Bad Company: Live In Concert 1977 & 1979

Bad Company: Live In Concert 1977 & 1979

Rhino/Warner

VÖ: 29.04.2016

 

Wertung: 7,5/12

 

Bad Company eilte einst der Ruf einer ganz grandiosen Live-Band voraus. Dies war zu deren Hochphase in den 70ern. Die Zeiten sind natürlich längst vorbei und den jungen Leuten von heute wird der Name Bad Company kaum noch etwas sagen. Paul Rodgers wurde durch seine Tätigkeit bei Queen noch mal eine größere Aufmerksamkeit zuteil. Es ist fast als kurios zu bezeichnen, dass von Bad Company aus dieser Zeit nie ein Live-Album veröffentlicht wurde. Es gab ja mal eine Phase, da hatten gerade solche Alben Hochkonjunktur und jeder, der etwas auf sich hielt, veröffentlichte ein solches Werk. Das war ja auch ein lukratives Geschäft und so konnte man auch ohne neue Songs und viel Aufwand im Gespräch bleiben. Mittlerweile haben sich solche Veröffentlichungen allerdings überholt und der Audio-Mitschnitt liegt dann meistens als Zugabe den DVD/Blu-ray-Paketen bei. Rhino bringt jetzt aber von Bad Company „Live In Concert 1977 & 1979” auf Doppel-CD heraus. Die Sinnhaftigkeit erklärt sich natürlich dadurch, dass da eben noch eine dicke Lücke zwischen den anderen Live-Alben im Backkatalog klafft.

 

Fans dürften anhand der Jahre unschwer erkennen, dass hier das Original-Line-Up mit Paul Rodgers, Mick Ralphs, Simon Kirke und Boz Burnell zu hören ist. Letztlich sind die Anhänger ja auch die Zielgruppe für „Live In Concert 1977 & 1979“, denn Gelegenheitshörer dürften da kaum zugreifen. Freuen darf man sich hier auf zwei komplette Konzerte, deren Aufnahmen direkt aus den Archiven der Band stammen. Als Vorlage dienten die Original 24-Spur Bänder! Was es da zu hören gibt, ist unbearbeitet, sprich es gibt keine Over Dubs oder sonstigen Veränderungen des Live-Sounds! Auf der ersten Disc gibt ein Konzert aus Texas vom 23.Mai 1977 und auf dem zweiten Silberling das Londoner Konzert vom 9. März 1979 auf die Ohren.

 

Die Aufmachung des Digipacks ist – wie man es aus dem Hause Rhino gewohnt ist – sehr schön ausgefallen. Das Booklet bietet für den geneigten Fan auch sehr viel Mehrwert. Die Liner Notes von David Clayton sind schon sehr ausführlich und lassen die Zeit der Konzerte ein Stückchen wieder aufleben. Natürlich gibt es auch einige Bilder, Backstagepässe und sonstigen Klimbim zu bewundern. Die Trackliste, mit dem jeweiligen Songwriter, rundet das Booklet ganz nett ab.

 

Die nächste erfreuliche Nachricht ist der wirklich gute und druckvolle Sound. Glücklicherweise sind die Zuschauer auch mal zu hören und somit wird da durchaus das Livegefühl in die heimischen vier Wände transportiert. Soweit bis hierhin die positiven Dinge. Die Songs sind teilweise schon recht altbacken. „Heartbeat“ klingt live dann noch mehr nach Altherrenrock. Für den Pub von nebenan mag das in Ordnung sein. Handwerklich ist das natürlich erstklassig umgesetzt, gar keine Frage. Und Rodgers ist auch ein sehr guter Sänger, auch das ist klar. Trotzdem hat da nur ganz wenig so richtig Klassikerpotenzial. „Ready For Love“ ist mit acht Minuten auch zu lang und dann stellen sich nach hinten raus glatt Ermüdungserscheinungen ein. Für den geneigten Fan kann das natürlich mitreißend sein, aber alle anderen werden da nur müde lächeln. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, eine Vollkatastrophe ist das selbstverständlich nicht. „Shooting Star“ ist beispielsweise ein Höhepunkt und eine Offenbarung der ersten CD. Das obligatorische Drum Solo gibt es übrigens auch noch als selbständigen Track. So waren eben die Zeiten damals. „Good Lovin´ Gone Bad“ erweist sich auch als Highlight. Die Band rockt sich da kreuz und quer durch den (Hardrock)Gemüsegarten, versteht es aber auch an den richtigen Stellen das Tempo zu drosseln und Zeit für Zwischentöne zu lassen.

 

Der Auftakt der zweiten CD ist mit dem Titel „Bad Company“ großes Kino. Da wird ein schöner Spannungsbogen aufgebaut. „Gone, Gone, Gone“ ist ganz solide und dann gibt es abermals „Shooting Star“ zu hören. Die Version der ersten CD kommt aber wesentlich druckvoller daher. „Run With The Pack“ und der ausgelutschte Klassiker „Can´t Get Enough“ lassen die Frühphase von Bad Company aufleben. Warum man „Hey Joe“ nicht als letzten Song platziert hat, bleibt dann doch ein Rätsel. Die Aufnahme stammt nämlich nicht aus London, sondern aus Washington CD, vom 26. Juni 1979. Und ja, dabei handelt es sich um den Hendrix-Klassiker. Eigentlich sollte man das ja nicht covern, aber Bad Company machen das ganz ordentlich. Zunächst scheinen die Herren zwar etwas gebremst zu sein und zu viel Respekt vor diesem übergroßen Song zu haben, aber als die Handbremse einmal gelöst wurde, ging es dann doch. Mit „Feel Like Makin´ Love“ haben Bad Company hier auch einen Live-Song im Repertoire, der sich hinter den ganz Großen jener Tage – sagen wir mal Crosby, Stills & Nash - nicht zu verstecken braucht.

 

Fazit: Von Bad Company wird nun endlich auch ein Live-Album des Original Line-Ups veröffentlicht. Zwei Konzerte aus den Jahren 1977 und 1979 verteilen sich über die beiden CDs. Dazu gibt es mit „Hey Joe“ eine ganz manierliche Coverversion des Hendrix-Klassikers. Nicht alles auf dieser Veröffentlichung hat den Test der Zeit bestanden und somit ist das teilweise schon recht altbacken. Aber das war ja auch nicht zu erwarten und sicher auch nicht der Anspruch von „Live In Concert 1977 & 1979”. Fans dürften sich jedenfalls sehr freuen. Der Sound ist recht gut, was umso überraschender ist, da selbiger unbearbeitet blieb! Die Aufmachung ist selbstredend sehr gelungen – so wie man es von Rhino eh gewohnt ist. Für die Anhänger ist dies ein Pflichtkauf, darüber kann es keine zwei Meinungen geben!

 

http://www.badcompany.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Bad Company: Straight Shooter (Deluxe Edition)

Bad Company: Straight Shooter (Deluxe Edition)

Rhino/Warner

VÖ: 03.04.2015

 

Wertung: 7,5/12

 

Auch das zweite Album von Bad Company - „Straight Shooter“ - wird nun in einer Deluxe Edition mit umfangreichem Material veröffentlicht. Auch hier hat man sich nicht lumpen lassen und die neuerliche Veröffentlichung mit reichlich Bonusmaterial angereichert. Die Optik kann sich selbstverständlich auch sehen lassen. Auch das Booklet von „Straight Shooter“ ist mit umfangreichen Liner Notes von David Clayton ausgestattet. Viele Fotos, aber auch Informationen zu den Bonus-Tracks lassen da kaum Wünsche offen. Ursprünglich erschien die Platte im April 1975, also vor ziemlich genau 40 Jahren. Insgesamt war das nicht ganz so erfolgreich wie das Debüt, aber es reichte immerhin zu Platz 3 der US-Charts und dreifach Platin. Von den Verkaufszahlen können die Bands heutzutage meist nur noch träumen. Es waren eben andere Zeiten, auch musikalisch.

 

Auch bei dieser remasterten Version ist der erdige und warme Sound wieder sehr auffallend. Authentisch und nicht so klinisch sauber und glatt, ist das meilenweit von den seelenlosen Veröffentlichungen dieser Tage entfernt. Auch „Straight Shooter ist, wie auch schon das Debüt, mit acht Tracks ausgestattet. Die Singles „Good Lovin´ Gone Bad“ und besonders „Feel Like Makin´ Love“ sind teilweise eine ganze Spur härter und rockiger wie noch die Songs auf dem Vorgänger. Die Gitarre jault und Rodgers knarzt und röhrt als hätte er zu dieser Zeit mindestens drei Packungen Kippen inhaliert und die Zähne mit Whiskey geputzt. Powerchords in Formvollendung. „Deal With The Preacher“ lugt sogar noch zum Blues rüber. Der Rock von Bad Company wird so sehr vielseitig aufgewertet. Die Ballade „Weep No More“ zeigt, dass der Weg von Klassik(!) und Blues nicht besonders weit ist. Dies erklärt vielleicht sogar, warum Rodgers auch mal bei Queen mitmachen durfte.

 

Der Titelsong „Shootin Star“ und auch „Wild Fire Woman“ sind Rockware von der Stange. Nicht spektakulär, aber doch sehr solide. „Anna“ ist eine Ballade, bei der sich Bad Company teilweise dreist bei „With A Little Help From My Friends“ bedient haben. „Call On Me“ ist zum Schluss leider ein Totalausfall. Warum sich dieses langweilige Klaviergeklimper auch noch über sechs Minuten ausdehnt, wissen die Herren vermutlich auch nicht mehr.

 

Die zweite CD kann dann mit jede Menge unveröffentlichtem Material punkten. „Good Lovin´ Gone Bad“ mit alternativen Vocals und Gitarren ist fast besser wie das Original. Von „Feel Like Makin´ Love“ gibt es den Take vor dem endgültigen Master zu hören und „Weep No More“ wird in einer früheren und langsameren Version präsentiert. Für Fans ist das sicher eine tolle Geschichte, da man hier sehr schön die Entwicklung des Songs nachvollziehen kann. Ob man jetzt die alternativen Vocals bei „Anna“ oder den alternativen Take von „Call On Me“ gebraucht hätte, sei mal dahingestellt. Sehr fluffig kommt „Easy On My Soul“ daher und auch die B-Seite „Whisky Bottle“ ist als amtlicher Rocker eine Bereicherung. Die Mundharmonika bei „Feel Like Makin´ Love“ gibt dem Stück ebenfalls eine neue, nette Note. „See The Sunlight“ und „All Night Long“ sind bisher komplett unveröffentlicht geblieben. Kann man als Bonusmaterial ja mal machen.

 

Fazit: Das zweite Album „Straight Shooter“ von Bad Company hat nicht mehr ganz so viele Hits an Bord wie noch das Debüt. Teilweise ist das bluesiger und der Rock noch etwas dreckiger. Auf der anderen Seite finden sich unter den acht Songs auch einige Füller wieder. Das Bonusmaterial und die Aufmachung der neuerlichen Veröffentlichung sind schon recht gelungen und werten diese Deluxe Edition auf. Für Fans ist das sicher eine Pflichtveranstaltung.

 

http://www.badcompany.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Bad Company: Bad Company (Deluxe Edition)

Bad Company: Bad Company (Deluxe Edition)

Rhino/Warner

VÖ: 03.04.2015

 

Wertung: 8,5/12

 

Free und Mott The Hoople schrieben einst Musikgeschichte. Der Rahmen war vielleicht etwas kleiner und doch hinterließen beide Bands nachhaltig ihre Spuren in den Geschichtsbüchern. Daraus ging mit Bad Company eine weitere Band hervor, die durchaus ihre Duftmarken hinterlassen hat, heute aber eher mit Verachtung gestraft wird. Warum eigentlich? Vielleicht liegt es an einigen Kapellen, die im Windschatten von Bad Company auf den Plan traten und für so manche schlimmen Auswüchse des Rock sorgten. Dafür kann man den Briten aus Westminster ja nicht die Schuld in die Schuhe schieben – jedenfalls nicht komplett. Die Deluxe Edition des Debüts „Bad Company“ dürfte dies nun auch noch mal gerade rücken – sofern man gewillt ist sich dem Album zu widmen.

 

Die neuerliche Veröffentlichung basiert auf den Original-Multitrack-Bändern. Dabei ist man auf unveröffentlichte Tracks und Studio-Mixe aus den Aufnahme-Sessions gestoßen. Selbstverständlich wurde die Platte nun auch auf Grundlage der Originalbänder neu gemastert. Besonders Paul Rodgers legte größten Wert darauf, dass die Aufnahmen von den Originaltapes stammen, denn nur so wäre ein authentisches Ergebnis möglich. Recht hat der Mann! Die Optik und die Aufmachung ist, wie es nicht anders aus dem Hause Rhino zu erwarten war, sehr gelungen. Das Booklet kann mit umfangreichen Liner Notes von David Clayton punkten und liefert zu den Bonus Tracks noch reichlich Material.

