Beady Eye: BE

Beady Eye: BE

Sony

VÖ: 07.06.2013

 

Wertung: 7,5/12

 

Das Beady Eye Debüt „Different Gear, Still Speeding“ ist in der Nachbetrachtung doch etwas abgeflacht. Die Songs nutzten sich doch schnell ab und was blieb war irgendwas in Richtung Oasis B-Seiten. So richtig gemerkt hat man dies aber erst, als Noel Gallagher mit seinen High Flying Birds um die Ecke kam. Der große Bruder zeigte mal eben wo der Hammer hängt und Liam konnte sich noch mehr in seinen Schmollwinkel verkriechen. Und da sich der gute Noel mittlerweile auch als Frontmann wohlfühlt, bleibt für den kleineren Gallagher nicht mehr viel übrig. Der Stachel scheint tiefer zu sitzen als er zugeben mag. Dave Sitek soll es nun richten. Der Mann ist nicht nur Mitglied in einer der besten Indiebands der Neuzeit – TV On The Radio – er hat sich auch als Produzent schon seine Meriten verdient und war an so manchem großartigen Song beteiligt. Doch wie finden Manchester und New York zusammen?

 

Angeblich war alles ganz wunderbar. Liam weiß zu berichten, dass Sitek der beste Produzent ist, mit dem er jemals gearbeitet hat und Sitek wiederum ist von Liam und seinem Gesang begeistert. Den New Yorker hat es dann auch noch völlig aus den Schuhen gehauen, dass man lediglich das Mikrofon anmachen muss und Liam dann tatsächlich wie auf Platte klingt. Potzblitz, Sachen gibt es. Jungs, mal ehrlich, mehr habt ihr nicht zu sagen? So ein bisschen Mäuschen hätte man dann doch gerne gespielt, denn die beiden Herren sind ja als Dickköpfe bekannt und ein reger Austausch von Schimpfwörtern dürfte durchaus im Bereich des Möglichen gelegen haben. Elf Songs haben die Herren mit Hilfe von Andy Bell, Gem Archer, Chris Sharrock und Jay Mehler jedenfalls zustande gebracht. „BE“ ist nun das Ergebnis.

 

Beady Eye beweisen mit „BE“ durchaus Mut. Die Platte wirft doch einiges über den Haufen und ist kein weiteres Sicherheitsalbum auf der Britpop-Schiene. Hin und wieder hat Sitek auch seine Spielerreien von TV On The Radio untergebracht. Protools, Sampler, iPhone-Apps und der ganze Klimbim eben. Genau dann ist die Platte richtig gut. „Soul Love“ ist gar eine der Sternstunden von Gallagher. Oberflächlich betrachtet basiert der Song nur auf einem Akustikgitarre-Geplänkel und herrlich entschlackten Drums. Der Gesang dazu ist so nah wie selten. Nach zweieinhalb Minuten hat mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit Sitek das Ruder übernommen und dann hört sich das Stück nach dem Gewaber an, für das man den Mann kennt und auch schätzt. Der Opener „Flick Of The Finger“ ist eine überraschend starke Mischung aus den Strokes, Arctic Monkeys und Primal Scream. Bläser an den Beginn von „BE“ zu stellen ist mutig, überrascht bei dem bekannten Größenwahn aber auch nicht wirklich. Es funktioniert hier, weil der ganze unnötige Kram früherer Tage, sprich des Debüts aus der Oasis-Komfortzone, nicht mehr vorhanden ist.

 

„Face The Crowd“ erinnert an die Kinks und Iggy und seine Stooges. Beady Eye goes Punk. „Second Bite Of The Apple“ ist auch einer der gelungenen Tracks. Hier stand wohl Tom Waits Pate. Oder die Eels, was letztlich ja keinen großen Unterschied macht. Auch hier ist die Handschrift von Sitek deutlich erkennbar.

 

Wer jetzt eine Toilettenpause braucht muss nicht unbedingt auf Stopp drücken, denn „Soon Come Tomorrow“ lädt einen förmlich dazu ein. „Iz Rite“ zieht einem mit seinem schlageresken Anstrich dann endgültig die Schuhe aus. „Mull Of Kintyre“ hat ja auch schon ein gewisser Paul McCartney geschrieben. „I´m Just Saying“ holt einen dann aus der Lethargie heraus, das Album aber noch nicht zurück in die Erfolgsspur. Der Track rockt zwar, ist aber auch nicht mehr als Standard und ein Füller. Und wer bis jetzt nach einem Hinweis auf Noel gesucht hat, wird diesen in „Don´t Brother Me“ sicher finden. Das Stück plätschert zunächst ein bisschen im Lagerfeuerdress dahin wird dann aber erneut vom sphärischen Wabern auf sieben Minuten gestreckt. Das okaye „Shine A Light“ ordnet sich zwischen Supergrass und Kula Shaker ein. Auch dieser Song ist mitunter sehr mutig. „Ballroom Figured“ ist abermals ein unspektakuläres Akustikstück und auch „Start Anew“ weicht von diesem Weg nur wenig ab, wächst zum Schluss aber noch bombastisch an. Hier stimmt aber die Atmosphäre und der Gesang von Liam ist - für ihn - schon recht ungewöhnlich. Überhaupt hat er auf „BE“ gesanglich ein paar neue Wege eingeschlagen.

