The Doors: Live At The Isle Of Wight Festival 1970 (CD/DVD)

The Doors: Live At The Isle Of Wight Festival 1970 (CD/DVD)

Eagle Rock/Universal

VÖ: 23.02.2018

 

Wertung: 9,5/12

 

Am 30. August 1970 traten die Doors um zwei(!) Uhr beim The Isle Of Wight Festival auf. Dies war auch gleichzeitig das letzte The Doors-Konzert, welches mitgefilmt wurde. Dies war sowieso einer der letzten Auftritte der Band - das Schicksal von Jim Morrison ist ja hinlänglich bekannt. Jetzt wird „Live At The Isle Of Wight 1970“ erstmals veröffentlicht. Die Originalaufnahmen wurden vollumfänglich restauriert. Der Schnitt und die Abmischung sind zudem komplett neu. Farbkorrekturen wurden ebenfalls vorgenommen und das Material somit ein ganzes Stück aufgewertet. Der Mitschnitt wurde von dem langjährigen Doors-Co-Produzenten Bruce Botnick von den Original Mehrspur-Audiobändern abgemischt.

 

Man darf jetzt von dem Filmmaterial keine Wunderdinge erwarten. Kurioserweise wurde die Bühne damals nämlich nur von einem(!) roten Scheinwerfer ausgeleuchtet! Die Band hatte schlicht und ergreifend verpeilt, dass sie eigentlich selbst für ihre Beleuchtung sorgen musste. Entsprechend schummrig war die ganze Angelegenheit. Von den mehr als 600.000 anwesenden Zuschauern dürften nur die ersten Reihe die Band gesehen haben – und dies teilweise nur schemenhaft und als Konturen.

 

Zunächst fängt die DVD zu „Roadhouse Blues“ mit einigen Festivalimpressionen und einigen Besonderheiten der damaligen Gegebenheiten der Örtlichkeiten an. Man sieht auch, wie die Zäune und Barrieren errichtet werden, die Zuschauer diese aber niederreißen. Als Aufhänger dieser Bilder dient übrigens eine Motorradfahrt, die schließlich auf dem Gelände endet. Der Zeltplatz und die Zuschauer werden auch mehrfach gezeigt. Aus heutiger Sicht ist dies eine sehr schöne Zeitreise. Die damalige Kultur – von bieder bis zu Hippie – kriegt so wieder ein Gesicht.

 

Danach folgt eine kurze Ansprache und die Doors stehen dann plötzlich auf der Bühne. Mit den elektrischen und fast schon rotzigen Interpretationen von „Back Door Man“ und „Break On Through“ startet die Band in ein fulminantes Jam-Set. Die Songs werden hier teilweise vollkommen zerlegt und besonders Gitarrist Robby Krieger entlockt seinem Instrument so manche Verzerrung. Die Tracks wirken roh wie selten zuvor. Auch Morrison wartet hier mit einer außergewöhnlichen Performance auf. Seine Stimme kippt vorne über, er kreischt rotzig und rau. Dafür steht er fast statisch auf der Bühne und bewegt sich kaum Die Augen sind fast durchgehend geschlossen und der Mann wirkt völlig entrückt. Öffnet er mal die Augen, dann ahnt man nichts Gutes! Er ruft hier trotzdem eine seiner besten Gesangsleistungen ab. Die Band gibt ihm auch reichlich Zeit diverse Verschnaufpausen einzulegen und driftet oft in Jams ab. Drummer John Densmore, aber auch Organist Ray Manzarek, hält den Laden letztlich immer wieder zusammen. Elegische Versionen, die man so nicht alle Tage von diesen Songs zu hören bekommt.

 

Überwiegend hat man die einzelnen Bandmitglieder im Bild – und zwar im Porträt. Hin und wieder wird auch mit einem Split-Screen gearbeitet. Der Aktionsradius der Band passt zwar auf einen Bierdeckel und doch ist das Gezeigte von einer besonderen Intensität durchzogen. Man sieht natürlich auch hin und wieder, wenn beim Bildmaterial nichts zu retten war und da ein bisschen geschummelt wurde. Das ist in Anbetracht des historischen Materials aber sicher zu verkraften. Das Bonusmaterial ist mit dem Film „This Is The End“ und 17 Minuten relativ kurz ausgefallen. Dafür liegt die Geschichte auch noch mal als CD bei, was durchaus Sinn macht, denn das Konzert ist – abgesehen von der Performance – klanglich derart gut, dass man sich das auch gerne einfach immer wieder nur anhören wird. Leider gibt es kein Booklet.

