Led Zeppelin: Celebration Day (2xCD + Blu-ray)

Led Zeppelin: Celebration Day (2xCD + Blu-ray)

Warner

VÖ: 16.11.2012

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Led Zeppelin zählen mit 300 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Bands aller Zeiten. Musikalisch darf man sie sicher auch zu den ganz Großen rechnen. Am 10. Dezember 2007 spielten sie zu Ehren des verstorbenen Atlantic Gründers Ahmet Ertegün in der Londoner O2-Arena. Angeblich versuchten unfassbare 20 Millionen Menschen sich für die Vergabe der Tickets zu bewerben. Schon alleine daran kann man den Stellenwert dieser Band ablesen. Letztlich konnten natürlich nur 18.000 Fans diesem Ereignis beiwohnen. Es mussten nun fast noch mal fünf Jahre ins Land ziehen, dass dieses Jahrhundertkonzert nun in allen erdenklichen Konfigurationen veröffentlicht wird. Man konnte so immerhin darauf hoffen, dass man sich bei der Nachbearbeitung alle erdenkliche Mühe gegeben hat. In ausgewählten Lichtspielhäusern wurde der Film ja schon vorab gezeigt, nun liegt dieser endlich auch auf Blu-ray vor!

 

Die Aufmachung im ausklappbaren Digipack mag simpel sein, ist aber aufgrund der schönen Farbgebung sehr angenehm und hebt sich somit auch von ähnlich gelagerten Veröffentlichungen sehr schön ab. Auch das Booklet überrascht und überzeugt durch eine wunderbare Schlichtheit. Man hätte gerade bei der Gestaltung dazu neigen können, dass dies alles etwas überladen wird. Zum Glück hat man diesen Fehler nicht begangen und sich auf die wesentlichen Dinge konzentriert, nämlich Bilder der vier Musiker, O-Töne von jedem und natürlich den Produktionsinformationen. Insgesamt ist das sehr stimmig und dem Anlass entsprechend – und dies ist die Livemusik.

 

Bei der Produktion von „Celebration Day“ hat man sich wirklich Mühe gegeben und insgesamt schon eine stattliche Zahl an HD-Kameras eingesetzt. Das macht sich signifikant bei der Qualität des Bildes bemerkbar! Die Farben sind kräftig und in einem natürlichen Kontrastverhältnis. Der Schwarzwert und die Schärfe sind nahezu als perfekt zu bezeichnen! Selbst bei sehr dunklen Aufnahmen ist kein Leistungsabfall zu erkennen. Ein Rauschen oder mittlere Unschärfen sind nicht zu sehen. Die Farbbrillanz der Lichteffekte kommt auch sehr gut zur Geltung. Der VC Codec leistet gute Dienste und produziert keine Kompressionsfehler. Ein störendes Graining ist nicht sichtbar. Alles im Lot also? Mitnichten, denn das bezog sich einzig und alleine auf die HD-Aufnahmen. Wer auch immer auf die Idee kam mit einer Super 8 Kamera zu filmen und dies auch noch hier zu verwenden, hatte vermutlich einen ganz schlechten Tag. Abgesehen davon ist das Ansichtsverhältnis dann logischerweise auch 4:3 und da man von diesen Aufnahmen auch noch reichlich Gebrauch gemacht hat, ist das schon sehr nervend. So wechselt das häufig von einem absolut brillanten Bild zu dieser antiquierten Filmtechnik. Leider gibt das dicke Abzüge in der B-Note.

 

Der Schnitt geht in Ordnung, bewegt sich manchmal aber auch gerade noch so im Rahmen des Zumutbaren. Ein bisschen weniger Hektik hätte der ganzen Geschichte nicht schlecht zu Gesicht gestanden und ab und an hat man das Gefühl, dass genau die falsche Einstellung gewählt wurde. Auf der anderen Seite hat man es auch endlich mal geschafft ein Konzert so zu schneiden, dass man den Musikern auch sprichwörtlich mal länger auf die Finger gucken kann! Das wiederum ist ein Hochgenuss, egal ob Jimmy Page seine Finger über die Saiten flitzen lässt, John Paul Jones die Tasten des Keyboards bearbeitet oder Jason Bonham die Felle zertrümmert. So sollte es doch auch sein!

 

Das Menü ist überraschend einfach gehalten und dadurch schlicht und ergreifend hervorragend. Strukturiert aufgebaut kann man so direkt die gewünschte Position anwählen. Man muss also nicht noch lange mit der Fernbedienung rumspielen. Der PCM Sound schafft eine phänomenale Räumlichkeit. Wo auch immer einzelne Musiker sich auf der Bühne befinden, es ist immer exakt zu hören. Hier wurde tatsächlich das Optimale herausgeholt und man muss schon lange suchen, wenn man einen ähnlich klaren und druckvollen Bass hören will. Gerade durch diese Tatsache wird einem nämlich auch noch mal klar, dass es John Paul Jones ist, der mit seinem brillanten und mannschaftsdienlichen Spiel den Laden zusammenhält. Erst durch ihn können die anderen überhaupt brillieren. Leider kommt diese Tatsache oftmals viel zu kurz.

 

Die 16 Songs verdeutlichen, warum Led Zeppelin einer der besten Rockbands des Planeten waren. Natürlich hat sich die Stimme von Robert Plant über die Jahre gewandelt. Der Mann hat die 60 aber ja auch schon seit ein paar Tagen überschritten. Er sagt ja nicht umsonst, dass er in den 70ern ein Rock and Rollsänger war, während er jetzt eben nur noch ein Sänger sei. Da stellt er sein Licht aber ein bisschen unter den Scheffel. Die ganz hohen Passagen umschifft er zwar ganz geschickt, aber gesanglich liefert er da schon eine Performance der Extraklasse ab. Jimmy Page ist immer noch Mr. Rock and Roll schlechthin! Was der Mann davon im kleinen Finger hat, haben andere nicht mal im ganzen Körper. Die Haare mögen inzwischen weiß sein, das Gesicht faltig, aber ansonsten ist alles noch wie eh und je. Rückenprobleme kennt er anscheinend auch nicht, so wie er sich da mit seinen diversen Gitarren verbiegt. Und keiner im gesamten Business zieht so schön die Schnute wie Mr. Page. Jason Bonham vertritt seinen Vater sehr würdig – Bonzo wäre stolz auf ihn. Die Wichtigkeit von John Paul Jones für diese Truppe kann sowieso nicht hoch genug bewertet werden.

 

Die Songs selber sind natürlich über jeden Zweifel erhaben, wobei die beiden epischen Nummern „In My Time Of Dying“ und „Dazed And Confused“ plus das Gewitter von „Whole Lotta Love“ natürlich mal wieder herausstechen. Auch „Ramble On“ wird sehr knackig auf den Punkt gebracht und „Good Times Bad Times“, „Misty Mountain Hop“ oder „Rock And Roll“ gehen sowieso immer. Wenn man so will, dann fällt höchstens „The Song Remains The Same“ etwas ab. Und ja, „Stairway To Heaven“ gibt es natürlich auch zu sehen und hören!

 

Fazit: Led Zeppelin ist wie eine Urgewalt, die über einen hinwegfegt. Immer noch! Davon kann man sich nun anhand der „Celebration Day“ Veröffentlichung ein schönes Bild machen. Die Blu-ray überzeugt fast auf ganzer Linie, wenn auch der Schnitt und die Teile mit der Super 8 Kamera nicht unbedingt die beste Idee waren. Der Sound ist erstklassig und die Band über jeden Zweifel erhaben! Oder wie es die Kollegen vom Stern sagen: es gibt Bands und es gibt Led Zeppelin. So sieht es aus und dem ist nichts hinzuzufügen. Übrigens schöne Sache, dass das Konzert auch noch als Audio CDs beiliegt. Wer noch tiefer in die Materie einsteigen will, der greift gleich zum Paket mit der Zusatz-DVD! In Anbetracht aller Umstände und des historischen Ereignisses gibt es 10/12!

 

www.ledzeppelin.com
facebook.com/ledzeppelin
www.youtube.com/user/ledzeppelin

 

Text: Torsten Schlimbach

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