Ministry: Last Tangle in Paris-Live 2012 Defibrillatour (DVD + 2 CDs)

Ministry: Last Tangle In Paris - Live 2012 DeFiBriLaTour (CD+DVD)

UDR/Rykodisc/Warner

VÖ: 04.07.2014

 

Wertung: 6/12

 

Ministry sind Geschichte. Al Jourgensen kann und will nach dem Tod seines besten Freundes, Mike Scaccia, nicht weitermachen. Vielleicht ändert er in Zukunft seine Meinung ja noch mal, aber einstweilen sind die Pioniere des Industrial-Metals in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Natürlich verabschiedet sich die Band standesgemäß mit einem fetten Paket, welches auf dem Papier einiges verspricht. Nach der US-Tour zu „DeFiBriLaTour“, die allerdings nur vier Städte umfasste, ging es nach Europa, wo Ministry immer noch eine ziemlich große Fanbasis haben und dort wurde die ganze Sause auch für die Nachwelt festgehalten. „Last Tangle In Paris“ ist nun das Ergebnis. Das letzte Vermächtnis von Ministry.

 

Was sich auf dem Papier so gut liest, ist in der Realität allerdings eine ziemliche Enttäuschung. Nach der letzten eher mauen DVD hat man sich ja schon nicht viel erhofft, aber „Last Tangle In Paris“ schafft es glatt, diese noch mal zu unterbieten. Gleich zu Beginn rotzt Jourgensen in die Kamera wie beschissen doch sein Beruf ist und auch, wenn das mit einem Augenzwinkern versehen ist, so agiert er auch auf der Bühne. Der Mann ist einfach komplett durch. Die vielen Einspielungen vom Band machen dann auch noch eine ziemlich traurige Playbackveranstaltung daraus. Damit sind nicht die für den Sound typischen Backingtapes gemeint, sondern schlicht und ergreifend die Gesangsparts. Die Performance von Jourgensen beschränkt sich auf das Leeren seines Glases, die obligatorische Vogelscheuche, die er immer wieder andeutet und ein paar Fingerzeige in die vorderste Reihe. Die Band liefert immerhin einen soliden Klangteppich ab.

 

Aus technischer Sicht ist diese DVD eine einzige Katastrophe. Rauschen hier, miserabler Schwarzwert dort und Pixelfehler wohin das Auge auch blickt. Der Sound ist nur unwesentlich besser. Zugegeben, eine Show von Ministry zu filmen ist ja nicht ganz so einfach. Das ist ja eine ziemlich dunkle Angelegenheit und selbst, wenn die Bühne in ein grünes oder rotes Licht getaucht wird, dann ändert dies bei Ministry nicht sonderlich viel an der Helligkeit. Trotzdem gibt die heutige Technik wesentlich mehr her und das hier hat ja schon Bootlegcharakter. Abgesehen davon wirken die Farben auch noch sehr unnatürlich – und: Graining wohin man auch schaut.

 

Den Vogel schießen allerdings die Aufnahmen von den Proben ab – und das in negativer Hinsicht. Das wirkt, als wäre das in einem Kellerloch aufgezeichnet worden. Der scheppernde Sound ist dazu noch sehr unangenehm. Und wer hat das bitteschön gefilmt? Mit der Handkamera? Das ist so spannend wie der Entstehung eines Grashalms beizuwohnen. Die angekündigten Backstageaufnahmen und Interviews entpuppen sich zudem als so spektakulär wie die Jahreshauptversammlung des Taubenzüchtervereins. Es ist schon ein Trauerspiel, dass dies die letzte Aufnahme von Ministry sein soll. Die DVD kann gar nix! „Psalm 69“ oder „New World Order“ können da auch nichts mehr reißen.

 

Wer so schlau war und gleich zum CD/DVD Paket gegriffen hat, kann sich zumindest über die CDs freuen. Ohne die visuelle Unterstützung kommen „Rio Grande Blood“, „99 Percenters“, „New World Order (Nwo)“, „Let's Go“ oder „So What“ recht amtlich herüber und machen dann sogar Spaß. Immerhin etwas.

 

Fazit: Schade, schade, schade, bei der DVD „Last Tangle In Paris“ wäre wesentlich mehr drin gewesen. Schlechtes Bild, schlechter Sound und ein lustloser Al Jourgensen machen daraus nicht gerade ein Vergnügen. Der Blick hinter die Kulissen ist auch eher fad. Die CDs können da wesentlich mehr überzeugen. Das Doppel-Audio-Album ist eine Tour-Retrospektive mit Live-Aufnahmen, die bis ins Jahr 2006 zurückreichen. Dieses letzte Statement von Ministry ist erhältlich in 2CD & DVD Digipack, BluRay & 2 CD Amaray, 2-fach Vinyl Gatefold in 160 Gramm, als einfaches CD Paket und auch Digital Audio und Video. Eigentlich kann die Band visuell so nicht abtreten. Vielleicht ist es aber auch besser so!

 

http://www.thirteenthplanet.com/ministry/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Ministry: Enjoy The Silence – Live At Wacken (DVD + 2CDs)

Ministry: Enjoy The Silence – Live At Wacken (DVD + 2CDs)

EMI

VÖ: 02.08.2013

 

Wertung: 6/12

 

Wie kaum eine andere Band trafen Ministry immer wieder schwere Schicksalsschläge. Die schwere Drogensucht von Mastermind Al Jourgensen machte den Ikonen des Industrial-Metal immer schwer zu schaffen und folglich wurden die Bandmitglieder gewechselt wie bei kaum einer anderen Kapelle. Bei richtiger Zählung wird man auf gut und gerne 40(!) Namen kommen, die alle schon ihre Spuren im Sound von Ministry verewigt haben. Bassist Paul Raven starb 2007 mit nur 47 Jahren an einem Herzinfarkt und einen Tag vor Heiligabend starb mit Mike Scaccia letztes Jahr nicht nur der Gitarrist, sondern auch der beste Freund von Jourgensen während eines Konzerts – ebenfalls an einem Herzanfall. Scaccia war es auch, der dafür sorgte, dass die Band mehr oder weniger am Leben gehalten wurde. Wie und ob es weitergeht wird die Zeit zeigen.

 

Kurz vor dem tragischen Tod von Scaccia traten Ministry noch beim ausverkauften Wacken Festival auf. Dieses Ereignis liegt nun als DVD und CD vor. Als Schmankerl obendrauf gibt es noch den Auftritt von 2006 an eben dieser – mittlerweile – historischen Stätte. Für die Fans wurde hier also ein feines Paket geschnürt und selbst wer die Konzerte schon als Bootlegs im Schrank stehen hat, wird hier noch ein paar Dinge entdecken, die eben doch nur eine offizielle Veröffentlichung bieten kann. Alles gut also? Nicht ganz!

 

Sound und Bild sind schon nicht verkehrt. Der Schwarzwert ist durchaus in Ordnung und wenn die Bühne voll ausgeleuchtet wird, dann können auch die satten, aber nicht unnatürlichen Farben überzeugen. Ein leichtes Graining hier und da ließ sich wohl nicht ganz vermeiden. Die Kamerapositionen sind über die Länge eines kompletten Konzerts etwas ermüdend, da man das Gefühl nicht los wird, dass diese in einem bestimmten Schema immer und immer wieder gezeigt werden. Der Schnitt ist da schon etwas einfallslos, aber bei den örtlichen Gegebenheiten eines Festivals lässt sich vermutlich auch nur in den seltensten Fällen mehr herausholen. Der Sound ist angemessen, hin und wieder verkommt dieses Gewitter aber auch leicht zum Soundbrei und der gute Al ist dann kaum noch zu hören. Erfreulicherweise hat man im Studio dann aber nicht versucht die ganze Geschichte bis zum Erbreichen zu bearbeiten und somit stellt sich durchaus das Gefühl ein, ein Live-Konzert zu erleben. Wie es bei Ministry aber eben auch der Fall ist, wird einiges natürlich auch vom Band eingespielt.

 

Als nervig erweisen sich die vielen Einspieler der Videoprojektion vor Ort. Es ist auf der einen Seite zwar gut gemeint, dass man selbige auch dem Fernsehzuschauer präsentieren möchte, aber in der Masse wirkt dies doch sehr störend. Die Band hat es damit aber sowieso übertrieben. Es konnten auch nicht alle Zuschauer in Wacken bei der Stange gehalten werden, denn nach und nach sind doch deutliche Lücken in den Reihen auszumachen.

 

Ministry spielten ein Set, welches auch die großen Nummern enthält. Selbstverständlich bleibt auch einiges auf der Strecke, aber das liegt ja in der Natur der Sache, denn mittlerweile kann die Truppe auf einen stattlichen Backkatalog blicken. Fixpunkt ist Al Jourgensen – wie sollte es auch anders sein? Sage bitte keiner mehr Ozzy Osbourne würde wie ein Wrack über die Bühne wanken. Al Jourgensen legt in dieser Hinsicht die Latte noch mal weiter nach unten. Angeblich hat er seit 2000 sämtlichen Drogen abgeschworen, so richtig glauben mag man das aber nicht, wenn man sich diesen spindeldürren Mann mit ungesunder Hautfarbe so anguckt. Vielleicht ist er medikamentös auch noch nicht richtig eingestellt. Mit reichlich Metall im Gesicht gibt er den großen Zeremonienmeister. Faszinierend und abstoßend zugleich.

 

Fazit: Für Ministry Fans ist dieses Set sicher uneingeschränkt zu empfehlen. Wer sich beim Industrial-Metal heimisch fühlt, sollte das Teil auch mal antesten. Die Nine Inch Nails veröffentlichen dieses Jahr allerdings auch noch eine neue Platte und gehen dann auch auf Tour. Mittlerweile haben die Thronfolger von Al Jourgensen den Meister längst überholt – ihm bleibt da leider nur noch die Pappkrone vom Schnellimbiss. Die Geschichte von Ministry war eben schon immer tragisch.

 

http://www.thirteenthplanet.com/ministry/

 

Text: Torsten Schlimbach

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