Jeff Beck: Live In Tokyo

Jeff Beck: Live In Tokyo (Blu-ray)

Eagle/Edel

VÖ: 21.11.2014

 

Wertung: 8/12



 

Jeff Beck hat viele Gitarristen-Generationen nachhaltig beeinflusst und in den 60ern und 70ern das Musikgeschehen nachhaltig geprägt. Diese Zeiten sind zwar längst vorbei und das Ruder haben mittlerweile andere übernommen, aber er kann sich immer noch einer immens großen Fangemeinde erfreuen. Gerade in Fernost mobilisiert er immer noch die Massen. Am 9. April 2014 spielte er ein Konzert in der Tokyo Dome City Hall. Dies wurde für die Nachwelt gefilmt und liegt nun als Blu-ray vor.

 

Für die Konzerte in Japan stellte Beck eine ganz neue Band zusammen und somit war dies auch die Feuerprobe für die Zukunft. Mit Jonathan Joseph am Schlagzeug und Rhonda Smith am Bass hat er sich aber auch zwei absolute Asse an deren jeweiligem Instrument mit ins Boot geholt. Smith hat lange bei Prince gespielt und wird auch sonst von vielen Größen des Musikgeschäfts immer wieder gebucht. Auch Jonathan Joseph wird von seinen Kollegen sehr geschätzt und ebenfalls immer wieder engagiert. Die beiden haben mit Beck allerdings auch schon vorher auf der Bühne gestanden, beispielsweis beim Crossroads Festival. Mit Nicolas Meier komplettiert ein junger Schweizer das Line-Up, der sich sichtbar freut, dass er dabei ist. Mit seinem feinen und filigranen Gitarrenspiel unterstützt er Beck kongenial, überlässt diesem aber natürlich das Rampenlicht.

 

Die Blu-ray macht einen sehr guten Eindruck. Der Kontrast ist gut eingestellt und das Bild ist klar und deutlich. Da ist jeder kleine Fingerabdruck auf den Instrumenten sichtbar. Viele Nahaufnahmen lassen es zu, dass der Zuschauer sehr viele Gelegenheiten geboten bekommt, den Musikern bei ihrer Arbeit auf die Finger zu gucken – und dies bei bestem Bild. Der Schwarzwert ist ebenfalls sehr ordentlich. Artefakte sind nicht zu finden und auch die Farben wirken sehr natürlich. Eine große Lichtshow oder eine voll ausgeleuchtete Bühne gibt es bei Beck allerdings nicht und meist spielt sich das alles im Halbdunkeln ab. DTS-HD Master Audio lässt die fein austarierten Klänge auch in den heimischen vier Wänden zu einem ganz besonderen Genuss werden. Der Schnitt ist meist gelungen und passt zum guten Gesamteindruck.

 

Das Bonusmaterial ist ganz nett und hier erfährt man auch ein bisschen etwas über die Musiker an der Seite von Jeff Beck. Da wird über deren musikalische Sozialstation geplaudert, aber auch über die Instrumente und so erläutert Rhonda Smith beispielsweise, warum sie auch gerne einen bundlosen Bass spielt und wie dieser in der Jeff Beck-Show zum Einsatz kommt. Ein jeder darf auch noch ein paar Sätze über seine anderen Mitstreiter verlieren – logisch, dass diese nur positiv ausfallen. Beck hingegen spricht in leicht spöttischem Ton darüber, dass Jonathan Joseph die Mutter von Joss Stone geheiratet hat und er deshalb nicht mehr in Stones Band spielen dürfte. Nun gut.

 

Das Konzert selbst fängt mit „Loaded“ recht vielversprechend an. Auch hier erläutert Beck im Bonusmaterial, dass er dabei eigentlich einen Techno-Beat im Ohr und Hinterkopf hatte. Bei „Little Wing“ darf dann Nicolas Meier in der Song-Einleitung zeigen was er kann. Danach geht es ganz gefällig weiter und das ist sicher alles auf höchstem spielerischen Niveau angesiedelt, es fehlt aber doch etwas Entscheidendes: der Gesang. Ja, Smith darf zum Schluss auch mal ans Mikro, ansonsten ist dies aber mehr oder weniger eine reine Instrumentalveranstaltung, die dann auch einige Längen hat. Die Mischung aus Blues, Jazz, Rock und Pop kann zwar sehr spannend sein, aber es stellt sich auch der Eindruck ein, dass man da einem einzigen langen Gitarrensolo zuguckt. Beck baut durch das Tragen seiner Sonnenbrille sowieso noch eine Mauer zwischen sich und dem Publikum auf. Schade, denn so richtig fesseln kann einen dieser Auftritt nicht.

 

Fazit: Die technische Ausstattung von „Live In Tokyo“ ist schon recht gelungen. Das Bild, die Kameraführung, der Schnitt und der Ton dürften kaum Wünsche offen lassen und sind hervorragender Blu-ray-Standard. Das Bonusmaterial ist ganz nett und Jeff Beck lässt auch seinen Musikern genug Raum zur Entfaltung. Das Konzert ist spielerisch natürlich auf allerhöchstem Niveau anzusiedeln und hier sind vier absolute Ausnahmemusiker am Werk. Es fehlt ein bisschen die Seele und so richtig reißt einen das nicht mit. Für Fans und Spezialisten ist das aber sicher eine tolle Show!

 

http://www.jeffbeckofficial.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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