Judas Priest: Epitaph

Judas Priest: Epitaph

Sony

VÖ: 24.05.2013

 

Wertung: 6,5/12

 

Judas Priest sind nun schon mehr als 40 Jahre eine Konstante im Heavy Metal- Zirkus. Gut, der Job hinter der Schießbude war recht unsicher und somit gab es auf dem Stühlchen öfters mal einen Wechsel zu verzeichnen. Nimmt man es ganz genau, dann ist sowieso nur Ian Hill das einzig verbliebene Gründungsmitglied. Bandaushängeschild und Charakterkopf Rob Halford kam Judas Priest in den 90ern allerdings auch mal abhanden, ist in der Zwischenzeit aber längst wieder in den Schoß der Familie zurückgekehrt. Glenn Tipton ist immerhin auch schon seit 74 dabei und selbst Scott Travis darf schon seit 1990 die Trommelstöcke schwingen. Lediglich Richie Faulkner ist recht neu in der Priest Familie. In dieser Besetzung spielte die Band dann auch die letzte Welttournee. Die Epitaph-Tour dauerte 50 Wochen und erlebte ihren Höhepunkt im Londoner HMV Hammersmith Apollo. Das Abschlusskonzert wurde für die Nachwelt festgehalten und liegt nun als DVD und Blu-ray vor.

 

Insgesamt beinhaltet die DVD also die 23 Songs, die an diesem denkwürdigen Abend am 26 Mai 2012 gespielt wurden. Denkwürdig deshalb, da von jedem der vierzehn veröffentlichten Alben mindestens ein Song im Set zu finden ist. Für Hardcore-Fans sind solche Geschichten ja immer eine ganz besondere Sache und wie viele Bands bieten schon einen derart umfassenden Rückblick auf ihre Karriere? Judas Priest wissen natürlich auch um die Bedeutung ihrer ganz großen Alben. In erster Linie ist da natürlich „British Steel“ zu nennen. Mit „Rapid Fire“, dem unvermeidlichen „Metal God“, dem Hit „Breaking The Law“ und dem traditionellen Abschlusssong „Living After Midnight“ gibt es gleich vier Songs daraus zu hören. Wobei hören im Falle von „Breaking The Law“ dann auch nicht so ganz stimmt, da Halford es sich nehmen lässt und die Nummer vom aufgekratzten Publikum komplett alleine singen lässt!

 

Von der ‚Ein-Song-Regel’ außerdem ausgenommen sind die Alben, die vor und nach „British Steel“ erschienen sind. Das erste Album ist das 1979er „Hell Bent For Leather“ (englischer Titel: „Killing Machine“), von dem der Titelsong und „The Green Manalishi (With The Two-Pronged Crown)“ hier vorliegen. Das andere Werk - das 1982er „Screaming For Vengeance“ - kommt mit „The Hellion“, „Electric Eye“ und „You’ve Got Another Thing Coming“ ebenfalls zu besonderen Ehren. Soweit so gut! Die Band hat also alles dafür getan, dass dies ein herausragender Abend wurde. Leider hat man es nicht geschafft dies auch auf DVD zu bannen!

 

Der Schnitt ist – gelinde gesagt – stellenweise eine mittlere Katastrophe. Gerade zu Beginn wurden da die Bilder aneinander geklatscht, dass man sich schon fragt, ob denn da eventuell Material abhanden gekommen ist und dies durch diesen recht abenteuerlichen Schnitt kompensiert werden musste. Mittendrin arbeitet man dann auch noch mit Bildverzerrungen und Verfremdungen und zeigt bei der farblichen Gestaltung des Bilds auch noch eine große Portion Mut. Die Kameraführung ist bisweilen auch recht ermüdend. Das Schlagzeug aus der Vogelperspektive kann man dann auch irgendwann nicht mehr sehen. Der Schwarzwert ist auch eher am unteren Ende der Skala anzusiedeln und ein leichtes Graining zieht sich ebenfalls durch die gesamte Spielzeit. Alles in allem wirkt das recht altbacken und hat den Charme einer Rockpalast Show. Im Grunde nicht verkehrt, aber für diese bedeutende Band und die heutige Zeit ist das doch recht wenig und wenn man dann noch die Besonderheit des Ereignisse berücksichtigt, kann man sich nur wundern. Leider ist das Publikum auch kaum zu sehen und so wirkt das alles doch etwas steril und klinisch.

 

Judas Priest machen das, was man von einer Judas Priest Show eben erwartet. Es gibt ein paar Flammen, ein Motorrad wird auf die Bühne gefahren, ein Drumsolo darf nicht fehlen und Rob Halford wechselt seine Kleidung häufiger als Rihanna, Pink und Beyoncé zusammen. Hin und wieder hat das einen unfreiwillig komischen Charakter und man fragt sich dann schon, ob die alten Herren der ganzen Kiste nicht langsam entwachsen sind. Einmal Priest, immer Priest! Dies ist wohl der kleinste gemeinsame Nenner. Das Set ist natürlich famos, daran gibt es nichts, aber auch gar nichts zu rütteln. Der Sound geht in Ordnung, reißt aber auch keine Bäume aus und das Fehlen von jeglichem Bonusmaterial ist auch ein dicker Minuspunkt.

 

Fazit: Es hätte so schön werden können! Judas Priest spielten auf ihrem letzten Konzert der letzten Welttournee ein vorzügliches Set. Die Band war gut drauf und lieferte musikalische Kost aus der Feinschmeckerabteilung ab. Leider kann die DVD-Produktion da kaum mithalten. Schade, hier wurde eine ganz große Chance vertan. Fans dürfen sich aber trotzdem freuen, denn im Grunde kriegt man hier alles geboten, was diese Band ausmacht. Eine kleine Träne im Knopfloch bleibt trotzdem zurück.

 

http://judaspriest.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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