Killing Bono (Blu-ray)

Killing Bono (Blu-ray)

Senator/Universum Film

VÖ: 13.09.2013

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Der Titel „Killing Bono“ kann schnell falsch verstanden werden. Weder im Buch von Neil McCormick, noch im Film wird der berühmte Bono in das Jenseits befördert. Zumindest bei der visuellen Umsetzung hat man es aber fast soweit kommen lassen. Bis man bei dem Punkt angelangt ist, kann man die irrwitzige Geschichte eines gescheiterten Rockstars verfolgen, der so ziemlich alles in den Sand setzt und für seine Karriere nicht eine einzige richtige Entscheidung trifft. Unterhaltsame 114 Minuten stehen einem bevor.

 

Technisch lässt die Blu-ray Variante kaum Wünsche offen. Die deutsche Tonspur ist mitunter nicht sehr zu empfehlen, da das eine oder andere doch etwas holprig rüber kommt. Dieses leidige Thema ist aber altbekannt und fällt nicht weiter ins Gewicht. Ansonsten ist der Ton klar und deutlich. Da dies im weitesten Sinne ein Musikfilm ist, müssen die Boxen in dieser Hinsicht natürlich auch etwas leisten. Der Bass ist frontbetont und dumpf, was allerdings dem Gezeigten kurioserweise noch mehr Ausdruck verleiht, da die agierenden Musiker zu Beginn eben auch noch sehr dilettantisch zu Werke gehen und somit ein perfekter Sound für die Geschichte eher hinderlich wäre. Immerhin ist ein Rauschen nicht zu vernehmen.

 

Das Bild ist über weite Strecken als sehr gut zu bezeichnen. Ein Graining ist nicht auszumachen und der Schwarzwert sehr ordentlich. Die Farben sind satt und klar, aber nicht überzeichnet und unnatürlich. Die Schärfe und Detailzeichnung ist nahezu perfekt, es gibt lediglich ein paar weiche Einstellungen. Auch die Kontrastwerte sind sehr ausgewogen und das Filmkorn ist durchgängig intakt. Die Auflösung in 1080p ist ja mittlerweile Standard. Insgesamt macht das alles einen sehr guten Eindruck.

 

Beim Bonusmaterial hat man sich auf den Trailer und das obligatorische Making Of beschränkt. Das ist nett, aber jetzt auch nicht bahnbrechend. Immerhin erzählt Neil McCormick noch mal, dass er keineswegs vorhatte Bono zu erschießen und dies die künstlerische Freiheit des Regisseurs wäre. Und damit wären wir dann auch bei der Hauptperson des Films – nein, nicht der Regisseur, aber Neil McCormick.

 

Man würde ja gerne sagen, dass Neil McCormick – gespielt von Ben Barnes - vom Pech verfolgt war. So einfach ist das aber nicht, denn mit seiner großkotzigen Art und Arroganz macht er es dem Zuschauer unglaublich schwer ihn zu mögen. Sein Bruder Ivan McCormick (Robert Sheehan) ist die tragische Gestalt, denn hätte sein Bruder Neil einem gewissen Paul Hewson nicht gesagt, dass Ivan für dessen Band nicht zur Verfügung stehen würde, dann könnte er heute vielleicht in einer der bedeutendsten Kapellen des Planeten musizieren: U2

 

Und dies ist der Ausgangspunkt von "Killing Bono". Im Dublin von 1976 formieren sich zwei Bands, deren weiterer Karriereverlauf nicht unterschiedlicher sein könnte. Während die einen, U2, zur größten Gruppe des Planeten aufsteigen, hausen die beiden McCormick Brüder in London in einem Loch. Falsche Entscheidungen bei der Wahl der Plattenfirma, der musikalischen Ausrichtung, die Ablehnung einer Auftragsarbeit für Rod Stewart und innere Zerwürfnisse führen stets dazu, dass die beiden Brüder zwar ganz oft einen Fuß in der Tür haben, selbige aber nie aufstoßen können. Hätte doch Bono nur mal Ivan angerufen und nicht immer Neil. Dieser lehnt es ebenso ab, dass der zeitweise berühmteste Rocksänger der Welt ihnen bei einem Plattendeal unter die Arme greift, wie auch das Angebot im Vorprogramm von U2 im Dubliner Croke Park zu spielen. Nein, unser Held lässt sich lieber mit einem zwielichtigen Geldgeber ein. Als Zuschauer möchte man McCormick öfters mal am Kragen packen und zur Vernunft bringen.

 

Fazit: Natürlich ist das seichte Unterhaltung und die Schauspieler liefern jetzt keine Leistung ab, die für eine Oscar-Nominierung reichen würde, aber der typische britische Humor macht doch eine sehr kurzweilige Angelegenheit aus „Killing Bono“. Abgesehen davon ist die Ausstattung sehr liebevoll und U2 Fans werden den Film sowieso mit anderen Augen sehen. Überall ist eine Hommage versteckt, auch wenn sich nicht unbedingt alles so zugetragen hat. Man möchte da aber auch gar kein Haar in der Suppe suchen, das überlassen wir dann lieber den Hardcore-U2-Fans. „Killing Bono“ ist einer jener typischen Musikfilme, die ungemein Spaß machen. Der Ton ist in Ordnung und das Bild über weite Strecken sehr gut bis perfekt. Und da der Film-Bono gegenüber dem Film-Neil McCormick fast demütig wirkt, kann man ungefähr erahnen was McCormick hier für eine Flitzepiepe ist. Es ist gut so, dass die Geschichte einen derartigen Verlauf genommen hat. "Killing Bono" unterhält den Zuschauer sehr gut - nicht mehr, aber eben auch nicht weniger!

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch