Pet Shop Boys: Inner Sanctum (DVD)

Pet Shop Boys: Inner Sanctum

Kobalt/Rough Trade

VÖ: 12.04.2019

 

Wertung: 6/12

 

Die Pet Shop Boys sind vermutlich das beste Pop-Duo, welches die Welt je gesehen hat und je sehen wird. Von den Kritikern wurden die beiden nicht immer geliebt, aber auch da hat sich mittlerweile der Wind ein bisschen gedreht und der herausragende Einfluss der Pet Shop Boys wird zumindest goutiert. Die Anhängerschaft folgt den beiden sowieso seit Jahrzehnten blind. Erstaunlicherweise schaffen es Tennant und Lowe auch immer wieder den einen oder andern jüngeren Zuhörer für sich zu gewinnen. Warum das so ist, soll nun „Inner Sanctum“ ein Stückchen (er)klären.

 

Die Show wurde vergangenen Sommer im Londoner Royal Opera House aufgezeichnet. Schon 2016 gastierten die Pet Shop Boys dort für vier ausverkaufte Shows. 2018 kehrte das Duo dann zurück. Inszeniert wurde „Inner Sanctum“ von Designer Es Devlin und der Regisseurin Lynne Page. Gedreht wurde das Ereignis allerdings von Regisseur David Barnard. Die Aufzeichnungen fanden am 27. Und 28 Juli 2018 statt. Die Tour zu „Inner Sanctum“ erhielt durch die Bank positive Kritiken. Auf Blu-ray, DVD und CD wurde das nun für die Nachwelt festgehalten.

 

Das Bild der DVD ist schon beeindruckend! Die Farben sind kräftig, wirken dennoch sehr natürlich. Da hier naturgemäß sehr viel Licht und Effekte zum Einsatz kommen, hätte es da durchaus Abweichungen geben können. Das sehr gute Niveau wird aber durchgehend gehalten. Der Sound ist klar und druckvoll. Auch der Schnitt ist durchaus sehr gut. Lowe sieht man ja sowieso nur mit großer Sonnenbrille und Kopfbedeckung, folglich konzentriert sich das alles auf Tennant. Das Publikum wird von den Kameras aber auch immer wieder eingefangen. Es wird getanzt und gesungen und für den Augenblick des Konzerts ist alles andere egal. Auftrag erfüllt, würde ich sagen.

 

Die Pet Shop Boys erfinden sich ja nun schon gut und gerne seit 35 Jahren immer wieder als audio und visuelles Kunstwerk neu. So ist auch „Inner Sanctum“ keine Retrospektive. Die Songs, die schon ein paar Tage auf dem Buckel haben, wurden dezent in die Moderne überführt. Der Synthesizer kann durchaus den Sound in das Jahr 2019 übertragen. Visuell passiert da auf der Leinwand einiges, aber auch auf der – ansonsten spartanischen – Bühne. Allerlei Tänzer und Maskeraden gibt es da zu bewundern. Dazu gibt es die Lichteffekte und hin und wieder ein Strobogewitter. Lowe steht dabei stoisch hinter seinem Arbeitsgerät, während Tennant seine Outfits mehrmals wechselt und den netten Briten gibt. Seine Stimme ist immer noch unverwechselbar und überraschend jung geblieben.

 

Eigentlich gibt es mit „Opportunieties“ ja schon ziemlich früh einen ersten Hit. Irgendwie rauscht der aber an einem vorbei. Leider ist das öfters der Fall. „New York City Boy“ ist der erste Song mit einem gewissen Aha-Effekt. Selbst „West End Girls“ oder „It´s A Sin“ können wenig punkten. Das ist alles sehr unterkühlt und robotermäßig. Das ist gewollt, klar, macht es aber eben auch anstrengend. E-Geige und Percussion machen es nicht besser. Insgesamt ist das alles etwas dürftig und da wäre mehr drin gewesen.

 

Fazit: Die Effekte und die ganzen Taschenspielertricks können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das ansonsten etwas schwach ist und es nicht nur Abzüge in der B-Note gibt. Die Pet Shop Boys haben unsterbliche Songs im Gepäck und sind das beste Pop-Duo des Planeten, aber „Inner Sanctum“ war – besonders musikalisch – nicht die beste Idee der beiden.

 

http://petshopboys.co.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

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