Vieux Farka Touré: Les Racines

Vieux Farka Touré: Les Racines

Warner

VÖ: 10.06.2022

 

Wertung: 9/12

 

Der malische Gitarrist Vieux Farka Touré hat ein schweres Erbe angetreten, denn sein verstorbener Vater Ali Farka Touré ist in Afrika sehr geachtet und ein musikalischer Superstar. Touré gilt als bester Gitarrist, den der Kontinent je hervorgebracht hat. Mit „Les Racines“ hat Vieux Farka Touré nun schon sein sechstes Album aufgenommen. Zwei Jahre werkelte er daran. Corona und der Lockdown sorgten ja dafür, dass Musiker kaum andere Dinge tun konnten. Vieux Farka Touré hatte in der Vergangenheit ja schon mit vielen Künstlern, von Dave Matthews bis zu John Scofield, gearbeitet. Jetzt hat er sich mehr auf sich konzentriert und seine Wurzeln in den Fokus gestellt.

 

Interessanterweise ist das Album nicht nur für Fans der Weltmusik geeignet. Hört man sich die Songs aus musikalischer Sicht an, dann kann man sich solche Slogans wie „Hendrix der Sahara“ sparen. Das mag zwar der Werbung dienen, wird dem Künstler aus Mali letztlich aber nicht gerecht, weil es Erwartungen weckt, die er gar nicht erfüllen kann, da er einen gänzlich anderen Stil pflegt.

 

Der Auftakt „Gabou Ni Tie“ erinnert durch den Minimalismus und ganz besonders das Gitarrenspiel an The Velvet Underground! „Ngala Kaourene“ bringt noch klassische westafrikanische Instrumente und einen tollen Backgroundgesang unter. Das hat schon hypnotische Wirkung. Fingerfertig geht es mit dem Titelstück „Les Racines“ weiter. Nachdenkliche und melancholische Klänge schälen sich da aus den Boxen. Eine schöne Instrumentalnummer, die keiner Worte bedarf. „Be Together“ mäandert leider etwas ereignislos dahin.

 

„Tinnondirene“ lässt erahnen, warum manchmal die Bezeichnung Desert Blues fällt, wenn die Rede von Touré ist. „Adou“ entfaltet eine Sogwirkung und zieht einen als Zuhörer schnell in den Bann. „L'Âme“ kommt anschließend verträumt daher, nur um mit „Flany Konare“ wieder den beschwörenden Faden aufzunehmen. „Lahidou“ und besonders das epische „Ndjehene Direne“ bilden den tollen Albumabschluss.

 

Fazit: Vieux Farka Touré hat mit „Les Racines“ ein beeindruckendes Album aufgenommen. Wer The Velvet Underground mag, sollte hier auch mal ein oder zwei Ohren riskieren, denn zumindest der Minimalismus und das Gitarrenspiel erinnern bisweilen daran. Touré verbindet die Einflüsse seiner Heimat mit westlicher Musik auf gekonnte Art und Weise.

 

https://www.vieuxfarkatoure.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch