Alice Cooper: Paranormal

Alice Cooper: Paranormal

earMUSIC

VÖ: 28.07.2017

 

Wertung: 8/12

 

Alice Cooper veröffentlicht mit „Paranormal“ mal wieder ein neues Album. „Welcome 2 My Nightmare“ hat ja nun auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und erschien bereits im Jahre 2011. Mit earMusic hat Cooper weltweit auch einen neuen Partner im Boot. Viel überraschender ist aber die Gästeschar, die die neuen Songs mit eingespielt hat. Roger Glover (Deep Purple) und Billy Gibbons (ZZ Top) zählen zu den erlesenen Musikern. Larry Mullen Jr. von U2 saß sogar für das komplette Album hinter der Schießbude! Auf einer Bonus-CD gibt es noch sechs Live-Songs, sowie zwei neue Tracks, die Cooper mit den Original Alice Cooper-Bandmitgliedern Dennis Dunaway, Drummer Neal Smith und Gitarrist Michael Bruce geschrieben und aufgenommen hat.

 

„Paranormal“ hätte also das Zeug dazu, noch mal ein großer Wurf zu werden. Und ganz ehrlich: Fans werden begeistert sein. Cooper wird damit sicher nicht mehr ein neues, junges Publikum erreichen, aber das hat nichts mit der Qualität der Songs zu tun. Auf dem Album gibt es die komplette Palette von Cooper zu hören. Das musikalische Spektrum ist extrem breit gestreut. Theatralik, Glam und eine große Inszenierung sind dabei obligatorisch. Cooper liebt die großen Gesten. Da steckt auch sehr viel Theatersymbolik drin.

 

Cooper hat sogar ein bisschen Garagenrotz untergebracht. Auf „Dead Flies“ klingt er glatt wie Iggy Pop. Larry Mullen darf hier mal stumpf – und das ist überhaupt nicht negativ zu verstehen oder despektierlich gemeint – durch die Gegend trommeln. Rock eben. Schönes Ding. „Fireball“ ist Hardrock der alten Schule. Die Gitarre wurde schön in den Vordergrund gemischt. Die sechs Saiten werden jedenfalls sehr schön zum Jaulen gebracht. Der Gesang von Cooper wurde durch ein paar Effekt gejagt und ist somit kaum noch zu erkennen. „Paranoiac Personality“ ist ein verdammter Ohrwurm und wurde nicht ohne Grund als Single ausgekoppelt. Die Nummer klingt allerdings auch sehr kalkuliert und nach Reißbrett. „Fallen In Love“ geht dann als Totalausfall durch. Das Ding rockt und mäandert stumpf dahin. Dann schon lieber das kleine Geschwindigkeitsbrett „Dynamite Road“. Auch hier hört sich Cooper zeitweise wie Herr Pop an – und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen!

 

„Private Public Breakdown“ steht mit 1 ½ Beinen in den 70ern, macht aber ordentlich Laune. „Holy Water“ hätte die Bläser ruhig noch etwas weiter nach vorne stellen dürfen. Sehr lässige Nummer. Das gilt auch für „Rats“, dieses kleine, dreckige Feuerwerk der guten Laune. Schade, dass das Ding einfach ausgeblendet wird, da wäre noch eine ganze Menge mehr möglich gewesen. Die erste CD endet dann mit der düsteren Ballade „The Sound Of A“. Schön schauriger Abschluss.

 

Nun gut, die Trauben hängen natürlich sehr hoch, wenn es um die Original Alice Cooper Band geht. Umso überraschender, dass die Kapelle „Genuine American Girl“ auf die Reihe bekommen hat. Das ist ein schönes Stück mit 60ies Flair, welches in ein musikalisches Gewand der 70er verpackt wurde. Somit ist das eine Punktlandung auf ganzer Linie. „You And All Of Your Friends“ geht ebenfalls als klassischer Alice Cooper-Track der alten Schule durch, setzt sich allerdings in den Gehörgängen nicht fest ohne schnell Nervpotenzial zu entwickeln.

 

Klar, „No More Mr. Nice Guy“, „Billion Dollar Babies“, „Feed My Frankenstein“ oder „School´s Out“ gehen immer. Es ist aber auch ein bisschen albern die Klassiker des Backkatalogs nun wieder hervorzuholen – auch wenn es im Livegewand ist! Und warum? Nur um vielleicht noch ein bis zwei Käufer mehr abzugreifen, weil die Nummern eben bekannt sind und so vielleicht der eine oder andere Zeitgenosse dann doch „Paranormal“ erwirbt, obwohl er es sonst nicht getan hätte?! Das wertet das eigentliche Album sogar ein bisschen ab. Der Sound ist trotzdem gut.

