Aerosmith: Rocks Donington 2014 (Blu-ray)

Aerosmith: Rocks Donington 2014 (Blu-ray)

Eagle/Edel

VÖ: 04.09.2015

 

Wertung: 8/12

 

Im letzten Jahr waren Aerosmith die Headliner des Donington Festivals. Da dies ein großes Volksfest ist und die Zuschauermenge beachtliche Dimensionen bietet, wurde die ganze Sause direkt in HD mitgefilmt. Wie es bei solchen Massenveranstaltungen üblich ist, kommt das Set kaum über die 90 Minuten hinaus. Mehr gibt es auch auf der Blu-ray nicht zu sehen. Ein bisschen Bonusmaterial wäre schon ganz nett gewesen und da hätte sich doch sicher etwas finden lassen, der Ort hätte da ja genug Möglichkeiten geboten. Für Fans ist „Rocks In Donington“ natürlich Pflicht und enttäuscht werden diese ganz sicher nicht sein. Aerosmith liefern hier das ab, was man von dieser Kapelle erwartet.

 

Vor dem Konzert gibt es noch ein paar Backstageimpressionen. Die älteren Herrschaften von Aerosmith werden getrennt voneinander untergebracht, damit sich ein jeder auf das Wesentliche konzentrieren kann. Bei Steven Tyler kommen jede Menge junge Damen aus dem Container. Das Image will selbstverständlich gepflegt werden – natürlich mit einem Augenzwinkern. Guckt man sich den eigentlichen Auftritt an, dann drängt sich sowieso der Eindruck auf, dass Aerosmith in einer Zeitblase gefangen sind und sich immer noch in den 70ern wähnen. Da wird jede Pose und jedes Relikt aus vergangenen Tagen gepflegt. Meinen die das tatsächlich so? Ja, tun sie! Daran gibt es keine Zweifel!

 

Die Hitdichte ist schon beeindruckend. Wer „Eat The Rich“ oder „Love In An Elevator“ gleich zu Beginn des Sets setzt, muss noch einiges im Köcher haben. Das weiß auch Steven Tyler, der als Indianerhäuptling (sic!) auf die Bühne kommt. „Cryin´“ wird von den Zuschauern lauthals mitgesungen und „Livin´ On The Edge“ abgefeiert bis der Körper dehydriert. Die Stimmung bei den Zuschauern ist bestens und textsicher sind sie auch. „Last Child“ ist der erste Stimmungskiller und mit „Freedom Fighters“ kriegt Joe Perry dann auch seinen Keith Richards-Moment. Was bei den Stones schon langweilig bis nervig ist, ist es bei Aerosmith umso mehr. Die Gitarristen sollten einfach bei ihrem Kerngeschäft bleiben und nicht auch noch meinen, sie müssten sich gesanglich hervortun. Aerosmith und die Rolling Stones sind aber sowieso Brüder im Geiste. Böse Stimmen würden davon sprechen, dass die Amerikaner eine billige Kopie sind.

 

Man würde den Herrschaften damit aber auch unrecht tun. Denn wer „Janie´s Got A Gun“, „Toys In The Attic“ oder „Dude (Looks Like A Lady)“ im Gepäck hat kann was. Punkt. „Come Together“ wird natürlich frenetisch gefeiert, aber mal ehrlich: die Beatles sollte man nicht covern! Zum Schluss kommt dann das unvermeidliche Feuerwerk der Frühphase: „Walk This Way“, „Dream On“, „Sweet Emotion“ und „Mama Kin“. Bei „Dream On“ sitzt dann Tyler an den Tasten. Zum Schluss steht Perry auf dem Instrument – der gute Steven tut es ihm gleich. Rock and Roll. „Sweet Emotion“ unterstreicht auch noch mal, dass Bon Jovi für „Livin´ On A Prayer“ dreist bei Aerosmith geklaut haben. „Mama Kin“ ist auch nicht umsonst einer der Lieblingssongs von Slash. Aerosmith liefern hier das ab, was man von ihnen erwarten konnte. Wäre ja auch seltsam, wenn sie sich an der Darbietung nun nach all den Jahren etwas ändern würde. Brad Withford sieht allerdings mittlerweile wie der nette Opa von nebenan aus, der besser in einem Kellerklub aufgehoben wäre. Tom Hamilton grinst sich eins und Joey Kramer bearbeitet die Felle wie eh und je wie ein Uhrwerk, muss aber sichtlich mehr Anstrengung aufbringen. Der Zahn der Zeit nagt eben auch an Aerosmith und von daher ist diese Performance umso beeindruckender.

