The Neal Morse Band: Morsefest 2015 - ? And Sola Scriptura live (Blu-ray)

The Neal Morse Band: Morsefest 2015 - ? And Sola Scriptura live (Blu-ray)

Metal Blade Records/Sony

VÖ: 24.03.2017

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Das Morsefest 2015 sprengte wohl so ziemlich alle Vorstellungen, die man von einer Rockshow hat und erwartet. Das Prog-Fest hatte es in jeglicher Beziehung in sich! The Neal Morse Band und weitere 38(!) Livemusiker machten das für die Zuschauer zu einem ganz besonderen Ereignis. Alleine drei Videoscreens sorgten für einen Augenschmaus sondergleichen. Neben dem beeindruckenden Prog-Orchester bereicherten auch noch Tänzer die aufwendig gestaltete Show. An den zwei Abenden wurden mehr als fünf Stunden Live-Musik dargeboten. Die beiden Alben „Sola Scriptura“ und „Question“ bildeten das Herzstück der Shows. Es gab aber auch einige Überraschungen aus der gesamten Karriere von Neal Morse auf die Ohren. Dies wird nun in allen möglichen Formaten veröffentlicht. Hier empfiehlt sich allerdings ausdrücklich die Anschaffung der Doppel-Blu-ray, da man dieses monumentale Fest so natürlich in aller bester Bild- und Soundqualität genießen kann!

 

Morse konnte an diesen Abenden die Songs so aufführen, wie er sie vermutlich schon immer im Kopf hatte. Die Beschränkungen des Studios engten die Musiker so nicht mehr ein. Neben Bläsern und Streichern gibt es zudem noch einen beeindruckenden Chor, bestehend aus 14 Backgroundsängerinnen, zu hören und zu sehen! Die Neal Morse Band mit Sänger/Keyboarder/Gitarristen Neal Morse, Drummer Mike Portnoy, dem Bassisten Randy George, Keyboarder Bill Hubauer und dem Gitarristen Eric Gilette werden dadurch selbstverständlich nicht in den Hintergrund gedrängt und sind Mittelpunkt des musikalischen Geschehens. Etwas abgelenkt wird man durch die Multimedia-Show. Dies ist allerdings auch so gewollt. Das alles schreit natürlich auch nach einem Blick hinter die Kulissen. Glücklicherweise gibt es auf dieser Veröffentlichung noch eine ca. einstündige Dokumentation, die den Zuschauern dann auch tatsächlich an die Hand nimmt und das anschaulich erklärt.

 

Die Bildqualität ist beeindruckend! Das geht durchaus als Referenzwerk durch. Bei voller Bühnenausleuchtung – und die gibt es hier oft zu sehen – wirken die Farben sehr kräftig und trotzdem sehr natürlich. Der Schwarzwert ist hervorragend. Graining oder Kompressionsfehler sind nicht vorhanden. Die Detailschärfe ist eine weitere, beeindruckende Eigenschaft des Bildes. Aufgrund der vielen Lichteffekte, die das Konzert eben auch auszeichnen, hätte es da durchaus ein paar Problem geben können – gibt es aber nicht! Der Sound ist druckvoll und jede noch so feine Nuance wurde da hörbar gemacht. Das ist ganz fein austariert, was mitunter ja ebenfalls in der Nachproduktion aufgrund der vielen Musiker und Sänger eine Herausforderung dargestellt haben dürfte. Vielleicht ist das etwas zu frontlastig, aber das wiederum ist ja auch Geschmackssache. Insgesamt geht auch das in dieser Kategorie als Referenzwerk über die Ziellinie.

 

Der Schnitt ist ebenfalls recht gelungen. Da hat man sich schon sehr viel Mühe gegeben. Zu Mike Portnoy kommen wir gleich noch, aber an dieser Stelle hier muss er auch noch mal erwähnt werden. Besser gesagt seine Füße. Kameraführung und Schnitt sorgen nämlich dafür, dass man als Zuschauer auch endlich mal ausführlicher sehen kann, was der Mann mit den Pedalen veranstaltet. Ein kleiner Mitgucker, der ebenfalls Schlagzeug spielt, konnte sich aufgrund Herrn Portnoy gar nicht mehr von der Blu-ray lösen.

