Soundgarden: Live From The Artists Den (Blu-ray)

Soundgarden: Live From The Artists Den (Blu-ray)

Universal

VÖ: 10.08.2019

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Das Reunion-Album von Soundgarden – „King Animal“ – war das erste Studioalbum der Band seit sechszehn langen Jahren. Als das Quartett damit auf Tour ging, wurden die Songs nicht etwa stiefmütterlich behandelt, nein, die Konzerte standen sogar ganz im Zeichen von „King Animal“. Der Fokus wurde auf das aktuelle Werk gelegt und somit schien die Kapelle auch für die Zukunft gerüstet zu sein. Am 17. Februar 2013 gastierten Soundgarden im Rahmen des Tourneeabschlusses im Wiltern Theatre in Los Angeles. Der Auftritt fand im Rahmen der Live From The Artists Den-Reihe statt. Vier Jahre später starb Chris Cornell - am 18. Mai 2017.

 

Guckt man sich die Blu-ray an, dann wird man natürlich auch zwangsläufig den tragischen Tod von Cornell im Hinterkopf haben. An diesem 17. Februar 2013 war der Sänger mit diesem unglaublichen Talent und dieser einzigartigen Stimme jedenfalls gut drauf und die launigen und kurzweiligen Ansagen waren mit viel Wortwitz unterlegt.

 

Und bevor jetzt irgendwer den großen Ausverkauf wittert oder anprangern möchte: „Live From The Artist Den“ ist dies nämlich genau nicht! Von den 29(!) gespielten Stücken hatte die Band lediglich 8 zuvor schon einmal in einem Konzertfilm verwendet. Das Material ist auch mehr als eine posthume Würdigung. Abgesegnet wurde das alles übrigens von Vicky Cornell! Die Filmaufnahmen sind ein wunderbares karriereumspannendes Vermächtnis!

 

Das Bild ist übrigens gestochen scharf. Das kann man bei Material aus dem Jahre 2013 auch erwarten? Mitnichten, denn es gibt so manche Veröffentlichung, die völlig verhunzt wurde. Diese hier nicht! Bei voller Bühnenbeleuchtung – allerdings eher selten – ist das ein Hochgenuss. Auch die dunklen Passagen können durchaus auf ganzer Linie überzeugen. Die Farbgebung ist über die volle Distanz sehr kräftig, aber eben auch sehr natürlich. Ein Graining ist übrigens nicht auszumachen. Bilderrauschen gibt es nicht. Der Kontrast ist zudem sehr gut eingestellt.

 

Kommen wir mal zum Schnitt. Da wurde bei ähnlich gelagerten Veröffentlichungen schon unglaublich viel Mist produziert. Hier ist das glücklicherweise nicht so. Selbstverständlich gibt es viele Kameraperspektiven und aus allen möglichen Blickwinkeln hat man die Protagonisten auf und vor der Bühne gefilmt, aber das nicht mittels schnellem Schnitt lieblos aneinandergereiht. Hier wurde mit sehr viel Bedacht agiert und somit ist dies ein Fest für die Augen! Der Sound ist keine Referenz, aber trotzdem gut. Satt und druckvoll kommen die Songs aus den Boxen. Instrumente und Stimme sind sauber abgemischt und so ist jede Nuance sehr fein zu hören.

 

Die Performance der Band war an diesem Abend über jeden Zweifel erhaben. Songs, die nicht gerade offensichtlich dafür ausgelegt und eher nicht ganz vorne im Regal angesiedelt sind, überraschen und überzeugen. Man höre sich nur „A Thousand Days Before“ an. Das Bassspiel von Ben Sheperd kann hier durchaus als Tieftönerreferenz herangezogen werden. Überhaupt geht der Mann voll und ganz in seinem Tun auf und er ist es, der so etwas wie der heimliche Fixpunkt von Soundgarden während der Konzerts ist. Matt Cameron kommt mit seinen triballastigen Drums dazu. Anders als bei Pearl Jam hat er in dieser Hinsicht bei Soundgarden einiges zu tun.

 

„Outshined“ sorgt für eine Gänsepelle, wie sie dicker dieses Jahr nicht mehr werden wird. Cornell animiert das Publikum mitzusingen und was dann passiert, ist einer dieser besonderen Momente im Leben einer Band. „4th Of July“ ist ein Feedbackmonster und zeigt, dass die Band auch immer wusste, wie man ordentlich miteinander experimentiert und sich in der Musik verliert. „Spoonman“ ist immer noch ein Brett. „Ty Cobb“ ist ein heimlicher Höhepunkt und „Rusty Cage“ so aggressiv, als müsste das Quartett mal allen Mist aus den Knochen schütteln. Musikalisch ist das alles auf allerhöchstem Level angesiedelt. Mit sehr viel Würde werden diese Songs vorgetragen.

 

Fazit: „Live From The Artists Den“ ist ein erstklassiger Konzertfilm. Bild, Schnitt und Ton überzeugen auf ganzer Linie. Die Performance der Band ist über jeden Zweifel erhaben. Die Stimme von Cornell ist ergreifend und hin und wieder markerschütternd. Sein Tod ist ein großer Verlust für die Musikwelt. Seine drei Kollegen stehen ihm aber in nichts nach. Soundgarden waren eine besondere Band – der Backkatalog wird dies für immer bestätigen! Die Blu-ray verdient sich das Prädikat „besonders wertvoll“!

 

http://www.soundgardenworld.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch