Charles Manson: Meine Letzten Worte – Aufgezeichnet von Michal Welles

Charles Manson: Meine Letzten Worte - Aufgezeichnet von Michal Welles
Hannibal Verlag

VÖ: April 2011

 

Wertung: 9/12


Eine Buchrezension über Charles Manson zu verfassen ist gar nicht so einfach. Sollte man dem Mann überhaupt eine Plattform bieten? Kann man am Ende des Tages gar ein Buch empfehlen, welches viele O-Töne von ihm enthält? Ein Buch, wo er sich sogar als Künstler versucht? Immerhin sind hier eine Vielzahl seiner Gedichte abgedruckt. Letztlich sollte aber auch hier der Inhalt zählen. Bei der Lektüre des Buches ist dem Leser natürlich auch nicht verboten sich so seine eigenen Gedanken zu machen und zwischen den Zeilen zu lesen.


Die Geschichte von Charles Manson ist ja bekannt. In diesem Buch wird diese noch mal aus einer etwas anderen Perspektive aufgearbeitet. Wenn es um das personifizierte Böse geht, dann fällt in diesem Zusammenhang ja gerne sein Name. Die Autorin Michal Welles hat ihn immer wieder im Gefängnis besucht und hat über Jahre das Material zu diesem Buch zusammengetragen. Manson hat dieses Werk selber autorisiert und noch viele Briefe, Skizzen und Gedichte untergebracht. Die Welt soll schließlich sehen, dass er ein begabter Künstler ist. An vielen Stellen des Buches kann man aber sehr gut herauslesen, dass der Mann es versteht die Menschen zu täuschen und zu manipulieren. Das versucht er auch hier, aber unter dem Strich ergibt sich dadurch kein besseres Bild dieses Menschen.


Die hochschangere Schauspielerin Sharon Tate und vier ihrer Freunde wurden in der Nacht vom 8. auf den 9. August 1969 ermordet. Die Täter waren schnell gefunden: die Manson-Family. Charles Manson hatte diese Morde nicht selbst begangen. Er wurde aber als Anstifter zum Tode verurteilt und sitzt nach Abschaffung der Todesstrafe 1972 in Kalifornien bis heute seine lebenslange Haftstrafe im Hochsicherheitsgefängnis in Corcoran ab.


Wenn man bedenkt, dass Michal Welles über Jahre mit Manson kommuniziert hat und sich eine Menge Material angesammelt haben muss, dann erscheinen die 220 Seiten reichlich kurz. Zieht man dann noch jenen Inhalt ab, der eben nicht aus Text besteht, dann schrumpft es sogar noch mehr zusammen. Inhaltlich bekommt man aber trotzdem eine ganze Menge mit auf den Weg. Der Kriminalbiologe Mark Bennecke sagt im Vorwort, dass dies ein gutes Buch wäre und damit liegt er goldrichtig!


Nach dem Vorwort gibt es eine Art Einführung der Autorin. Sie beschreibt, wie es zum Kontakt kam, wie die Wächter und Mitgefangenen über Manson denken und wie sie erstmals auf ihn traf oder mit ihm telefoniert hat. Auch schildert sie ihre Begegnungen mit seinen Anhängern, die ihn im Gefängnis besucht haben. Ebenso gewährt sie einen Einblick in ihre Gedankenwelt und wie Manson versucht hat auch sie zu manipulieren. Sein Vertrauen konnte sie letztlich erst gewinnen, als sie ihm erzählte, dass sie durch ihren Stiefvater als Kind missbraucht wurde. Michal Welles lässt manchmal die kritische Distanz vermissen und dann gewinnt man den Eindruck, dass ihre Schilderungen aus Sicht eines Fans geschrieben sind. Es ist auch völlig unverständlich, dass sie ihre kleine Tochter mit zu Manson ins Gefängnis genommen hat. Wie bereits erwähnt, ist es dem Leser ja nicht verboten sich eigene Gedanken zu machen.


Danach kommt Manson selber zu Wort. Im weiteren Verlauf gibt er sogar mehrfach zu, dass er die Menschen zu seinem Vorteil manipulieren möchte. Seine Worte sind oftmals ermüdend und denen eines Motivationstrainers nicht fremd. Anderes ist total wirr. Wenn er sich zum Holocaust äußert bleiben über die Person Manson keine weiteren Fragen mehr offen. Er ergeht sich auch immer wieder in Hasstiraden über alles und jeden und sei es auch nur über die Beach Boys, die sein geistiges Eigentum geklaut haben. Er betont auch immer wieder, dass es ihm im Grunde immer nur darum geht die Tiere, das Wasser und die Luft zu retten.


Fazit: Für viele dürfte es völlig unverständlich sein, warum der Kult um Charles Manson auch heute noch ungebrochen ist und er derart viele Fans hat. Es gibt sogar Menschen, die in die Nähe seines Gefängnisses ziehen - nur um in seiner Nähe zu sein. Die Wärter und Mitgefangenen zeichnen ein völlig anderes Bild und da schrumpft der Guru dann wieder auf Normalmaß. Durch die Tatsache, dass Manson hier selber zu Wort kommt, kann man sich selber ein umfassendes Bild machen und die vielen Briefe seiner Fans, aber auch seine Ratschläge, gewähren letztlich einen Einblick in seine Gedankenwelt. Wäre dies ein normales Buch, dann könnte man glatt davon sprechen, dass es höchst unterhaltsam sei. Es ist aber kein normales Buch, es ist ein Buch über Charles Manson. Lesenswert ist es allemal.

 

http://www.hannibal-verlag.de/


Text: Torsten Schlimbach

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