Alicia Keys: Here

Alicia Keys: Here

Sony

VÖ: 04.11.2016

 

Wertung: 8,5/12

 

Fast vier Jahre musste man auf ein neues Album von Alicia Keys warten. Mit „Here“ wird nun endlich der sechste Longplayer veröffentlicht. Die Pause war auch nötig. „Girl On Fire“ war sicher kein schlechtes Werk, aber vieles blieb dann doch zu oft im Mittelmaß hängen. Alicia Keys brauchte neue Themen und davon haben sich einige angestaut. Die Welt hat sich extrem gewandelt – und das nicht unbedingt zum Guten. Alicia Keys nimmt sich die weltpolitischen Themen nun vor und nimmt kein Blatt vor den Mund. „Here“ dreht sich um das menschliche Dasein und ist eine Bestandsaufnahme, aber auch ein Blick in das Seelenleben von Frau Keys.

 

Jeder Song ist eine Anklage, ein Gedicht, ein Gebet. „Kill Your Mama“ ist dabei bis auf das nackte Gerüst reduziert worden. Akustikgitarre und dieser eindringliche Gesang reichen aus. Zudem klingt das Stück in dieser Form herrlich unproduziert und noch nicht komplett ausgearbeitet. An der Produktion war Alicia Keys höchstpersönlich beteiligt. Zusammen mit Mark Batson, dem Rapper und Produzenten Swizz Beatz und ihrem langjährigen Songwriting-Partner Harold Lilly hat sie „Here“ im Studio nämlich den Feinschliff verpasst.

 

Mit „Here“ kehrt sie zu ihren Wurzeln zurück: New York und HipHop. Der Vibe der Stadt und der dortigen HipHop-Kultur ist deutlich hör- und spürbar. „The Gospel“ ist von einer Dringlichkeit und einem Beat durchzogen, gleichzeitig aber auch sehr geerdet. Das wirkt zu keiner Zeit künstlich. Gospel ist das aber nicht. Das trifft schon eher auf das großartige „Pawn It All“ zu. Mit „Illusion Of Bliss“ gibt es ein sehr ruhigs Barjazz-Stück. Das hat teilweise schon Improvisationscharakter. Und es geht unter die Haut. „Blended Family“ mit A$AP Rocky ist eher solide und das Knarzen und Knistern machen es auch nicht besser. „Work On It“ stellt die famose Sängerin Alicia Keys in den Fokus. Ja, die Dame kann was. Eine schöne Ballade.

 

„Girl Can´t Be Herself“ besticht mit einer guten Hookline und auch das entspannte „More Than We Know“ mit Claps und einem treibenden Bass und Schlagzeug gefällt. „Holy War“ fängt als Akustikstück an, kommt dann aber auch mit fetter Trommel daher, wird aber dann erneut bis auf das nackte Gerüst reduziert. „Hallelujah“ bleibt auf der eher ruhigen Schiene hängen, hat nach hinten raus aber auch noch sehr viel Bombast und Pathos zu bieten. „In Common“ beendet das Werk schließlich mit R&B- und Weltmusikanleihen.

 

Fazit: „Here“ von Alicia Keys ist besser als der Vorgänger. Dies liegt in erster Linie an der wirklich authentischen Grundstimmung. Der Sound klingt sehr erdig und ehrlich. Es groovt, es wird aber auch sehr oft sehr leise. Alicia Keys ist eine brillante Sängerin, stellt ihre Stimme aber stets in den Dienst des Songs. Die Interludes nerven, aber grundsätzlich ist „Here“ eine erfreulich gute Scheibe.

 

http://www.vevo.com/watch/USRV81600755

 

http://here.aliciakeys.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Alicia Keys: Girl On Fire

Alicia Keys: Girl On Fire

Sony

VÖ: 23.11.2012

 

Wertung: 7,5/12

 

Alicia Keys meldet sich dieser Tage mit ihrem fünften Album zurück. „Girl On Fire“ wurde selbiges betitelt und soll wohl richtungsweisend sein. Vielleicht spielt da auch ein bisschen ihre Mutterrolle mit rein. Als frischgebackene Mama, die auch noch an neuen Songs gearbeitet hat, dürfte sie immerhin gehörig unter Strom gestanden haben. Hinzu kommt noch, dass an diesem Werk eine ganze Menge Leute gewerkelt haben und die alle unter einen Hut zu bringen war sicher auch nicht ganz so einfach. Im Leben von Alicia Keys hat sich eine ganze Menge getan und man darf gespannt sein, wie sich dies auf ihre Musik ausgewirkt hat.

