Aimee Mann: Charmer

Aimee Mann: Charmer

V2 Benelux/Soulfood

VÖ: 21.09.2012

 

Wertung: 8/12

 

Die Karriere von Aimee Mann war stets von Höhen und Tiefen geprägt. Die Songs für den Film „Magnolia“ eröffneten ihr schließlich eine ganz neue Zuhörerschaft. Wie kaum eine andere Künstlerin ihrer Generation schaffte Aimee Mann stets den Spagat zwischen Pop und Nachhaltigkeit. Mann war und ist allerdings auch eine Gefangene ihres eigenen auferlegten musikalischen Korsetts. Auf ihrem letzten Album versuchte sie dies durch den verstärkten Einsatz von Keyboards zu durchbrechen. Da dies auf Dauer allerdings auch heftige Abnutzungserscheinungen mit sich bringt, gibt es nun die Rolle rückwärts – allerdings nicht komplett.

 

Produziert hat „Charmer“ Paul Bryan und aufgenommen wurde die Platte mit Ryan Freeland. „Living A Lie“ und „Soon Enough“ schrieb Mann zusammen mit Paul Bryan und Tim Heidecker, den Rest erledigte sie im Alleingang. Kollaborationen hat „Charmer“ auch zu bieten. Beim schon erwähnten „Living A Lie“ ist der wunderbare James Mercer von The Shins der männliche Partner von Aimee Mann. Das wertet „Charmer“ noch mal zusätzlich auf und tut dem Album ungemein gut. Thematisch ist dies gar ein tiefgründiges Werk, welches sich mit den inneren Konflikten, Zweifeln und der Manipulation der Menschen beschäftigt. Ist ein Charmer – Zauberer – im Grunde nichts anderes als ein Manipulator?

 

Die Stimme der 52-jährigen scheint sich über die Jahre kaum verändert zu haben. Ein Aimee Mann Song vermittelt einem immer das Gefühl von Heimat. Wie eine wärmende Decke legt sie sich über den Zuhörer. Egal ob Pop, Americana, Folk oder Rock, ihre Stimme steht stets im Mittelpunkt. „Charmer“ oder „Disappeared“ sind Popsongs, keine Frage und doch schwebt da auch etwas Schroffheit mit. Sie legt hier viel Wert auf die Arrangements und die Bridge und doch erinnert das nicht von ungefähr an die weibliche Ausgabe von Tom Petty!

 

Aimee Mann schreibt immer noch Melodien, die trotz aller Simplizität einfach mitreißen. Ein schlichtes Pianothema reicht bei „Labrador“ aus um den Song eben doch nicht belanglos erscheinen zu lassen. „Crazytown“ ist im Grunde ein ziemliches Leichtgewicht, macht aber trotz des poppigen Grundtons Spaß – oder gerade deswegen?! Bei Aimee Mann ist man sich da nie so sicher. Der verschleppte Rock von „Soon Enough“ mag balladesk sein, ist aber derart geerdet, dass es schon wieder eine Kunst ist. Mit „Slip And Roll“ zeigt die Dame dann, dass man tatsächlich eine Ballade ohne Kitsch und Süßstoff schreiben und intonieren kann. Wunderbar. „Gamma Ray“ ist einer der weniger Rocktracks der Platte, zumindest im Gesamtkontext. Eine Mischung aus Crazy Horse und den Heartbreakers, die einem hier kredenzt wird. „Barfly“ und „Red Flag Diver“ beenden das Album irgendwo in The Middle Of The Road. Nicht spektakulär, aber trotzdem gut.

 

Fazit: Das achte Album von Aimee Mann ist ein angenehmes Werk, welches wieder vermehrt auf Gitarrenklänge setzt. „Charmer“ mag auf den ersten Eindruck zwar recht unspektakulär erscheinen, ist handwerklich und kompositorisch aber durchaus gelungen. Die Arrangements überzeugen ebenfalls. Es mögen andere Künstlerinnen die lauteren Töne bevorzugen und doch ist Aimee Mann immer noch eine der interessantesten Songwriterinnen ihrer Generation! Wie so oft bei Aimee Mann: keine Liebe auf den ersten Blick, aber eine bleibende!

 

http://www.aimeemann.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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