 

Der Klang – wahlweise in DTS-HD Master Audio oder LPCM Stereo - ist schon recht satt und fein austariert. Erfreulicherweise hat man kleine Fehler oder ein paar schiefe Töne nicht nachbearbeitet oder verändert und somit kann sich, bei entsprechender technischer Ausstattung, durchaus ein Konzertgefühl in den heimischen vier Wänden einstellen. Das Bild ist gut, aber keine Sensation. Bei voller Ausleuchtung der Bühne wirken die Farben recht natürlich und insgesamt ist das schon sehr detailreich. Ein Rauschen ist nicht zu sehen. Der Schwarzwert ist allerdings nicht das gelbe vom Ei. Oftmals ist das Bild auch viel zu dunkel und dann macht das schon weniger Spaß. Und wer kam bitte auf die Idee das auch noch künstlich mit ein paar psychedelischen Farben und Effekten auszustatten? Zeitlupen oder das Bild einfrieren hätte man auch nicht gebraucht und ein bisschen weniger Hektik in der Bildabfolge wäre auch schön gewesen.

 

Fazit: „Rocks Donington 2014“ zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise, dass Aerosmith den Rock and Roll der alten Schule immer noch zelebrieren wie kaum eine andere Band. Die Band hat dazu ja auch die entsprechenden Hits im Gepäck. Einer der letzten Dinosaurier seiner Art. Beeindruckend, dass die älteren Herren das noch so auf die Reihe kriegen. Der Ton lässt keine Wünsche offen, das Bild ist aber hier und da gewöhnungs- bis verbesserungswürdig. Für Fans ist diese Blu-ray Pflicht!

 

http://www.aerosmith.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Aerosmith: Rock For The Rising Sun – A Concert Film Event

Aerosmith: Rock For The Rising Sun – A Concert Film Event

Eagle Vision/Edel

VÖ: 19.07.2013

 

Wertung: 8,5/12

 

2011 war kein einfaches Jahr für die Menschen in Japan. Ein Erdbeben löste eine unfassbare Kettenreaktion aus und der daraus folgende Tsunami stürzte das Land in eine nukleare Katastrophe von unglaublichem Ausmaß. Im Herbst 2011 kamen Aerosmith für ihre „Back On The Road“ Tour in das Land. Alle Warnungen schlugen sie selbstverständlich in den Wind. Die Konzerte glichen, wie nicht anders zu erwarten, einem Triumphzug und halfen den Fans dabei die schlimmen Ereignisse zumindest für ein paar Stunden zu vergessen. Dies alles soll nun „Rock For The Rising Sun“ dokumentieren.

 

Aerosmith haben in ihrer langen Karriere schon viele Höhepunkte, aber auch so manche Tiefpunkte verkraften müssen. Mittlerweile sind die Herren aber routiniert genug, um die Geschehnisse auf der Bühne regelrecht zu zelebrieren. Alles andere bleibt hinter den Kulissen. Die vorliegende DVD ist dementsprechend musikalisch sicherlich ein Genuss – aber dazu später mehr. Als Schwachpunkt muss man hier leider die fehlende Atmosphäre nennen. Der zusammenhanglose Mitschnitt von den verschiedenen japanischen Auftrittsorten mag ja noch dokumentarischen Charakter haben, aber warum die Macher es nicht geschafft haben das Publikum in diese Produktion einzubauen, hinterlässt doch ein großes Fragezeichen. Mitunter könnten die Songs auch von jeder anderen beliebigen Halle der Welt stammen. Die einzelnen Bandmitglieder werden zwar wunderbar in Szene gesetzt, die Zuschauer vor Ort leider überhaupt nicht. Es kommt so nicht mal ansatzweise etwas an, Aerosmith könnten auch vor leeren Rängen spielen – ein Unterschied wäre kaum auszumachen! Schade, hier wurde doch sehr viel verschenkt, denn der Konzertcharakter fehlt so gänzlich.

 

Die Qualität des Bildes ist schwankend. Von brillant bis unterer Durchschnitt ist alles dabei. Der Schwarzwert ist hervorragend. Ein Graining ist nicht nicht zu sehen und alles in allem ist das für eine Standard-DVD überraschend brillant ausgefallen. Bei voll ausgeleuchteter Bühne sind die Farben kräftig und sehr natürlich. Kompressionsfehler sind ebenfalls kaum zu erkennen und auch hier wurde insgesamt ein sehr schönes Ergebnis erzielt. Dies kann man leider von den S/W-Passagen nicht unbedingt behaupten. Es mag so gewollt sein, aber das alles ist noch aus Großmutters Zeiten. Alle Bildfehler, die man in der heutigen Zeit eigentlich längst zu den Akten gelegt hat, treten da auf. Zum Glück hat man dieses Stilmittel nur sehr selten eingesetzt. Der Schnitt ist gut und das Geschehen auf der Bühne wurde sehr gut eingefangen und die einzelnen Kameraperspektiven kann der geneigte Zuschauer auch mal länger bewundern. Insgesamt kann man da zusammenfassend festhalten: Daumen hoch. Der Ton wirkt manchmal etwas steril - da wurde im Studio doch deutlich nachgeholfen. Die Zuschauer vor Ort sind fast überhaupt nicht zu hören. Die Instrumente kommen zwar recht satt aus den Boxen und das macht schon eine Menge Freude, aber trotzdem fehlt hier die Atmosphäre.

 

Als Bonusmaterial liegen mit „Lick And Promise“ und „One Way Street“ zwei zusätzliche Songs vor. Zwischen den einzelnen Tracks des Hauptsets sieht man die Band immer wieder bei Streifzügen durch Japan. Man darf Joe Perry bei seiner Passion des Messersammelns begleiten, erfährt etwas über die Kälte in Sapporo, das japanische Zugsystem oder man sieht der Band einfach nur dabei zu, wie diese im Bus abhängt. Das ist zwar ganz nett, aber guckt man sich das mehrmals an? Eher nicht. Umso schöner wäre es gewesen, wenn die DVD einen Menüpunkt enthalten würde, bei dem man das ausblenden könnte ohne dabei großartig mit der Fernbedienung spielen zu müssen.

 

Aerosmith selber unterstreichen hier, dass sie immer noch rocken können. Auch im fortgeschrittenen Rockeralter geben die Jungs noch eine gute Figur ab. Fixpunkte sind natürlich Steven Tyler und Joe Perry. Auch Tom Hamilton wagt sich immer wieder auf den Laufsteg und sucht die Interaktion mit dem Publikum. Joey Kramer hinter der Schießbude bekommt auch noch seinen Soloauftritt und darf mal zeigen, was es heißt die Drums zu bearbeiten – notfalls auch mit den bloßen Händen und dem Kopf(!). Brad Whitford ist eher der stille Part der Band und wirkt etwas unterrepräsentiert. Er konzentriert sich eben voll und ganz auf sein Spiel. Ein japanischer Konzertgänger bringt es aber auf den Punkt, wenn es um die Faszination von Aerosmith geht: nach all´ den Jahrzehnten spielen sie immer noch in der Besetzung der Anfangstage und sind mit vollem Herzen dabei. Dies kann man so stehen lassen und unterschreiben. Na gut, zwischendurch gab es auch mal kurzfristige Änderungen bei der Gitarrenbesetzung, aber die kann man getrost unter den Tisch fallen lassen. Die Songs sind gut durchgemischt und von „Draw The Line“, über „Love In An Elevator““, „Living On The Edge“, „Mama Kin“, „Toys In Attic“, Sweet Emotion“ bis hin zu „Walk This Way“ ist vieles dabei, was man von Aerosmith erwartet. Natürlich fehlt auch eine Menge, aber bei dem Backkatalog bleibt das ja nicht aus.

 

Fazit: „Rock For The Rising Sun – A Concert Film Event“ ist eine sehr ordentlich DVD mit kleinen Schönheitsfehlern. Die Band selbst ruft alles ab, was sie sich über die Jahrzehnte auf der Bühne antrainiert hat. Aerosmith sind immer noch eine Wucht. Bild und Ton könnten hier und da etwas besser sein, sind über weite Strecken aber mehr als in Ordnung. Der Schnitt ist erfreulicherweise sehr gut geworden. Schade, dass man das Konzertpublikum fast komplett vor der Tür gelassen hat. Für Fans ein absolutes MUSS - wer Aerosmith mag, sollte dieser DVD aber auch eine Chance geben!

 

http://www.aerosmith.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch