Lynyrd Skynyrd: Pronounced Leh-Nerd Skin-Nerd & Second Helping - Live from the Florida Theater (Blu-ray)

Lynyrd Skynyrd: Pronounced Leh-Nerd Skin-Nerd & Second Helping - Live from the Florida Theater (Blu-ray)

Eagle Vision/Edel

VÖ: 23.10.2015

 

Wertung: 9/12

 

Die jetzige Reinkarnation von Lynyrd Skynyrd weiß ganz genau was die Fans hören wollen. Meist wird da auf die Songs der ersten fünf Jahre zurückgegriffen. Mittlerweile gucken fünf Gründungsmitglieder von einer Wolke auf ihr Vermächtnis herunter und dies sicher auf eine sehr wohlwollende Art und Weise. Immerhin hat sich die Kapelle nach dem tragischen Flugzeugunglück 1977 noch mal neu erfunden. Trotzdem interessieren die seitdem veröffentlichten Alben nur noch am Rande und werden von den Hardcorefans zur Kenntnis genommen, vom Rest der Musikwelt eher weniger. Die Hits der Anfangszeit sind dafür unkaputtbar. Und genau diese Geschichte erzählt nun die vorliegende Blu-ray.

 

In der ersten Hälfte 2015 luden Lynyrd Skynyrd die Fans in ihre Heimatstadt Jacksonville ein und spielten dort ganz spezielle Shows. An den anberaumten Abenden wurden die ersten beiden Alben „Pronounced Leh-Nerd Skin-Nerd“ & „Second Helping“ zum ersten Mal komplett live gespielt. Und man mag es kaum glauben, denn die Truppe hat nun schon wirklich eine lange Karriere hingelegt, aber darunter fanden sich dann auch Songs wieder, die Lynyrd Skynyrd noch nie live gespielt haben. Im Bonusmaterial, was besonders für Fans nicht ganz unspannend sein dürfte, gibt es dazu einige O-Töne und bewegte Bilder zu sehen und hören. Letztlich hat es die Band ja grandios auf die Bretter gezaubert. Fans und Crew kommen in der Bonussektion aber auch nicht zu kurz. Nette Geschichte.

 

Das Bild ist sehr gut und auch die Kameraführung und der Schnitt überzeugen. Die Bühne und die einzelnen Musiker, aber auch das ganze Auditorium sind oftmals in ein gleißendes Licht gehüllt. Die Farben wirken hier sehr natürlich und auch der Kontrast ist sehr gut eingestellt. Der Schwarzwert überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Die Kameras sind jederzeit sehr nahe an den einzelnen Bandmitgliedern dran und so kann man den Herren bei der Verrichtung ihrer Arbeit auch mal auf die Finger gucken. Die Zuschauer werden dabei aber keineswegs vergessen und so gibt es immer wieder Schwenks durch das beeindruckende Rund. Dabei blickt man allerorten in freudige Gesichter der meist älteren Semester. Die Kameras wurden mir ruhiger Hand geführt und auch im Schneideraum hat man ein gutes Gespür bewiesen und nicht zu viel Hektik hier reingebracht und doch weist das letztlich eine gewisse Dynamik auf und ist alles andere als behäbig. Der DTS Surround Sound ist in Ordnung, reißt aber keine Bäume aus und ist – zumindest für meinen Geschmack – etwas zu frontlastig.

 

Lynyrd Skynyrd-Konzerte sind immer noch eine haarige Angelegenheit. Die Südstaatler entsprechen da jedem Klischee. Bassist Johnny Colt sieht sogar so aus, als wenn er frisch von der Jagd kommt und seine Beute gleich auf dem Kopf trägt. Oha. Ansonsten: viele Bärte und Hüte. Musikalisch gibt es da jede Menge Feinschmeckerkost – sofern man ein Faible für diese Art von Musik hat. „Things Goin' On“ oder „I Need You“ sind dann mal Songs, die Lynyrd Skynyrd von einer anderen Seite zeigen und nicht unbedingt repräsentativ für den Sound der Kapelle sind. „Free Bird“ wird mit einem epischen Gitarrenteil gar sehr schön ausgearbeitet und ausgebreitet. Ungewöhnlich fängt der zweite Teil mit „Sweet Home Alabama“ an. Diesen Klassiker vermutet man ja eher als Schlusssong, aber „Second Helping“ wird eben im Original aufgeführt. Dies bedeutet dann aber auch, dass man zu einigen Songs eine komplette Bläsersektion auf die Bühne holt. Man möchte eben den Original-Songs gerecht werden und dies funktioniert vorzüglich. Natürlich wird auch – wie bei Lynyrd Skynyrd üblich – an die verstorbenen Bandkollegen gedacht. Nach „Call Me The Breeze“ dürften alle glücklich sein – Fans, Band und Zuschauer auf der Couch.

 

Fazit: Lynyrd Skynyrd luden dieses Frühjahr zu einer ganz besonderen Sause ein und spielten die ersten beiden Alben in Gänze. So gab es selbst für einige Hardcorefans noch einige Premieren zu erleben. Die Blu-ray lässt nun auch den Rest der Welt an diesen besonderen Ereignissen teilhaben. Das Bild ist sehr gut und der Ton geht in Ordnung. Die Darbietung ist musikalisch schon sehr ausgewogen und dynamisch. Eine gute und sehenswerte Aufnahme der Herren aus Jacksonville!

 

http://www.lynyrdskynyrd.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Lynyrd Skynyrd: One More For The Fans (Blu-ray)

Lynyrd Skynyrd: One More For The Fans (Blu-ray)

Edel

VÖ: 04.09.2015

 

Wertung: 7,5/12

 

Lynyrd Skynyrd darf man wohl mit Fug und Recht als eine der wichtigsten Bands des Southern Rock bezeichnen. Nach dem tragischen Flugzeugabsturz im Oktober 1977, bei dem Ronnie Van Zant und Steve Gaines starben, war es nicht mehr die selbe Kapelle. Das Gesicht der Band veränderte sich über die Jahrzehnte sowieso immer wieder. Lynyrd Skynyrd hat derart vielen Musikern eine Heimat gegeben, dass vermutlich sogar die Beinhartfans ins Straucheln geraten, wenn sie alle aufzählen sollten. Mit Gary Rossington ist nur noch ein Gründungsmitglied dabei. Am 12. November 2014 gab sich die Band im Fox Theatre in Atlanta die Ehre. Viele Kollegen wurden für die Sause eingeladen. Das Ereignis liegt nun auf DVD und Blu-ray vor!

 

Die ganze Geschichte ist allerdings auch eine Mogelpackung. Oder besser gesagt: das Cover und die Beschriftung suggerieren einen etwas anderen Inhalt. Lynyrd Skynyrd sind nämlich nur eine Randnotiz des Konzerts und tauchen nur bei den letzten drei Songs auf. Wer also los rennt und sich diese Veröffentlichung zulegt um Lynyrd Skynyrd in der 2014er Besetzung live zu sehen, wird vielleicht bitter enttäuscht werden. Im Grunde ist das nichts anderes als eine Tribut-Show. Viele Kollegen sind gekommen und huldigen den alten Helden. Selbstredend ist bei einer solchen Show die Darbietung der jeweiligen Künstler unterschiedlicher Natur. Mal mehr, mal weniger gut. Der Auftritt von O.A.R. mit „Don´t Ask Me No Questions“ passt einfach nicht sonderlich gut zu dem Sound von Lynyrd Skynyrd. Blackberry Smoke sind in ihren abgeranzten Klamotten schon die wesentlich bessere Wahl und „Working For MCA“ wird entsprechend anständig dargeboten. Aaron Lewis versteckt sich zwar unter seiner Fernfahrerkappe, aber das tut der guten Performance von „Saturday Night Special“ keinen Abbruch.

 

Der Knaller ist „Gimme Back My Bullets“, gespielt von Cheap Trick. Die alten Herrschaften im Publikum schauen nicht schlecht, als die Band den Song in Punk-Manier hinrotzt und ordentlich Krach macht. Robin Zander sieht zudem noch aus, als käme er von einem anderen Stern und zu den Gitarrenkünsten von Rick Nielsen muss man sowieso nichts sagen. Es ist ein Knallerauftritt, der in diese altbackene Veranstaltung mal etwas Pepp bringt. „Simple Man“ und „That Smell“ werden von Gov´t Mule bzw. von Warren Haynes ohne Schnörkel gespielt – es langweilt etwas. Ganz stark ist „Four Walls Of Raiford“ in der erhabenen Version von Jamey Johnson. Den authentischste Auftritt legt aber Gregg Allman hin. Wie er da in seiner zerschlissenen Kleidung „Tuesday´s Gone“ singt und spielt, ist berührend. Dies würdigen Lynyrd Skynyrd auch noch mal im Bonusmaterial, die davon berichten, wie sie Allman bei den Proben zugeschaut haben.

 

Der Auftritt von Lynyrd Skynyrd ist zunächst mit Pathos überschüttet worden. Zu „Travelin´ Man“ wird Ronnie Van Zant auf dem großen Screen eingespielt und so gibt es dann ein Duett mit seinem Bruder Jonny, der dazu die amerikanische Flagge schwenkt. „Free Bird“ ist sowieso ein Selbstläufer und zu „Sweet Home Alabama“ kommen dann alle beteiligten Musiker noch mal auf die Bühne.

 

Das Bild ist übrigens – bei ruhiger Kameraführung – eine Wucht. Natürliche Farben und ein toller Schwarzwert lassen das zu einem echten Ereignis werden. Macht Spaß anzugucken. Auch der Sound kommt sehr erdig und trocken aus den Boxen. Das Bonusmaterial – dreigeteilt – ist letztlich nichts anderes als ein paar Interviewfetzen. Don Was, der übrigens zur Showband gehört und dort den Bass spielt, schwärmt in den höchsten Tönen. Das ist ganz nett, aber nicht weltbewegend.

 

Fazit: „One More For The Fans“ von Lynyrd Skynyrd ist für sich gesehen eine ordentliche Produktion. Mal mehr, mal weniger passen die auftretenden Künstler zu den Songs von Lynyrd Skynyrd. Das liegt ja in der Natur der Sache. Anhand des Titels oder des Covers könnte man aber auf die Idee kommen, dass es sich hier um ein Konzert von Lynyrd Skynyrd mit Gästen handeln würde. Dies ist aber eben nicht der Fall, denn man kann das unter Tribut-Show abhacken. Bild und Ton sind mehr als anständig, das Bonusmaterial eher zu vernachlässigen.

 

http://www.lynyrdskynyrd.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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