The Bros. Landreth: Come Morning

The Bros. Landreth: Come Morning

Birthday Cake Records/The Orchard 

VÖ: 13.05.2022

 

Wertung: 8/12

 

Die Brüder Joey und Dave Landreth veröffentlichen mit „Come Morning“ nun schon das dritte gemeinsame Studioalbum. Es hat etwas gedauert, bis die beiden musikalisch gemeinsame Wege beschritten. Zunächst verdiente sich jeder in unterschiedlichen Projekten seine Sporen als Sidekick. Als The Bros. Landreth sind die beiden Kanadier nun in gewisser Weise als Duo unterwegs. Als Mitmusiker sind zwar oftmals Freunde, welche die beiden schon seit Kindheitstagen kennen, mit am Start, sie betonen aber immer wieder, dass The Bros. Landreth aber keine Band wären, sondern eben nur ein Projekt des Brüderpaars.

 

„Come Morning“ ist nun in der Arbeitsweise etwas anders ausgefallen. Die Pandemie legte das Tourleben lahm und somit konnte sich im Studio auch ausgetobt werden. Erstmals produzierte Joey Landreth in Zusammenarbeit mit Murray Pulver die Songs. Atmosphärische Synthesizer, Orgel und natürlich Gitarren bestimmen das Klangbild. Es wurde viel gefeilt und weniger auf eine Live-Atmosphäre gesetzt und notfalls wurde ein Song eben komplett auseinandergenommen und wieder aufgebaut.

 

„Drive All Night“ vereint dies alles unter einem Songdach. Der Beginn hört sich dann eher nach einem neuen James Blake-Stück an, während der Track im weiteren Verlauf in soulige Gefilde abbiegt und zum mehrstimmigen Gesang Richtung Pop-Olymp abhebt. Die Albumversion ist übrigens wesentlich interessanter als der Zusammenschnitt für die Radiostationen. Die beiden bleiben grundsätzlich dem Americana-Genre treu. Das mag mit „Stay“ dann auch mal deutlich in Richtung Soul ausschlagen, das nachdenkliche, von der Slide Guitar dominierte „What In The World“ ist aber wieder sehr deutlich dort anzusiedeln. Das sehr langsame „You Don´t Know Me“ geht ebenfalls in diese Richtung. Ein Track, der zudem die Zeit anzuhalten scheint.

 

Die Stärke von The Bros. Landreth ist der mehrstimmige Gesang. „Shame“ wird so zu einem beschwingten, fluffigen Song, welcher gesanglich an Crosby, Stills und Nash – ja, ohne Young – erinnert. „After The Rain“ klingt dabei wie so viele andere der neuen Country-Generation. Das ist dann zu sehr glatt poliert. „Don´t Feel Like Crying“ geht dann mit Leith Ross eher in eine Richtung, die Ryan Adams auch immer mal wieder beackert, Das ist groß. „Corduroy“ hat nichts mit dem gleichnamigen Pearl Jam-Kracher zu tun, sondern pluckert hier schwebend dahin. „Come Morning“ und besonders „Back To Thee“ haben sogar ein paar kleine Jazz-Anleihen untergebracht. Versteckt, aber sie sind da. Würde eine Frau diese Songs singen, dann wäre es wohl Norah Jones.

 

Fazit: The Bros. Landreth haben mit „Come Morning“ ein Album aufgenommen, welches weniger von der Live-Energie der Konzerte herrührt, sondern mit viel Studioarbeit entstanden ist. Dazu gesellen sich dann auch für das Americana-Genre untypische Synthesizer. Der mehrstimmige Gesang ist mal wieder für eine Gänsehaut gut. An der ein oder anderen Stelle wird es etwas zu poppig und ist dann zu sehr auf ein Mainstreampublikum zugeschnitten, aber über weite Strecken ist die Musik alles andere als beliebig und mit sehr viel Liebe zum Detail ausstaffiert worden.

 

https://www.thebroslandreth.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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