Deep Purple & Orchestra: Live In Verona (Blu-ray)

Deep Purple & Orchestra: Live In Verona (Blu-ray)

Eagle Vision/Edel

VÖ: 17.10.2014

 

Wertung: 7,5/10

 

2011 gaben Deep Purple im Amphitheater von Verona ein spektakuläres Konzert. Die Band hat über die Jahrzehnte und Dekaden ja schon an mancher legendären Spielstätte ihre Songs präsentiert, aber in dieser im Jahre 30 n. Chr. erbauten Arena kriegten auch die alten Hasen noch mal ganz große Augen. Selbstverständlich wurde die ganze Sause mitgefilmt. Und weil das alles noch nicht außergewöhnlich genug war, hat man auch gleich noch ein ganzes Orchester eingeladen um die Klassiker der Band richtig in Szene zu setzen.

 

Das Bild ist schon nicht von schlechten Eltern. Hier und da hat sich zwar ein ganz leichtes Graining eingeschlichen und bei ganz genauer Betrachtung kann man auch kleine Kompressionsfehler entdecken, aber das ist letztlich nur das Suchen nach dem berühmten Haar in der Suppe. Die Detailschärfe ist schon atemberaubend. Da die Bühne meist in ein warmes und helles Licht getaucht wird, ist die Natürlichkeit der Farben schon etwas überraschend. Der Schwarzwert kann ebenfalls voll und ganz überzeugen. Teilweise hat man das Gefühl, dass die Band und die Orchestermitglieder direkt bei einem im Wohnzimmer aufspielen – und das ohne 3D!

 

Der Schnitt und die Kameraführung sind zudem auch als brillant zu bezeichnen. Ian Gillan ist zwar immer noch gut bei Stimme, aber ab und an muss er sich doch ganz schön anstrengen und pressen, damit er auch noch die richtigen Töne trifft. Dies sieht man ihm natürlich auch an. Er war uneitel genug dies auch entsprechend von den Kameras einfangen zu lassen und so halten diese aus nächster Nähe voll drauf. Überhaupt gibt es für die Zuschauer auf der Couch reichlich Gelegenheit den Musikern auf die Finger zu gucken – und dies auch noch aus den verschiedensten Perspektiven. Der Blick in diese Arena ist natürlich schon ein Hingucker und so wird dem auch immer mal wieder mit einer Kamerafahrt durch das Rund Rechnung getragen. Auch im Schneideraum hat man die nötigen Sorgfalt und Ruhe bewahrt und so ist das bildtechnisch schon alles sehr beeindruckend.

 

Der Sound kann da nicht ganz mithalten. DTS-HD Master Audio und LPCM Stereo reißen da keine Bäume aus und manchmal ist das ein seltsamer Brei. Ausgewogen ist jedenfalls anders, was mitunter aber eben auch an dieser Konstellation liegt.

 

Genau hier muss man dann leider auch ein paar kritische Worte verlieren. Das Konzept Rock und Klassik zu kreuzen ist nicht neu und ging bisher noch nie so richtig auf und leider ist dies auch hier der Fall. In ganz seltenen Momenten passt das wunderbar zusammen und dann macht das auch Sinn, aber über weite Strecken drücken Deep Purple das Orchester – bildlich gesehen – vor die Wand oder der Einsatz der Streicher wird als sehr störend empfunden. Das Vorhaben diese beiden musikalischen Welten in Einklang zu bringen ist mal wieder gescheitert. Die epischen Songs von Deep Purple mögen dafür durchaus das Potenzial haben, aber eben nicht für die gesamte Konzertdauer. Es fehlt schlicht und ergreifend an der Harmonie.

 

Ian Paice sieht mit seinem Zopf mittlerweile aus wie der nette Opi von nebenan und Ian Gillan geht eher als der Typ durch, der mit seiner Yacht durch das Mittelmeer schippert. Wenn man so will, dann erfüllen Steve Morse und Roger Glover, der auch als Zwillingsbruder von Willie Nelson eine gute Figur abgeben würde, noch am ehesten das Klischee des Rockstars. Die beiden haben auch sichtlich Spaß an diesem Gig und dem Publikum.

 

Gespielt wird natürlich der eine oder andere Klassiker, auch wenn „Child In Time“ natürlich schmerzlich vermisst wird. „Strange Kind Of Woman“, „Highway Star“, „Woman From Tokyo“ und das unvermeidliche „Smoke On The Water“ werden dann auch entsprechend dankbar von den Zuschauern in Verona angenommen. Nach und nach erheben sich diese auch von ihren Sitzen und zum Schluss ist es dann auch direkt vor der Bühne gut gefüllt.

 

Fazit: „Live In Verona“ von Deep Purple hätte eigentlich das Zeug gehabt eine ganz wundervolle Blu-ray zu werden. Das Bild, die Kameraführung, der Schnitt und der Auftrittsort kann man schon als spektakulär bezeichnen. Die Band ist auch sehr gut drauf und selbstverständlich wird hier auch in die Klassikerabteilung der Bandgeschichte gegriffen. Der Ton ist in Ordnung, hätte aber noch Luft nach oben. Leider haut aber auch hier das Konzept Rockband/Orchester weitestgehend nicht hin und somit wird das Vergnügen dann doch etwas getrübt!

 

http://www.deeppurple.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Deep Purple: Perfect Strangers Live (DVD)

Deep Purple: Perfect Strangers Live (DVD)

Edel/Eagle Vision

VÖ: 11.10.2013

 

Wertung: 8/12

 

Die Band Deep Purple hat in ihrer langen Karriere derart viele Inkarnationen durchlaufen, dass nur noch die Beinhartfans ohne Schwierigkeiten aufzählen können, wer gerade an welchem Album beteiligt war. Mittlerweile hat sich irgendwie ja auch eingebrannt, dass Ian Gillan schon immer hinter dem Mikro stand, dabei ist der Mann mit der beachtlichen Stimme nicht mal Gründungsmitglied. Dies alles ist der wohl besten und legendären Deep Purple Besetzung Mark II zu verdanken. Für viele werden auf ewig einzig und alleine Ritchie Blackmore, Ian Gillan, Roger Glover, Jon Lord und Ian Paice die wahren Deep Purple darstellen. Umso schöner war es für die Fans, dass diese Konstellation 1984 eine Art Comeback feierte und auf Tour ging. Diese Ereignis liegt nun auf DVD vor.

 

Mit „Perfect Strangers“ hatten Deep Purple zu jener Zeit auch gerade noch ein frisches Studioalbum am Start. Seit 1973 hatten sie schon nicht mehr zusammen gespielt. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis, denn wenn man sich die ganze Sause anguckt, dann könnte man meinen, dass sich die Herren über die Jahre durchaus zum gemeinsamen Musizieren getroffen hätten. Der Motor läuft wie geschmiert. Auf der anderen Seite kommt es ja nicht von ungefähr, dass eben diese Konstellation als legendär gilt.

 

Die Show wurde im australischen Melbourne gefilmt und ist die einzige vollständige Konzertaufnahme der Band aus dieser Zeit. Das Konzert dauert knapp zwei Stunden, beinhaltet aber nur 14 Songs. Man kann sich da schon ungefähr ausrechnen, dass die Band den einen oder anderen Song episch ausgebreitet hat. Wenn man so will, dann ist das auch die kleine Schwachstelle dieser DVD! Die vielen Solos muten natürlich heute auch wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Epoche an. Abgesehen davon ist das Drum Solo von Ian Paice auch nicht sonderlich erbauend und ziemlich bieder. Jon Lord darf auch mal, ist aber mehr damit beschäftigt aus Showgründen seinen Tastenturm andeutungsweise umzuwerfen. Vom guten Herrn Blackmore ist man auch anderes gewohnt als ein paar schräge Töne, die er seinen sechs Saiten entlockt. Dies wirkt mitunter gar unfreiwillig komisch. Dieses Sologedöns muss man überstehen, dann bekommt man hier eine feine Show geliefert.

 

Das Konzert speist sich aus der damals aktuellen Platte und natürlich aus den vielen Klassikern der Band. Darum sind sind die Leute schließlich alle da. Leider fängt diese Produktion das Publikum kaum ein und somit ist die Live-Atmosphäre nur zu erahnen. Dafür haben die Kameras besonders an Gillan und Glover ihre helle Freude gehabt. Es ist schon einigermaßen kurios, dass man ein Gitarrensolo von Ritchie Blackmore hört, im Bild aber Glover sieht, wie selbiger abgeht. Dieses Spiel wiederholt sich mehrfach und wenn man dann Blackmore gezeigt bekommt, dann auch meistens nur oberhalb seiner Axt. Alles in allem ist das aber sehr ordentlich gefilmt, besonders für eine Aufnahme aus den 80ern. Beim Schnitt wurden auch keine großen Experimente gewagt und somit wirkt das alles schon sehr stimmig. Das Bild ist – gerade vor dem Hintergrund des Alters – sehr gut. Mit dem ganzen Hightech-Klimbim der heutigen Zeit kann es selbstverständlich nicht mithalten und doch macht es insgesamt einen guten Eindruck. Auch der Sound kann sich hören lassen. Dies liegt mitunter aber an der brillanten Liveumsetzung der Band. Selbige agiert wie aus einem Guss und natürlich steht und fällt vieles auch mit dem Gesang. Gillan war da ja auch nicht mehr blutjung, schaffte aber auch noch die Höhen spielend. Insgesamt eine sehr druckvolle Performance. Abgesehen davon merkt man der Truppe durchaus den Spaß an. Jon Lord erwähnt ja auch im Bonusmaterial, dass er das jetzt (also 84) viel mehr genießen kann und es ihm auch wesentlich mehr Spaß macht. Die kleine Dokumentation zeigt Deep Purple auch noch im Studio, Backstage oder im Gespräch mit der Presse – nett. Das eigentliche Ereignis ist von „Highway Star“ über „Strange Kind Of Woman“ bis hin zu „Perfect Stranger“ durchaus amtlich, aber an das Trio zum Schluss mit „Black Night“, „Speed King“ und „Smoke On The Water“ kommt dann doch nichts heran, auch wenn die einzelnen Songs teilweise zu sehr in die Länge gezogen werden. Immerhin erfüllt das Publikum bei „Smoke On The Water“ den ihm zugewiesenen Part vorzüglich und singt sich die Kehlen wund.

 

Fazit: „Perfect Strangers Live“ ist eine sehr schöne Deep Purple Aufnahme. Die 80er-Phase der Band wird wunderbar in der bestmöglichen Besetzung eingefangen. Die Jungs liefern das volle Brett ab. Hier und da hat das zwar einige Längen, aber insgesamt ist das schon sehr amtlich. Bild und Ton haben fast drei Jahrzehnte auf dem Buckel und doch wirkt beides erstaunlich frisch.

 

https://www.deeppurple.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch