends ausspielen. Es hätte aber hin und wieder gerne etwas mehr zur Sache gehen dürfen. So stellt man ein weiteres, solides Album von Beth Hart in den Schrank. Irgendwie hat man immer das Gefühl, dass sie etwas unter ihren Möglichkeiten bleibt, denn dass sie singen kann, wie kaum eine Zweite, ist ja bekannt.

 

http://www.bethhart.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Beth Hart: Better Than Home

Beth Hart: Better Than Home

Mascot Label Group/Rough Trade

VÖ: 10.04.2015

 

Wertung: 7,5/12

 

Beth Hart hat eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht. Einst - als talentierte Rockröhre - schien sie aufgrund ihrer Suchtkrankheiten schon verloren zu sein. Sie hat ihren Hintern bewegt und sich selbst aus dem Dreck gezogen. Stück für Stück hat sie sich herausgearbeitet und wieder zurück in das Leben gefunden. Die Musik hat ihr dabei sicher ein Stück geholfen. Auch die mehrmalige Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa. Jetzt gibt es mit „Better Than Home“ ihr neues Album zu hören und hier verarbeitet sie sehr viel aus den düsteren Tagen. Es ist vielleicht ihr persönlichstes Werk, aber nicht ohne das Licht am Ende des Tunnels auch zu besingen.

 

Ob „Better Than Home“ ihr bestes Album ist? Nein. Es ist in jedem Fall ihr reifstes Werk und sehr selbstsicher. Songs, die aus ihrer Seele und ihrem Herzen kommen. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Kein Kalkül, kein doppelter Boden und es wird auch nicht auf irgendwelche Trends geschielt. Man spricht ja gerne mal von authentischen Platten, „Better Than Home“ ist so eine. Und was für eine. Und es ist – das war zu erwarten – ein zutiefst amerikanisches Album, welches musikalisch die traditionellen Stile pflegt.

 

Musikalisch geht es regelrecht beschwingt und positiv los. „Might As Well We Smile“ verbreitet einen guten Vibe zwischen Soul und Blues. Beth Hart agiert fast ein wenig wie eine Singer/Songwriterin. „Tell´em To Hold On“ lässt aber vom ersten Ton an keinen Zweifel daran, dass da etwas ganz Berührendes auf einen zukommt. Das ist der ganz eigene Gospel von Beth Hart. Das Stück baut sich schön auf, driftet glücklicherweise aber nie pathetisch ab und findet immer den richtigen Ton. „Tell Her You Belong To Me“ ist eine Ballade, bei der Beth Hart singt, als wäre der Teufel hinter ihrer Seele her. Wahrscheinlich ist er das auch.

 

Keine Sorge, die Dame weiß noch wie dreckiger Rock geht. „Trouble“ ist schön rotzig und hier zeigt sich auch, dass man die Art, wie Beth Hart singt, nicht erlernen kann. Der liebe Gott hat ihr das Talent einfach in die Wiege gelegt. Da passt dann auch das eigentlich unspektakuläre Americana-Stück „Better Than Home“ sehr gut ins Bild. „St. Teresa“ ist zwar nett, kann aber wenig Akzente setzen und „We´re Still Living In The City“ ist purer Balladenkitsch. Wäre da nicht diese Gänsehautstimme, dann würde man dankend abwinken – aber so?! „The Mood That I´m In“ erinnert vom Aufbau und der Instrumentierung an den großen Van Morrison. Locker und leicht schüttelt die gute Beth die Nummer aus dem Handgelenk. „Mechanical Heart“ kann das leider nicht bestätigen. Ein furchtbarer Song, bei dem auch erstmals gesanglich gehörig viel Nervpotenzial auszumachen ist. „As Long I Have A Song“ würde gut in die Weihnachtszeit passen. Punkt. Schade, dass mit „Mama This One´s For You“ eine weitere Ballade den Schlusspunkt setzt. Bei einem derart persönlichen Werk ist das vermutlich nicht anders zu erwarten.

