Leonard Cohen: Zen & Poesie - Das Leonard Cohen Lexikon Band 1

Christof Graf: Leonard Cohen – Zen & Poesie – Das Leonard Cohen Lexikon

Schardt Verlag

VÖ: 06.04.2018

 

Wertung: 8/12

 

Prof. Dr. Christof Graf ist ein anerkannter Experte, wenn es um das Schaffen, Leben und Gesamtwerk von Leonard Cohen geht. Der Mann betreibt einen Leonard Cohen-Blog und die älteste und umfangreichste deutsche Website. Er hat aber auch schon fünf Bücher über Leonard Cohen verfasst. Die Songs von Cohen werden lange Zeit weiterleben und auch noch von zukünftigen Generationen entdeckt werden! „Suzanne“ und ganz besonders „Hallelujah“ sind längst zum Kulturgut der Menschheit geworden und rühren immer noch sehr viele zu Tränen. Mit „Zen & Poesie“ veröffentlicht Christof Graf nun ein Lexikon, welches so mit Sicherheit einmalig sein dürfte. 508 Seiten geballtes Wissen kann man hier nachschlagen!

 

Man sollte sich im Klaren darüber sein, was mit mit diesem Buch in Händen hält! In erster Linie ist das nämlich ein Nachschlagewerk! Eigentlich logisch, da ja schon auf dem Cover der Hinweis auf ein Lexikon zu finden ist. In der heutigen Zeit, mit den Möglichkeiten des Internets, sind solche Fleißarbeiten in Buchform je eher eine Seltenheit geworden. Diese 508 Seiten lassen sich somit nicht unbedingt flüssig in einem Rutsch durchlesen. Vielmehr laden die einzelnen Abschnitte zum Stöbern ein. Man kann in die verschiedenen Lebensphasen ebenso eintauchen, wie in die einzelnen Alben – um mal zwei Beispiele zu nennen.

 

Man wird sich in diesem Buch auch sehr leicht zurechtfinden, da dies alphabetisch angeordnet ist. Eigentlich sollte dieses Projekt schon 2016 beendet sein, aber Graf lässt den interessierten Leser auch an seiner letzten Reise zu Leonard Cohen „DIE DUNKELHEIT – YOU WANT IT DARKER – EIN NACHKLANG ZUM TODE VON LEONARD COHEN“ teilhaben. Zwei Gesprächsprotokolle, die Graf mit Cohens Sohn Adam führte, runden das ebenso, wie einige Fotos am Ende des Buchs, die auch teilweise aus dem privaten Archiv von Graf stammen, ab.

 

„Zen & Poesie“ ist ein Nachschlagewerk von A bis Z, und somit teilweise auch etwas trocken. Fakten, Fakten, Fakten. Ein Faktencheck kann da gar nicht durchgeführt werden, weil das hier derart umfassend ist, dass man als Leser und Fan das sicher nicht alles so abgespeichert hat. Da darf man aber auf das umfassende Wissen, welches sich über Jahrzehnte bei Graf angesammelt hat, vertrauen. Der Mann ist in erster Linie ja auch Fan und wird seinen Lesern ganz sicher keinen Bären aufbinden. An der einen oder anderen Stelle lässt Graf – für meinen Geschmack jedenfalls – etwas zu sehr durchblicken, dass er der Superfan ist und Cohen persönlich kennt. Das muss ja nicht betont werden, denn das gibt das Buch alleine ja schon her.

 

Mehr als 300 Seiten ist dieses Buch tatsächlich ein Lexikon und in alphabetischer Reihenfolge ein wirklich aufschlussreiches Nachschlagewerk. Hervorzuheben sind die beiden Kapitel „Zen & Poesie“ und „Projektion & Transformation. Gerade die Faszination, die der Zen-Buddhismus auf Cohen ausgeübt hat, ist ja nicht bei jedem Hörer so präsent. Man weiß zwar davon, aber Graf arbeitet das hier wirklich sehr schön und anschaulich auf und heraus. Der Autor setzt sich auch mit der bildhaften Sprache des Meisters auseinander und wie man seine Texte übersetzen (die Übersetzungen sind vorhanden) oder deuten kann,

 

Die Aufmachung des Buchs ist eher spartanisch, eben ein Taschenbuch und somit nicht so hochwertig wie mit einem stabilen Einband. Zweckmäßig. Links, Verweise und Hinweise sind dafür reichlich vorhanden. Somit ist es in diesem Buch von Bono (genau, dem U2-Sänger) bis zu Stuttgart 21 immer nur ein kleiner Schritt, sprich ein paar Seiten. Gesprächsauszüge mit dem indischen Philosophen Ramesh Balsekar, als sich Cohen auf die Sinnsuche machte, gibt auch noch.

 

Fazit: Im Grunde ist „Leonard Cohen – Zen & Poesie – Das Leonard Cohen Lexikon“ ein 82-jähriges Leben verteilt auf 508 Seiten. Christof Graf taucht hier ganz tief in den Kosmos Leonard Cohen ein und nimmt den Leser mit auf diese Reise. Wer demnächst etwas über Leonard Cohen wissen möchte und dieses Werk im Schrank stehen hat, wird hier nachschlagen und nicht Google bemühen. Es stellt sich aber noch die Frage, was denn dann in einem Folgewerk noch stehen soll, denn immerhin ist dieses hier mit dem Zusatz „Band 1“ versehen?! Auf über 500 Seiten mit knapp 5000 Schlagworten, Titeln und Namen darf man sich bei dieser Veröffentlichung freuen. Für Fans ganz sicher ein Muss!

 

Text: Torsten Schlimbach

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