Robbie Williams: Live In Tallinn

Robbie Williams: Live In Tallinn

Universal

VÖ: 05.12.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Robbie Williams scheint die Sonne mittlerweile in allen Belangen aus dem Allerwertesten. Auch privat ist er endlich angekommen und gerade zum zweiten Mal Vater geworden. Ob er die Welt an der Geburt seines zweiten Kindes derart intensiv teilhaben lassen musste wird ihm seine Frau schon mitgeteilt haben. Die Zeiten seiner innerlichen Unruhe und der wilden Eskapaden scheinen jedenfalls der Vergangenheit anzugehören. Der Mann fühlt sich sichtlich wohl und das sieht man ihm auch an. Dies war auch schon während seiner „Stadiontour 2013“ der Fall. In drei Monaten tourte er durch 14 Länder. 1,5 Millionen Besucher wollten das Spektakel sehen, 70.000 alleine in Tallinn. Der Mitschnitt liegt nun auf DVD und Blu-ray vor.

 

Die „Take The Crown“-Tour bot die Robbie Williams-Vollbedienung, obwohl er 2013 ja eigentlich mit „Swing Both Ways“ eigentlich wieder auf dem Swing-Trip war. Trotzdem hat er es sich nicht nehmen lassen in den Stadien ein Hitfeuerwerk abzubrennen. Das wollten die Leute auch hören. Der König spielte auf und gab seinem Volk wonach es dürstete. Selbstverständlich wird dies nun auch im Weihnachtsgeschäft ausgenutzt, es wäre ja auch töricht, wenn man das nicht so handhaben würde.

 

Die DVD wird im Surround-Sound geliefert, leider aber auch im schlechteren NTSC-Format. Warum man immer wieder darauf zurückgreift bleibt einfach eines dieser ungelösten Rätsel des Musikgeschäfts. Da die Aufnahme aber aus 2013 ist, kann das Bild schon überzeugen. Allerdings gibt es da ein paar Abzüge in der B-Note, denn durch das Format schleichen sich schon einige Unschärfen ein. Der Schwarzwert ist weitestgehend sehr gut, auch die Farben wirken sehr natürlich. Kompressionsfehler und ein Graining sind nicht auszumachen und alles in allem ist das schwer in Ordnung.

 

Die Kameraführung und der Schnitt sind überraschend gut. „Live In Tallinn“ hebt sich damit sogar von der Masse ähnlicher Veröffentlichungen ab. Meist wird ja versucht mit schneller Bildabfolge eine Dynamik zu erzeugen, die dem heutigen Zeitgeist entspricht. Dies ist oftmals aber viel zu hektisch und hat mit den Gegebenheiten vor Ort nur recht wenig zu tun. Großes Kompliment, dass man das hier ganz anders gelöst hat und so kann man sich als Zuschauer auch mal auf die kleinen Details konzentrieren. Die Verantwortlichen schaffen es sogar das Livegefühl ein bisschen in die heimischen vier Wände zu transportieren, da die Fans vor Ort keine gesichtslose Menge bleiben, sondern auch immer wieder im Bild gezeigt werden. Der Surround-Sound ist gut, vielleicht etwas zu frontlastig.

 

Die Show selbst ist schon verdammt gut gemacht, keine Frage. Robbie Williams hat sich eine famose Band zusammengestellt und tolle Backgroundsängerinnen tragen einen Großteil der Songs. Olly Murs entert dann zu „Kids“ auch noch die Bühne und duettiert sich mit Herrn Williams, den er gesanglich locker in die Tasche steckt. Zwischendurch holt sich der gute Robbie dann auch noch weibliche Verstärkung aus dem Publikum. Alles gut soweit? Wenn er zu „Let Me Entertain You“ quasi eingeflogen kommt, sicherlich. Die Hitdichte ist selbstverständlich auch immens groß. „Sin Sin Sin“ lädt zu den obligatorischen Winkespielchen ein, „Come Undone“ und „Strong“ sind längst Klassier und natürlich dürfen „Me And My Monkey“, „Rock DJ“ und „Angels“ nicht fehlen. Robbie Williams ist das, was man eine Rampensau nennt. Er tänzelt über die Bühne oder die beiden Laufstege und hat die große Menschenmenge fest im Griff. Zwischendrin hängt er sich eine Gitarre um und dann gibt es auch noch einen Akustik-Block. Ja, Robbie Williams ist der geborene Entertainer, Sänger leider nicht mehr. Er hat doch hin und wieder sichtlich Mühe die richtigen Töne zu treffen oder er lässt gleich ganze Passagen direkt von seiner Band singen. Das wird alles ziemlich gut kaschiert, aber der Mann ringt öfters nach Luft und dies liegt nicht nur an seinem Bühnenprogramm. Das mag den Zuschauern vor Ort vermutlich nicht weiter negativ aufgefallen sein, jetzt aus der Konserve wird dies aber mehr als deutlich. Robbie Williams weiß das aber immerhin geschickt zu verbergen – hinter seinen Taschenspielertricks und seiner famosen Band!

 

Fazit: Für alles Robbie Williams-Fans ist „Live In Tallinn“ im Grunde ein Pflichtkauf. Das Bild ist gut, Kameraführung und Schnitt sogar hervorragend und die Show selbst ja auch sehr sehenswert. Robbie Williams ist eben der geborene Entertainer. Gesanglich ist das von seiner Seite allerdings ein bisschen dünn, aber das wird durch seine hervorragende Band und die Sängerinnen gut überspielt.

 

http://www.robbiewilliams.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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