Madonna: Rebel Heart Tour (CD/DVD)

Madonna: Rebel Heart Tour (CD/DVD)

Universal/Eagle Vision

VÖ: 15.09.2017

 

Wertung: 4,5/12

 

Madonna ist unbestritten eine Ikone der Popmusik. Sie setzte einst die Standards und Maßstäbe. Und dies in vielerlei Hinsicht. Ihr Modeverständnis, aber auch ihr Sound prägte ganze Generationen. Unzählige Künstlerinnen inspirierte sie so auf die eine oder andere Weise. Mittlerweile wurde die alternde Diva aber links und rechts von ihren Nachfolgerinnen überholt. Das ist auch nicht weiter schlimm, so ist eben der Lauf der Dinge. Madonna möchte sich mit ihren jungen Kolleginnen aber immer noch gerne messen und zeigen, wer die Chefin im Musikring ist. Keine gute Idee. Kann sich noch irgendwer außerhalb des Madonna-Fanuniversums an ihr letztes Album erinnern? Nein, oder? Selbstverständlich war sie damit auf Tour und jetzt gibt es den Nachschlag aus der Konserve. Willkommen zur „Rebel Heart Tour“. Die Sause wird auf Doppel-CD, Blu-ray, DVD und natürlich als Kombi – allerdings mit nur einer CD – veröffentlicht. Klar, Downloads gibt es auch. Für jeden also etwas dabei.

 

Natürlich gibt es bei dieser Produktion kein vollständiges Konzert am Stück zu sehen. Ein Großteil der Aufnahmen stammt von den Shows in der Qudos Bank Arena (früher Allphones Arena) in Sydney, Australien, im März 2016. Innerhalb einzelner Songs wurde das munter miteinander gemischt und dann steht die kleine große Dame in kürzester Zeit während eines Songs in verschiedenen Bühnenoutfits auf dem Laufsteg. Immerhin hat man gar nicht erst versucht das zu kaschieren. Der Schnitt ist ja auch so schon katastrophal genug. Das ist eben das Ergebnis, wenn man mit der Brechstange versucht ein zeitgemäßes Produkt zu kreieren! Fürchterlich! Madonna ist sicher – besonders für ihr Alter – noch ziemlich fit, trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass ihre Tanzschritte und die einstudierte Choreografie weit von früheren Tagen entfernt sind. Das wirkt sogar unfreiwillig komisch und so manche Unsicherheit ist da mehr als nur zu erahnen. Dies wird durch eine hektische und schnelle Bildabfolge versucht für die vorliegende Veröffentlichung unkenntlich zu machen. Das Bild wird auch gerne mal kurz eingefroren. Mit einem Livekonzert hat das sowieso recht wenig zu tun und eher stellt sich das Gefühl ein, einem überlangen Video beizuwohnen. Als Stilmittel wurde da sogar teilweise Schwarzweiß eingesetzt. Ansonsten ist das eine quietschbunte Veranstaltung und man hat noch jede Menge Gedöns für den heimischen Bildschirm untergebracht, der vor Ort so überhaupt nicht vorhanden war. Herrschaftszeiten. Alles schön mit der Brechstange servieren.

 

Wer sein Geld schon in einen der Pay-TV-Kanäle investiert hat, um die dortige Ausstrahlung der „Rebel Heart Tour“ beizuwohnen, wird hier enttäuscht werden, da es sich nämlich genau um den dort gezeigten Mitschnitt handelt. Wer also Hoffnungen hatte, dass es sich bei der Veröffentlichung auf DVD/Blu-ray noch mal um eine andere Version handeln könnte, wird also ein langes Gesicht machen. Die Bonussektion ist zudem ziemlich dünn ausgefallen. „Like A Prayer” ist zwar – endlich auch musikalisch - ganz nett aber das war es auch fast schon. Es gibt dann noch „Tears of A Clown“ - einen 15-minütigen schwarz-/weiß-Film - zu sehen. Dort gibt es viel Gequatsche auf die Ohren und „Don’t Tell Me”, „Borderline” und einen Ausschnitt aus „Holiday” zu sehen. Mehr ist nicht!

 

Es ist zwar schön, dass Madonna ihr aktuelles Album würdigen möchte, aber darunter leidet natürlich auch die Show, denn diese belanglosen Popnümmerchen, die an Künstlichkeit nicht zu überbieten sind, reißen einen nicht gerade vom Hocker. Damit die Musical/Theateraufführung auch gelingt, kommt ein Großteil des Gesangs vom Band bzw. wird durch reichlich Einsatz von Autotune derart verfremdet, dass es alles andere als ein Genuss ist. Was gibt es noch? Ein Laufsteg als Kreuz und Herz, eine Wendeltreppe, jede Menge TänzerInnen, einen Brautstrauß, ausgesuchte Fans auf der Bühne, Madonna mit Akustik- und Elektrikgitarre und ein paar Hits von früher, die an ihren aktuellen Sound angepasst wurden.

 

Fazit: Madonna inszeniert sich immer noch gerne als jugendliche Stilikone. Das passt aber schon lange nicht mehr. Dies ist nicht nur ihrem Alter geschuldet, sondern auch der völlig belanglosen Musik, mit der sie versucht dem Zeitgeist hinterher zu hecheln. Ihre jungen Kolleginnen können mittlerweile beides wesentlich besser. Eigentlich hat sie das auch nicht nötig, denn ihren Platz in den Geschichtsbüchern hat sie längst sicher – und das ganz vorne. Die „Rebel Heart Tour“ DVD ist eine ziemliche Katastrophe. Schnitt und Kameraeinstellungen gaukeln einem etwas vor – und das ziemlich offensichtlich. Das ist nicht die perfekte Illusion, sondern an Traurigkeit kaum zu überbieten. Die Musik ist eh schon egal, weil alles so richtig schön klinisch ausstaffiert wurde. Das Bonusmaterial passt dann auch noch dazu. So stößt sich diese Heldin der Popmusik von ganz alleine vom Thron!

 

http://www.madonna.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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