Albert Hammond: In Symphony

Albert Hammond: In Symphony

BMG/Warner

VÖ: 21.10.2016

 

Wertung: 8/12

 

Es soll ja Menschen geben, die mit dem Namen Albert Hammond nichts oder nur mit dem Zusatz jr. etwas anfangen können. Man kann da jede Wette eingehen, dass jeder, der die letzten 50 Jahre nicht unter einer Glaskuppel gelebt hat, viele Songs von Albert Hammond kennt. Der Mann hat derart viele Klassiker und Welthits geschrieben und aufgenommen, dass eine Vielzahl seiner Kollegen vor Neid erblassen dürfte. Jetzt hat er eben einen Teil seines beachtlichen Backkatalogs genommen und neu eingespielt. Rob Mathes hat die Songs erstmals aufwendig orchestriert und unter Mitwirkung eines Chors in den Abbey Road Studios aufgenommen. Eingespielt wurde das innerhalb von fünf Tagen!

 

Hammond hat unzählige Hits für andere Künstler geschrieben, darunter sind Celine Dion und Whitney Houston zu finden. Auch Diana Ross oder Starship zählten zu seiner Kundschaft. Nach einem Konzert in Berlin fragte sein Label, ob er nicht Interesse an einem neuen Album hätte. Hatte er aber nicht, es sei denn, man würde ihm die Möglichkeit geben seine Hits symphonisch aufzunehmen. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt und „In Symphony“ das vorläufige Ende. Vorläufig deshalb, da Albert Hammond mit diesem Programm auch auf Tour gehen wird.

 

Der mittlerweile 72-jährige Songwriter hat so manchen Kitschsong geschrieben. Viel Pathos und Bombast waren immer mit dabei. Aber das macht die einzelnen Nummern ja nicht schlechter. Hört man sich „In Symphony“ an, dann ist das auch eine schöne musikalische Zeitreise. Man kennt die zwölf Songs natürlich allesamt. Glücklicherweise hat man den symphonischen Anteil nicht derart hochgeschraubt, dass dies alles zukleistert. Auch der Chor fügt sich eher dezent ein. Im Vordergrund steht stets die Stimme, die sich wunderbar in die Melodien einbettet.

 

„It Never Rains In Southern California“ spiegelt wunderbar die Atmosphäre der beginnenden 70er wieder. Einer der ganz großen Welthits. Das gilt auch für das schmissige „I´m A Train“. Hier wurde schon das ganz große Symphonie-Besteck aus der Schublade geholt, passt aber vorzüglich. Leo Sayer hatte mit der Ballade „When I Need You“ aus der Feder von Hammond einst einen Volltreffer gelandet. Die jetzige Interpretation von Hammond ist mitunter aber besser und kraftvoller. Das nenne ich mal eine Ballade. Bei „Give A Little Love“ tritt der Chor deutlicher in den Vordergrund, auch das passt. „Alejate“ kennt man von Celine Dion, allerdings nicht mit spanischem Text. Hier kommt die zweisprachige Erziehung von Hammond zum Vorschein und die spanische Sprache steht dem Stück sehr gut zu Gesicht, besonders mit dieser sehnsuchtsvollen Melodie. Hammond singt das übrigens herausragend.

 

„To All The Girls I Loved Before“ ist natürlich schmalzig bis die Boxen verkleben. Das war aber auch schon bei Julio Iglesias und Willie Nelson der Fall. „Estrellita“ kennt Hammond aus Kindheitstagen, als sein Onkel diese Nummer immer sang. Jetzt hat sich Hammond den Traum erfüllt, das richtige Album für seine eigene Aufnahme zu finden. „When You Tell Me That You Love Me/One Moment In Time“ ist aufgrund der olympischen Spiele 88 und der Interpretation von Whitney Houston natürlich weltbekannt. Hammond versucht gar nicht erst den Gesang von Houston zu erreichen und interpretiert das auf seine ruhige Art. Natürlich schwingt da auch sehr viel Pathos mit, aber das gehört zu dem Stück nun mal dazu. „Nothing´s Gonna Stop Us Now“ ist typische 80er Jahre Kost von Starship. Hammond singt das überraschenderweise kratziger und dreckiger. „Don´t Turn Arround“ wird solide dargeboten, während „The Free Electric Band“ Hammond anscheinend immer noch Spaß bereitet. Da schunkeln alle gerne mit – inklusive der Oma. Erinnerungen an alte Zeiten und so. „The Air That I Breathe“ war einst ein ganz großes Ding für The Hollies. Das dürften auch Radiohead kennen, sonst wäre „Creep“ kaum so wie es ist. Das Album endet somit wie es angefangen hat: mit einem Welthit.

 

Fazit: Albert Hammond wollte eigentlich kein neues Album (mehr) aufnehmen, es sei denn, man würde ihn einige seiner Hits symphonisch aufnehmen lassen. „In Symphony“ wurde geboren und dürfte viele Hörer erfreuen, da man so auch einige Welthits, die Hammond für andere Künstler schrieb – von Celine Dion bis Whitney Houston, von Starship bis zu The Hollies – nun mit seiner Stimme zu hören kriegt. Dies wurde musikalisch sehr sanft umgesetzt und Musik und Chor bringen die Songs meist vorwärts und harmonieren wunderbar und bilden kein störendes Element. Das hat man auf ähnlichen Veröffentlichungen auch schon anders gehört. Für Nostalgiker ist das hier ein toller Trip!

 

http://www.alberthammond.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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