 

Fazit: „Paranormal“ von Alice Cooper ist ein gutes, teilweise dreckiges und rotziges Album. Glam und 70ies Vibe gibt es natürlich im Überfluss. Die Songs klingen teilweise aber auch herrlich nach Garagenrock! Da nimmt man auch gerne die weniger gelungenen Momente in Kauf. Die Cooper Band in Urbesetzung macht ihre Sache auf zwei neuen Songs gut. Beim Rest ist Larry Mullen Jr. von U2 (!) dabei, der es hier einfach mal stumpf laufen lassen kann. Und das ist bitte als Kompliment zu verstehen. Die Live-Songs hätte es da nicht mehr gebraucht, die nimmt man aber gerne mit! Letztlich ein überraschend gutes Werk!

 

http://www.alicecooper.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Alice Cooper: Welcome 2 My Nightmare

Alice Cooper: Welcome 2 My Nightmare

Universal

VÖ: 16.09.2011

 

Wertung: 7,5/12

 

„Welcome To My Nightmare“ avancierte nach der Veröffentlichung im Jahre 1975 zu einem Meilenstein im Backkatalog von Alice Cooper. Lange hat es gedauert, aber nun gibt es (endlich?) die Fortsetzung. Cooper wurde ja immer wieder gefragt, ob er denn nicht die zweite Runde einläuten möchte. Lange hat er sich dagegen gewehrt, nun scheint die Zeit reif dafür zu sein. Über die Beweggründe kann man sicher streiten, auch darüber, ob man die alte Geschichte ein zweites Mal erfolgreich aufwärmen kann. Eine gesunde Portion Skepsis war und ist sicher angebracht.

 

„Welcome 2 My Nightmare“ ist überraschend gut geworden. Mit Hardrock hat das Teil nur bedingt was zu tun, mit Heavy Metal schon rein gar nichts am Hut, aber das macht es ja nicht schlechter. Die Songs erzählen eine Geschichte und der rote Faden zieht sich durch die gesamte Platte. Abermals kommt das musikalisch und lyrisch in die Nähe des Musicals. Gerade der letzte Aufgalopp mit „The Undertune“ fungiert als die große Schlussfrequenz – mit allem Brimborium drum und dran.

 

Alice Cooper hat für diese Platte die alte Mannschaft wieder zusammengetrommelt, die dann auch bei drei Tracks komplett wieder vertreten ist. Bob Ezrin ist selbstverständlich auch wieder mit von der Part(y)ie. Rob Zombie passt ja auch noch irgendwie ins Bild, aber mit Ke$ha konnte man nicht unbedingt rechnen. Sie darf die kongeniale Duettpartnerin bei „What Baby Wants“ als Lady In Red mimen. „Welcome 2 My Nightmare“ unterstreicht die extreme Vielseitigkeit von Alice Cooper.

 

„I Am Made Of You“ schleppt sich zunächst ganz langsam dahin. Das könnte auch von einer neuen Ne-Yo Scheibe sein – Autotune inklusive. Cooper wildert eben überall und wirft mal einen Blick nach hier und nach da. Disco, Rock, Punk und gar Britpop sind erlaubt. Zu „A Runaway Train“ darf gerne die Garage abgerissen werden. „Last Man On Earth“ hingegen kommt direkt aus Nashville angekrochen. „The Congretation“ dürfte gar die größte Überraschung sein. Das könnte man Oasis-Fans auch als bisher unveröffentlichten Track ihrer Lieblingsband vorsetzen. „Disco Bloodbath Boogie Fever“ gibt mit dem Titel ja schon die Richtung vor – bitte das Augenzwinkern nicht vergessen. „Ghouls Gone Wild“ dürfte die Freunde des Spaßpunks erfreuen. Hier findet sich einfach jeder irgendwo zu Hause. Zusammengehalten wird das von dem Musical-Anstrich. Natürlich dürfen die Balladen nicht fehlen - „Something To Remember Me By“ wird die Feuerzeuge zum Leuchten bringen. Das als Bonus-Track deklarierte „We Gotta Get Cut Of This Place“ beweist dann auch noch mal, dass Alice Cooper das Rocken nicht verlernt hat.

 

Fazit: „Welcome 2 My Nightmare“ von Alice Cooper macht eine überraschend gute Figur und eine ganze Menge Spaß. Von Disco über Punk bis hin zum Rock and Roll ist alles dabei. Ein bisschen ins Musical-Gewand gepackt und schon fügt sich hier ein Rädchen in das andere. Damit wird die Musikwelt nicht mehr revolutioniert, aber das war auch sicher nicht das Ansinnen von Cooper. Wer nicht zum Lachen in den Keller geht, kann eine ganze Menge Freude an der Platte haben.

 

www.alicecooper.de

 

Text: Torsten Schlimbach

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