Alison Moyet: Hoodoo (Deluxe Edition)

Alison Moyet: Hoodoo (Deluxe Edition)

BMG/Warner

VÖ: 25.11.2016

 

Wertung: 9/12

 

Die Älteren unter uns werden sich erinnern: Alison Moyet war in den 80ern zwischen 84 und 87 die Künstlerin mit den meisten Plattenverkäufen in Großbritannien. Jetzt werden die ersten vier Alben noch mal veröffentlicht. Wie es sich gehört, werden diese – mit Ausnahme von „Essex“ - digital überarbeitet und mit jeder Menge Bonustitel angereichert in den Handel gegeben. Stellt sich natürlich die Frage, ob es heute überhaupt noch einen Markt für Alison Moyet gibt?! Die jüngere Generation dürfte die Frau überhaupt nicht mehr auf dem Schirm haben und ob die Fangemeinde insgesamt noch so riesig ist, darf zumindest angezweifelt werden. „Hoodoo“ hat es auf jeden Fall verdient gehört zu werden!

 

Aber auch die Aufmachung bekommt ein großes Lob. Die ganze Kiste kommt nämlich in einem schönen, kleinen Hardcover-Buch. Hochglanz versteht sich. Da gibt es nicht nur ein paar schöne Fotos zu bewundern, sondern auch die Songtexte, Liner Notes von Amy Raphael und die benötigten Informationen zu den einzelnen Tracks. Chapeau, da wurde sich richtig Mühe gegeben!

 

„Hoodoo“ ist ein überraschendes Album. Das hat so nichts mit der furchtbaren Popmusik der 80er zu tun. Schon klar, die Scheibe wurde 1991 veröffentlicht, aber oftmals wird Moyet ja fälschlicherweise mit den grauenhaften musikalischen Ergüssen des bunten Jahrzehnts in Verbindung gebracht. Dabei ist die gute Alison ganz breit aufgestellt – sowohl musikalisch wie auch stimmlich. Sie beherrscht eine ganz große Bandbreite. Dies zeigt sich auch auf „Hoodoo“.

 

Das Album kam leider zur falschen Zeit. Die Eigenkompositionen von Moyet und die soulige Stimme wollte damals kaum noch einer hören und somit war das Interesse eher mager. Immerhin liebten die Kritiker „Hoodoo“. Auf diesem Album stellt sie ihre Stimme wieder mehr in den Vordergrund. Mit der theatralischen Ballade „This House“ würde eine Adele beispielsweise heute noch richtig abräumen. Moyet singt das Stück ganz famos. „It Won´t Be Long“ erhielt auch nicht umsonst eine Grammy-Nominierung für „Best Vocal Performance“. Erstaunlich an „Hoodoo“ ist auch die Tatsache, dass sich die Songs noch überhaupt nicht abgenutzt haben. Das voodooartige „Footsteps“ macht zwischen Funk, Soul, R&B und Pop eine immens gute Figur. Mystisch und geheimnisvoll. „Rise“ als Mischung aus Blues und Gospel weiß auch 2016 noch zu fesseln. So singt Moyet eine Beth Hart auch heute noch an die Wand.

 

Dazu gesellt sich mit „Wishing You Were Here“ ein wunderschöner, zeitloser Song. Der Titelsong „Hoodoo“ ist sowieso magisch. Was hat eigentlich Prince zu der Nummer gesagt? Müsste ihm doch gefallen haben. „(Meeting With My) Main Man“ rockt und ist tanzbar. „Back Where I Belong“ funktioniert als moderner Gospel, wirkt mit seinen elektronischen Versatzstücken aber auch etwas unausgegoren. „My Right Arm“ holt das Album leider auch nicht aus der Lethargie heraus. Das kratzige „Never Too Late“ schafft es aber wieder den Spannungsbogen hoch zu halten. Mit „Find Me“ gibt es ganz zum Schluss noch mal die rockige Soulvollbedienung.

 

Die zweite CD ist dann sehr unterschiedlicher Qualität. „Take Of Me“ ist nicht mehr als ein Füller und auch die beiden Mixe von „Back Where I Belong“ braucht man nicht wirklich. Dafür kann das schmissige „Come Back Home“ vollends überzeugen. Ein ausgedehntes Gitarrensolo sorgt dafür, dass das Ding ordentlich rockt. Danach gibt es vom Titelsong „Hoodoo“ vier Versionen, wovon die Extended Version am ehesten heraussticht. Anschließend kann man sich anhand von fünf Livesongs aus London von 1991 von den herausragenden Qualitäten von Frau Moyet überzeugen lassen. Mit dem Demo „Dig A Hole“ wird diese Deluxe Edition schließlich beendet.

