Steven Tyler: Does The Noise In My Head Bother You?

Steven Tyler: Does The Noise In My Head Bother You?

Edel

VÖ: 07.05.2012

 

Wertung: 5/12

 

Steven Victor Tallarico schrieb als Sänger von Aerosmith unter dem Namen Steven Tyler Geschichte. Die Band hat im Verlaufe der Jahrzehnte so manchen veritablen Hit auf die Menschheit losgelassen. Es dürfte ja kein Rock and Roll Geheimnis sein, dass die Band eine bewegte Karriere mit vielen Höhen, aber ebenso vielen Tiefen an den Tag gelegt hat. Oftmals standen sie sich dabei selbst im Weg und der immense Drogenkonsum dürfte daran nicht ganz unschuldig sein. Es liegt auf der Hand, dass es also viel zu erzählen gibt und wer könnte das besser als die Stimme von Aerosmith? Es gibt zwar schon eine Biografie von Joey Kramer, aber da Tyler für seine große Klappe in vielerlei Hinsicht bekannt ist, dürften seine Gedanken ungleich interessanter sein.

 

Mit „Does The Noise In My Head Bother You?“ legt er nun „Meine Rock´N`Roll Biografie“ - so der vielsagende Untertitel – vor. Das Buch avancierte in den USA schon zum Bestseller und sorgte dort für reichlich Gesprächsstoff. Nun kann man sich auch anhand der deutschen Übersetzung ein Bild vom Lebenslauf des Rock and Roll Urviechs machen. Oftmals sind Biografien auch für Nichtfans interessant und man muss nicht unbedingt ein Fan des jeweiligen Künstlers sein. Dies gilt für das vorliegende Buch allerdings nur sehr eingeschränkt. Aerosmith-Fans haben sicherlich ihre helle Freude an diesem Werk, der Rest eher weniger!

 

Warum das so ist? Steven Tyler legt hier ein einigermaßen wirren Stil an den Tag. Oftmals weiß man als Leser gar nicht in welcher Phase seines Lebens man sich gerade befindet. Er springt lustig zwischen den Jahrzehnten hin und her. Vor und zurück! Ein roter Faden ist kaum auszumachen. Eine Struktur ist kaum zu erkennen. Zudem stimmen auch manche Zeitangaben nicht. Besonders ärgerlich ist die Tatsache, dass sich Herr Tyler oftmals komplett widerspricht. Dinge, die er irgendwo als Tatsache hinstellt, werden an anderer Stelle des Buchs von ihm torpediert oder ad absurdum geführt. Selbst die Dauer seiner Ehe wird an verschiedenen Stellen unterschiedlich dargestellt. Oder die Phasen seiner Drogenabstinenz sind ein einziger Widerspruch. Glaubhaft ist anders.

 

Man muss sich als Leser fast schon Sorgen um den Zustand von Herrn Tyler machen. Von einem großen Lesevergnügen ist dieses Buch jedenfalls weit entfernt und man muss sich oftmals mühsam durch die Geschehnisse wühlen. An anderer Stelle fragt man sich dann, was der Autor nun wieder mit seinen wirren Einwürfen ausdrücken möchte. Natürlich kriegt man auch eine ungefähre Ahnung, wie es um das Innenleben von Aerosmith bestellt war und ist und wie die Band arbeitet. Trotzdem werden da auch ganze Alben ausgespart, gerade so, als hätte es diese nicht gegeben. Sehr seltsam.

 

In erster Linie spielten im Leben von Steven Tyler die Drogen eine Hauptrolle- schon seit frühster Jugend. Alles wurde eingeworfen und genommen was ihm unter das Näschen gehalten wurde. Genau so liest sich das Buch über weite Strecken auch. Mal wurde er verhaftet, weil er in jungen Jahren Drogengeschäfte mit einem Drogenfahnder(!) machte. An andere Stelle fand er sich auf einer Party von Paul Newmans Sohn wieder. Er trifft auf Jim Morrison, Bob Dylan, die Stones und so ziemlich jeden bekannten Star des Geschäfts. Dann gibt er sich selber vor kreischenden Stones Fans als Mick Jagger aus. Vielleicht wurde er auch mal vergewaltigt - angedeutet wird es jedenfalls. Klingt alles wirr und zusammenhanglos? Willkommen in der Welt von Steven Tyler.

 

Neben den Drogen galt sein Hauptinteresse wohl dem Sex. Davon hatte er reichlich und in allen Facetten. Von homoerotischen Liebesbeziehungen scheint er aber nichts zu halten – wie er den Leser hier wissen lässt. Es ist einfach nur ermüdend, wenn er einem mitteilt, dass er einfach „gerne vögelt“. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Bekenntnis. Drogen, Entzug, Drogen, Drogen, Frauen, Drogen, Frauen und auch ein bisschen Musik ist die Quintessenz von „Does The Noise In My Head Bother You?“. Und letztlich kann man diese Frage als Nichtfan nur mit Ja beantworten. Mit dickem Ausrufezeichen!

 

Fazit: Die Biografie von Steven Tyler ist für Aerosmith-Fans sicher eine lesenswerte Geschichte, für alle anderen eher nicht. Die wirren Zeitsprünge und vielen Widersprüche machen es unbeteiligten Lesern nicht gerade leicht. Zudem ist das auf die Distanz des ganzen Buches gesehen auch ziemlich ermüdend und langatmig. Irgendwann möchte man auch nicht mehr nachvollziehen in welcher Lebensphase von Steven Tyler man sich gerade befindet. Aerosmith haben so manchen brauchbaren Song im Repertoire, das Buch des Sängers ist nur bedingt brauchbar. Man erfährt hier, dass er mal als Schlagzeuger angefangen hat, sein Vorbild eigentlich Janis Joplin ist (aufgrund des Drogenkonsums sicher schlüssig) und eben nicht Mick Jagger und Joan Jett ihn hat abblitzen lassen – trotz seines Adamskostüms. Immerhin verherrlicht er seine Drogenkarriere nicht und glorifiziert diese Zeit keineswegs. Durchaus positiv zu vermerken. Trotzdem ist das oftmals nur wirres Stückwerk!

 

www.edel.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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