Eric Clapton: Planes, Trains And Eric (Blu-ray)

Eric Clapton: Planes, Trains And Eric (Blu-ray)

Edel/Eagle

VÖ: 31.10.2014

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Eric Clapton gehört zu den Größten der ganz Großen. Es gibt nicht viele Gitarristen von seinem Renommee. Der Mann hat mit den Yardbrids, Derek And The Dominos, Blind Faith und Cream die Musikgeschichte mitgeschrieben und nachhaltig beeinflusst. Mr. Slowhand, wie er ehrfurchtsvoll genannt wird, ist immer noch aktiv und tourt durch die Weltgeschichte, aber so langsam will er sich auf sein Altenteil zurückziehen. Dies mag für seine Fans eine traurige Nachricht sein, aber Clapton hat dieses Jahr in einem Interview in einem Nebensatz fallen gelassen, dass er genau diese Option ins Auge gefasst hat. Bis es soweit ist, gibt es aber noch neue Musik und mit „Planes, Trains And Eric“ nun auch noch eine wundervolle Blu-ray!

 

„Planes, Trains And Eric“ ist ja schon ein recht ungewöhnlicher Titel für eine Blu-ray. Der Inhalt ist es auch und dieser gewährt dem geneigten Fan mal einen ganz anderen Einblick in das Tourleben. Die vorliegende Blu-ray ist nämlich alles andere als ein schnöder Konzertfilm. Wäre dies tatsächlich die letzte große Tour von Clapton, dann hätte man dieser zumindest so ein würdiges Denkmal gesetzt. Die Kameras folgten hier nämlich Clapton und seiner famosen Band auf deren 2014er Welttournee durch Asien und den Mittleren Osten. Jetzt kann man sich ungefähr auch schon ausmalen, woher diese Veröffentlichung ihren Titel und Namen hat.

 

Das Bild ist einer Blu-ray durchaus würdig. Die vielen Backstageimpressionen, Aufnahmen von den Proben und den Reisemitteln sind schlichtweg brillant und mit einer Detailschärfe versehen, dass man als Zuschauer teilweise das Gefühl hat, dass man mittendrin ist. Der Schwarzwert ist ebenso überdurchschnittlich gut. Die Farben wirken natürlich und von knallbunt bis trist wird das alles wunderbar wiedergegeben. Die Konzertaufnahmen selbst kann man auch als sehr gut bezeichnen. Kompressionsfehler sind keine zu finden, allerdings gibt es ab und zu ein leichtes Graining, besonders wenn die Band von den Scheinwerfen angestrahlt wird. Bei voller Ausleuchtung der Bühne ist die Detailschärfe aber auch absolut auf der Höhe der Zeit. Als Bildformat gibt es selbstverständlich 16:9, was auch sonst?

 

Die Kameraführung ist meist sehr gut und man darf den Musikern auch mal länger auf die Hände gucken. Man hätte sich allerdings die Einstellungen aus dem Zuschauerraum sparen können. Da dies oft eine sehr dunkle Angelegenheit und dann aufgrund der Entfernung zur Bühne auch weit weg vom Geschehen ist, hat das mitunter schon Bootlegcharakter. Das mag ja nett gemeint sein, an der Umsetzung hapert es in diesem Punkt aber ein bisschen. Der Schnitt ist durchaus sehr angenehm, hin und wieder aber etwas zu hektisch geraten. Dies ist aber ja dem Zeitgeist geschuldet. Alles in allem macht das aber auch von dieser Seite einen guten bis sehr guten Eindruck.

 

Der Ton ist sehr gelungen. Bei den vielen Interviewpassagen gibt es naturgemäß für die Anlage nicht viel zu tun, aber die Livesongs blasen einen schon mal gepflegt von der Couch. Das wurde sehr fein austariert und jede noch so kleine Nuance ist zu hören. DTS Surround Sound bietet einem da schon das volle Programm und ein echtes Konzerterlebnis. Das macht schon Spaß und wenn Clapton seine Soli spielt, aber auch seiner Band mal die Bühne zur musikalischen Entfaltung überlässt, darf man aufgrund dieser soundtechnischen Brillanz schon mal staunen.

 

Paul Carrack sagt in einer der vielen Interviewpassagen, dass es für ihn auf der Bühne ja nicht viel zu tun geben würde. Das ist natürlich Understatement, denn die dreizehn kompletten Livesongs lehren einen etwas anderes. Clapton hat bei diesem Film auf die sichere Nummer gesetzt und so wird hier ein Hitfeuerwerk abgebrannt. Höhepunkte gibt es da viele. „Layla“ ist und bleibt ein Klassiker. Das wunderschöne „Wonderful Tonight“ ist immer noch für ein Tränchen im Knopfloch gut und „Tears In Heaven“ rührt einen aufgrund der Thematik sowieso immer wieder zu Tränen. Das rotzige „Crossroads“ zeigt, dass Clapton durchaus auch ein guter Sänger ist. Höhepunkt ist „Cocaine“, welches so dreckig wie lange nicht mehr gespielt wird. Er und seine Band wollen es hier so richtig wissen und lassen es ordentlich krachen. Ein Genuss!

 

Fazit: „Planes, Trains And Eric“ ist eine ganz wundervolle Veröffentlichung, die den Zuschauern die Reise von Clapton und seiner Band durch Asien und den Mittleren Osten tatsächlich mit all ihren Facetten näher bringt. Bild und Ton können überzeugen und auch der Schnitt macht eine gute Figur. Selbst das Menü ist sehr nett, denn hier kann man hin und her springen, während der Film im Hintergrund weiterläuft. Die Songauswahl beschränkt sich auf die großen Klassiker, die aber mit einer Spielfreude und Innbrunst vorgetragen werden, dass es eine wahre Freude ist. Für Fans ist das ein absoluter Pflichtkauf und alle anderen, die sich für Rockmusik und den Blick hinter die Kulissen einer solchen Tour interessieren, auch!

 

http://www.ericclapton.com/planestrainsanderic

 

Text: Torsten Schlimbach

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Eric Clapton: Crossroads Guitar Festival (2013)

Eric Clapton: Crossroads Guitar Festival (2013)

Warner

VÖ: 15.11.2013

 

Wertung: 7,5/12

 

Neil Young hat sein Bridge School Benefit Festival und Eric Clapton sein Crossroads Guitar Festival. Clapton lässt das Gitarrenereignis der Superlative allerdings nur alle drei Jahre von der Leine. Im Frühjahr, genauer am 12. und 13 April, fand die Sause in New York statt. Diesmal hat man sich allerdings dazu entschlossen keine Freiluftveranstaltung steigen zu lassen und die Geschichte in den altehrwürdigen Madison Square Garden zu verlegen. Die Höhepunkte davon kann man nun auf jeweils zwei DVDs oder Blu-rays bewundern. Wer dann noch nicht genug hat, kann sich auch noch die Doppel-CD in den Schrein stellen.

 

Das Gitarristen-Staraufgebot ist schon nicht von schlechten Eltern. Man könnte sich also eigentlich auf das mehr als fünfstündige Material freuen. Es gibt aber ein paar Abzüge in der B-Note, die den Genuss doch sehr trüben. Bild und Ton sind hin und wieder nicht synchron, was mitunter aber ein Produktionsfehler sein könnte. Das teilweise recht grobkörnige Bild wird aber so gewollt sein. Über die gesamte Distanz ist ein starkes Bildrauschen vorhanden und der Schwarzwert ist ein einziges Trauerspiel. Bei voller Bühnenausleuchtung wirken die Farben zudem seltsam matt. Das verwaschene Bild ist schon ein großes Ärgernis und das kann nicht mal im Ansatz mit heutigem Produktionsstandard mithalten.

 

Die Kameraführung und der Schnitt müssen leider als Licht und Schatten bezeichnet werden. Manchmal wird viel zu schnell und völlig unmotiviert durch die Gegend gezoomt und in Verbindung mit dem eh schon schlechten Bildmaterial ist dies dann sehr anstrengend für die Augen. Zum Glück ist das nicht durchgängig der Fall und dann wird sich alle Zeit der Welt genommen den Musikern auf die Finger zu gucken, was hier ja nicht ganz unwichtig ist. Der Ton ist für sich gesehen hervorragend und jede kleine musikalische Nuance auszumachen. Das Bonusmaterial versteckt sich im Grunde zwischen den einzelnen Songs. Dort kann man verschiedenen O-Tönen der beteiligten Künstler lauschen, auch mal einen Blick hinter die Kulissen werfen oder das amerikanische Publikum bei deren liebsten Beschäftigung bewundern: Getränke- und Essensvorräte auffüllen.

 

Die Mischung der Gitarrenhelden ist gut gewählt. Alt und Jung geben sich die Klinke in die Hand, wobei auch hier ein paar herausragende Virtuosen und ein paar bemerkenswerte Performances zu nennen wären. Robert Cray, Eric Clapton und Jimmie Vaughan sorgen alleine schon dafür, dass man mit der Zunge schnalzt. Wenn dann aber noch B.B. King seinen Stuhl neben den der drei Herren platziert, dann weiß man was die Stunde geschlagen hat. Dieser große Musiker wurde immerhin 1925 geboren! Er ist zwar nicht mehr ganz so gut auf den Beinen, aber wenn er in die Saiten greifen darf, dann strahlt er das pure Glück aus. Er hat es immer noch drauf und zudem ist er immer noch ein Chameur. Allen Respekt dieser Welt für B.B. King!

 

Mit Quinn Sullivan ist ein Jungspund dabei, der als Geburtsjahr 1999 in seinem Pass stehen hat. Zusammen mit Buddy Guy und Robert Randolph spielt er „Damn Right, I´ve Got The Blues“. Muss man sich mal vorstellen, da steht der Knabe mit seinen vierzehn Jahren etwas verloren auf der Bühne und sobald er die Finger über das Griffbrett flitzen lassen kann, wirkt er neben den Altvorderren alles andere als ein Fremdkörper. Sehr beeindruckend!

 

Ansonsten stechen hier drei weitere Herren ganz klar heraus: Derek Trucks, Doyle Bramshall II und Gary Clark jr.. Während Derek Trucks und Doyle Bramshall II hier sehr oft und in den unterschiedlichsten Konstellationen in Erscheinung treten – Bramshall beispielsweise beim Soloprogramm von Clapton – ist es der baumlange Clark, der hier bleibenden Eindruck hinterlässt. Man hat ja viel über diesen Auftritt lesen dürfen und wie nervös er vorher war. Man gebe diesem jungen Wilden einfach nur eine Gitarre in die Hand und dann ist das wie verflogen. Sein verwaschener Sound sticht zudem aus der Gilde der Gitarrenvirtuosen noch heraus. Der Mann wird nicht umsonst zu den großen Hoffnungsträgern für die Zukunft gezählt. Zusammen mit Doyle Bramshall II brennt er bei „She´s Alright“ ein regelrechtes Feuerwerk ab. Ganz großes Kino! Das gehört allerdings nicht in den Madison Square Garden mit seinen Kleidchen- und Anzugsträgern, sondern in einen versifften Club wo das Wasser von der Decke läuft – und wo die Leute stehen und sich nicht an ihren Getränken und Burgern festhalten!

 

Mit Jeff Beck überzeugt aber auch noch einer von der alten Gilde und sein Spiel hebt sich erfreulicherweise immer noch sehr stark von dem seiner Kollegen ab. Mit Beth Hart hat er sich die richtige Frau für den Gesang an seine Seite geholt. Die Dame mag in dem roten Kleid etwas deplatziert wirken, aber wenn sie ihre Röhre auspackt, dann ist eine Gänsehaut vorprogrammiert. Der unkaputtbare Keith Richards hatte auch noch Freigang im Seniorenstift beantragt und durfte auch noch ein bisschen mitträlleren, Gitarre spielt er mittlerweile ja eher nicht mehr. Zum Schluss gibt es dann noch die große All Star Sause. Und Clapton? Clapton überzeugt nicht durch Show sondern Können und überlässt seinen Kollegen genug Raum zur Entfaltung!

 

Fazit: Musikalisch ist das ein Hochgenuss. Eric Clapton hat mal wieder eine auserlesene Riege seiner Gitarrenkollegen für sein Crossroads Guitar Festival zusammenstellen können. Die Mischung ist ganz vorzüglich und selbst fünf Stunden vergehen da wie im Flug. Der Sound der DVDs ist sehr gut, was man vom Bild leider nicht behaupten kann, denn dies ist bisweilen einfach nur schlecht. Das ist sehr, sehr schade und dem Ereignis unwürdig. Wie immer dient das alles dem guten Zweck und der gleichnamigen Organisation, die von Clapton in der zweiten Hälfte der 90er ins Leben gerufen wurde. Musikalisch ist das toll, aber letztlich wäre bei dieser DVD-Produktion mehr drin gewesen!

 

http://www.ericclapton.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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