Freddie Mercury: Mr. Bad Guy 40th Anniversary Edition (Vinyl)
Universal
VÖ: 05.12.2025
Wertung: 8/12
Zum vierzigsten Geburtstag wird „Mr Bad Guy“ von Freddie Mercury auf 180 g schwerem, durchscheinendem grünem Vinyl sowie als Picture Disc LP neu veröffentlicht. Als Freddie Mercury 1985 sein erstes Soloalbum auf den Weg brachte, war die Erwartungshaltung schon immens groß. Mercury arbeitete erstmals ohne Queen. Die Erwartungshaltung erfüllte er nicht, denn „Mr. Bady Guy“ war weit weg von Queen und stellenweise ein exzentrisches Popalbum, das zugleich tiefer blicken lässt, als es die grelle Oberfläche suggeriert!
Das Album wurde über einen Zeitraum von mehreren Monaten im Musicland Studio in München aufgenommen. Mercury kannte das natürlich schon, da Queen auch ihre letzten Alben dort produziert hatten. Es wurde von dem Sänger und Reinhold Mack co-produziert, der seit dem äußerst erfolgreichen Album „The Game“ von 1980 mit Queen zusammengearbeitet hatte.
Statt Gitarrenwänden und Bombast-Rock setzten die Protagonisten hier auf Synthesizer, Drumcomputer und orchestrale Arrangements — ein stilistischer Befreiungsschlag, konsequent im Geiste der 80er. Die Produktion ist allerdings auch sehr stark poliert, manchmal überfrachtet und natürlich ein Spiegelbild des bunten Jahrzehnts. Hier geben sich Disco, Euro-Pop und Musical-Dramatik die Klinke in die Hand.
Mercury zeigt sich hier als Komponist, der keine Grenzen kennt. „I Was Born to Love You” und „Living on My Own” sind strahlende Dance-Pop-Hymnen. „There Must Be More to Life Than This” offenbart eine stille Nachdenklichkeit, die an die großen Queen-Balladen erinnert. Der Titelsong „Mr. Bad Guy” ist theatralisch, fast opernhaft – aber das schwang bei Mercury ja sowieso immer mit. Queen war ja schon im Original oftmals ein Musical. Diese stilistische Vielfalt kann man als Mut oder als mangelnde Stringenz interpretieren. Fest steht: Langweilig wird es nie. Mercury brilliert mit seiner Stimme, egal ob flüsternde Balladenintimität oder falsettglitzernde Tanzflächen-Ekstase — er singt mit einer spielerischen Leichtigkeit, die selbst mittelmäßige Momente veredelt.
Der 80er-Produktionsstil kann man als nostalgisch bezeichnen, aber das ist natürlich auch teilweise alles etwas zu sehr poliert und dünn. Da hilft auch die neuerliche Bearbeitung recht wenig. Manche Arrangements wirken wie Experimente, die nie ganz ausgereift wurden. Wer härteren Queen-Sound erwartet, wird hier nicht fündig werden. Doch gerade dieser Bruch ist Teil der Faszination — „Mr. Bad Guy“ ist eben kein Queen-Ableger!
Fazit: „Mr. Bad Guy“ ist ein schillerndes Dokument künstlerischer Freiheit: impulsiv, emotional, überlebensgroß. Es ist vielleicht nicht Mercurys perfektestes Werk, doch eines seiner ehrlichsten. Verletzlich, verspielt, eigenwillig, und jederzeit unverkennbar Freddie Mercury.
Text: Torsten Schlimbach
Freddie Mercury: Never Boring
Universal
VÖ: 11.10.2019
Wertung: 7/12
Freddie Mercury ist auch knapp 30 Jahre nach seinem Tod in der Musikwelt sehr präsent. Spätestens durch den Film „Bohemian Rhapsody“ und die Darstellung von Rami Malek ist Mercury wieder in aller Munde. Seine Solo-Karriere haben allerdings die wenigsten Leute auf dem Schirm. Er ist und bleibt der charismatische Sänger von Queen. Jetzt wird von dem guten Freddie eine umfangreiche Box seiner Soloarbeiten veröffentlicht. Auf 3 CDs und einer Blu-ray oder DVD sollten dann kaum noch Wünsche offenbleiben. Es gibt selbstverständlich auch die abgespeckte Version als Einzel-CD oder Einzel-LP.
Jetzt kann man über Sinn und Unsinn der schnöden Einzel-Veröffentlichungen trefflich streiten. Für Fans ist das sicher nichts, denn so richtig neu ist da natürlich nichts und die raren Sachen bleiben weiter im Schrank für zukünftige Veröffentlichungen. Natürlich ist es auch etwas dürftig, dass man nur zwölf Tracks auf die CD oder LP gepackt hat. Was man sich bei der Wahl des Covers gedacht hat, muss man dann auch nicht hinterfragen. Das Motiv vom Backcover wäre da vermutlich die bessere Wahl gewesen. Immerhin ist diese Pose von Mercury ikonisch. Man sollte sich aber darüber nun wirklich nicht ärgern, denn dieses Album richtet sich in dieser Variante an all jene, die noch nichts von seinen Soloarbeiten im Schrank stehen haben.
Das Set fängt mit dem unwiderstehlichen „The Great Pretender“ an. Diesen Welthit kennt wohl jeder Musikinteressierte. Ein guter Einstieg, der mit dem nicht weniger bekannten „I Was Born To Love You“ im schmissigen Discogewand flankiert wird. Dann folgt „Barcelona“ in der Orchester-Version von 2012. Damals feierte die Nummer damit quasi Jubiläum. Wer erinnert sich aus deutscher Sicht nicht an die Olympischen Spiele in Barcelona? 1992 trat nach der deutschen Wiedervereinigung seit den Olympischen Spielen 1964 wieder eine deutsche Mannschaft aus dem wiedervereinigten Deutschland an und eine unbekümmerte junge Schwimmerin sorgte für Furore.
Das theatralische „In My Defence“ ist als 2000er Remix enthalten. „Living On My Own“ ist im bekannten „No More Brothers Radio Mix“ vertreten. Das war in der Version schon immer eine furchtbar seelenlose Version – eben aufbereitete für die Radiostationen. Stark ist die Orchester Version von „Golden Boy“ aus dem Jahr 2012. Das Klassikstück kriegt durch den Chor einen wunderbaren Gospeleinschlag. Die Ballade „Time Waits For No One“ unterstreicht eindrucksvoll die gesanglichen Qualitäten von Mercury. „She Blows Hot And Gold“ leider auch seine manchmal musikalischen Irrwege. „Made In Heaven“ beendet das Album schließlich. Es ist die Version vom „Mr. Bad Guy“-Album und nicht die Queen-Nummer.
Fazit: Wer schon immer ein paar Solosachen von Freddie Mercury in seiner Sammlung gebraucht hat, kriegt mit „Never Boring“ nun zwölf Stücke auf einer Einzel-CD serviert. Dies ist aber wirklich nur etwas für die Nicht-Hardcorefraktion, denn diese hat das natürlich alles schon so im Schrank stehen. Es lässt sich im Moment eben auch wieder Kohle mit dem Namen Mercury machen. Weihnachten ist ja auch bald. Fans greifen bitte zur üppigen Box!
http://www.freddiemercury.com/
Text: Torsten Schlimbach