 

Paul Rodgers, Gitarrist und Songwriter Mick Ralphs, Bassist Raymond "Boz" Burrell und Drummer Simon Kirke nahmen das Debüt im November 1973 in Ronnie Lanes Mobile Studio in Hadley Grange auf. In den USA wurde das Ding ein ganz großer Erfolg, was nicht weiter verwunderlich ist, da „Bad Company“ ja durch und durch musikalisch amerikanisch geprägt ist.

 

Dieses Album ruft einem auch noch mal ins Gedächtnis zurück, dass man früher mehr auf Qualität geachtet hat. Acht Songs müssen dann auch mal reichen. Klar, manche Veröffentlichungen wurden als Doppel-LP aufgebläht, aber insgesamt gab es nicht die Song-Flut auf den Alben wie es heutzutage der Fall ist. Böse Zungen werden im vorliegenden Fall davon sprechen, dass es gut ist, dass man nicht noch mehr Material draufgepackt hat. Die Hälfte des Albums wurde aber zu veritablen Hits. „Can't Get Enough“, „Bad Company“, „Ready For Love“ und „Movin' On“ sind ja teilweise zu Welthits geworden und noch heute laufen die ständig auf irgendeinem AOR-Sender.

 

„Rock Steady“ dieser amtlicher Rocker ist aber auch nicht von schlechten Eltern. Cooler und lässiger Groove und mit einer dringlichen Gitarre ist das Stück auch wesentlich ausgefeilter als die bekanntere Nummer „Can´t Get Enough“. „Read For Love“ ist eine Ballade, wie sie in den 70ern durchaus populär war. Trotzdem ist das weit vom heutigen Kitsch entfernt. „Don´t Let Me Down“ ist zwar schon im Rockumfeld zu verorten, schunkelt sich aber auch in unschöne Dimensionen. Das Gitarrensolo reißt es zum Glück wieder raus. Der beste Song des Debüts ist der Namensgeber: „Bad Company“. Die Nummer ist treibend, düster und rockig. Bass und Drums geben eine perfekte Einheit ab, die Gitarre setzt immer wieder sehr schöne Akzente und der Gesang ist rau und dreckig. Dagegen kann dann das liebliche „The Way I Choose“ nicht anstinken. „Movin´On“ rockt zwar auch ganz nett über den Highway, ist aber wenig inspirierend. Die Ballade „Seagull“ ist zum Schluss noch mal ein tolles Ausrufezeichen! Das geht teilweise glatt in eine Led Zeppelin-Richtung! Auffallend ist übrigens auf kompletter Albumlänge dieser erdige und warme Sound.

 

Die Deluxe Edition kann mit zwölf weiteren Tracks aufwarten, von denen acht bisher unveröffentlicht sind. Der Single-Edit von „Can't Get Enough“ und die B-Seiten „Little Miss Fortune“ und „Easy On My Soul“ sind zumindest den Fans hinlänglich bekannt. „Superstar Woman“ erschien erst in den 80ern auf einem Soloalbum von Rodgers. Die Rohversion, die sich über sechs Minuten erstreckt, ist schon ein tolles Brett und rockt amtlich daher. Take 8 von „Can´t Get Enough“ lässt einen zumindest ein kleines bisschen am Entstehungsprozess teilhaben, gleichwohl die Nummer in diesem Stadium sehr weit fortgeschritten ist. Von der B-Seite „Little Miss Fortune“ gibt es auch noch eine sehr feine Demoversion zu hören. Von „Bad Company“ gibt es ein Take auf die Ohren, welches kurz vor der eigentlichen Albumaufnahme entstand und im Grunde kaum etwas Neues zu bieten hat. „The Way I Choose“ wird auch durch die beiden alternativen Versionen nicht gerade besser. Alles in allem ist die zweite CD aber durchaus gelungen und auch der Sound sehr gut.

 

Fazit: Das Debütalbum von Bad Company wird nun noch mal in einer remasterten Version und mit jeder Menge Bonusmaterial veröffentlicht. Die Platte kann mit einem warmen und erdigen Sound überzeugen. Der kraftvolle Rock des Erstlingswerk dürfte so manche Band inspiriert haben. Ein Großteil der Songs – wobei der Namensgeber heraussticht – ist wesentlich besser wie sein Ruf. Wie sich die Band das erarbeitet hat, kann man anhand des Bonusmaterials anhören. Die Optik der Neuauflage ist ebenfalls sehr ansprechend. Vielleicht wird durch dieses schöne Package noch mal eine ganz neue Hörerschaft auf Bad Company aufmerksam.

 

http://www.badcompany.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch