Frank Zappa & The Mothers: Roxy – The Movie (Blu-ray)

Frank Zappa & The Mothers: Roxy – The Movie (Blu-ray)

Edel/Eagle Vision

VÖ: 30.10.2015

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Wer kennt die Antwort „...alles von Abba bis Zappa“ auf die Frage, was denn das Gegenüber so für Musik hört, nicht? Das ist doch gelogen, möchte man da in den meisten Fällen antworten. Die Musik von Frank Zappa war und ist für die meisten Zeitgenossen sicher viel zu sperrig und schwierig und war stets gegen alle üblichen Marktmechanismen gebügelt. Die wunderbare Blu-ray „Roxy – The Movie“ führt einem dies noch mal sehr eindrucksvoll vor Augen. Seine Band war verrückt und brillant genug, um seinem musikalischen Wahnsinn zu folgen. Und dies auf beeindruckende Art und Weise!

 

Die Konzerte von Frank Zappa in Hollywoods Roxy Theatre vom Dezember 1973 stehen bei den Fans ganz hoch im Kurs und sind legendär. Die Shows vom 8., 9., und 10. Dezember waren die Grundlage für das 1974 veröffentlichte Album „Roxy & Elsewhere“. Es war bisher aber ja kein großes Geheimnis, dass Zappa das auch mitfilmen ließ. Festgehalten wurde das auf 16mm-Film. Das Material verschwand dann für Jahrzehnte in den Archiven von Zappa. Die Zappa Family Trust hat sich nun dazu entschlossen das Material zu restaurieren und der Welt zugänglich zu machen. Und wer jetzt meint die Ausverkaufkeule schwingen zu müssen – geschenkt! Es ist ein Segen, dass man die etwas mehr als anderthalb Stunden nun bewundern kann. Zappa und die Mothers waren hier einfach auf dem Zenit angekommen. Zudem sind Ton und Bild erstaunlich gut!

 

Als Bildformat kann man hier sogar 16:9 genießen. Erstaunlicherweise ist das Ergebnis – man bedenke bitte das Alter der Aufnahmen – brillant und selbst auf einem großen Bildschirm macht das noch Spaß zu gucken. Da haben die Macher wirklich ein ganz tolles Ergebnis erzielt. Die Farben wirken sehr natürlich und kräftig. Da die Bühne meist voll ausgeleuchtet ist, war das alles andere als einfach zu handhaben. Kompressionsfehler wurden keine gesichtet und ein leichtes Graining ist sicher zu verkraften. Man hat es sogar geschafft das Bild hin und wieder per Split-Screen zu teilen. Tolle Geschichte, da man so von einer Szene mehrere Perspektiven erhält. Die Handkameras sind erstaunlicherweise sehr selten verwackelt. Die Kameramänner sind selbstverständlich auch ab und zu im Bild zu sehen, das bleibt ja auch nicht aus. Frank Zappa & The Mothers haben nicht mit Instrumentarium gegeizt und somit ist der Sound hier natürlich von immenser Bedeutung. Auch in diesem Punkt muss man den Machern ein großes Lob aussprechen, denn jede Feinheit, jede Nuance ist da zu hören. Ganz großes Tennis!

 

Das eigentliche Konzert sprengt alle bekannten Konzertrahmen. Wann sieht man den Hauptprotagonisten schon mal rauchend auf einem Stuhl auf der Bühne sitzen und die Band beobachten? Frank Zappa ist der große Direktor der Show. Er führt seine Band wie ein Dirigent und in vielen Passagen, die reichlich improvisiert wirken, achten alle auf seine Finger- und Handbewegungen und steigen dann an der entsprechenden Stelle ein. Und vermutlich hat das Roxy weder davor, noch danach eine solch beeindruckende Drum- und Percussionshow gesehen. Die beiden Jungs hinter der Schießbude ergänzen sich ganz toll und was Ruth Underwood alles an Schlagwerkzeug da vor sich stehen und liegen hat, ist schon beeindruckend. Hier macht ein ausgiebiges Schlagzeugsolo dann auch mal Sinn. Die Bläser- und Tastensektion ist ebenfalls ein Traum. Die Musiker verstehen ihr Handwerk. Während des Konzerts kann man übrigens immer wieder Herrn Zappa an der Gitarre bewundern und feststellen, dass er auf den sechs Saiten kein Schlechter war. Er spielt zudem mit unglaublich viel Gefühl. Musikalisch passt das natürlich mal wieder in keine Schublade. Von Blues über ganz viel Jazz, Rock and Roll mit allen Facetten, bis hin zu Prog und Artpop geht hier die Reise. Kein Wunder, dass es ganz zum Schluss richtig wild wird, wenn Zappa ein paar Leute aus dem Publikum auf die Bühne bittet, die zu improvisierten Gesangsgeräuschen tanzen sollen. Mike Patton hat da wohl mal ganz genau hingehört. Es sieht so aus, wie man sich das vorstellt. Und dann gibt es auch noch eine Stripperin – bei Zappa ist eben alles möglich – inklusive Ausdruckstanz.

 

Fazit: „Roxy – The Movie“ von Frank Zappa & The Mothers ist eine wirklich beeindruckende Blu-ray geworden. Wenn man bedenkt, dass die Aufnahmen nun schon fast 42(!) Jahre auf dem Buckel haben, dann ist dies ein ganz beachtliches Ergebnis - sowohl auf Seiten des Tons wie auch des Bilds! Die Performance von Frank Zappa und seiner Band ist sowieso über jeden Zweifel erhaben und ganz große Kunst, auch wenn hier sämtliche Songstrukturen auf den Kopf gestellt und gesprengt werden! Für Zappa-Fans fallen an diesem 30. Oktober Weihnachten und Ostern auf einen Tag!

 

http://www.zappa.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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