 

„Girl On Fire“ revolutioniert ihren Sound jetzt keineswegs. Es wäre allerdings auch zu seltsam, wenn sich Alicia Keys zu einer Dancemaus entwickelt hätte, die es einer Vielzahl ihrer Kolleginnen gleichtut und mit Bollerbeats nach Schema F die Charts erobern will. Sie ist in gewissem Sinne ihrer Linie treu geblieben. Die erste Single „Girl On Fire“ sorgt in der Nicki Minaj-Version natürlich schon für ordentlich Betrieb. Die Beats haben allerdings fast einen perkussiven Ansatz und ihr charakteristisches Pianospiel hat sie auch noch irgendwie untergebracht.

 

Insgesamt setzt sie aber schon auf Bewährtes. Die klassische Eröffnung mit „De Novo Adagio“ geht beispielsweise nahtlos in das sehr ruhige „Brand New Me“ über. Stimme und Piano reichen dabei fast gänzlich aus. In der zweiten Hälfte schwillt die Nummer gar bombastisch an, aber trotzdem ist die Grundstimmung eher melancholisch. „When It´s All Over“ ist eine moderne Adaption des Jazz. Nicht uninteressant schälen sich die zum Gesang gegenläufigen Sounds aus den Boxen. „Listen To Your Heart“ sortiert sich danach gar in eine poppige Lounge-Ecke ein und erinnert frappierend an Sade! „New Day“ ist leider recht unspannend und würde sich tatsächlich gut zwischen dem ganzen Popmüll im Radio machen.

 

Keine Sorge, Alicia Keys kriegt schon noch die Kurve. Das großartige Soulstück „Fire We Make“ kommt aufgrund der Vocalparts von Maxwell gar an Marvin Gaye heran. Das beschwingte „Tears Always Win“ lässt hingegen den alten Motown-Sound ein Stückchen aufleben. Das ist zwar alles in das typische Alicia Keys Gewand gekleidet, aber eben immer mit ein paar Elementen versehen, die man so nicht erwartet hat. Oder konnte sich bisher einer das folkige „That´s When I Knew“ von ihr vorstellen? „Limitedless“ überrascht gar mit Dubstep und Rock. Da kommt die Ballade „One Thing“ schon recht konventionell daher. „101“ ist der pathosbeladene Schluss, der noch mal alles was geht reinpackt.

 

Fazit: Es dauert ein bisschen, bis man in „Girl On Fire“ drin ist. Nach und nach entdeckt man die vielen kleinen Details, die Alicia Keys und ihre Helfer hier einfließen ließen. Sie war klug genug ihren Weg konsequent weiter zu verfolgen, aber eben auch viele kleine Nuancen in ihrem Sound zu verstecken, dass es doch recht spannend ist. Ihr fünftes Album ist sicher nicht ihr bestes Werk, aber ein hörenswertes und Fans werden es lieben!

 

http://aliciakeys.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Alicia Keys: Songs In A Minor (Deluxe Edition/Doppel-CD)

Alicia Keys: Songs In A Minor (Deluxe Edition/Doppel-CD)

Sony

VÖ: 24.06.2011

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

Kinders, wie die Zeit doch vergeht! Sind tatsächlich schon zehn Jahre ins Land gezogen, seit Alicia Keys mit „Songs In A Minor“ zum Superstar wurde? Es kommt einem vor, als wäre es gestern gewesen. Mittlerweile ist die ausgekoppelte Megasingle „Fallin´“ zu einem Klassiker geworden – ganz egal, wie man zu dem Song stehen mag. Das Album verkaufte sich mehr als 12 Millionen Mal! Unglaubliche fünf Grammys räumte Alicia Keys mit diesem Werk ab. Darunter waren auch Auszeichnungen in den wichtigen Kategorien „Bestes R&B Album“, „Beste Neue Künstlerin“ und „Bester Song des Jahres“ für „Fallin´“. Ihre Sammlung konnte sie in der Zwischenzeit allerdings schon auf vierzehn dieser begehrten Trophäen hochschrauben.

 

Alicia Keys ist sich durchaus bewusst, was sie da für ein Album geschaffen hat. Keys wird das 10. Jubiläum am 30. Juni im historischen „Beacon Theatre" in New York City zelebrieren und ein intimes Konzert für ihre Fans geben. Die Show mit dem Titel „Piano & I: A One Night Only Event With Alicia Keys" bestreitet Keys allein am Klavier. Diese Nacht aus Songs und Geschichten wird das Publikum durch das gesamte Album „Songs In A Minor" führen, aber auch die vielen Alicia-Klassiker streifen, die folgten. Am 26. Juni wird Keys bei den BET Awards auftreten und zum Album-Release strahlt der Sender dann Ende Juni ein einstündiges Special über Alicia und „Songs In A Minor" aus.

 

Die Deluxe Edition hat nun noch mal einiges an Mehrwert zu bieten. Das Booklet wurde erweitert und beinhaltet neue Liner Notes von Alicia Keys. Wer mit dem Cover spielen möchte hat nun Dank des Hologrammeffekts die Möglichkeit dazu. Die zweite CD dürfte allerdings den größten Kaufanreiz darstellen. Der Remix von „A Woman´s Worth“ hat NAS mit am Start – nette Version, erstmals bei den Grammys aufgeführt. Am interessantesten dürften die unveröffentlichten Songs sein. Dabei ragt die Demoversion von „If I Was Your Woman“ heraus. Ebenso erblickt „Typewriter“ hier offiziell erstmals das Licht der Welt. Minimalistisch instrumentiert wird dieser Track von den Stimmen dominiert. Der mehrstimmige Gesang verleiht der Nummer etwas mystisches. Aufgenommen wurde das Stück in Alicia´s Apartment in Harlem 1997! Es handelt sich hierbei übrigens um eine Enhanced CD. Also den PC anwerfen, und „A Harlem Love Story“ bewundern - es lohnt sich. Es gibt nicht nur Impressionen aus New York/Harlem zu bewundern, sondern Alicica Keys erzählt kurz über sich und wie sie aufgewachsen ist. Man erfährt beispielsweise, dass sie sehr von den 80ern inspiriert wurde und diese Zeit in Harlem sehr genossen hat. Die Videos zu „Fallin´“ und „A Woman´s Worth“ sind natürlich ebenfalls enthalten.

 

„Songs In A Minor“ hat zwar jetzt auch schon zehn Jahre auf dem Buckel, klingt aber immer noch frisch und hat sich mittlerweile als eine der großen R&B-Platten des vergangenen Jahrzehnts herauskristallisiert. Diese Scheibe lebt von der großen Vielseitigkeit, die dafür sorgt, dass der Spannungsbogen immer hochgehalten wird. Erstaunlicherweise hat es Alicia Keys trotzdem geschafft, dass dieses Album auch immer einem roten Faden folgt. Die Mischung macht´s. Darf es Soul sein? Oder doch eher Gospel? Pop? Kein Problem! Der Funk bleibt dabei auch nicht auf der Strecke und selbst den Blues kann man hier finden.

 

Es soll ja Menschen geben, die von „Fallin´“ genervt sind. Denen wird aber vielleicht die großartige Coverversion des Prince Klassikers „How Come You Don´t Call Me“ gefallen. Oder die wahrlich zarte Interpretation von „Butteflyz“. Die Balladen nicht zu vergessen, die zeigen nämlich nachhaltig, dass man es hier mit einer der ganz großen Genre-Stimmen zu tun hat. Wenn es eine Künstlerin die letzten Jahre verstanden hat, den alten Motown-Vibe mit einem modernen Sound zu versehen, dann war es Alicia Keys mit „Songs In A Minor“! Fünfzehn Songs sind eine ganze Menge und zunächst groovt sich die Dame mit „Girlfriend“ auch noch etwas ein. Eine Janet Jackson wäre allerdings froh, wenn sie so einen Song im Repertoire hätte. Wie kaum eine andere Künstlerin versteht es Alicia Keys sich vor den Genre-Helden zu verbeugen, dabei aber immer ihren ganz eigenen Stil sprechen zu lassen. „Troubles" erinnert da an eine Diana Ross, während „Rock Wit U“ eine Hommage an „Papa Was A Rolling Stone“ sein könnte. In die Stevie Wonder Ecke wagt sie sich mit „The Man“ vor. Die Arrangements stechen aus den Songs dabei immer heraus.

 

Fazit: „Songs In A Minor“ von Alicia Keys feiert dieser Tage das zehnjährige Jubiläum. Dieses vielseitige und großartige Album kommt nun noch mal in einem neuen Gewand auf den Markt. Optisch und inhaltlich hat man noch mal Hand angelegt und dieses Album mit zusätzlichen Schmankerl versehen. Wer dieses Wunderwerk aus Funk, Gospel, Pop, R&B und Soul noch nicht zu Hause hat, bekommt mit diesem feinen Paket nun die Möglichkeit diese Lücke endlich zu schließen.

 

http://siam.aliciakeys.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch