Bruce Springsteen: Springsteen & I (Blu-ray)

Bruce Springsteen: Springsteen & I (Blu-ray)

Edel/Eagle Vision

VÖ: 25.10.2013

 

Wertung: 7/12

 

Bruce Springsteen ist mittlerweile eine Ikone der Rockmusik und wird von seinen Fans derart geliebt, dass es schon über die normale Verehrung für einen Musiker hinausgeht. Springsteen ist ja kein Teeniestar mehr, sondern zieht vielmehr Leute mittleren Alters bis hin zum Anhänger im Ruhestand. Freilich bringen sie zu den Konzerten mittlerweile auch alle ihre Kinder mit und so hat dies oft etwas von einem Treffen der Generationen. „Springsteen & I“ versucht nun diese Liebe anhand einer Dokumentation einzufangen und scheitert in dieser Hinsicht zwar nicht, aber alles in allem ist diese zusammengewürfelte Aneinanderreihung von Plattitüden eine grandiose Vollkatastrophe! Wohlgemerkt der Film, die Blu-ray hält ja zum Glück noch ein paar weitere Schmankerl bereit.

 

Das in „Springsteen & I“ nicht mal im Ansatz ein bisschen Platz für Zwischentöne oder ein paar kritische Ansätze zu finden sind, geschenkt. Das hat letztlich auch sicher niemand erwartet, denn darauf ist diese Dokumentation schließlich nicht ausgelegt. Fans dürfen hier ihre persönliche Sicht und Erfahrungen mit und über Springsteen kundtun. Ein Film von Fans für Fans und Bruce Springsteen hat das Werk voll und ganz unterstützt. Soweit so gut und von der Ausgangssituation ungemein spannend. Gut, dass man vorab schon herausgestellt hat, dass „Spingsteen & I“ nur für Fans gedacht ist. Wer nur eine „Best Of“ im Schrank stehen hat oder sich für den Live-Künstler Springsteen interessiert, kann dieses Teil getrost im Regal stehen lassen.

 

Hier werden so sensationelle Dinge – übrigens teilweise anhand von Handyfilmchen – erzählt, wie es ist mit dem LKW durch die Wüste zu fahren und dabei Springsteen zu hören. Aha. Da wäre man ja nicht drauf gekommen. Hören sich Springsteen Songs nicht immer so an, als würde man gerade durch die Wüste Amerikas fahren? Immerhin sieht man der Lastwagenfahrerin gerne zu, wie sie davon berichtet. Die Wirkung ohne den O-Ton wäre allerdings noch besser. In dieser Qualität geht es weiter. Da weiß eine Mutter zu berichten, wie sehr sie Springsteen liebt und zerrt dann auch noch ihren Sohn vor die Kamera, der dann auch ähnliche Belanglosigkeiten vom Stapel lassen darf. Immerhin gibt es einen Typen im Auto zu bewundern, der von seinen eigenen Worten über Springsteen derart ergriffen ist, dass er losheulen muss. Die Kamera hält drauf oder besser – man hat auch diesen Fremdschämaugenblick in diesem Film gelassen. In dieser Qualität geht es weiter und man kämpft fast 90 Minuten dagegen an, dass man nicht einschläft – wären da nicht die kleinen Lichtblicke.

 

Es gibt nämlich durchaus dieses rührige Material, wovon man sich mehr gewünscht hätte. Da haben wir den Elvis Imitator, der nur einen großen Wunsch in seinem Leben hatte: einmal mit Springsteen auf der Bühne stehen. Der Boss geht während eines Konzerts spontan darauf ein, lässt den Fan auf die Bühne und zusammen gibt es eine Elvis-Performance. Oder der Typ, der am Tag des Springsteen-Konzerts von seiner Freundin verlassen wurde und das unbedingte Bedürfnis verspürte, dies per Schild mitzuteilen. Auch darauf reagiert Springsteen und holt den jungen Mann auf die Bühne und spendet Trost und plaudert noch ein bisschen aus dem Nähkästchen, dass er auch viele Beziehungen hatte, die Damen ihm aber alle den Laufpass gegeben hätten und dann kam der Scheck von der Plattenfirma über seinen ersten Vorschuss, was ihm natürlich auch ungeheure Genugtuung bereitete. Das sind doch die Momente, für die man Springsteen so liebt und davon hätte man hier gerne mehr gesehen. Es gibt noch die junge Dame, die während des Konzerts von Springsteen auf die Bühne geholt wurde. Das alles darf man auch anhand kurzer Videos bewundern und in diesen Momenten weiß dieser Film dann auch zu fesseln. Der Rest setzt sich aber aus Banalitäten zusammen. Euphorische Momente sucht man da fast immer vergeblich, da wären Fans von Silbermond mehr bei der Sache. Stellen sich also ein paar Fragen: Warum dieser Film? Gab es kein besserer Material? Sind die Springsteen-Fans am Ende des Tages doch nicht anders wie der Rest? So hätte es auf jeden Fall ausgereicht „Springsteen & I“ auch auf irgendeinem Kunst- und Musikkanal zu präsentieren.

 

Über Bild und Ton muss man sich da kaum unterhalten, denn das eingesandte Material ist höchst unterschiedlicher Qualität, da findet man auf YT garantiert besseres Videos. Aber wie heißt es so schön? Für Fans von Fans! Allen anderen wird sich der Mythos Bruce Springsteen so jedenfalls kaum erschließen. Schade!

 

Das Bonusmaterial rettet da aber noch einiges. Die Aufnahmen vom „Hard Rock Calling 2012“ - in aller Munde da der Strom abgestellt wurde – sind teilweise brillant. Wie Springsteen da zu Beginn ohne seine Band „Thunder Road“ zelebriert sorgt für eine ganz dicke Gänsepelle. „Because The Night“ hat einen völlig losgelösten Nils Lofgren an den sechs Saiten zu bieten. Und dann wäre da noch die gemeinsame Darbietung von „When I Saw Her Standing There“ und „Twist And Shout“ mit Paul McCartney. Eine Sternstunde! Mehr! Mehr! Mehr! Da bekommt der Mythos Bruce Springsteen endlich ein Gesicht.

 

Zum Schluss gibt es noch einen Film, der alles das einlöst, was man sich von „Springsteen & I“ versprochen hatte. Hier sieht man noch mal einige jener Fans, die im Hauptfilm schon zu Wort kamen. Springsteen hatte wohl um dieses Treffen gebeten nachdem er den Rohfilm gesehen hatte. Ja, Sprinsteen ist immer noch einer von uns und in diesen Momenten wirkt das nicht aufgesetzt, sondern ungemein geerdet und bodenständig. Man nimmt ihm dieses Engagement vollends ab. Der Höhepunkt ist wohl erreicht, als er einem Dänen sein Armband umbindet. Springsteen hat verstanden, Springsteen ist immer noch der junge Musiker, der sich mit seinem Publikum identifiziert. Das, was „Springsteen & I“ im Hauptfilm fast nicht schafft, rücken diese paar Minuten wieder gerade. Bleibt zu hoffen, dass auch alle die Fernbedienung bemühen und nicht schon vorher eingeschlafen sind.

 

Fazit: „Springsteen & I“ lebt größtenteils von dem grandiosen Bonusmaterial. Egal ob es die Konzertausschnitte sind oder das Treffen von Springsteen mit einigen Fans, hier wird einem der Musiker und Mensch Bruce Springsteen sehr schön näher gebracht. Der Hauptfilm setzt sich aus überraschend vielen Banalitäten zusammen, die den Nicht-Hardcore-Fan erstaunlich kalt lassen. Man sollte zuerst die Bonussektion bemühen, den eigentlichen Film kann man sich immer noch als Einschlafhilfe geben. Hardore-Fans brauchen die natürlich nicht!

 

http://brucespringsteen.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

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