David Gilmour: Live At Pompeii (Blu-ray)

David Gilmour: Live At Pompeii (Blu-ray)

Sony

VÖ: 29.09.2017

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

„Live At Pompeii“ von Pink Floyd ist legendär. David Gilmour kehrte nun 45 Jahre, nachdem er dort mit Pink Floyd aufgetreten war, dahin zurück. Er trat dort im Rahmen seiner einjährigen Tour, bei der er sein Album „Rattle That Lock“ im Gepäck hatte, auf. Zusammen mit seiner Band spielte er dort zwei Konzerte. Die waren auch gleichzeitig die allersten Rockshows mit(!) Publikum. In das steinerne römische Amphitheater durften jeweils nur 2.600 Menschen rein. Ein immens kleiner Rahmen für die gigantische Show von Gilmour. Es gab die komplette Palette der Reizüberflutung an Lasereffekte, Pyrotechnik und einer riesigen kreisförmigen Leinwand, auf der speziell dafür hergestellte Filme ausgewählte Songs zu sehen sind. Selbstverständlich wurde das auch für die Nachwelt festgehalten. Doppel-CD, Einfach-Blu-ray, Doppel-DVD, Blu-ray + CD Deluxe Edition Boxset (2 CDs und 2 Blu-rays), Vierfach-Vinyl und Download stehen zur Auswahl bereit. „Live At Pompeii" wurde in 4K gefilmt. Regie führte Gavin Elder. Logischerweise ist die vorliegende Veröffentlichung ein Zusammenschnitt aus beiden Abenden.

 

Sind wir mal ehrlich, die Erwartungen an die Blu-ray-Version sind extrem hoch. Wir reden hier immerhin von David Gilmour, der mit Pink Floyd schon so manche Messlatte recht hoch gelegt hat. Und was soll man sagen? Es wird keiner enttäuscht werden. Ein Haar in der Suppe wird man nicht finden. Auch von der Couch aus macht das einen sensationellen Eindruck! Das ist schon ein amtliches Spektakel aus Pyrotechnik, Lasern und der riesiegen runden Leinwand auf der surreale Filme die Musik visuell unterstützen. Das Bild ist derart plastisch, dass einem da schon mal der Mund offenstehen wird. Der Kontrast ist schier sensationell eingestellt und der Schwarzwert darf durchaus als Referenz genannt werden. Kompressionsfehler gibt es selbstverständlich keine! Die Farben sind kräftig, aber nie unnatürlich. Alles in allem muss man diese Blu-ray in dieser Hinsicht als Referenz nennen und ab dieser Veröffentlichung liegt die Messlatte wieder ein bisschen höher! Der Sound ist klar und ganz fein austariert. Jede noch so kleine Nuance ist da fein säuberlich auszumachen. Augen schließen und abheben!

 

Viele Künstler schludern über die Jahre ja gerne mal mit ihren Klassikern oder versuchen diese völlig neu zu arrangieren. David Gilmour haut hier ein paar Pink Floyd-Klassiker heraus, die in ihrer Interpretation einmalig sind, weil sie fast besser gespielt werden, als es Pink Floyd jemals taten. „Comfortably Numb“ ist unfassbar. Unfassbar gut. Eine Sternstunde. Das dürfte definitiv mit eine der besten Livedarbietungen von diesem Manifest sein. Hervorheben muss man auch Chuck Leavell – ja, der Mann ist auch bei den Stones dabei! Was er hier abliefert zaubert nicht nur Gilmour ein Lächeln ins Gesicht. „Shine On Your Crazy Diamond“ ist ja eigentlich etwas überspielt, aber auf dieser Veröffentlichung funktioniert der Song plötzlich wieder zur Gänze. Wie beseelt und glücklich die Musiker das spielen ist schon die ganz hohe Musikkunst.

 

Überraschungen liefert das Set keine. Gilmour spart seine ersten beiden Soloalben mal wieder aus. Schade eigentlich. Dafür kommen die Songs von seinem letzten Soloalbum nun endlich mal zwingend zur Geltung. In den Studioversionen wirkt das doch etwas zu brav, gar bieder. Live ist das schon wieder eine ganz andere Hausnummer und wenn Gilmour „Rattle That Lock“ intoniert, dann klingt das sogar kratzig und rockt. Geht doch!

 

Das ganze Spektakel im Hintergrund braucht man eigentlich nicht. Einfach Augen schließen und „Wish You Were Here“ oder „Money“ genießen. „One Of Those Days“ ist übrigens die einzige Nummer, die auch schon 1971 gespielt wurde. Nach „What Do You Want From Me“ gibt es auch kein Halten mehr und die Fans vor Ort skandieren immer wieder „David, David“ – natürlich sehr zur Freude des Meisters. „Fat Old Sun“ wird mit einem fetten Rot in Szene gesetzt. Atmosphärisch ist das schon toll und macht Spaß anzusehen. Das Blitzlichtgewitter „Run Like Hell“ ist für die Augen allerdings etwas anstrengend. Visuell ist das natürlich alles perfekt auf die Songs abgestimmt worden und somit wird „The Blue“ in blauen Bühnennebel gehüllt.

 

Noch ein paar Worte zu Schnitt und Kameraführung. Auch hier wurde ganz Arbeit geleistet. Man ist ganz nahe an den Musikern dran, aber auch die Fans wurden bedacht. Hin und wieder zieht das Bild auf und man sieht von oben das komplette und beeindruckende Amphitheater. Weniger beeindruckend ist allerdings die spärliche Zuschauermenge, die man hineinlassen durfte. Das wirkt dann schon etwas verloren. Und Gilmour selber hat – für mich – immer noch die Ausstrahlung einer Parkuhr, von seiner Persönlichkeit kommt einfach nichts rüber. Aber darauf kommt es ja nicht an, wer derartige Musik im Gepäck hat und die Saiten auf der Gitarre wie kein Zweiter zum Klingen bringt, muss sicher nicht die Rampensau geben. Das Bonusmaterial ist mit einer kurzen Doku allerdings etwas spärlich ausgefallen.

 

Fazit: Die Blu-ray „Live At Pompeii“ von David Gilmour ist im Hinblick auf das Bild und den Ton ein Referenzwerk. Die Erwartungen waren in dieser Hinsicht extrem hoch und wurden sogar noch übertroffen. Ein Hochgenuss! Gefilmt in 4k kann man hier jeden Bartstoppel sehen. Schnitt und Kameraführung sind ebenfalls herausragend. Die Band, die Gilmour zur Seite steht, ist ebenfalls ganz famos. Die Songs sind es sowieso, aber auch die muss man erstmal interpretieren können. Das Bonusmaterial ist etwas dürftig, aber das ist verschmerzbar. Insgesamt dürfte das eine der besten Veröffentlichungen auf dem diesjährigen Blu-ray-Musikmarkt sein!

 

http://www.davidgilmour.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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