 

Fazit: „Live At The Isle Of Wight Festival 1970“ von den Doors wird nun erstmals auf DVD/Blu-ray veröffentlicht. Mit den Mitteln der heutigen Zeit hat man da eine ganze Menge restaurieren können. Die Aufnahme ist von historischem Wert und zudem das letzte gefilmte Konzert von The Doors. Jim Morrison ist nicht mehr der agile Derwisch früherer Tage, singt dafür aber rotziger als je zuvor. Man kriegt beim Betrachten der Aufnahme eine ungefähre Ahnung davon, dass er da mit einigen Dämonen zu kämpfen hatte. Seine drei Mitstreiter liefern eine astreine Jam-Performance ab, in die man sich als Zuhörer regelrecht verlieren kann. Musikalisch ist das schon eine ganz tolle Geschichte!

 

https://www.thedoors.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Doors: Feast Of Friends (DVD)

The Doors: Feast Of Friends (DVD)

Edel/Eagle

VÖ: 07.11.2014

 

Wertung: 7/12

 

The Doors hatten 1968 filmisch Großes vor. Leider wurde das Projekt nie fertiggestellt, geschweige denn veröffentlicht. Der Film sollte eine Art Dokumentation über die Band werden und dem Zuschauer auch ein Bild von den Menschen hintern den Stars vermitteln. Es kam freilich alles ganz anders und das Material verschwand in den Archiven. Über die Jahre dürfte es sogar in Vergessenheit geraten sein. Jetzt wurde es wieder ausgegraben und auf Grundlage der Negative, die Jim Morrison damals höchstpersönlich überwachte, komplett restauriert. Dazu gehört auch, dass man die Farben gesäubert und korrigiert hat. Die Musik und den Soundtrack hat Bruce Botnik remastert.

 

Das Bild auf der vorliegenden DVD ist von unterschiedlicher Qualität. Dies ist insofern aber nicht weiter verwunderlich und man darf hier natürlich keine Wunderdinge erwarten, denn das Material ist ja schon recht alt und entstand teilweise unter dubiosen Umständen. Die Gegebenheiten, mit denen sich die Filmer damals rumschlagen mussten, waren sicher auch nicht gerade dafür geeignet ein filmisches Meisterwerk abzuliefern. Teilweise kommt das eben – so viel Mühe man sich bei der Restauration auch gegeben hat – nicht über den Bootlegcharakter hinaus.

 

„Feast Of Friends“ verzichtet auf ein Hitfeuerwerk und setzt sich eher mit unbekanntem Material auseinander. Die Songs sind weitestgehend sowieso unwichtig, da es hier um den Blick hinter die Fassade geht. Eigentlich unglaublich, was man da zu sehen bekommt. Die Fans greifen bei einer fahrenden Limousine durch das Fenster nach Morrison, drücken und küssen ihn als er aussteigt – geschützt nur von ein paar Polizisten. Die Konzerte ähnelten auch eher einem Torso. Die Fans sitzen und stehen direkt vor der Bühne und entern selbige fortwährend. Ein Ring aus Ordnern und Polizisten schubst die Fanschar immer wieder zurück. Die Band dürfte aus dem Zuschauerraum kaum zu sehen gewesen sein, da sich eben sehr viele Menschen auf der Bühne befanden – ein Großteil versuchte die Musiker einfach nur zu schützen. Morrison liegt und windet sich trotzdem auf dem Boden. Es gibt aber nicht nur Aufnahmen der Tour zu sehen, sondern auch wie die Band gemeinsam reiste und den Urlaub zusammen verbrachte. Alles in allem gleicht das Material einem einzigen großen Drogenrausch. Ein seltsamer, aber auch faszinierender Film.

 

Als weiteres Material gibt es noch die britische Fernsehdokumentation vom 17. Dezember 1968 zu sehen – ein Auftritt der Band aus dem Londoner Roundhouse. Die ursprünglichen Klang- und Bildprobleme wurden weitestgehend behoben und Botnik hat versucht das dem Live-Sound der Band anzupassen. Es dürfte auf der Hand liegen, dass der damalige Auftritt so aber auch verfälscht wird und man als Zuschauer nicht mehr weiß, was nun original ist und was nicht. Interviews kann man während der 147 Minuten natürlich auch noch bewundern und mit „The End“ gibt es auch noch für The Doors-Fans den heiligen Gral ihrer Auftritte.

 

Fazit: „Feast For Friends“ ist für The Doors-Fans sicher ein Fest. Man erhält hier viele Einblicke hinter die Kulissen. Das Material ist aber teilweise auch sehr zerstückelt und zusammenhanglos. Wer mit der Band nicht ganz so vertraut ist und sich (noch) nicht zum harten Kern der Anhänger zählt, sollte zunächst zu anderen Veröffentlichungen greifen! Die vorliegenden DVD ist eher etwas für Spezialisten! Das Bild geht - angesichts des Ausgangsmaterial – sicher in Ordnung und das wurde mit sehr viel Mühe und Liebe restauriert. Selbiges gilt auch für den Ton, der allerdings auch die eigentlichen Geschehnisse verfälscht.

 

https://www.thedoors.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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The Doors: R-Evolution (Deluxe DVD)

The Doors: R-Evolution (Deluxe DVD)

Edel/Eagle Vision

VÖ: 22.11.2013

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

The Doors waren einer der einflussreichsten Bands ihrer Zeit und deren charismatischer Frontmann Jim Morrison zog die Zuschauer regelmäßig in seinen Bann. Der Mythos der Band wurde nach seinen Tod 1971 in Paris nur noch größer und über die Jahre wurden immer mehr Legenden gebildet. Die Musik und die Alben werden immer wieder durch eine neue Generation entdeckt. Die Verehrung für diese Band ist ungebrochen und weltweit gibt es Millionen-Fans, für die diese Band einer Religion gleichkommt, obwohl selbige zur aktiven Zeit dieser Kapelle nicht mal geboren waren. Das visuelle Material ist natürlich begrenzt, zumal die damalige Technik alles andere als ausgereift war. Somit ist es umso erfreulicher, dass mit „R-Evolution“ nun eine DVD und Blu-ray Veröffentlichung ansteht, die jede Menge unveröffentlichtes Material beinhaltet. Hier kann sich der geneigte Zuschauer noch mal zu Gemüte führen, was diese Band ausmachte. Teilweise entsteht dabei ein unfreiwillig komisches Bild.

 

Die Deluxe Edition ist schon ein Hingucker. Als Hardcover-Buch kann das feine Teil schon optisch überzeugen. Neben vielen Fotos und Abbildungen kann man auch noch mal alle Texte der hier enthaltenen Songs nachlesen. Die einzelnen Fakten dazu sind ebenso abgedruckt, wie auch ein kurzer Abriss der The Doors Geschichte. Insgesamt macht das schon einen wertigen Eindruck und sieht in jedem Fan-Schrein sicherlich ganz schick aus. Da sollte man nicht an ein paar Euro sparen und gleich in dieses schicke Paket investieren. Ob man da lieber in die Blu-ray oder die DVD investiert dürfte dabei eher eine untergeordnete Rolle spielen. Ein Unterschied dürfte kaum bemerkbar sein. Man hat sich zwar alle erdenkliche Mühe gegeben das vorliegende Material mit den heutigen Möglichkeiten aufzuarbeiten, aber aufgrund des Alters und der damaligen Aufnahmetechnik kann man da natürlich keine Wunder erwarten und irgendwann gerät man da naturgemäß an die Grenzen des Machbaren. Mit anderen Worten: das Bild ist teilweise in Ordnung, bisweilen aber eben auch grobkörnig oder von Streifen durchzogen – eben der damaligen Zeit entsprechend. Trotzdem hat man hin und wieder erstaunliche Ergebnisse erzielt, beispielsweise beim Musikfilm zu „Break On Through (To The Other Side)“ von 1967. Was hier noch als Musikfilm bezeichnet wird, ist nichts anderes als ein Video zu dem Song. Erst viel später sollte diese Kunstform etabliert werden.

 

Die Aufnahme für eine TV-Show von „Break On Through (The Other Side)“ – aus dem Frühjahr 1967 – verbreitet noch nicht die Magie, die man dieser Band gerne nachsagt. Fast bieder gehen die Musiker zu Werke. Der Aktionsradius passt auf einen Bierdeckel. Morrison hält sich an seinem Mikrofon fest und weiß eigentlich nicht so recht wohin mit sich. Die Die S/W-Aufnahmen von „The Crystal Ship“ und „Light My Fire“ aus dem Juli 67 sind da schon beeindruckender. Innerhalb weniger Monate hatte die Band – besonders der Frontmann – Quantensprünge in Bezug auf die Ausstrahlung und die Nachhaltigkeit gemacht. Das Interview zwischen diesen beiden Stücken zeigt die Band hingegen als schüchterne Jungs. Den Vogel schießen die Videos zu „Light My Fire“ und „Hello, I Love You“ ab. Wer kam denn auf die sinnfreie Idee im Vorspann zu „Light My Fire“ ein brennendes Haus zu zeigen, während die eigentliche Performance wie ein Urlaubsvideo am Strand wirkt – inklusive gut gelaunter Mädchen? Das hat was von „die Mädels vom Immenhof“. War Morrison überhaupt anwesend? Er wird zwar von hinten gezeigt, aber dass dies eben nicht Morrison sein kann, sieht man schon anhand der Statur und der Haarschnitt passt auch nicht so ganz. Immerhin darf man ihn auch von vorne bei seiner Playbackeinlage bewundern – dies wurde aber an anderer Stelle aufgenommen. „Hello, I Love You“ aus „Musik für junge Leute(!)“ auf einem Rathausplatz vor amerikanischer und deutscher Beflaggung(!) mit einer Tänzerin, die so gelenk wie eine Eisenbahnschiene agiert, spottet jeder Beschreibung. Man sollte dabei unbedingt auf die Zuschauer im Hintergrund achten – sehr sehenswert! Das entbehrt nicht einer gewissen Komik. Und dies bei The Doors!

 

Die kleinen Kunstfilme sind unter heutigen Gesichtspunkten auf ihre Art faszinierend. Wenn bei „The Unknown Soldier“ dem gefesselten und erschossenen Morrison das Blut aus dem Mund läuft, dann spiegelt das natürlich auch den damaligen Geist wieder. Die Umsetzung mag dilettantisch wirken, ist aber auch ein Statement der damaligen Zeit. Mit dem kleinen Film zu „Wild Child“ kriegt man übrigens gar einen klitzekleinen Einblick hinter die Kulissen der Studioarbeiten. „Roadhouse Blues“ hingegen zeichnet das Bild nach, welches bei so vielen in den Köpfen verankert ist: live brach immer die Hölle los. Entweder musste Morrison von der Polizei abgeführt oder beschützt werden. Abgesehen davon war die Stimmung wohl immer gereizt und aggressiv. Dieser Zusammenschnitt gibt dies sehr gut wieder.

 

Das Bonusmaterial hat ein paar O-Töne von John Densmore, Robby Krieger und Ray Manzarek zu bieten. Besonders bei der Dokumentation „Breaking Through The Lens“ wird einem noch mal vor Augen geführt, dass dies mittlerweile ältere Herren sind – meist wird man ja nur mit der jüngeren Version der Musiker konfrontiert. Der Hammer ist „Love Thy Customer“ - den Ford Film muss man einfach gesehen haben – ein Stück amerikanische Zeitgeschichte. „Break On Through (To The Other Side)“ vom Isle Of Wight rundet die Sache schön ab. Dass es sich dabei um eine Live-Performance handelt merkt man aber kaum. Die Zuschauer sind gar nicht erst zu sehen und hören und die Bühnenausleuchtung taucht alles in ein Rot und eigentlich ist kaum etwas zu erkennen. Trotzdem ist diese Aufnahme wichtig und umso schöner ist es, dass selbige hier eben auch enthalten ist.

 

Fazit: „R-Evolution“ von The Doors ist eine schöne Zusammenstellung von verschiedenen TV-Auftritten und sonstigen Merkwürdigkeiten und obskurem Material. Die Qualität kann aufgrund des Alters natürlich nicht sonderlich gut sein. Entscheidender ist der Inhalt und dieser dürfte für offene Münder sorgen – aus ganz verschiedenen Gründen. Das Bonusmaterial ist auch recht umfangreich und ebenfalls ein Stück Zeit- und Musikgeschichte. Die ganze Geschichte ist für Fans ein absolutes Muss und auch für jeden Musikinteressierten eigentlich eine Pflichtveranstaltung. Die Musik ist sowieso magisch!

 

https://thedoors.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch