Roland Van Campenhout: Wonderful Human Beings

Roland Van Campenhout: Wonderful Human Beings

Meyer Records/Rough Trade

VÖ: 01.04.2022

 

Wertung: 8/12

 

Den fast 78-jährigen Roland Van Campenhout als Kauz zu bezeichnen ist noch leicht untertrieben. Der Mann ist ein Unikum und ein Original. Solche Leute sind im Musikgeschäft mittlerweile rar gesät. Sein neustes Album wurde über viele Jahre auf den Weg gebracht und spottet mal wieder jeder Beschreibung. Die Tonaufnahmen stammen aus den Jahren 1995 – 2020, wurden bisher aber nicht veröffentlicht. Und so klingt es auch, einen roten Faden gibt es hier nämlich nicht. Roland Van Campenhout eben – zur Freude seiner Fans!

 

Das Album ist dann entsprechend durchgeknallt. Einem erkennbaren Schema folgt der Meister hier nicht. Es sei denn, dass das Schema heißt: alles ist erlaubt. „Where Are My Kum-Quats“ ist – ja was ist das eigentlich? Dadaismus? Sphärische Klänge? Das ist durchaus sehr hörenswert und entfaltet eine tolle Wirkung! Man wird mit ordentlich Sogkraft in dieses Stück hineingezogen. „Conquistador Rock“ ist übrigens ein instrumentales Stück zum Auftakt. „Faits Divers“ lässt dann erstmals die Stimme des Meisters erklingen. Das ist eine Voodoo-Beschwörung, wie man sie auch von Tom Waits und Lou Reed her kennt. Die psychedelischen Elemente erinnern dabei an Captain Beefheart. Das könnte man aber ja im Grunde über jeden Song des Mannes sagen und schreiben. „Believe No More“ mit seiner Monotonie stößt ab oder begeistert, dazwischen gibt es nichts.

 

„King Kong“ ist eine Mischung aus Folk, Blues, Reggae und Rap(?)! Treibend und beschwörend. „Lady Cardigans Wedding Dress“ guckt als instrumentale Streicher-Nummer auch noch mal eben bei der Klassik vorbei, während „Everybody Must Have A Fantasy“ ziemlich abgefahrene Soundeffekt aufführt. Nach Indien geht es freilich auch wieder, wie eigentlich immer bei Van Campenhout und mit „Twenty-Four Hours From Tulsa“ gibt es sogar noch eine Coverversion des Bacharach/David-Heulers und zwar in gut.

 

Fazit: „Wonderful Human Beings“ ist ein Album für alle, die mit Captain Beefheart, Tom Waits, Dr. John oder Lou Reed auch etwas anfangen können. Da wird munter zwischen vielen Stilen gewechselt. Die 60er leben wieder auf, ebenso die psychedelischen Klänge oder Einflüsse indischer Musik. Alles kann, nichts muss!

 

http://www.rolandvancampenhout.be/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch