Beatsteaks: Muffensausen (2 DVDs + CD)

Beatsteaks: Muffensausen (2 DVDs + CD)

Warner

VÖ: 07.06.2013

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Die deutsche Musiklandschaft ist nicht gerade reich gesegnet mit Bands, die auch international mithalten könnten. Wirft man alles in die Waagschale, dann gibt es eine Ausnahme die alle anderen überstrahlt. Gerade die Livequalitäten sind unbestritten. Daran können weder die Hosen, Ärzte, Rammstein und wie sie alle heiße mögen, heranreichen. Die Beatsteaks aus Berlin nehmen da in gewisser Weise eine Sonderstellung ein. Was den Sympathiefaktor betrifft kann ihnen sowieso nur Dave Grohl das Wasser reichen. Warum das so ist? „Muffensausen“ kaufen, für 5 ½ Stunden einbuddeln, staunen und genießen. Alles weitere erübrigt sich dann sowieso.

 

Mit ihrem letzten Werk „Boombox“ legte die Band ihr bisher erfolgreichste Album vor und natürlich landete die Platte ganz oben in den Charts. Die Tour führte die Band in die größten Hallen, auf die großen Festivals, aber auch in kleine Clubs – so wie es die Jungs mögen. „Muffensausen“ hat dies nun alles für die Nachwelt festgehalten. Es wäre ja auch zu schade gewesen, wenn man diese Wahnsinnszeit – auch für die Fans – nicht zugänglich machen würde. Es mag jetzt wieder Nörgler geben, die den großen Ausverkauf wittern und früher sowieso alles besser fanden. Großartige Songs schreiben, Geld verdienen und trotzdem mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben schließt sich aber nicht aus und bei den Beatsteaks schon gar nicht. Es sei ihnen von Herzen gegönnt und sind wir doch einfach mal stolz, dass wir so eine Kapelle haben.

 

„Muffensausen“ dürfte das bisher größte Projekt in der Geschichte der Berliner Liedermacher sein. Mehr Material geht in diesem Karrierestadium sicher nicht. Hat man dies alles gesichtet, gehört und halbwegs verarbeitet, dann bleibt die wunderbare Erkenntnis, dass Quantität und Qualität sich nicht zwangsläufig gegenseitig ausschließen. Mit viel Herzblut wurde das Material der beiden DVDs zusammengestellt. Das rockt wie Sau, ist aber ebenso witzig und schlägt sogar ein paar nachdenkliche und ruhige Zwischentöne an. Die Beatsteaks lassen den Zuschauer ein Stück in ihre Welt und somit gibt es auch tonnenweise Material, welches einen Blick hinter die Kulissen wirft. Man ist ebenso Backstage dabei, wie im Tourbus, auf dem Festivalgelände hinter der Bühne, bei den Sekunden vor der Show, im Proberaum oder bei Torsten Scholz in der Küche. Man begleitet Bernd von seiner Wohnung zum Clubkonzert, kriegt eine ungefähre Ahnung davon was ein Videodreh mit den Beatsteaks bedeuten kann und man erfährt was es heißt Tourbusfahrer bei dieser Kapelle zu sein. Wie wird überhaupt eine Vinyl-Scheibe der Beatsteaks hergestellt? Auch das wird erklärt und man kann sogar einen Blick in das Presswerk werfen. Dendemann ist auch dabei und ist einfach, nun ja, Dendemann – also großartig.

 

Die Videos seit 2007 sind auch enthalten. Guckt man selbige alle hintereinander weg, dann ist schon einer kleiner Hang zum kontrollierten Wahnsinn bei den Beatsteaks auszumachen. „House On Fire“ kommt dann allerdings ohne die Band aus, dafür spielen Vater und Sohn Ochsenknecht sich selbst – irgendwie jedenfalls. Die komplette erste Staffel von Beat TV ist sowieso der Knaller. Die Herren haben abseits der Musik durchaus auch noch andere Talente. Der heimliche Höhepunkt des Bonusmaterials ist aber „Fresse Halten, Bass Spielen“. Diese Dokumentation befasst sich wiederum mit Torsten Scholz, der nicht ohne Stolz davon berichtet wie er als Bassist von den Beatsteaks angeheuert wurde, obwohl er kaum bis gar nicht spielen konnte. Dies geschieht natürlich nicht ohne eine große Portion Selbstironie. Augenzwinkern gehört ja sowieso zu den Beatsteaks wie die Luft zum Atmen. In „Fresse Halten, Bass Spielen“ wird selbstverständlich auch den übrigen Bandmitglieder genug Raum eingeräumt und letztlich ist dies ein weiteres Mosaiksteinchen zur großen Beatsteaks-Dokumentation.

 

Das Herzstück von „Muffensausen“ stellt letztlich der Konzertfilm dar. Da dieses Gesamtpaket die Höchstwertung erhalten hat, müssten diese 110 Minuten eigentlich perfekt sein. Sind sie aber nicht! Die Bildqualität schwankt doch sehr und auch der Schwarzwert ist alles andere als optimal. Die Kompression hätte an der einen oder anderen Stelle sicher auch noch Luft nach oben gehabt. Je nachdem wie die Bühne ausgeleuchtet ist, schleichen sich auch ein paar Streifen ein. Bilderrauschen konnte auch nicht ganz vermieden werden. Der Schnitt ist zudem nicht fehlerfrei. Da steht der Arnim noch im karierten Hemd auf der Bühne und im nächsten Augenblick winkt er nett in das Publikum – im T-Shirt. Und was ist das alles? Es ist – Entschuldigung – scheißegal, denn wie es bei den Beatsteaks und dem ganzen Team drumherum der Fall ist, sieht und hört man dieser ganzen Produktion an, dass da eine ganze Menge Herzblut reingeflossen ist. Authentizität ist ja ein oftmals strapazierter Begriff, auf diese Band trifft selbiger aber voll und ganz zu. Und nicht, dass da ein falscher Zungenschlag reinkommt, meist ist auch das Bild großartig – egal ob s/w oder in Farbe – nur eben nicht (immer) perfekt. Das Menü ist sehr schön, weil simpel und zweckmäßig – eben so, wie es sein sollte. Der Sound ist meistens amtlich,

 

Der Konzertfilm „Muffensausen“, setzt sich letztlich aus folgenden Komponenten der Boombox Tour 2011/2012 zusammen: Max Schmeling Halle, Berlin 2011 // Highfield Festival 2012 // Area 4 Festival 2012 // Wuhlheide, Berlin 2011 // ein Clubkonzert in der Schweiz 2012. Dazu kommen Ausschnitte von den Proben zur TwoDrummerSummer Tour im Schaltraum Studio zu Berlin 2012. Da sind tolle Bilder und Aufnahmen dabei. Die Band läuft teilweise ungläubig durch die Szenerie und macht große Augen wie die Kinder an Weihnachten. Schön zu sehen, dass die Truppe nach all den ganzen Konzerten sich immer noch diese unbändige Freude bewahrt hat. Dies überträgt sich schließlich auch auf die Zuschauer – immer. Die Beatsteaks sind ohne Zweifel eine der besten Livebands überhaupt! Und mal ehrlich, wer „Hand In Hand“, „Hello Joe“, „Jane Became Insane“, „Fix It“ und „Cheap Comments“ geschrieben hat - um nur einige zu nennen - kann natürlich auch jeden Abend eine große Party feiern und ein Hitfeuerwerk abbrennen. Und dass ein Konzert in der Wulheide etwas ganz spezielles für die Band ist, wird hier sehr schön eingefangen.

 

Abgerundet wird die ganze Kiste durch die beiliegende CD. Hier gibt es dann auch den neuen Track „SaySaySay“. Gut, die Nummer hat vielleicht nicht mehr als B-Seiten Charakter, aber dafür ist natürlich „Neat Neat Neat“ wieder ein richtiger Knaller! Und der Rest dann live - ab dafür!

 

Fazit: Lange hat man keine DVD(s) einer Band mehr in der Hand gehabt, die man in einem Rutsch gucken kann und die derart begeistert. Selbst das Bonusmaterial überzeugt auf ganzer Linie. Die Beatsteaks mögen nicht perfekt sein, machen aber das, was man von jedem Fußballverein erwartet: kämpfen. Über den Kampf zurück ins Spiel und damit kriegen sie jeden. Abgesehen davon haben sie Melodien für Millionen im Gepäck. „Muffensausen“ bietet tolle 5 ½ Stunden der besten Liveband der Republik – mindestens! Abgesehen davon ist das so ziemlich die sympathischste Band des Planeten – na gut, mit Dave Grohl und seinen Foo Fighters! Authentisch, authentischer, Beatsteaks!

 

http://beatsteaks.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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