 

Fazit: „Hoodoo“ von Alison Moyet wird nun erneut in einer schmucken Deluxe Edition veröffentlicht. Das Album von 1991 klingt erstaunlich frisch. Stilistisch ist das nicht festgelegt. Da ist von Soul über Gospel und Blues bis hin zu Rock und Pop alles vertreten. Alison Moyet kann mit ihrer ausdrucksstarken Stimme alles singen. Schade, dass die Platte damals so unterging. Vielleicht ist dies nun Anlass genug, das Album erneut zu entdecken. Die Haptik ist übrigens überragend. Die zweite CD mit dem Bonusmaterial rundet die Geschichte sehr schön ab.

 

http://alisonmoyet.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Alison Moyet: Alf (Deluxe Edition)

Alison Moyet: Alf (Deluxe Edition)

BMG/Warner

VÖ: 25.11.2016

 

Wertung: 7,5/12

 

Nachdem Yazoo Geschichte waren, startete Alison Moyet ihre Solokarriere und veröffentlichte mit dem „Alf“ betitelten Debüt einen Volltreffer. Das Album hielt sich ein ganzes Jahr in den britischen Charts – das war damals noch eine Hausnummer – und war selbstverständlich auch auf der Spitzenposition zu finden. Die ausgekoppelten Singles waren ebenfalls immens erfolgreich. Alison Moyet wurde 1984 auf der Insel zu einem Superstar. Jetzt wird „Alf“ in einer schmucken Deluxe Edition und digital optimiert erneut veröffentlicht.

 

Die liebevolle Aufmachung schlägt dann auch so manche andere, ähnlich gelagerte Veröffentlichung auf ganzer Linie. Das kleine Hardcover-Buch, dazu noch in Hochglanzoptik, lässt sicher jedes Sammlerherz höher schlagen. Im Inneren gibt es dann viele Fotos, die Songtexte, Liner Notes von Amy Raphael und ein paar darüberhinausgehende Informationen zu den Songs an die Hand. Hier wurde sich tatsächlich mal ein bisschen Mühe gegeben. Die Haptik ist somit schon mal sensationell gut ausgefallen.

 

Das Album wird als Remaster veröffentlicht, aber dadurch wird der Sound jetzt nicht unbedingt besser. Wohlwollend muss man dann einfach festhalten, dass „Alf“ ganz klar sein Entstehungsjahrzehnt erkennen lässt. Das trifft natürlich auf viele Alben zu, aber Alison Moyet hat ja auch Musik im Gepäck, die zeitlos ist. Dies trifft auf „Alf“ eben nicht zu! Dafür sind unter den neun Tracks einige Klassiker zu finden, die auch heute noch im Radio laufen. Dazu gehört „Twisting The Knife“ sicher nicht. Das ist eine typische Popnummer der 80er, die allerdings ohne Höhepunkt dahinplätschert. Die Ballade „Where Hides Sleep“ ist da auch nur unwesentlich nachhaltiger.

 

Dafür sind die Singles schon richtige Knaller. „Love Resurrection“ ist über die Jahrzehnte zu einem Klassiker geworden. Die Alt-Stimme von Alison Moyet macht dieses Stück aus, aber nicht nur! Hier kann man natürlich auch noch den Einfluss von Vince Clark hören. Mit „All Cried Out“ ist ein weiterer großer Hit auf „Alf“ zu finden. In einem anderen Soundgewand würde das heute sogar noch als große Soulnummer durchgehen. Ganz stark gesungen!

 

Auf der zweite CD gibt es dann das zu erwartende Material jener Phase. Die ganzen Remixe oder Long Versionen sind eben auch ein Spiegelbild jener Zeit. In den 80ern wurde das für 12-Inch Singles ja in großer Masse angefertigt. „For You Only“ ist eine neue Version. Ganz nett, aber da hat man dann doch lieber das Original. Die Jazz-Version von „That Ole Devil Called Love“ ist allerdings wirklich gelungen. Die beiden Live-Versionen von 1985 von „Twisting The Knife“ und „That Ole Devil Called Love“ sind zudem als historisch zu bezeichnen. Insgesamt macht die zweite CD durchaus Sinn und ist somit eine nette Geschichte.

 

Fazit: „Alf“ von Alison Moyet hat den Test der Zeit nicht ganz bestanden und hat doch einige Klassiker der 80er Jahre an Bord. Das Klanggewand muss man schon mögen. In späteren Jahren hat Alison Moyet sich davon gelöst und eine wesentlich nachhaltigere Musik gemacht. Dies hier spiegelt aber eben auch den damaligen Zeitgeist wieder. Auf der zweiten CD kann man dann noch tiefer in die Details eintauchen. Die Aufmachung der Deluxe Edition ist ganz ausgezeichnet. Wer „Alf“ schon immer mal im Schrank stehen haben wollte, kriegt nun eine wirklich schöne Ausgabe geliefert.

 

http://alisonmoyet.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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