 

Fazit: Das ist es also, das zweite Album von Beady Eye. Mit „BE“ wagt die Band durchaus ein paar Experimente, die diese Platte dann auch spannend machen und dann auch von der Vergangenheit emanzipieren. Den Einfluss von Dave Sitek hört man schon recht deutlich. Dies ist die eine Seite, die andere ist nämlich leider auch recht unspannend und uninspiriert und dann leider auch sehr langweilig. Ein Album mit viel Licht und ebenso viel Schatten. Eben ein Übergangswerk bis zur großen Oasis-Reunion. Die muss allerdings noch etwas warten, denn Noel hat mit seinen High Flying Birds sicher noch etwas im Köcher und für Liam bleibt nur mal wieder der zweite Platz. Verdammt.

 

http://www.beadyeyemusic.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

Beady Eye: Different Gear, Still Speeding

Beady Eye: Different Gear, Still Speeding

Beady Eye Records/Indigo

VÖ: 25.02.2011

 

Wertung: 9/12

 

Man konnte im Vorfeld der ersten Beady Eye Scheibe mal wieder das übliche Palaver lesen. Kein schlechter Song wäre auf der Platte. Als ist großartig und überhaupt so ziemlich das Beste, an dem die Bandmitglieder gearbeitet hätten. Willkommen in einer Welt ohne Oasis – mit Oasis Brimborium. Und mal ehrlich, wer hat nicht schon heimlich einen Kübel Häme in der Schublade versteckt, der eigentlich dieser Tage raus geholt und über das Album mit dem vielsagenden Titel „Different Gear, Still Speeding“ ausgekippt werden sollte? Kann man getrost in der Schublade lassen, denn diese Band taugt auch ohne den vermeintlichen Kopf Noel Gallagher eine ganze Menge.

 

Die verbliebenen Musketiere Liam Gallagher, Gem Archer, Andy Bell und Chris Sharrock machen ja gar keinen Hehl daraus, dass dies die Fortsetzung von Oasis sein soll und eben auch so klingen wird. Allerdings werden sie nicht müde zu betonen, dass diesmal alles demokratisch und harmonisch über die Bühne ging. Zackig hätte man alles live(!) eingespielt und überhaupt sei die Stimmung bestens und alle wären aufgeregt wie kleine Kinder.

 

Natürlich ist dieses Album eine Hommage an die Beatles und die Stones. Diesmal geht es auch gleich mit offenem Visier voran, denn anders ist eine Nummer, die „Beatles And Stones“ benannt wurde, sicher nicht zu deuten. Anders gesagt: wer Oasis nicht mag, wird auch Beady Eye nichts abgewinnen können. Fans dürfen sich in den siebten Himmel auf machen, denn das Album ist tatsächlich gut. Überraschend gut sogar. Im Grunde ist das sogar eine Best Of Platte, denn maches Stück dürfte gut und gerne fast zehn Jahre auf dem Buckel haben, nur wurde selbiges wohl nie von Noel Gallagher abgenickt. Jetzt hat er den Salat.

Mit „Four Letter Word“ bollern Beady Eye dann auch gleich ungestüm los. Das soll sicher als eine Art Ausrufezeichen dienen, ist aber im Grunde nicht mehr als Oasis by Numbers. Überraschender kommt da schon das luftig leichte „Millionaire“ um die Ecke. Und wer bisher immer geglaubt hat, dass der gute Liam seinen Gesang nicht variieren könne, wird Bauklötze staunen. „The Roller“ kennt man ja schon und ja, dies ist ein Oasis-Song wie er im Buche steht. Aber mal so in die Runde gefragt: Warum auch nicht? Wäre ja seltsam, wenn Beady Eye jetzt komplett anders klingen würden. Das Ding ist zudem gar nicht verkehrt.

 

Überraschen können Beady Eye trotzdem. Malen nach Zahlen gibt es hier nämlich nicht durchgängig. Gut, bei „Wind Up Dream“ darf Liam wieder einen auf Lennon machen, aber spätestens die Mundharmonika lässt einen anerkennend nicken. Mit dem Rock and Roll(!) Track „Bring The Light“ überrascht die Band dann vollends. Das ist Little Richard oder Jerry Lee Lewis in Reinkultur. Dieser Vergleich ist ja nicht unbedingt offensichtlich. Hier schon! Referenzen an die eigene Vergangenheit gibt es selbstverständlich genug. „For Anyone“ hieß in einem früheren Leben beispielsweise „Songbird“ und „Kill For A Dream“ scheint man auch schon mal gehört zu haben – Champagne….

 

Eine Prise Glam darf es aber auch mal sein. „Standing On The Edge Of The Noise“ könnte auch von einem gewissen Marc Bolan stammen. Man kann es aber gar nicht oft genug wiederholen: das ist gelungen, macht Spaß und durchaus gut. Und mit „Wigwam“ hat die Band ein gottverdammtes Meisterwerk aufgenommen. Da ist einfach alles drin und zum Schluss steigert sich das Ding sogar in Richtung Rockoper. Das hätte ja so was von in die Hose gehen können. Ist es aber nicht! Zum Schluss verbeugen sich Beady Eye vor einer ganz anderen Band der guten alten Zeit: The Hollies.

 

Fazit: Beady Eye haben mit „Different Gear, Still Speeding“ ein überraschend gutes Album aufgenommen. Zwar macht die Band gar keinen Hehl daraus, dass es sich um die Fortsetzung von Oasis handelt, aber warum auch? Das klingt sogar besser, frischer und ausgereifter als die letzten Alben mit Noel Gallagher. Man merkt, dass die Jungs hier zeigen wollten, dass sie auch alleine lebensfähig sind. Das sind sie in dieser Form durchaus. Man vermisst Noel Gallagher nicht eine Sekunde und das ist doch ein gutes Zeichen für Beady Eye. Man darf gelassen in die Zukunft blicken.

 

http://www.beadyeyemusic.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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