 

Was man nicht vergessen sollte, dass es sich hierbei ja um keine Stadion-Show handelt. Das findet ja nicht mal in einer großen Halle statt. Der Raum ist extrem klein und man hat das Gefühl, dass die Band jeden Zuschauer, der da in den Bänken oder Sesseln hockt, persönlich begrüßen könnte. Entsprechend klein ist natürlich auch die Bühne und die Screens ausgefallen. Den Laufsteg, sofern man das überhaupt so nennen darf, hätte man sich auch schenken können, das wirkt fast wie ein schlechter Witz

 

Die Dokumentation ist tatsächlich ein weiteres Prunkstück dieser beiden Blu-ray-Discs. Normalerweise ist das ja eher für die Tonne und wenig erhellend. Hier kriegt man aber tatsächlich einen Blick in den Entstehungsprozess. Auch ein Einblick in die unterschiedlichen Herangehensweisen der einzelnen Musiker wird deutlich. So erzählt beispielsweise Bassist Randy George, dass er die Songs für sich schon seit Juli einstudiert, während Mike Portnoy erst zwei Tage später als die restliche Band aufkreuzt - was drei Tage vor der ersten Show bedeutet. Er gibt dann auch freimütig zu, dass er die Songs jetzt ganz sicher (noch) nicht perfekt spielen könnte. Er erzählt auch noch ein bisschen aus seinem Musikerleben, nämlich, dass er aktuell in sechs(!) Bands spielt, bei dreien ist dann auch Morse dabei. Darum könne er sich immer nur auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Eine Band nach der anderen eben. Es ist schon beeindruckend, wie schnell er sich die Songs wieder drauf schafft. Dazu hat er dann auch eine Kladde dabei, wo er fein säuberlich aufgezeichnet hat, wie die Songs damals im Studio arrangiert und von ihm eingespielt wurden.

 

Weiterhin hat die Doku reichlich Impressionen von den Proben am Start. Man sieht die Band in einem kleinen Raum, aber auch selbstverständlich auch schon auf der Bühne. Neal Morse ist der unumstrittene Chef im Ring, wobei auch recht deutlich wird, dass Portnoy ein Alphatier ist. Das macht schon Spaß, da mal mehr als nur einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können.

 

Die drei Screens liefern zwar beeindruckende Bilder, sind aber aufgrund der Räumlichkeiten recht klein. Für die Blu-ray hat man dann teilweise nicht den Screen gefilmt, sondern liefert dem Zuschauer das Material, welches für die Screens genutzt wurde, als sauberes Bild direkt auf das TV-Gerät. Auf der Bühne gibt es zwei Mittelpunkte: natürlich ist Neal Morse auch hier der große Zampano hinter dem Keyboard, an der Gitarre und als Chef dieser Band. Aber auch Portnoy liefert eine beeindruckende Show ab. Die anderen Musiker sind eher konzentrierte Arbeiter. Könner ihres Fachs. Was da zwischen Pop, Jazz, Blues, Hard- und Heavy Rock aufgefahren wird, ist schon die hohe Musikkunst. „A Whole Trip“, „The Door“ oder „A The End Of The Day“ lassen reichlich Spielraum für Jams und Improvisationen. Das sind schon Progmeisterwerke.

 

Fazit: „The Neal Morse Band: Morsefest 2015 - ? And Sola Scriptura“ sind musikalisch zwei ganz wunderbare Blu-ray-Discs geworden. Da sind wahre Meister am Werk. Das Bild ist blitzsauber und auch der Ton überzeugend. Die Dokumentation ist sogar der heimliche Star dieser Veröffentlichung. Wer mit Progrock etwas anfangen kann, der sollte sich diese beiden Discs auf jeden Fall nach Hause holen!

 

http://www.nealmorse.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

European & World Tour Leg 2017
The Road Called Home


24.03.2017, Pratteln, Schweiz - Z7
25.03.2017, Aschaffenburg, Deutschland - Colo-Saal
26.03.2017, Berlin, Deutschland - Lido
29.03.2017, Hamburg, Deutschland - Markthalle
31.03.2017, Köln, Deutschland - Stollwerck -
ausverkauft
02.04.2017, Tilburg, Holland - O13
04.04.2017, Luxemburg - Rockhal

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