Rainbow: Monsters Of Rock- Live At Donington 1980

Rainbow: Monsters Of Rock- Live At Donington 1980

Eagle Vision/Edel

VÖ: 22.04.2016

 

Wertung: 7/12

 

Im August 1980 fand das erste große Festival in Castle Donington statt. Am 16. spielten Rainbow dort als Headliner auf. Im Gepäck hatte die Kapelle das Album „Down To Earth“ mit dem sie folgerichtig auch auf Tour war. Der Auftritt in Donington sollte den Höhepunkt der Konzertreihe darstellen. Ritchie Blackmore, Don Airey (Keyboards), Graham Bonnet (Vocals), Roger Glover (Bass) und Cozy Powell (Drums) rissen eine Show ab, welche den 70ern die Ehre erwies, aber auch gleichzeitig ein Fingerzeig in das neue Jahrzehnt sein sollte. Die Sause liegt nun als CD/DVD Paket vor.

 

Die DVD beinhaltet allerdings nicht das komplette Konzert, sondern hat in knapp 30 Minuten acht Songs zu bieten. Der sehenswerte Beginn, als ein Pyroregen vom Dach auf die Bühne niederprasselte und das Ende der Show sind allerdings vertreten. Blackmore hat zum Schluss standesgemäß seine Gitarre zertrümmert und die Überreste in seinen Verstärker gerammt. Selbiger ging dann (gewollt) in Flammen auf und zusätzlich wurde dann noch ein Feuerwerk für die Zuschauer als Rausschmeißer veranstaltet. Das war für die damalige Zeit sicher ein großes Aha-Erlebnis.

 

Das Bild ist überraschend gut. Natürlich kann das nicht mit dem heutigen Standard mithalten und doch ist das vorliegende Material ziemlich brauchbar. Das macht schon einen blitzsauberen Eindruck. Gut, die Aufnahmen von weiter weg aus dem Publikum hätte man sich sparen können, da man die Musiker aus dieser Entfernung kaum sieht und der Mehrwert sich für das Heimkino in Grenzen hält. Auf der anderen Seite kriegt man so einen ungefähren Eindruck, wie es für die Zuschauer vor Ort gewesen sein muss. Unter dem Strich ist die Detailschärfe - in Anbetracht des Alters der Aufnahme - aber als gut zu bewerten. Zu dieser Zeit war ja auch noch nicht eine ganze Armada an Kameras im Einsatz und so ist die Abfolge der gezeigten Aufnahmen relativ unspektakulär. Beim Schnitt hat man aber noch einiges rausgeholt. Man sieht die einzelnen Musiker auch aus direkter Nähe und kann – besonders Blackmore – auch mal auf die Finger gucken.

 

Der Sound ist in Ordnung, gleichwohl dieser hin und wieder merkwürdig verzerrt klingt (nein, damit ist nicht das Gitarrenspiel gemeint). Hört man sich die CD an, dann stellt sich kaum ein Livegefühl beim Zuhörer ein, denn das Publikum ist kaum zu hören. Lediglich als die Zuschauer mal zum Mitsingen animiert werden, kriegt man einen kleinen Eindruck von der damaligen Atmosphäre.

 

Es entspricht zwar dem damaligen Zeitgeist, aber aus heutiger Sicht sind Keyboard- oder Drumsolos ziemlich nervig und die braucht nun wirklich kein Mensch mehr. Was Blackmore einem da teilweise als Solo verkaufen will, ist jetzt auch nicht die hohe Gitarrenkunst, sondern soll wohl eher einen künstlerischen Ansatz verfolgen, der sich aber nur in Krachkaskaden äußert. Auf die Dauer ist das dann doch sehr ermüdend – sofern man nicht gerade ein Faible dafür hat.

 

Blackmore ist sowieso der Dirigent der Show und alle Mi(e)tmusiker achten auf seine Handzeichen. Das ist alles genau durchgetaktet und wenn die obligatorischen Verweise in Richtung Klassik kommen, dann ist das alles andere als spontan. Die 9. von Beethoven darf natürlich nicht fehlen. Wenn die Band Gas gibt, dann läuft die Maschine wie ein gut geölter Motor und „All Night Long“, „Eyes Of The World“, „Long Live Rock ´n´ Roll“ oder „Will You Love Me Tomorrow“ (auf der CD vertreten) werden Fans in Verzückung versetzen. Optisch sind Blackmore und Bonnet jeweils ein ziemlicher Blickfang. Die beiden könnten vom Outfit her nicht weiter voneinander entfernt sein. Blackmore ist noch in den 70ern verhaftet, während Bonnet schon mal die 80er einläutet. Aus heutiger Sicht ist das mitunter unfreiwillig komisch.

 

Fazit: Wer die Band Rainbow mag, kriegt mit „Monsters Of Rock – Live At Donington 1980“ nun ein feines Paket aus CD und DVD geboten. Auf der DVD gibt es knapp 30 Minuten des Auftritts zu sehen – die CD schlägt mit 75 Minuten zu Buche. Das Bild ist überraschend gut, der Sound annehmbar und der Auftritt für Fans vielleicht eine Offenbarung, für alle anderen aber mitunter ermüdend. Hier werden sämtliche Klischees der damaligen Rockstarshow abgebrannt. Abgebrannt ist dabei sogar wörtlich zu verstehen. Man kann, man muss aber nicht!

 

Text: Torsten Schlimbach

Rainbow: Live In Munich 1977

Rainbow: Live In Munich 1977

Eagle Vision/Edel Germany

VÖ: 26.04.1977

 

Wertung: 9/12

 

Wer an diesem denkwürdigen Tag im Jahre 1977 das Rainbow Konzert in der Münchner Olympiahalle miterlebt hat, spricht heute noch davon. Glänzende Augen sind vorprogrammiert und Ohrenzeugen erzählen sich Geschichten, die schon fast in das Reich der Legenden gehören. Ja, dieser 20. Oktober war eben kein Tag wie jeder andere. Das Konzert begann zudem erst kurz vor Mitternacht und es war zunächst gar nicht klar, ob Ritchie Blackmore überhaupt pünktlich eintreffen würde, denn eigentlich saß der Gitarrist nach einer Festnahme in Österreich fest. Das Leben schreibt eben manchmal seltsame Geschichten. Und wie es der Zufall so will, wurde dieses Ereignis auch für die Nachwelt festgehalten – nicht die Festnahme, das Konzert aber schon.

 

Vor knapp sieben Jahren wurde dies alles auf DVD veröffentlicht, da die Nachfrage aber entsprechend groß zu sein scheint und das Ding nicht mehr überall greifbar ist, gibt es nun den Nachschlag. Das Line-Up mit Blackmore, Dio und Powell ist ja sowieso legendär. Bob Daisley am Bass und Dave Stone an den Tasten komplettierten seinerzeit Rainbow. Dies ist übrigens das einzige Konzert der klassischen Besetzung, eine weitere DVD mit einem kompletten Mitschnitt gibt es nicht. Insofern hat „Live In Munich 1977“ natürlich auch dokumentarischen Charakter.

 

Wer jetzt aber mit dem Vorhaben losrennt sich eine weitere erstklassige DVD in die Sammlung zu holen, kann nur enttäuscht werden. Der Ton ist zwar überraschend gut und in Anbetracht, dass man es hier mit einer Aufnahme zu tun hat, die mehr als 35 Jahre auf dem Buckel hat, ist das Ergebnis sogar recht erstaunlich. Das Bild ist es allerdings nicht. Das hat aber sicher auch nicht wirklich einer erwartet, oder? Mit heutigem Standard kann das natürlich nicht mithalten. Wie sollte dies auch gehen? Die technischen Möglichkeiten waren ja Lichtjahre von denen des Jahres 2013 entfernt. Mit den Hochglanz-Projekten dieser Tage hat „Live In Munich 1977“ sicher nichts zu tun. Oftmals ist ein Graining zu sehen. Der Übergang von den dunklen zu den hellen Passagen ist zudem von Streifen über das ganze Bild geprägt. Der Schwarzwert ist sowieso von bescheidener Qualität und das bei einem Konzert, welches natürlich noch nicht derart ausgeleuchtet ist, dass man jedes Haar der Musiker sehen könnte. Die Liste ließe sich beliebige fortsetzen. Man hat sich bei der Restaurierung der alten Bänder aber alle erdenkliche Mühe gegeben. Das Ergebnis ist übrigens weit von Bootlegqualität entfernt!

 

Das Bonusmaterial ist schon recht üppig. Die Videos zu „Long Live Rock ´n´ Roll“, „Gates Of Babylon“ und „L.A. Connection“ entbehren aus heutiger Sicht nicht einer gewissen Komik. Die Performance-Videos sind vom Stil alle identisch, bei „Long Live Rock ´n´ Roll“ wurde aber noch mit ein paar Effekten gearbeitet – muss man gesehen haben. „Rainbow Over Texas 76“ zeigt in knapp 11 Minuten, dass der Regenbogen, die damalige Bühnendeko, immer auf- und abgebaut werden musste. Dies war zwar ein immenser Kostenfaktor, aber Geld spielte für die Top-Acts damals ja fast eine untergeordnete Rolle. Auch hier gibt es einige Livesequenzen, die aber von hundsmiserabler Qualität sind. Rainbow Bassist Bob Daisley und Manger Colin Hart plaudern zudem bei einem Interview noch etwas aus dem Nähkästchen. Eine Photo Gallery und Slide Show runden den Bonusteil sehr schön ab.

 

Das eigentliche Konzert ist ungemein intensiv. Besonders Herr Blackmore scheint in Hochform zu sein. Die Finger flitzen nicht nur über das Griffbrett, nein, die Hände werden auch öfters mal nach oben gerissen und das Publikum angestachelt. Auch sonst ist er der Derwisch auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Der Aktionsradius von Ronnie James Dio war ja stets recht eingeschränkt und doch hat es der Mann immer geschafft, das Publikum in seinen Bann zu ziehen – bei dem Münchner-Konzert sogar noch ein ganzes Stück mehr. Der Fokus der Kameras liegt dann auch entsprechend bei diesen Herren, der Rest ist nur schmuckes Beiwerk. Hier hat diese Aufnahme gegenüber den heutigen Produktionen übrigens einen entscheidenden Vorteil: die ganze, künstliche Hektik fällt flach und es wurde sich die nötige Zeit genommen, die Künstler auch richtig in Szene zu setzen.

 

Von „Kill The King“ über „Catch The Rainbwo“ bis zum dahin unveröffentlichten „Long Live Rock ´n´ Roll“ reicht der Songreigen. Rainbow-Fans kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten. Handgemachte Musik der Extraklasse, die ohne viel Tamtam auskommt – ein Regenbogen reicht dafür vollkommen aus.

 

Fazit: Der Auftritt von Rainbow am 20. Oktober 1977 darf durchaus als magisch bezeichnet werden. Dies kann man nun anhand der vorliegenden DVD überprüfen und sich von der Band in den Bann ziehen lassen. Wer keine Wunderdinge von der Bildqualität erwartet, wird reichlich Spaß an diesem Teil haben. Der Sound ist zudem recht amtlich und Rainbow sowieso über jeden Zweifel erhaben – zumindest gilt dies für dieses Konzert!

 

Text: Torsten Schlimbach

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