Beatles gegen Rolling Stones: Die Grossen Rock-´N´-Roll Rivalen

Beatles gegen Rolling Stones: Die Grossen Rock-´N´-Roll Rivalen

Jim Derogatis und Greg Kot

Hannibal Verlag

VÖ: 13.06.2011

 

Wertung: 9/12

 

Beatles oder Stones? Die Frage ist ungefähr so alt wie die Rockmusik selbst. Diese beiden wegweisenden Bands werden immer wieder von eine neuer Generation entdeckt und im Zuge dessen stellt sich natürlich auch schnell die Gretchenfrage zu dieser Thematik. Einigkeit wird dabei in den seltensten Fällen erzielt. Über das Thema lässt sich aber auch trefflich streiten und abendfüllende Diskussionen sind nicht selten der Fall.

 

Jetzt beschäftigt sich gleich ein ganzes Buch mit dieser Frage. Man kann bei den beiden Bands schließlich so gut wie alles vergleichen. „Beatles Gegen Rolling Stones“ hat jetzt auch genau dies getan. Um jetzt mal direkt mit der Tür ins Haus zu fallen: Beinhartfans mit wenig Sinn für Humor sollten sich die Texte gar nicht erst durchlesen! Jedenfalls nicht, wenn die Baldriantropfen vergessen wurden. Die beiden Autoren nähern sich dem Thema nämlich durchaus mit einem Augenzwinkern. Mit anderen Worten, mal sollte das nicht alles auf die Goldwaage legen. Die Ansichten, Kommentare und Ausführungen sind im höchsten Maße subjektiv. Hier unterhalten sich zwei Nerds. Stilistisch ist das dann auch folgerichtig wie eine Unterhaltung aufgebaut. Wer das Buch „High Fidelity“ kennt, weiß ungefähr wie sich diese beiden Protagonisten hier aufführen. Fehlt nur noch, dass alles in Top 5 Listen kategorisiert wird.

 

Die beiden Männer sind übrigens vom Fach. Jim DeRogatis ist der Rockkritiker der Chicago Times und hat zudem schon mehrere Bücher im Pop- und Rockbereich verfasst. Greg Kot ist seines Zeichen Musikkritiker bei der Chicago Tribune und hat ebenfalls an zahlreichen Musikbüchern und -zeitschriften mitgewirkt. Dies kann für das vorliegende Buch natürlich nur von Vorteil sein. Akribisch wurde recherchiert und somit kriegt man als Leser quasi noch die jeweilige Kurzbiografie der beiden Bands mit an die Hand. Natürlich werden den eingefleischten Fans keine neuen Tatsachen präsentiert. Woher sollen die auch kommen, schließlich sind die Werdegänge hinlänglich bekannt und dokumentiert?

 

Man muss sich trotzdem nicht gähnend abwenden und wer es schafft, sich auf dieses Thema einzulassen und dabei sein Lachen nicht im Keller vergessen hat, sprich selbigen für diese Emotion aufsuchen muss, kann sehr viel Spaß und Freude bei der Lektüre des Buches haben. Verglichen wird eigentlich alles, was sich zwischen Beatles und Stones vergleichen lässt. Einzelne Bandphasen werden dabei ebenso unter die Lupe genommen, wie die Alben dieser Zeit. Wer hat die besseren Sänger an Bord? Wer den besseren Schlagzeuger? Was gibt es über die Kompositionen zu sagen, wer ist die besser Liveband und und und. Die beiden Autoren sind sich dabei auch oft genug uneins. Und wenn sie sich doch mal auf eine Band einigen können, dann sind sie bei den Songs beispielsweise unterschiedlicher Auffassung (z.B. bei „I Saw Her Standing There“). Musik ist eben keine Mathematik, sondern eine höchst subjektive Angelegenheit. Was sich natürlich vergleichen lässt sind die unterschiedlichen Vorgehensweise bei der Marktplatzierung der Bands. So kann man sich noch mal über die Meldung freuen, dass die Stones bei ihrem New York Besuch im Juni 64 schon eine Woche nicht mehr geduscht hätten. Unglaublich, was damals für Meldungen über den Ticker gingen.

 

So manche Meinung und Feststellung ist natürlich arg überzeichnet. Ob Lennon zu Beginn auf den Platten so klingt, als wolle er so überhaupt nicht singen, sei mal dahingestellt. Ob das Cover von „Beatles For Sale“ jetzt nur ausdrücken möchte, wie angepisst die Band eigentlich ist? Na ja. Anderes ist wiederum erheiternd. So weiß beispielsweise Patti Smith zu berichten, dass sie vom Auftritt der Stones bei der Ed Sullivan Show ein klatschnasses Höschen hatte. Wer mit der nötigen Distanz an diese recht launische Unterhaltung der beiden Autoren ran geht, wird eine ganze Menge Freude an diesem Buch haben. Kurzweilig verteilt sich dieser Lesespaß auf 192 Seiten.

 

Über die Aufmachung des Buches kann es übrigens keine zwei Meinungen geben! Selbige ist nämlich ein Augenschmaus und absolut gelungen. Über das Hologramm auf der Vorderseite mag man noch streiten, aber als optische Untermalung ist dies für diesen Titel eigentlich perfekt gewählt worden. Im Innenteil offenbart sich dann aber eine kleine Schatztruhe für die Fans beider Lager. Die liebevolle Gestaltung kann nämlich mit sehr vielen – teils raren – Fotos fleißig punkten. Man nimmt das Buch so immer wieder gerne zur Hand um einfach nur darin zu blättern und die verschiedenen Phasen dieser Bands und die Entwicklung zu verfolgen. Die edle Gestaltung hält als ganz besonderes Schmankerl auch noch zwei aufklappbare(!) Zeitleisten bereit, wo man kurz und bündig die Jahre noch mal Revue passieren lassen kann. Jim Derogatis und Greg Kot geizen auch nicht mit Verweisen, Hinweisen und Empfehlungen zu anderen Werken. Das abschließende Register ist da nur noch das Sahnehäubchen. Erstklassige Umsetzung!

 

Fazit: Über die Beatles und Stones werden noch viele Generationen streiten. Wer ist denn nun besser? Die beiden Autoren haben mit diesem Buch eine launische Aufarbeitung dieser Thematik verfasst. Es macht schon eine Menge Spaß dieses „Gespräch“ der beiden Herren zu verfolgen – man muss die jeweilige Meinung ja nicht teilen. Die Aufmachung und die exquisite Gestaltung des Buches ist absolut topp! Fans, die mit dem nötigen Humor ausgestattet sind, werden eine Menge Spaß mit diesem Buch haben. Wer ist denn nun eigentlich besser? Die Beatles natürlich, aber das war ja vorher schon klar – oder etwa nicht?

 

http://www.hannibal-verlag.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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