 

Fazit: „Better Than Home“ ist das persönlichste Album von Beth Hart. Es ist zudem ein sehr erwachsenes und authentisches Werk. Es gibt Soul, Rock, Blues und Americana zu hören, aber meist bewegt sie sich im Balladenfach. Das ist mal berührend, mal kitschig, mal komplett drüber. Beth Hart ist immer dann gut, wenn sie nach Bauchgefühl agiert und dann singt sie auch wie keine Zweite auf diesem Planeten. „Better Than Home“ hat ein bisschen Schatten, aber auch viel Licht zu bieten – thematisch wie auch musikalisch.

 

http://www.bethhart.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Beth Hart: Bang Bang Boom Boom

Beth Hart: Bang Bang Boom Boom

Mascot Records/Rough Trade

VÖ: 05.10.2012

 

Wertung: 9/12

 

In letzter Zeit ist Beth Hart insbesondere durch ihre Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa in Erscheinung getreten. Diese Kollaboration hat ihr sehr gut getan! Davon kann man sich auf ihrem mittlerweile siebten Album „Bang Bang Boom Boom“ überzeugen. Als Produzent konnte sie übrigens erneut Kevin Shirley gewinnen. Jener Shirley sagt jetzt, dass sie eine der ganz Großen werden kann. Man widerspricht der Produzentenlegende ja nur ungern, aber das ist natürlich Quatsch. Beth Hart ist längst eine der ganz Großen! Kommerziell mögen andere erfolgreicher sein, denen vielleicht auch noch ein schöneres Image verpasst wurde, aber stimmlich können nur ganz wenige Damen des Showgeschäfts Beth Hart das Wasser reichen!

 

„Bang Bang Boom Boom“ unterscheidet sich schon deutlich von „My California“. Das 2010er Album schlug oft deutlich in Richtung Pop aus, dies ist nun nicht mehr der Fall. Beth Hart hat sich nun zwar nicht gänzlich davon abgewandt, aber das neue Album wurde um viele weitere Nuancen angereichert und sie hat hier in erstaunlich vielen Genres gewildert. Es ist schon klasse, wie sie das alles nur mit ihrer Stimme zusammenhält und das Album dadurch einen roten Faden hat.

 

Warum Beth Hart meilenweit über ihren Kolleginnen anzusiedeln ist? Man höre sich nur „Caught Out In The Rain“ an. Das kann man in keiner Gesangsschule der Welt lernen. Dieser Dreck in der Stimme, diese Straßenkötermentalität und diese latente Kratzbürstigkeit machen den Unterschied aus. Da stellen sich sämtliche Körperhaare ins Achtung. Abgesehen davon klingt bei Beth Hart nichts erzwungen. Erdig und ehrlich – es kann so einfach sein. Selbst im Swinggewand(!) von „Swing My Thing Back Around“ macht sie eine gute Figur. Die Ballade „There In Your Heart“ kommt dazu noch ohne jeglichen Kitsch aus, packt dafür aber ein Slash-Gedenksolo dazu. Weltklasse! Ein bisschen Reggae kommt noch bei „The Ugliest House On The Block“ dazu.

 

Beth Hart hat die Songs übrigens in Eigenregie verfasst. Die Qualität des Songwritings ist schon überraschend gut, auch da hat die Zusammenarbeit mit Bonamassa Früchte getragen! Besonders beim langsamen Blues von „Baddest Blues“ kommt dies zum Vorschein. Lediglich „Better Man“ ist etwas langweilig. Herzstück dieser Platte ist das schon erwähnte „Caught Out In The Rain“, welches sich über sieben Minuten zieht und zu keiner Sekunde langweilig ist.

 

Fazit: Beth Hart hat für ihr neues Album „Bang Bang Boom Boom“ ein feines Songwriterhändchen bewiesen. Zwischen Blues, Rock, Pop und Swing ist dies ein erstklassiges Album. Gerade die Stimme macht der Unterschied und so eine Röhre wie Beth Hart haben nicht viele und sie versteht diese auch einzusetzen. „Bang Bang Boom Boom“ klingt weder erzwungen noch künstlich. Dieses Album wollte die gute Beth genau so haben und darum strahlt es mit jedem Ton eine Ehrlichkeit aus, die die Sonne aufgehen lässt!

 

http://www.bethhart.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch